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Polestar 2: So fährt der Elektro-Volvo aus China

Polestar 2 fahrend auf einer Straße
Polestar 2: Bei ersten Testfahrten absolut überzeugend ∙ © Polestar

Das Elektroauto Polestar 2 bietet viel High-Tech und eine Menge Fahrspaß, so das Fazit der ersten Testfahrt. Plus: Preis, Reichweite sowie die technischen Besonderheiten des Volvo-Ablegers

  • Das Elektroauto im advanced Design soll 470 Kilometer schaffen

  • 300 kW/408 PS sorgen für sehr sportliche Fahrleistungen

  • Polestar-Showrooms in den Großstädten, Verkauf online

Thomas Ingenlath – in einer Person Chefdesigner und Vorstandsvorsitzender der neuen Elektromarke Polestar – weiß, worauf er bauen kann: Erstens auf den chinesischen Automobilhersteller Geely, der als Eigner von Polestar das finanzielle Durchhaltevermögen besitzt. Zweitens auf die schwedische Mutter-Marke Volvo, die das technische Knowhow zur Verfügung stellt. Drittens auf die Erfahrung und das Netzwerk eines Konzerns, der die notwendige industrielle Infrastruktur beherrscht.

Keine Frage, im Vergleich mit so manch anderem Elektroauto-Start-up hat Polestar eine deutlich bessere Ausgangsposition. Nicht einmal der Corona-Virus konnte die Firma aus dem Tritt bringen. Die Fahrzeugproduktion in China hat begonnen. Die ersten Exemplare des Polestar 2 werden in Norwegen und Schweden an Endkunden ausgeliefert. Es läuft.

Preis für den Polestar 2: 53.540 Euro

Auf einer ersten Testfahrt konnten wir uns vergewissern, wie gut der Polestar 2 gegen die Konkurrenz gewappnet ist. 57.900 Euro stand auf dem Preisschild des Testwagens, als Basispreis gibt Polestar 53.540 Euro im Konfigurator an. Vorhandene Extras mitgerechnet wären es bei dem Testwagen des ADAC 61.436 Euro. Nicht gerade wenig. Schaun wir mal, ob es das Auto auch wert ist.

Polestar 2 mit unverwechselbarem Design

Während die Konkurrenz auf die differenzierte Ausgestaltung hochbeiniger SUV setzt und damit doch wieder mehr oder weniger beliebig wirkt, überzeugt die Karosserie des Polestar 2 mit einer außergewöhnlichen Klarheit und Bestimmtheit. Trotz im Fahrzeugboden untergebrachtem Akkupaket bleibt der Polestar 1,48 Meter flach und damit der Form einer klassischen Limousine verpflichtet.

Nachteil der Form ist ein nur 405 bis maximal 1095 Liter fassender Kofferraum. Immerhin erleichtert die große Heckklappe das Einladen von Freizeit-Equipment oder sperrigem Transportgut. Und im Vorderwagen befindet sich ein 35-Liter-Fach, in dem sich die zwei Ladekabel bequem verstauen lassen und nicht im hinteren Gepäckabteil herumfliegen oder im Weg liegen müssen.

78-kWh-Batterie, 470 Kilometer Reichweite

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Die Batterie im Unterboden hat eine Kapazität von 78 kWh und soll dem Polestar 2 eine Reichweite von bis zu 470 Kilometer, in der Stadt prinzipbedingt sogar noch mehr, ermöglichen. Als durchschnittlichen Verbrauchswert gibt der Hersteller weniger als 20 kWh pro 100 Kilometer an.

Bei unserer ersten Testfahrt erschien der Wert gar nicht mal so unrealistisch, obwohl wir dem Auto – zwischendurch auf der Autobahn – auch mal kurz seine volle Leistung abverlangt haben. Wobei der Polestar eindrucksvoll bewies, wozu sein Allrad-Elektroantrieb mit satten 300 kW/408 PS fähig ist.

Im Gegensatz zum ähnlich potenten Tesla Model 3 spürt der Fahrer das enorme Drehmoment von 660 Nm aber erst, wenn er betont aufs Strompedal steigt. Ein Tesla wirkt giftiger, stürmt sozusagen immer gleich vehement los. Der Polestar ist bei der "Gasannahme" etwas zurückhaltender ausgelegt. Aber wenn es von ihm gefordert wird, kann der über 2,1 Tonnen schwere Wagen genauso brachial beschleunigen. Das Spitzentempo liegt bei über 200 km/h und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h ist in unter fünf Sekunden zu bewerkstelligen.

Polestar 2: Das erste Auto mit Android-Betriebssystem

Aber es gibt noch etwas anderes, was den Polestar 2 außergewöhnlich macht: Der Polestar 2 ist eines der ersten Fahrzeuge, in das ein Android-Betriebsystem für das Infotainment eingebaut ist. Somit bekommt man über den 11-Zoll-Bildschirm im Auto auch Zugang zu Google Assistant (Sprachbedienung), Google Maps und zum App-Store Google Play.

Nutzbar sind allerdings nur diejenigen Apps, die für den sicheren Betrieb im Fahrzeug optimiert und zulässig sind. Apps, mit denen der Fahrer zu sehr vom Verkehr abgelenkt wird, können aus Sicherheitsgründen nicht geladen werden.

Das Betriebssystem funktioniert einfach klasse. So gut wie bei Smartphones und Tablets. Die Bedienung ist quasi ohne Anleitung möglich. Updates von Google kommen automatisch allen Polestar-Kunden zugute. Die speziellen Google-Dienste sind in den ersten drei Jahren kostenlos.

Die Sicht nach hinten ist schlecht

Als einziges Manko bei der Instrumentierung fällt die viel zu kleine Verkehrszeichenanzeige im Fahrerdisplay auf. Eine größere Darstellung sowie eine zentralere Anordnung wäre wünschenswert, damit der Fahrer jederzeit das aktuelle Tempolimit im Auge hat.

Ein Head-up-Display gibt es auch gegen Aufpreis nicht. Größter Kritikpunkt ist die Sicht aus dem Rückfenster: Die ist nämlich ziemlich miserabel.

Trotzdem fühlt man sich insgesamt wohl im Polestar 2. Material und Verarbeitung genügen auch hohen Ansprüchen. Verkleidungen sind weitgehend mit Stoff überzogen. Das sogenannte vegane Interieur – in erster Linie HighTech-Kunststoffe – soll bei den Kunden genauso punkten wie die rahmenlosen Außenspiegel oder das in das Panoramadach gespiegelte Markenlogo.

Auf der Rückbank gibt es genügend Platz für zwei Erwachsene. Insbesondere die Kniefreiheit überzeugt. Die Fondsitzbank mag dem einen oder anderen groß Gewachsenen zwar etwas zu niedrig sein. Doch Polestar hat es geschafft, die Sitzposition mittels sogenannter Fußgaragen im Unterboden deutlich angenehmer zu gestalten als ohne. Als erster hatte sich Porsche beim Taycan so aus der Klemme geholfen.

Markteinführung in Deutschland: baldmöglich

Produziert wird der Polestar 2 im chinesischen Luqiao, einem Bezirk in der Provinz Zhejiang im Südosten Chinas. Konfigurieren und bestellen lässt sich der Polestar 2 problemlos via Internet; auf ein traditionelles Händlernetz will die Marke verzichten. Für die Auswahl der Spezifikationen und für Probefahrten richtet Polestar eine Reihe von Showrooms in den deutschen Großstädten (Berlin, Hamburg, München usw.) ein.

Startländer für die ersten Auslieferungen in Europa sind Schweden und Norwegen, Deutschland folgt einige Monate später, so dass man von ersten Auslieferungen gegen Ende 2020 ausgehen kann. Hauptmärkte für Polestar weltweit gesehen sind China, Nordamerika und Europa.

Fazit

Der Polestar 2 ist eine ernst zu nehmende Elektroauto-Alternative: sowohl im Vergleich mit den teureren deutschen Premium-SUV wie dem Audi e-tron oder dem Mercedes EQC, als auch im Vergleich mit dem ähnlich eingepreisten Tesla Model 3. Der Polestar 2 punktet mit einzigartigem Design, bestem (weil anwenderorientiertestem) Betriebssystem, guter Reichweite und seinem extrem starken und kultivierten Antrieb. Und das zu einem vergleichsweise akzeptablen Anschaffungspreis, von dem die aktuelle Elektro-Auto-Förderung noch abgezogen werden kann.

Technische Daten Polestar 2

Technische Daten (Herstellerangaben) Polestar 2

Motor/Antrieb

2 Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 300 kW/408 PS, 660 Nm, Allradantrieb, Einganggetriebe

Fahrleistungen

4,7 s auf 100 km/h, 205 km/h Spitze

Batteriekapazität

78 kWh

Ladeleistung

AC mit bis zu 11 kW

DC mit bis zu 150 kW

Verbrauch (WLTP)

19,3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Reichweite

470 km

Maße

L 4,61 / B 1,99 (inkl. Spiegel) / H 1,48 m

Kofferraum

405 – 1095 l

Leergewicht

2123 kg

Anhängelast gebremst

1500 kg

Preis

ab 53.540 € konfigurierbar

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