Polestar 2: Das kann der Elektro-Volvo aus China

Polestar 2 fahrend auf einer Straße
Polestar 2: Gute Fahrleistungen, hoher Verbrauch ∙ © Polestar

Das Elektroauto Polestar 2 bietet viel High-Tech und eine Menge Fahrspaß. Doch wie schlägt es sich im ADAC Test? Alle Infos zu Preis, Reichweite, technischen Daten und neuen Spezifikationen

  • Drei Versionen erhältlich: einmal Allrad, zweimal Frontantrieb

  • Topmodell mit 300 kW Leistung und 78-kWh-Akku im ADAC Test

  • Polestar-Showrooms in den Großstädten, Verkauf online

Thomas Ingenlath – in einer Person Chefdesigner und Vorstandsvorsitzender der Elektromarke Polestar – weiß, worauf er bauen kann: Erstens auf den chinesischen Automobilhersteller Geely, der als Eigner von Polestar das finanzielle Durchhaltevermögen besitzt. Zweitens auf die schwedische Mutter-Marke Volvo, die das technische Knowhow zur Verfügung stellt. Drittens auf die Erfahrung und das Netzwerk eines Konzerns, der die notwendige industrielle Infrastruktur beherrscht.

Keine Frage, im Vergleich mit so manch anderem Elektroauto-Start-up hat Polestar eine deutlich bessere Ausgangsposition. Nicht einmal das Corona-Virus konnte die Firma aus dem Tritt bringen. Die Fahrzeugproduktion in China startete im Frühsommer 2020. Die ersten Exemplare des Polestar 2 wurden schon im Juli in Norwegen und Schweden an Endkunden ausgeliefert. Deutschland war im Spätsommer 2020 dran. Es läuft.

Basispreis des Polestar 2: 45.500 Euro

Polestar bietet die elegant-sportliche Schrägheck-Limousine in drei Spezifikationen an. Den Einstieg markiert die Variante Standard Range Single Motor ab 45.500 Euro, dazu gibt es die Long Range-Version mit Single (ab 48.500 Euro) oder Dual Motor. Die 300 kW/408 PS starke Ausführung ist ab 51.500 Euro zu haben. Vorhandene Extras mitgerechnet wären es beim Testwagen des ADAC 66.000 Euro. Nicht gerade wenig. Ist es das Auto auch wert?

Polestar 2 mit unverwechselbarem Design

Während die Konkurrenz auf die differenzierte Ausgestaltung hochbeiniger SUV setzt und damit mehr oder weniger beliebig wirkt, überzeugt die Karosserie des Polestar 2 mit Klarheit und Bestimmtheit. Trotz des im Fahrzeugboden untergebrachtem Akkupakets bleibt der Polestar 1,48 Meter flach und damit der Form einer klassischen Limousine verpflichtet.

Nachteil ist ein nach ADAC Messmethode nur 340 bis maximal 715 Liter fassender Kofferraum. Immerhin erleichtert die große Heckklappe das Einladen von sperrigem Transportgut. Unter dem Kofferraumboden gibt es noch etwa 45 Liter Stauraum, der sich für kleinere Utensilien gut eignet. Und im Vorderwagen befindet sich ein 35-Liter-Fach, in dem sich die zwei Ladekabel verstauen lassen und so nicht im hinteren Gepäckabteil herumfliegen oder im Weg liegen.

Der Polestar 2 im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Stromverbrauch im Test: 29,2 kWh/100 km

Die Batterie im Unterboden des Testwagens hat eine Kapazität von 78 kWh und soll dem Polestar 2 eine Reichweite von bis zu 480 Kilometer, in der Stadt sogar noch mehr, ermöglichen. Als durchschnittlichen Verbrauchswert gibt der Hersteller um die 20 kWh pro 100 Kilometer an.

Im ADAC Ecotest relativierte sich diese Angabe ziemlich schnell. Denn dabei wurde wurde ein durchschnittlicher Stromverbrauch von 29,2 kWh pro 100 Kilometer ermittelt, Ladeverluste inklusive. Um die netto 72,5 kWh fassende Batterie einmal komplett von leer auf voll zu laden, werden 86 kWh benötigt. Damit gehört der Polestar 2 zu den wenig effizienten Elektroautos, sowohl was den Verbrauch, als auch was die Ladeverluste betrifft.

Nur rund 300 km Reichweite im ADAC Test

Und das schlägt sich auf die Reichweite nieder. Im ADAC Test schaffte der Polestar 2 im gemischten Betrieb knapp 300 Kilometer. Und weil der hohe Stromverbrauch zu einem CO₂-Ausstoß von 146 g/km (Well-to-Wheel) führt, sind im Ecotest letztlich für ein modernes E-Auto nur wenig schmeichelhafte zwei von fünf möglichen Sternen drin.

Die Ladung von zehn auf 80 Prozent dauert nur 35 bis 40 Minuten, wenn die Ladesäule 150 kW liefert. Allerdings fällt die Ladeladeleistungs-Kurve bei steigender Batterieladung ziemlich schnell wieder deutlich ab. An einer Wallbox benötigt man mit Wechselstrom für die Vollladung gut acht Stunden (bei 11 kW dreiphasig).

Polestar 2: Bei den Fahrleistungen ein Sportwagen

Über jeden Zweifel erhaben sind die Fahrleistungen. Bei Bedarf stürmt der Polestar 2 los als gäbe es kein Morgen. Von 60 auf 100 km/h geht es in nur 2,2 Sekunden. Auch von 15 auf 30 km/h, etwa beim Einfädeln nach dem Einfahren in eine größere Straße, vergeht nur ein Wimpernschlag, 0,6 Sekunden sind eine Ansage. Dank Allradantrieb werden die Kraft von 300 kW/408 PS und das maximale Drehmoment von 660 Nm gut auf die Straße gebracht.

Für den Sprint von 0 auf 100 km/h verspricht der Hersteller glaubhafte 4,7 Sekunden, im Gegensatz zu den Fahrzeugen der Konzernmutter Volvo darf der Polestar noch über 180 km/h rennen, erst bei 205 km/h wird er elektronisch eingebremst. Wie von einem ausgereiften Elektromotorsystem zu erwarten, ergeben sich keinerlei Vibrationen oder störende Motorgeräusche, nur ein leises Surren ist zu vernehmen. Der Motor zieht vom Start weg mit enormem Nachdruck an, er gibt seine Leistung gleichmäßig ab und lässt selbst bei höheren Autobahngeschwindigkeiten und dann hohen Drehzahlen kaum in seiner Vehemenz nach.

Souverän im ADAC Ausweichtest

Die sportlich straffe Fahrwerksabstimmung mag den Komfort schmälern, für die Fahrstabilität ist sie von Vorteil. So liegt der Polestar 2 satt auf der Straße und lässt sich selbst durch dynamisch anspruchsvolle Fahrmanöver nicht aus dem Konzept bringen. Im ADAC Ausweichtest zeigt der Elektro-Schwede seine Stärken. Er kann den Parcours nicht nur nur schnell durcheilen, sondern auch mit sehr geringer Seitenneigung und gut kontrollierbar.

Bei kontrollierten Lastwechseln drängt das Heck etwas nach außen, die ESP-Abstimmung ist aber gut gelungen und sie greift nur so weit wie nötig ein, um Sicherheit zu gewährleisten, den Fahrer aber nicht zu bevormunden. Die Lenkung arbeitet angemessen präzise und setzt Lenkbefehle recht spontan um. Besonders gefühlvoll präsentiert sie sich jedoch nicht.

Polestar 2: Das erste Auto mit Android-Betriebssystem

Draufsicht auf den Polestar 2
Polestar 2 mit dunklem Panoramaglasdach ∙ © Polestar

Eine Besonderheit des Polestar 2: Er ist eines der ersten Fahrzeuge mit Android-Betriebsystem für das Infotainment. Somit bekommt man über den 11,2-Zoll-Bildschirm im Auto auch Zugang zu Google Assistant (Sprachbedienung), Google Maps und zum App-Store Google Play. Nutzbar sind allerdings nur diejenigen Apps, die für den sicheren Betrieb im Fahrzeug optimiert und zulässig sind. Apps, mit denen der Fahrer zu sehr vom Verkehr abgelenkt wird, können aus Sicherheitsgründen nicht geladen werden.

Das Betriebssystem funktioniert wie bei Smartphones und Tablets. Die Bedienung ist quasi ohne Anleitung möglich. "Insgesamt fällt der Gewöhnungsaufwand geringer aus als bei manchen Konkurrenten", urteilen die ADAC Ingenieure. Updates von Google kommen automatisch allen Polestar-Kunden zugute. Die speziellen Google-Dienste sind in den ersten drei Jahren kostenlos.

Die Sicht nach hinten ist schlecht

Als Manko bei der Instrumentierung fällt die viel zu kleine Verkehrszeichenanzeige im Fahrerdisplay auf. Eine größere Darstellung sowie eine zentralere Anordnung wäre wünschenswert, damit der Fahrer jederzeit das aktuelle Tempolimit im Auge hat. Ein Head-up-Display gibt es auch gegen Aufpreis nicht. Größter Kritikpunkt ist die Sicht aus dem Rückfenster: Die ist nämlich miserabel.

Trotzdem fühlt man sich insgesamt wohl im Polestar 2. Material und Verarbeitung genügen auch hohen Ansprüchen. Verkleidungen sind weitgehend mit Stoff überzogen. Das sogenannte vegane Interieur – in erster Linie High-Tech-Kunststoffe – soll bei den Kunden genauso punkten wie die rahmenlosen Außenspiegel oder das in das Panoramadach gespiegelte Markenlogo.

Das Raumangebot vorn ist im Prinzip großzügig, vor allem nach oben hat man gut Luft. Da sich die Vordersitze nicht allzu weit nach hinten schieben lassen, reicht die Beinfreiheit nur für 1,90 Meter große Personen. Auf der Rückbank gibt es genügend Platz für zwei Erwachsene. Die Kniefreiheit überzeugt, sie reicht für knapp 1,95 Meter große Passagiere. Die Fondsitzbank mag dem einen oder anderen groß Gewachsenen zwar etwas zu niedrig sein. Doch Polestar hat es geschafft, die Sitzposition mittels sogenannter Fußgaragen im Unterboden deutlich angenehmer zu gestalten. Als erster hatte sich Porsche beim Taycan so aus der Klemme geholfen.

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Drei Versionen: einmal Allrad, zweimal Frontantrieb

Neben dem gefahrenen Allradmodell mit 78 kWh großem Akku gibt es auch zwei Versionen mit Frontantrieb. Einmal mit dem großen Batterie-Pack, einmal mit 64 kWh (siehe Tabelle unten). Produziert wird der Polestar 2 im chinesischen Luqiao, einem Bezirk in der Provinz Zhejiang im Südosten Chinas. Konfigurieren und bestellen lässt er sich via Internet; auf ein traditionelles Händlernetz will die Marke verzichten. Für die Auswahl der Spezifikationen und für Probefahrten richtet Polestar eine Reihe von Showrooms in den deutschen Großstädten (Berlin, Hamburg, München usw.) ein.

Polestar 2: 5 Sterne beim Euro NCAP Crashtest

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Beim neuen, 2020 verschärften Euro NCAP Crashtest wurde der Polestar 2 in den vier Kategorien Insassenschutz, Kindersicherheit, Fußgängerschutz/ungeschützte Verkehrsteilnehmer und aktive Sicherheit überprüft. In allen Teilkategorien schnitt der neue Polestar 2 als vollelektrisches Fahrzeug so gut ab, dass er insgesamt die Höchstwertung von 5 Sternen erreichen konnte.

Fazit

Der Polestar 2 ist eine ernst zu nehmende Elektroauto-Alternative, sowohl im Vergleich mit den teureren deutschen Premium-SUV wie dem Audi e-tron oder dem Mercedes EQC, als auch im Vergleich mit dem ähnlich eingepreisten Tesla Model 3. Der Polestar 2 punktet mit einzigartigem Design, bestem (weil anwenderorientiertestem) Betriebssystem und seinem extrem starken und kultivierten Antrieb. Und das zu einem vergleichsweise konkurrenzfähigen Anschaffungspreis, von dem die aktuelle Elektroauto-Förderung noch abgezogen werden kann. Negativ fallen der hohe Verbrauch und die dadurch eingeschränkte Reichweite auf.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Polestar 2 Long Range Dual Motor als PDF
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Technische Daten Polestar 2

Technische Daten (Herstellerangaben)

Standard Range Single Motor

Long Range Single Motor

Long Range Dual Motor (getestetes Modell)

Motor/Antrieb

Elektromotor mit 165 kW/224 PS, 330 Nm, Frontantrieb

Elektromotor mit 170 kW/231 PS, 330 Nm, Frontantrieb

2 Elektromotoren mit 300 kW/408 PS, 660 Nm, Allradantrieb

Fahrleistungen

7,4 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

7,4 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

4,7 s auf 100 km/h, 205 km/h Spitze

Batteriekapazität

64 kWh

78 kWh

78 kWh

Ladeleistung

AC mit bis zu 11 kW, DC mit bis zu 150 kW

AC mit bis zu 11 kW, DC mit bis zu 150 kW

AC mit bis zu 11 kW, DC mit bis zu 150 kW

Verbrauch (WLTP)

17,1 - 18,0 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

17,1 - 18.3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

19,5 - 20,3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Reichweite

420 - 440 km

515 - 540 km

450 - 480 km

Maße

L 4,61 / B 1,99 (inkl. Spiegel) / H 1,48 m

L 4,61 / B 1,99 (inkl. Spiegel) / H 1,48 m

L 4,61 / B 1,99 (inkl. Spiegel) / H 1,48 m

Kofferraum

n. b.

n. b.

405 – 1095 l

Leergewicht

n. b.

n. b.

2123 kg

Anhängelast gebremst

n. b.

n. b.

1500 kg

Preis

ab 45.500 €

ab 48.500 €

ab 51.500 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Polestar 2 Long Range Dual Motor

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,2 s

Bremsweg aus 100 km/h

31,6 m

Wendekreis

12,2 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

29,2 kWh/100 km, 146 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

**

Reichweite

290 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,9 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2162 / 438 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

340 / 715 / 715 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Polestar 2 Long Range Dual Motor

Karosserie/Kofferraum

2,7

Innenraum

2,6

Komfort

2,7

Motor/Antrieb

0,8

Fahreigenschaften

1,7

Sicherheit

1,2

Umwelt/Ecotest

3,6

Gesamtnote

2,2

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

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