Fahrbericht Kia e-Niro: Elektro-SUV mit großer Reichweite

10.12.2018

Der Elektroversion des Kia Niro verspricht eine praxistaugliche Reichweite von bis zu 455 Kilometern – zum halben Preis eines Tesla Model S. Verkaufsstart: April 2019. Erste Testfahrt, Daten, Fakten, Preise

Kia E-Niro  fahrend von vorne
Kia e-Niro: Statt einer Kühlergrills hat die Elektroversion eine geschlossene Front
  • Zwei Versionen: 289 km Reichweite mit 39,2 kWh-Batterie, 455 km Reichweite mit 64 kWh
  • Mit Elektroauto-Förderung in Basisversion unter 30.000 Euro zu haben
  • Als Elektroauto kann der Kia Niro mit bis zu 100 kW geladen werden

 

Bislang gab es den Kia Niro als Benzin-Hybrid und Plug-in-Hybrid. Dass nun eine rein elektrische Variante folgt, erscheint da nur konsequent. Die steht zwar erst im April 2019 beim Händler, kann aber bereits bestellt werden. Fraglich ist allerdings, ob es bei einem halben Jahr Lieferzeit bleibt: Denn der e-Niro setzt zusammen mit seinem technischen Bruder Hyundai Kona Elektro Maßstäbe bei Elektroautos – entsprechend hoch könnte die Nachfrage in den nächsten Monaten ausfallen.

Die Reichweite ist alltagstauglich

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Kia E-Niro fahrend von hinten
Bei der Bergab-Fahrt kann der Elektro-Niro Energie zurückgewinnen

Die Basisvariante leistet 100 kW (136 PS), wird mit einer 39,2 kWh-Batterie ausgeliefert und soll im neuen WLTP-Verbrauchszyklus 289 Kilometer weit kommen. Kostenpunkt: ab 34.290 Euro. Abzüglich der Elektroautoprämie von brutto 4380 Euro (4000 Euro netto) unterschreitet der kompakte SUV dann die psychologisch wichtige Preisschwelle von 30.000 Euro. Ein Schnäppchen ist der e-Niro dann zwar immer noch nicht, aber zumindest halbwegs erschwinglich. Zum Vergleich: Ein Elektro-Golf kostet mit 35,8 kWh-Batterie 35.900 Euro.

Dennoch nimmt Kia an, dass sich 93 Prozent der e-Niro-Käufer die größere Batterie mit 64 kWh gönnen werden – eine hohe Reichweite von bis zu 455 Kilometern ist offenbar für die meisten das überzeugende Argument, noch einmal 3800 Euro draufzulegen.

Nachvollziehbar, denn auf unseren ersten Testfahrten hat sich die Version mit großer Batterie als sehr alltagstauglich erwiesen. Um es vorwegzunehmen: Gut 400 Kilometer sind bei ganz normaler Fahrweise absolut kein Problem und wer nur niedrige Geschwindigkeiten in der Stadt fährt und viel rekuperieren kann (Energierückgewinnung beim Bremsen und Bergabfahren), dürfte locker auch auf 500 kommen.

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So darf sich nun auch der e-Niro zum immer noch kleinen Kreis der Elektroautos zählen, bei denen Reichweiten-Angst kein Thema mehr ist. Doch wofür die 2,5 Tonnen schweren Oberklassemodelle Jaguar i-Pace und Audi e-tron quattro riesige Akkus brauchen, reicht dem Kia eine kleinere Batterie. 

Grund: Er ist als Kompakt-SUV leichter (zwischen 1667 und 1866 kg) und sein Antrieb ist erstaunlich effizient. Kia gibt als Verbrauchswert niedrige 15,3 (kleine Batterie) und 15,9 kWh (große Batterie) auf 100 Kilometer im realitätsnahen WLTP-Zyklus an. Nicht unrealistisch, wie unsere Testfahrten gezeigt haben.

Der Kia e-Niro hat sportliche Fahrleistungen

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Armaturenbrett Kia E-Niro
Cockpit des Kia e-Niro: Einfache Bedienung, Drehrad für die Automatik

Allzu häufig sollte man dabei die Leistung des e-Niro aber nicht ausreizen, auch wenn er dazu verleitet: Mit der 64-kWh-Batterie einher geht auch eine höhere Leistung von 150 kW/204 PS. Das Gaspedal lässt sich sehr feinfühlig dosieren, ein entspanntes und sehr ruhiges Dahingleiten beherrscht der Kia aus dem Effeff.

Doch bewegt man das Pedal schneller in Richtung Bodenblech zeigt der nur 4,37 Meter lange Koreaner seine sportliche Seite und stürmt so flott davon, dass die Kräfte sogar an der Lenkung zerren. 7,8 Sekunden auf Tempo 100 sollten auch Dynamiker überzeugen. Die Spitze ist bei 167 km/h begrenzt, die 39,3 kWh-Version schafft nur 155 km/h.

Im positiven Sinne fährt sich der e-Niro wie ein ganz normales Auto, lässt sich einfach bedienen, kommt mit reichlich Assistenzsytemen (Kollisionswarner, Spurhalteassistent, Abstandstempomat Serie) und hat so viel Platz wie man es von einem kleineren SUV erwartet: Es gibt ausreichend Bewegungsfreiheit mit passabler Beinfreiheit im Fond und einen praxistauglichen Kofferraum mit 451 bis 1405 Litern Fassungsvermögen.

Weil der e-Niro schnellladefähig ist und bis zu 100 kW Ladeleistung verkraftet, dauert eine Ladung von 20 auf 80 Prozent gerade einmal 42 Minuten. Zum Vergleich: An der gewöhnlichen Haushaltssteckdose würde er dafür knapp 18 Stunden brauchen. Für zu Hause empfiehlt sich daher eine Wallbox (hier finden Sie den aktuellen ADAC Wallbox-Test), über die zumindest 7,2 kW möglich sind und so eine 80-Prozent-Ladung in knapp sechs Stunden klappt.

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Übertriebene Inspektions-Intervalle

Es gibt aber auch Verbesserungspotential. Dass Kia den Elektro-Niro, dessen Bremsen kaum verschleißen und der keinen Ölwechsel braucht, ein Mal im Jahr oder alle 15.000 Kilometer zur Inspektion in die Werkstatt bittet, wirkt wie ein Relikt aus der Verbrenner-Zeit. Oder als Zugeständnis an die Händler. Sieben Werkstattbesuche sind ihnen so wegen der an sich lobenswerten siebenjährigen Werksgarantie (gilt auch für den Akku) schließlich sicher.

Übrigens: Zeitgleich mit dem e-Niro bringt Kia im April 2019 den neuen Soul auf den Markt. Ihn wird es nur noch als Elektroauto geben, Diesel und Benziner sind dann nicht mehr im Angebot. Weil er über die gleiche Technik wie der e-Niro und die gleichen Batteriegrößen verfügen soll, sind ähnliche Reichweiten zu erwarten. Preislich dürfte der etwas kleinere Soul wohl leicht unter dem e-Niro liegen. Kia meint es also ernst mit der Elektromobilität.

 

Der Kia e-Niro im Überblick

Technische Daten Kia e-Niro (39,2 kWh) Kia e-Niro (64 kWh)
Antrieb Permanentmagnet-Synchronmotor, 100 kW/136 PS, 395 Nm ab 1 U/min, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 39,2 kWh Nennkapazität Permanentmagnet-Synchronmotor, 150 kW/204 PS, 395 Nm ab 1 U/min, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 64 kWh Nennkapazität
Fahrleistungen 9,8 s von 0 auf 100 km/h, 155 km/h Spitze 7,8 s von 0 auf 100 km/h, 167 km/h Spitze
Verbrauch 15,3 kWh/100 km, 0 g CO2/km 15,9 kWh/100 km, 0 g CO2/km
Reichweite nach WLTP 289 km 455 km
Maße L 4,38 / B 1,81 / H 1,56 m L 4,38 / B 1,81 / H 1,56 m
Leergewicht / max. Zuladung 1667 – 1721 kg / 413 kg 1812 – 1866 kg / 418 kg
Kofferraum 451 – 1405 l 451 – 1405 l
Preis ab 34.290 Euro ab 38.090 Euro

 

  • Das hat uns gefallen: Große Praxisreichweite. Sparsamer und angenehm leiser Antrieb. Einfache Bedienung. Gute Ausstattung. Serienmäßig bis 100 kW schnelladefähig. 7 Jahre Garantie.
  • Das hat uns nicht gefallen: Kurze Werkstattintervalle. Noch keine Anhängelast. Für einen Kompaktwagen relativ hoher Preis.        

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR. 

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