Mercedes A-Klasse im Test: So gut ist der Baby-Benz

Mit der ersten A-Klasse hat das aktuelle Modell nichts mehr gemein
Mit der ersten A-Klasse hat das aktuelle Modell nichts mehr gemein© Mercedes

Seit 2018 ist die aktuelle Mercedes A-Klasse auf dem Markt. Technisch überragend, macht sie künstliche Intelligenz schlauer als die Konkurrenz. ADAC Test, Daten, Preise und Crashtest. Im Oktober 2022 wird die A-Klasse überarbeitet. Infos zum Facelift.

  • Die vierte Generation der Mercedes A-Klasse überzeugt durch innovative Technik

  • Im ADAC Test: A 200 (Note 2,3) und A 180 d (Note 2,2)

  • Alle Infos zum Facelift 2022

Wie die Zeit vergeht. 24 Jahre ist es her, dass die erste Mercedes A-Klasse eingeführt wurde. Damals war der Micro-Van eine Sensation – ein solch revolutionäres Raumkonzept hätte man einem konservativen Limousinen-Hersteller nicht zugetraut. In die Schlagzeilen kam der Stuttgarter auch, weil er beim Elchtest umgefallen war. Was für den Hersteller äußerst peinlich war, aber immerhin dazu führte, dass der Lebensretter ESP schneller eingeführt wurde.

Die A-Klasse soll Jüngere ansprechen

Eines hat weder die erste noch die zweite A-Klasse geschafft: Eine jüngere Zielgruppe für Mercedes zu begeistern. Das gelang erst mit der dritten Generation, die das Van-artige Konzept über Bord warf und sich zum viel gewöhnlicheren Kompaktwagen à la VW Golf, Opel Astra oder Toyota Corolla verwandelte: A-Klasse-Käufer wurden im Schnitt zehn Jahre jünger.

Und auch A-Klasse Nummer vier ist extrem auf eine junge, technikaffine Zielgruppe zugeschnitten. Ob die sich den ziemlich teuren Kompaktwagen leisten kann, ist allerdings eine andere Frage. Doch von den technischen Möglichkeiten dürfte sie recht angetan sein.

Wer will, kann die A-Klasse mit anderen teilen

Hyundai, Toyota, Mercedes? Einzigartig ist das A-Klasse-Design nicht © Mercedes

Nur ein paar Beispiele: Wer ein NFC-fähiges Smartphone besitzt, kann es als Ersatz für den Autoschlüssel verwenden. Das Auto öffnet und startet dann via Kurzstreckenfunk. Über die "Me-Connect-Systeme" von Mercedes werden freie Parkplätze vorgeschlagen. Eine App am Smartphone schlägt Alarm, wenn das geparkte Fahrzeug angefahren oder abgeschleppt wird. Und wer sein Auto mit anderen teilen möchte, kann sich ein privates Carsharing einrichten. Auch das funktioniert über eine App.

Der Eigentümer legt bestimmte Personen fest, die das Auto nutzen dürfen. Familienmitglieder etwa, Nachbarn oder Kollegen. Die sehen, wann das Auto verfügbar ist, "buchen" es über die App, öffnen, starten und schließen es ganz einfach mit dem Smartphone. Ein separater Schlüssel ist nicht nötig – wie beim professionellen Carsharing auch.

Sehr modernes A-Klasse-Cockpit

Modern, anfangs aber überfordernd: Das A-Klasse-Cockpit © Mercedes

Die schöne neue Autowelt wird auch im Innenraum der A-Klasse deutlich. Analoge Instrumente gibt es hier nicht mehr. Stattdessen ein elegantes, freistehendes Digital-Display, das sich in zwei Teile splittet. Links vor dem Fahrer Tacho, Drehzahlmesser und Fahrinfos. Nach persönlichem Gusto lässt sich wählen, welche Informationen dargestellt werden sollen – reduziert oder ausführlich, bunt oder weiß. Rechts befindet sich ein großes 10-Zoll-Touch-Display, das in bester Auflösung nicht nur die übliche Navi-Karte zeigt, sondern dem Fahrer auch Vorschläge unterbreitet – ebenfalls ein Novum.

Weil das System (genannt "MBUX", Mercedes-Benz User Experience) den Fahrer mit Hilfe künstlicher Intelligenz mit der Zeit immer besser kennenlernt, schlägt es zum Beispiel nicht nur aktiv Radiosender vor, die gefallen könnten. Es merkt sich auch, wenn etwa unter der Woche immer die gleiche Strecke zur Arbeit gefahren wird und empfiehlt unter Berücksichtigung des aktuellen Verkehrs von sich aus eine entsprechende Route.

Weiterentwickelte Sprachbedienung

Auch die Sprachbedienung wurde weiterentwickelt. Statt normierter Befehle versteht der Computer jetzt ganz normale Sätze. "Bring mich nach Hamburg" klappt genauso wie "Ich möchte in die Arbeit fahren". Voraussetzung ist, dass man die Spracherkennung mit den Worten "Hi" oder "Hey Mercedes" aktiviert. Auch auf den Satz "Hey Mercedes, mir ist warm" reagiert das System und regelt die Temperatur herunter. Alle Funktionen im Fahrzeug können damit aber nicht gesteuert werden – schließlich wäre der Satz "deaktiviere ESP" in einer glatten Kurve fatal.

Trotz aller Bemühungen funktioniert aber auch diese Sprachsteuerung noch nicht perfekt – mit manchen Stimmen hat sie Probleme, selbst wenn sich das System sogar auf Dialekte einstellen und mit anderen Spracherkennungsdiensten wie Google Home und Amazon Alexa verknüpft werden kann. Und vor Missverständnissen ist auch diese Spracherkennung noch nicht gefeit.

A-Klasse: Die Ablenkungsgefahr ist groß

Der Bordcomputer macht von sich aus Vorschläge, etwa zu Navi-Zielen © Mercedes

Und auch wenn die Bedienung der A-Klasse an sich logisch aufgebaut ist, ist die Ablenkungsgefahr durch den immensen Funktionsumfang beträchtlich. Schließlich muss man auch mit einem Touchscreen, einem Touchpad auf der Mittelkonsole und Touchflächen auf dem Lenkrad klarkommen. Und wie sieht es mit den klassischen Testkriterien aus? Nicht ganz perfekt. So betont Mercedes zwar, die Rundumsicht im Vergleich zum arg zugebauten Vorgänger verbessert zu haben, doch gerade die im Testwagen eingebauten Integralsitze schränken zusammen mit der breiten C-Säule die Sicht nach hinten stark ein.

A 200 oder A 180 d?

Unter der Haube des getesteten A 200 steckt ein 1,3 Liter großer Turbobenziner von Kooperationspartner Renault. Der Vierzylinder überzeugte im ADAC Test (Test noch vor dem Facelift, Infos siehe unten) mit guten Fahrleistungen bei akzeptablem Verbrauch (6,6 Liter Super im ADAC Ecotest) und niedrigen Emissionswerten. Laufkultur und Leistungsentfaltung waren allerdings verbesserungswürdig. Auch das Zusammenspiel mit dem Doppelkupplungsgetriebe klappte nicht so harmonisch, wie man es von einem teuren Premium-Auto erwartet. Weil die Emissionswerte auf durchgehend niedrigem Niveau lagen, erkämpfte sich der A200 gerade so vier von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Mercedes 200 AMG Line als PDF
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Der getestete Diesel (ebenfalls Vor-Facelift-Modell) A 180 d war mit 5,2 Litern auf 100 Kilometern merklich sparsamer. Dank der geringen Fahrwiderstände kann der kleine Diesel die A-Klasse mit seinen 116 PS bis auf 202 km/h beschleunigen. Auch sonst ist man mit dem "Basisdiesel" im Alltag gut motorisiert und kann flott unterwegs sein. Bei Tempo 130 km/h herrscht im Innenraum allerdings ein Geräuschpegel von 69,3 dB(A) – das ist nicht sonderlich leise. Im ADAC Ecotest schafft der kleine Selbstzünder drei von fünf Sternen. Denn er zählt zu den sparsameren Vertretern seiner Klasse und filtert die Schadstoffe bis auf einen kleinen Ausreißer bei den Stickoxiden unter hoher Last gut heraus. Inzwischen wird der kleine Diesel auf Wunsch mit dem 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet, im ADAC Test lief noch die Version mit sieben Fahrstufen.

Für einen Mercedes nicht besonders leise

Die A-Klasse ist allgemein nicht sehr ruhig. Zwar hört man vom Motor nur ein dezentes Brummen, solange er nicht oberhalb von 3000 Touren läuft. Die sonstigen Wind- und Fahrgeräusche summieren sich aber, beispielsweise sind vom Fahrwerk bei groben Unebenheiten Poltergeräusche zu vernehmen, die Abrollgeräusche sind ebenfalls etwas erhöht.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Mercedes A 180 d Progressive als PDF
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Durchschnittliche Platzverhältnisse im Baby-Benz

Vom ADAC gemessene 275 Liter Kofferraumvolumen sind ordentlich © Mercedes

Auf den vorderen Sitzen punktet die A-Klasse mit einem großzügigen Platzangebot. Allein bei der nur durchschnittlichen Innenbreite merkt man dem Stuttgarter an, dass er der Kompaktklasse entspringt. Die Beinfreiheit reicht auch für 1,95 Meter große Personen aus. Im Fond fällt das Platzangebot im Klassenvergleich nicht sonderlich großzügig aus, hier finden bis zu 1,75 Meter große Mitfahrer genügend Beinfreiheit vor – wenn die Vordersitze wie bei dieser ADAC Messung üblich für 1,85 Meter große Menschen eingestellt sind.

Die Kopffreiheit würde sogar für 1,85 Meter große Insassen reichen. Das Raumgefühl leidet etwas unter dem Mitteltunnel, den schmalen Seitenfenstern und der hohen Seitenlinie. Der Kofferraum ist mit gemessenen 275 Litern bei stehender Rückbank für die Fahrzeugklasse angemessen groß.

Beim ADAC Ausweichtest liefert die A-Klasse eine sehr überzeugende Vorstellung ab. Der Fronttriebler lässt sich präzise und mit hohem Tempo durch die Pylonengasse dirigieren, dabei verhält sich der Schwabe jederzeit sicher und bestens kontrollierbar. Das ESP regelt sensibel und nur im nötigen Rahmen. .

Fazit

Zwar sollte schon die alte A-Klasse laut Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche ein iPhone auf Rädern sein. Doch erst der Nachfolger löst das Versprechen ein und setzt in Sachen Konnektivität tatsächlich Maßstäbe.

Übrigens: Die Mercedes A-Klasse gibt es auch als Stufenhecklimousine. Hier geht es zum ADAC Test der A-Klasse Limousine.

Mercedes A-Klasse: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz A 200 AMG-Line 7G-DCT (10/19 - 10/22)

Mercedes-Benz A 180 d Progressive 8G-DCT (12/20 - 10/22)

Motorart

Otto
Diesel

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.332 ccm
1.950 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

120
85

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

163
116

Drehmoment (Systemleistung)

250 Nm
280 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min
4.000 U/min

Antriebsart

Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

8,0 s
9,5 s

Höchstgeschwindigkeit

225 km/h
202 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

138 g/km
132 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

6,1 l/100 km
5,0 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

5,3 l/100 km
4,4 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

355 l
345 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.195 l
1.185 l

Leergewicht (EU)

1.375 kg
1.490 kg

Zuladung

510 kg
505 kg

Anhängelast ungebremst

675 kg
745 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.600 kg
1.400 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.419 mm x 1.796 mm x 1.440 mm
4.419 mm x 1.796 mm x 1.440 mm

Grundpreis

38.306 Euro
35.724 Euro

ADAC Messwerte

Auszug

Mercedes A 200 AMG-Line 7G-DCT

A 180 d Progressive 7G-DCT

Überholvorgang 60-100 km/h

4,9 s

6,6 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,5 m

34,3 m

Wendekreis

11,2 m

11,2 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC EcoTest

6,6 l Super/100 km, 181 g CO₂/km (Well-to-wheel)

5,2 l Diesel/100 km, 163 g CO₂/km (Well-to-wheel)

Reichweite

650 km

825 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,6 dB(A)

69,3 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1410 / 475 kg

1480 / 455 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

275 / 640 / 1065 l

275 / 640 / 1065 l

Test vor Facelift

ADAC Testergebnis


A 200

A 180 d

Karosserie/Kofferraum

2,9

2,8

Innenraum

2,7

2,5

Komfort

2,4

2,3

Motor/Antrieb

2,0

2,1

Fahreigenschaften

1,9

1,9

Sicherheit

1,8

1,5

Umwelt/EcoTest

2,5

2,7

Gesamtnote

2,3

2,2

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Test vor Facelift

2022: Facelift für die Mercedes A-Klasse

Die Front der A-Klasse wurde im Zuge des Facelifts nur dezent verändert. © Mercedes-Benz

Mercedes gönnt der im Frühjahr 2018 eingeführten A-Klasse eine Modellpflege. Sie sorgt bei Fünftürer und Limousine für optische Frische, mehr Ausstattung, verbesserte Infotainment-Funktionen und mehr elektrische Reichweite. Erkennbar ist die überarbeitete A-Klasse unter anderem an zwei Powerdomes in der Motorhaube, außerdem wurden die Frontschürze sowie das Kühlergrill-Gitter mit dem von einer Querspange getragenen Stern überarbeitet. Die optionalen LED-Scheinwerfer haben eine neue Grafik. Ein modifizierter Heckdiffusor und die nun serienmäßigen LED-Rückleuchten sorgen auf der Rückseite für frische Optik.

Das Lenkrad ist neu, bei dem stylischen Bildschirm bleibt es. © Mercedes

Die Basisausstattung der A-Klasse wurde erweitert. Sie beinhaltet nun eine Rückfahrkamera, das USB-Paket und ein neues Lenkrad mit Doppelstegen und Nappalederbezug. Die Ausstattung Progressive wird um LED-Scheinwerfer, Lordosenstütze sowie Park- und Spiegelpaket erweitert. Das Park-Paket bietet künftig die Funktion des Längseinparkens sowie ein 360-Grad-Kamerabild der Fahrzeugumgebung. Neu im Cockpit verfügbar sind ein USB-C-Anschluss sowie ein Fingerabdrucksensor, über den sich der Fahrer identifizieren kann.

Wie bisher gibt es ein Cockpit mit zwei Displays. Der hinterm Lenkrad ist im 7- oder 10,25-Zoll-Format erhältlich, der zentrale Touchscreen ist nun 10,25 Zoll groß. Schnellwahltasten und Trackpad in der Mittelkonsole entfallen. Die Anzeige bietet die drei neu gestalteten Stile „klassisch“, „sportlich“, „dezent“. Über den rechten Touchscreen wird das Infotainment-System MBUX gesteuert, das in seiner jüngsten Auflage Einzug in die A-Klasse hält. Mit der Aktivierung von Online-Diensten der „Mercedes me“-App soll der Sprachassistent dialog- und lernfähiger sein und Fahrzeugfunktionen erklären können. Ein neuer Tourguide informiert über Sehenswürdigkeiten entlang der Route.

A-Klasse Facelift: Auch hinten sind die Änderungen kaum der Rede wert. © Mercedes-Benz

Bei den Antrieben werden die zwischen 100 kW/136 PS und 165 kW/225 PS starken Benziner nun von einem Starter-Generator unterstützt, der zusätzlich 10 kW/14 PS einbringt. Die bisherigen Benziner-Versionen A 160, A 200 4Matic und A 250 entfallen. Alle übrigen Motorvarianten werden ausschließlich mit Automatikgetrieben kombiniert. Die Handschaltung fliegt aus dem Programm.

Im Fall der Plug-in-Hybridversion erlaubt der höhere nutzbare Energiegehalt mehr elektrische Reichweite. Statt bisher für maximal 78 reicht der Stromvorrat künftig für bis zu 82 Kilometer. Außerdem ist die Leistung des E-Motors um 5 kW/7 PS auf 80 kW/109 PS gestiegen. Parallel wurde die Höchstgeschwindigkeit um 10 auf 225 beziehungsweise 230 km/h (Limousine) gesenkt. Das Laden mit Wechselstrom wird künftig mit 11 kW möglich sein. Alternativ stehen drei Diesel mit 85 kW/116 PS, 110 kW/150 PS sowie 140 kW/190 PS zur Wahl.

Ende Oktober 2022 ist die modifizierte A-Klasse bestellbar. Erste Auslieferungen erfolgen Anfang 2023. Die Preise dürften jenseits von 30.000 Euro starten.

Text mit Material von SP-X.

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