Neuer Opel Astra: Ist er besser als der Golf?

Ein Opel Astra fahrend und von schräg vorne fotografiert
Neuer Opel Astra mit ausdrucksstarker Front ∙ © Opel

Schicker und moderner denn je: Anfang 2022 steht der neue Opel Astra bei den Händlern. Wir sagen, wie er sich fährt und ob er den VW Golf als Maßstab in der Kompaktklasse gefährden könnte. Testfahrt, Infos zu Motoren, Preis und Daten.

  • Letzte Abstimmungsfahrten mit dem neuen Opel Astra

  • Motoren: 110 bis 225 PS; zwei Plug-in-Hybride

  • Völlig neues Cockpit mit hochwertiger Anmutung

  • Preis ab 22.465 Euro

Opel hat den neuen Astra enttarnt: Und was die Rüsselsheimer zeigen, kann sich sehen lassen. Das neue Modell wirkt jetzt deutlich schicker und moderner als bisher. Und natürlich hat sich auch unterm dem Blech eine ganze Menge getan. Bestellt werden kann die nächste Astra-Generation mit dem Kürzel L ab Oktober. Auslieferung und Händlerstart erfolgen ab Januar 2022.

Der ADAC war bei den letzten Abstimmungsfahrten dabei und konnte eine Runde mit dem neuen Modell als Prototyp drehen. Erster Eindruck: Der Astra macht einen ziemlichen Sprung nach vorn! Er wird auf jeden Fall deutlich komfortabler – und hat dem Hauptrivalen VW Golf einiges entgegenzusetzen. In manchen Punkten gefällt er sogar besser.

Neuer Opel Astra L: Ähnliche Maße wie Astra K

Ein Opel Astra von der Seite fotografiert
Der neue Astra hat in etwa die gleichen Maße wie der Vorgänger ∙ © Opel

Ob die Optik gefällt, ist selbstverständlich immer mit persönlichen Vorlieben verbunden. Klar ist: Der neue Astra hat ein ganz anderes Design erhalten als das Vorgängermodell (Generation K). Die Front mit dem markanten Tagfahrlicht ähnelt jetzt der des Opel Mokka und auch der charakteristische Knick in der Heckklappe ist wiederzufinden. Und ein bisschen Opel Corsa findet sich auch wieder, speziell die C-Säule erinnert an den kleinen Opel.

Bei den Maßen des aktuellen Modells blieb es in etwa: Vier Millimeter mehr Länge (4,37 m), ein leicht vergrößerter Radstand (plus 13 Millimeter) und eine um 15 Millimeter geschrumpfte Höhe (1,47 m) lassen keine großen Veränderungen hinsichtlich des Platzangebots erwarten. Der Kofferraum fasst klassengemäße 422 Liter und damit etwa gleich viel wie bisher. Immerhin wurde der Laderaum breiter und bekam einen doppelten Boden, was eine ebene Ladefläche ermöglicht.

Digitales Cockpit, besseres Raumgefühl

Opel Astra von innen
Das Cockpit wirkt clean und aufgeräumt ∙ © Opel

Im Innenraum sitzt kein Stein mehr auf dem anderen: Das Armaturenbrett türmt sich nicht mehr so hoch auf und kommt in richtig modernem technisch-eleganten Look daher. Das Kombiinstrument hinter dem Lenkrad verschmilzt quasi mit dem Bildschirm in der Mittelkonsole, der sich zum Fahrer neigt und ähnlich wie beim Mokka hinter Glas (als Option) sitzt. Das sieht nach Premium aus und erinnert ein wenig an die Mercedes A-Klasse. Darüber hinaus gibt es jetzt ein Head-up-Display und ein 360-Grad-Kamerasystem für den Astra. Das gesamte Cockpit ist flächig, nicht so kleinteilig, bietet aber mehr Ablagen.

Besser als beim Golf: Obwohl auch beim Astra viele Funktionen über den Touchscreen zu bedienen sind, gibt es noch einige "richtige" Direktwahltasten in der Leiste unterhalb des Bildschirms, die klar und deutlich beschriftet sind. Zudem gibt es noch einen großen Ein-Aus-Knopf, über den sich ganz klassisch die Lautstärke regeln lässt. Ebenso lassen sich die Assistenzsysteme hier direkt anwählen. Das gilt unter Designern zwar als altmodisch, hat aber riesige Vorteile gegenüber verschachtelten und schlecht zu findenden Touchscreen-Funktionen. "Uns war es wichtig, häufig gebrauchte Funktionen nicht in Untermenüs zu verstecken", sagt Chefentwickler Rainer Bachen. Gut so, denn alles andere lenkt bekanntlich stark vom Verkehrsgeschehen ab.

Gut: Klimasteuerung über ganz normale Tasten

Das Cockpit vom Opel Astra
Gut: Wichtige Bedienelemente sind außerhalb des Touchscreens zu finden ∙ © Opel

Über eine zweite Schalterleiste wird die Klimatisierung bedient – ein Tastendruck und das Gebläse oder die Temperatur sind verstellt. Das hätte man sich auch beim Golf oder Seat Leon gewünscht, die es mit der Komplexität bei der Bedienung ein bisschen übertrieben haben. Dass sich Smartphones via Apple Car Play und Android Auto kabellos verbinden lassen und die neueste Generation an Assistenzsystemen zum Einsatz kommt, ist auch im neuen Astra selbstverständlich.

Es gibt zum Beispiel einen Rückfahrassistenten, der warnt, wenn sich bei eingelegtem Rückwärtsgang ein Fußgänger oder ein Auto nähert. Der automatische Geschwindigkeitsassistent hat eine Stop & Go-Funktion. Die Verkehrszeichenerkennung wurde verbessert. Und als Wegweiser durch die Nacht hat Opel das intelligente LED-Fernlicht aus dem Opel Insignia in die Kompaktklasse geholt. Der Hauptscheinwerfer „schneidet“ dabei innerhalb von Millisekunden entgegenkommende Fahrzeuge passgenau aus. Die übrigen Bereiche werden weiterhin mit vollem Fernlicht ausgeleuchtet, wie Opel erklärt.

Der Astra fährt sehr komfortabel

Ein Opel Astra von hinten schräg fotografiert
Schick in Schale: Auch von hinten kann sich der neue Astra sehen lassen ∙ © Opel

Und wie fährt sich der Astra? Deutlich komfortabler als der Vorgänger. Die Federung steckt Unebenheiten besser weg als die des alten Astra, der Wendekreis ist kleiner und auch der Geräuschkomfort fällt besser aus. Möglich macht es die neue Plattform, die nichts mehr mit der alten GM-Vergangenheit zu tun hat, sondern die PSA-Konzernplattform nutzt, auf der auch der kommende Peugeot 308 und der noblere DS 4, der übrigens auch in Rüsselsheim gefertigt wird, aufbaut.

Beim Fahrwerk will sich Opel übrigens besonders große Mühe gegeben haben. Und so kommen an der Vorderachse McPherson-Federbeine zum Einsatz, hinten eine Verbundlenkerachse. Damit soll die Fahrstabilität erhöht worden sein. Und die Verwindungssteifigkeit der Karosserie sei gegenüber dem Vorgängermodell um satte 14 Prozent angewachsen.

Als Antrieb wird es zwei 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 110 und 130 PS geben, einen 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS und zwei Vierzylinder-Plug-in-Hybride mit 1,6 Liter Hubraum und 180 bzw. 225 PS. Je nach Motorisierung wird dazu ein Sechsgangschaltgetriebe oder eine Achtgangautomatik angeboten.

Der Astra kommt 2023 als Elektroauto

Ob sich später noch ein GSI dazugesellt? Dazu will Opel noch nichts sagen, es ist aber wahrscheinlich. Das Sportmodell hat schließlich Tradition. Eine reine Elektroversion ist aber bereits in Sicht: Ab 2023 soll es eine rein elektrische Version des Opel Astra geben. Ob sie dann ebenfalls mit der 50-kWh-Batterie des Konzernbruders Citroën C4 ausgeliefert wird oder ob die Elektroversion des Opel mit einer größeren Batterie zu den Händlern kommt, ist noch nicht bekannt. Um dem VW ID.3 Paroli bieten zu können, wäre eine reichweitenstärkere Version jedoch angebracht.

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Testfahrt im 130 PS-Benziner und im Plug-in-Hybrid

Ein Opel Astra von vorne fotografiert
Der "Vizor", also der visierartige Kühlergrill ist für neue Opel-Modelle charakteristisch ∙ © Opel

Doch auch die Motoren, die zum Marktstart kommen, machen ihre Sache gut. Auf den ersten Testrunden konnten wir den 130 PS-Benziner und den Plug-in-Hybrid mit 180 PS bewegen. Mit 130 PS ist der Opel bereits ordentlich motorisiert. Trotz des kleinen Hubraums von nur 1,2 Litern gefallen die gute Durchzugkraft und das nur leicht verzögerte Ansprechverhalten. Und wer nicht weiß, dass nur drei Zylinder unter der Haube werkeln, würde es nicht bemerken – erstaunlich, wie vibrationsfrei der Motor läuft. Mit rund zehn Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h und einer Spitze von 200 km/h ist hier zu rechnen.

Noch souveräner wirkt der Plug-in-Hybrid mit 180 PS Systemleistung, die sich aus einem 150-PS-Benziner und einem für Plug-in-Verhältnisse relativ starken 110 PS Elektromotor speist. Entsprechend kraftvoll zieht der Opel davon – ganz gleich ob im reinen Elektromodus oder im Hybridmodus im Antriebsduo mit dem Benziner. Im E-Modus zudem sehr leise – auch das ist eine neue Erfahrung im Astra, den es bisher nicht mit Stecker gab. Mit einer 12,4-kWh-Batterie an Bord dürfte der Plug-in-Hybrid zwischen 40 und 50 Kilometer ganz ohne Verbrenner fahren können.

Preis: Ab 22.465 Euro für das Basismodell

Jochen Wieler steht bei der Testfahrt an dem noch getarnten Opel Astra
"Deutlicher Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger", sagt Redakteur Jochen Wieler bei Testfahrten mit Prototypen ∙ © Opel/Dani Heyne

Alles in allem ein sehr starker erster Auftritt des Opel Astra: Der VW Golf sollte sich warm anziehen. Welcher Kompaktwagen die Nase vorn haben wird, muss der ausführliche ADAC Autotest zeigen. Beim Preis startet der neue Astra auf dem Niveau des Vorgängers udn ist ab 22.465 Euro bestellbar. Der beliebte Kombi Sportstourer wird ebenfalls wieder aufgelegt, kommt etwas später in den Handel und dürfte rund 1000 Euro mehr kosten.

Eine Weile ist noch der aktuelle Opel Astra zu haben, möglicherweise mit deutlichen Preisnachlässen des Händlers. Wie er sich im ADAC Test geschlagen hat, lesen Sie hier:

Hier können Sie den ausführlichen Test des Opel Astra Sports Tourer 1.5 Diesel als PDF herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test des Opel Astra 1.2 DI Turbo als PDF herunterladen
PDF, 795 KB
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