Der neue Astra im ADAC Test: Hut ab vor diesem Opel

Neuer Opel Astra mit ausdrucksstarker Front
Neuer Opel Astra mit ausdrucksstarker Front© Opel

Schicker und moderner denn je: Der Opel Astra hat sich vom braven Kompaktwagen in einen echten Lifestyle-Hingucker verwandelt. Kann er aber auch dem VW Golf gefährlich werden? ADAC Test, Motoren, Preise, Daten und Infos

  • Motoren: 110 bis 180 PS; ein Plug-in-Hybrid

  • Völlig neues Digital-Cockpit

  • Preis ab 26.650 Euro

Mit diesem Modell hat sich Opel mächtig ins Zeug gelegt: Der Astra ist kaum wiederzuerkennen! Lifestyle statt kompakter Massenware lautet das Motto. Die neue Astra-Generation mit dem Kürzel L will sich deutlich von der Konkurrenz abheben. Erster Eindruck: Der Astra macht einen ziemlichen Sprung nach vorn. Und hat dem Hauptrivalen VW Golf einiges entgegenzusetzen. In manchen Punkten gefällt er sogar besser.

Dass sich der neue Astra die technische Basis mit Modellen von Peugeot und Citroën teilt, kaschiert das völlig anders geformte Blechkleid gut. Die Front mit dem markanten Tagfahrlicht ähnelt jetzt der des Opel Mokka und auch der charakteristische Knick in der Heckklappe ist wiederzufinden. Und ein bisschen Opel Corsa findet sich auch wieder, speziell die C-Säule erinnert an den kleinen Opel.

Neuer Opel Astra L: Ähnliche Maße wie Astra K

Der neue Astra hat in etwa die gleichen Maße wie der Vorgänger © Opel

Bei den Maßen des Vorgängermodells Astra K blieb es in etwa: Vier Millimeter mehr Länge (4,37 m), ein leicht vergrößerter Radstand (plus 13 Millimeter) und eine um 15 Millimeter geschrumpfte Höhe (1,47 m) ziehen keine großen Veränderungen hinsichtlich des nach wie vor guten Platzangebots nach sich. Der Kofferraum fasst laut Opel 422 bis 1339 Liter, nach der ADAC Messmethode 305 bis 1125 Liter und damit etwa gleich viel wie bisher. Wegen der großen Traktionsbatterie fällt der Gepäckraum der Plug-in-Hybridversion etwas kleiner aus. Immerhin wurde der Laderaum breiter und bekam einen doppelten Boden, was eine ebene Ladefläche ermöglicht.

Opel Astra mit digitalem Cockpit

Im Innenraum sitzt kein Stein mehr auf dem anderen: Das Armaturenbrett türmt sich nicht mehr so hoch auf und kommt in modernem technisch-eleganten Look daher. Das Kombiinstrument hinter dem Lenkrad verschmilzt quasi mit dem Bildschirm in der Mittelkonsole, der sich zum Fahrer neigt und ähnlich wie beim Mokka hinter Glas (als Option) sitzt. Das sieht gut aus und erinnert ein wenig an die Mercedes A-Klasse. Darüber hinaus gibt es jetzt ein Head-up-Display und ein 360-Grad-Kamerasystem für den Astra.

Das gesamte Cockpit ist flächig, nicht so kleinteilig, bietet aber mehr Ablagen. Das Cockpit-Styling setzt auf einen abwechslungsreichen Look, allerdings mit vielen unterschiedlichen Materialien. Und die sind nicht alle edel: Besonders bei den Tasten unter dem Bildschirm und dem Bereich um die mittlere Lüftungsdüse wäre noch Luft nach oben. Und ob eine gummierte Fläche im oberen Teil des Armaturenbretts jedem gefällt? Geschmacksache.

Astra besser bedienbar als Golf

Besser als beim Golf: Obwohl auch beim Astra viele Funktionen über den Touchscreen zu bedienen sind, gibt es noch einige "richtige" Direktwahltasten in der Leiste unterhalb des Bildschirms, die klar und deutlich beschriftet sind. Zudem gibt es noch einen großen Ein-Aus-Knopf, über den sich ganz klassisch die Lautstärke regeln lässt. Ebenso lassen sich die Assistenzsysteme hier direkt anwählen. Das gilt unter Designern zwar als altmodisch, hat aber riesige Vorteile gegenüber verschachtelten und schlecht zu findenden Touchscreen-Funktionen. "Uns war es wichtig, häufig gebrauchte Funktionen nicht in Untermenüs zu verstecken", sagt Chefentwickler Rainer Bachen. Gut so, denn alles andere lenkt bekanntlich stark vom Verkehrsgeschehen ab.

Ganz konsequent ist Opel hier aber nicht. So fehlt etwa eine Direktwahltaste fürs Radio und für den Kartenzoom wäre ein zweiter Drehregler besser als das Auf- und Zuziehen mit den Fingern wie bei einem Tablet. Und warum fassen sich die Sitzbezüge des Testwagens (GS Line) so künstlich-billig an? Immerhin sind sie AGR- ("Aktion gesunder Rücken") zertifiziert und recht bequem.

Gut: Klimasteuerung über ganz normale Tasten

Über eine zweite Schalterleiste wird die Klimatisierung bedient – ein Tastendruck und das Gebläse oder die Temperatur sind verstellt. Das hätte man sich auch beim Golf oder Seat Leon gewünscht, die es mit der Komplexität bei der Bedienung ein bisschen übertrieben haben. Dass sich Smartphones via Apple CarPlay und Android Auto kabellos verbinden lassen und die neueste Generation an Assistenzsystemen zum Einsatz kommt, ist auch im neuen Astra selbstverständlich.

Es gibt zum Beispiel einen Rückfahrassistenten, der warnt, wenn sich bei eingelegtem Rückwärtsgang ein Fußgänger oder ein Auto nähert. Der automatische Geschwindigkeitsassistent hat eine Stopp & Go-Funktion. Die Verkehrszeichenerkennung wurde verbessert. Und als Wegweiser durch die Nacht hat Opel das intelligente LED-Fernlicht aus dem Opel Insignia in die Kompaktklasse geholt. Der Hauptscheinwerfer "schneidet" dabei innerhalb von Millisekunden entgegenkommende Fahrzeuge passgenau aus. Die übrigen Bereiche werden weiterhin mit vollem Fernlicht ausgeleuchtet, wie Opel erklärt.

Das Astra-Fahrwerk überzeugt nicht durchgehend

Auch gegen eine ambitionierte Fahrweise wehrt sich der Astra nicht © Opel

Und wie fährt sich der Astra, wie macht sich das Fahrwerk? Auf Bodenwellen ist der Opel zunächst komfortabel bis leicht schaukelnd unterwegs, spricht dann auf kurze Anregungen wie Kanaldeckel oder Asphaltflicken aber etwas unwirsch an. Insgesamt ein Fahrwerk, mit dem man im Alltag klar kommt, aber kein Kaufargument. Ein aktueller Golf mit Mehrlenkerachse hinten und optionalen Adaptivdämpfern bietet einen spürbar besseren Federungskomfort. Kein Wunder, denn das Konzept des neuen Astra mit McPherson-
Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse ist ziemlich traditionsverbunden: Schon der Kadett D aus dem Jahre 1979 fuhr damit vor.

Der Wendekreis ist allerdings kleiner als beim direkten Vorgänger und auch der Geräuschkomfort fällt besser aus. Möglich macht es die neue Plattform, die nichts mehr mit der alten GM-Vergangenheit zu tun hat, sondern die PSA-Konzernplattform nutzt, auf der auch der Peugeot 308 und der noblere DS 4, der übrigens auch in Rüsselsheim gefertigt wird, aufbaut. Beim ADAC Ausweichtest zeigt sich die in Sachen Fahrsicherheit gelungene Auslegung des Kompakten. Hier fährt der Opel merklich untersteuernd und von ESP-Eingriffen begleitet sicher durch den Pylonen-Parcours. Spurrinnen beeinflussen die Fahrtrichtung nur leicht, auf eine Gaswegnahme in Kurven reagiert der Astra nicht zickig.

Als Antrieb gibt es zwei 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 110 und 130 PS, einen 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS und aktuell nur einen von ursprünglich zwei Vierzylinder-Plug-in-Hybriden, der mit 1,6 Liter Hubraum und 180 PS aufwartet. Je nach Motorisierung wird dazu ein Sechsgangschaltgetriebe oder eine Achtgangautomatik angeboten.

Der Astra kommt 2023 als Elektroauto

Ob sich später noch ein GSI dazugesellt? Ein Sportmodell soll tatsächlich noch kommen, doch nicht mehr auf den Namen GSI hören. GTE ist da schon wahrscheinlicher, denn die Performance-Version wird ein Plug-in-Hybrid sein.

Eine reine Elektroversion ist ebenfalls bereits in Sicht: Ab 2023 soll es eine rein elektrische Version des Opel Astra geben. Ob sie dann ebenfalls mit der 50-kWh-Batterie des Konzernbruders Citroën C4 ausgeliefert wird oder ob die Elektroversion des Opel mit einer größeren Batterie zu den Händlern kommt, ist noch nicht bekannt. Um dem VW ID.3 Paroli bieten zu können, wäre eine reichweitenstärkere Version jedoch angebracht.

Test: Der Opel Corsa

Mit dem Corsa kommen Top-Technologien ins Kleinwagen-Segment – dazu zählen deutlich bessere Fahrdynamik und spritzigere Motoren. Infos, Fotos, Test

ADAC Test: Opel Corsa

Test des 130 PS-Benziners, Testfahrt im Plug-in-Hybrid

Der "Vizor", also der visierartige Kühlergrill ist für neue Opel-Modelle charakteristisch © Opel

Im ersten ADAC Test wurde der 130 PS-Benziner unter die Lupe genommen. Der Dreizylinder aus dem Stellantis-Konzernregal hat mit dem knapp 1,3 Tonnen schweren Kompakten wenig Mühe und sorgt für vollkommen ausreichende Fahrleistungen. Für den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h vergehen gerade einmal 5,8, von 80 auf 120 km/h braucht der Testwagen 6,7 Sekunden. Auch bei den Elastizitätsmessungen schneidet der Rüsselsheimer gut ab. Im vierten Gang von 60 bis 100 km/h schafft es der Astra in 7,2, im fünften Gang sind es 9,6, im sechsten Gang 15 Sekunden.
Die Laufkultur ist in Ordnung, wobei Vibrationen bei bestimmten Drehzahlen recht deutlich im Innenraum zu spüren sind. Die etwas verzögerte Gasannahme fällt auf, anschließend entfaltet der Benziner seine Leistung aber angenehm gleichmäßig. Gerade unter 2000 Touren sind Vibrationen und merkliches Brummen vorhanden.

Der Motor beantwortet Leistungsabforderung mit einem kernigen Klang und wird beim Ausdrehen deutlich lauter. Hohe Drehzahlen sind aber selten erforderlich, da das Downsizing-Aggregat bereits bei mittleren schon munter unterwegs ist. Die manuelle Schaltung des Testwagens ist recht unpräzise und die Schaltwege fallen nicht gerade kurz aus.

Testverbrauch: 6,0 Liter Super auf 100 Kilometer

Und der Verbrauch? Der Astra 1.2 Turbo GS Line mit Handschaltung schluckt im Schnitt 6,0 Liter Super auf 100 Kilometer. Der Verbrauch innerorts liegt bei 6,2, außerorts bei 5,3 und auf der Autobahn bei 6,9 Liter. Das unter anderem mit einem Partikelfilter bewehrte Abgasreinigungssystem funktioniert gut, lediglich bei Volllast sind die CO- und Partikelwerte leicht erhöht. Das reicht immerhin für vier von fünf möglichen Sternen im ADAC Ecotest.

Testfahrt mit dem Plug-in-Hybrid

Noch souveräner wirkt naturgemäß der Plug-in-Hybrid mit 180 PS Systemleistung, die sich aus einem 150-PS-Benziner und einem für Plug-in-Verhältnisse relativ starken 110-PS-Elektromotor speist. Entsprechend kraftvoll zieht der Opel davon – ganz gleich ob im reinen Elektromodus oder im Hybridmodus im Antriebsduett mit dem Benziner. Im E-Modus zudem sehr leise – auch das ist eine neue Erfahrung im Astra, den es bisher nicht mit Stecker gab. Das Antriebsduo gibt sich harmonisch und bestens aufeinander abgestimmt. So soll es sein.

Mit einer 12,4-kWh-Batterie an Bord dürfte der Plug-in-Hybrid zwischen 40 und 50 Kilometer ganz ohne Verbrenner fahren können. Rein elektrisch wird der Astra hier bis 135 km/h und mit dem Benziner sogar bis 225 km/h schnell. Das hat mit mindestens 39.100 Euro (Elegance) allerdings auch seinen Preis.

Preis: Ab 26.650 Euro für den 110-PS-Benziner

Alles in allem ein guter Auftritt des Opel Astra, aus dem sich die Autotest-Gesamtnote 2,4 ergibt. Beim Preis startete der neue Astra im Frühjahr 2022 auf dem Niveau des Vorgängers und war in der Basisversion ab 22.465 Euro bestellbar. Inzwischen (Juli 2022), muss man für den Kompakten mindestens 26.650 Euro berappen (110 PS, Elegance-Ausstattung). Der getestete 130-PS-Astra in der GS Line-Version ist ab 29.180 Euro zu haben.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Opel Astra 1.2 Turbo GS Line als PDF
PDF, 843 KB
PDF ansehen

Opel Astra L: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Opel Astra 1.2 Turbo GS Line (ab 02/22)

Opel Astra 1.6 Turbo Hybrid Elegance Automatik (ab 02/22)

Motorart

Otto
PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.199 ccm
1.598 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

96
133

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

130
180

Drehmoment (Systemleistung)

230 Nm
360 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min
6.000 U/min

Antriebsart

Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

9,7 s
7,6 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h
225 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-
60 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

123 g/km
24 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,4 l/100 km
1,1 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-
12,4

Ladeleistung (kW)

-
AC:1,8-7,4

Kofferraumvolumen normal

422 l
352 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.339 l
1.268 l

Leergewicht (EU)

1.341 kg
1.678 kg

Zuladung

499 kg
472 kg

Anhängelast ungebremst

660 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.250 kg
1.450 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.374 mm x 1.860 mm x 1.441 mm
4.374 mm x 1.860 mm x 1.442 mm

Grundpreis

30.430 Euro
39.100 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Opel Astra 1.2 Turbo GS Line

Überholvorgang 60 – 100 km/h

5,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,8 m

Wendekreis

10,6 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,0 l Super/100 km, 164 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

865 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,1 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1306 / 534 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

305 / 690 / 1125 l

ADAC Testurteil

ADAC Testergebnis

Opel Astra 1.2 Turbo GS Line (ab 02/22)

Karosserie/Kofferraum

2,8

Innenraum

2,5

Komfort

2,5

Motor/Antrieb

2,4

Fahreigenschaften

2,3

Sicherheit

2,4

Umwelt/EcoTest

2,2

Gesamtnote

2,4
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen:

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Text mit Material von SP-X.

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.