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Mazda MX-30: Elektro-SUV mit Stil und Dynamik

Mazda MX-30 fahrend von vorne
Das erste Elektroauto von Mazda: MX-30 ∙ © Mazda

Mazda hat sich mit seinem ersten Elektroauto Zeit gelassen: Im Herbst kommt endlich der neue MX-30 – als Crossover mit relativ kleiner Batterie und Reichweite. Ob das Konzept stimmt, klärt die erste Testfahrt mit allen Daten und Preisen.

  • Ungewöhnliches Konzept mit gegenläufigen Türen

  • Hochwertiges Interieur mit umweltfreundlichen Materialien

  • Gute Fahrleistungen, 262 Kilometer Reichweite

  • Im September ab 32.645 Euro, mit Prämie: 23.166 Euro

Mazda ist schon irgendwie eine besondere Marke. Während andere Hersteller vor allem das nachahmen, was die Konkurrenz (erfolgreich) vorgemacht hat, gehen die Japaner oft Sonderwege. Den guten alten Saugmotor? Gibt’s fast nur noch bei Mazda. Einen sparsamen Benzindirekteinspritzer mit Dieseltechnik oder den Wankelmotor? Die Entwicklung haben andere aufgegeben – nicht Mazda.

Und jetzt der MX-30. Was am ihm ungewöhnlich ist? Klar, das schnörkellose Design außen und innen. Aber vor allem das Konzept, das davon ausgeht, das eine relativ kleine Batterie mit wenig Reichweite für viele Kunden genau das Passende ist. Mazda nennt das: Rightsizing. Also: Alles richtig gemacht? Wir machen die erste Testfahrt.

Ungewöhnliches Designkonzept 

Auf den typischen großen Kühlergrill der anderen Modelle hat Mazda beim MX-30 schon mal verzichtet. Kein großes Maul soll hier für andere bedrohlich wirken, sondern eher vermitteln: Ich bin der ehrliche Kumpel von nebenan. Deshalb braucht das Blechkleid auch keine schwurbeligen Kanten und Sicken, sondern wirkt allein durch die dynamische Formgebung. Mit dem markentypisch zylindrischen Scheinwerferdesign und den dreidimensionalen Heckleuchten bleibt der MX-30 trotzdem als typischer Mazda erkennbar.

Noch ungewöhnlicher ist das Interieur des knapp 4,40 Meter langen Crossover. Das Armaturenbrett ist horizontal layoutet, was die Breite des Fahrzeugs stärker hervorhebt und den Passagieren ein Gefühl von Geräumigkeit vermittelt. So ähnlich wie beim neuen Land Rover Defender. Doch hier sitzt man nicht auf dem Bock (was ja auch viele mögen), sondern fühlt sich durch das fahrerorientierte Cockpit mit den klar gezeichneten digitalen Instrumenten bestens integriert.

Dazu trägt auch die "schwebende" Mittelkonsole bei, die alle notwendigen Bedienelemente beherbergt und in einem 7-Zoll-Touchscreen für die Klimasteuerung endet. Fürs Entertainment ist das 8-Zoll-Display auf dem Armaturenträger zuständig, das mit einem praktischen Dreh-Drück-Schalter angesteuert wird.

Die verwendeten Innenraum-Materialen sind laut Mazda besonders umweltfreundlich. Die Ablagen in der Mittelkonsole verwenden Kork, der aus abgetragener Baumrinde gewonnen wird. Und die grauen Türverkleidungen bestehen aus einem offenporigen Gewebe, das aus recycelten PET-Kunststoffflaschen hergestellt wird. Sieht alles hochwertig zeitlos aus – und fühlt sich auch gut an.

Vier Türen ohne störende B-Säule

Eines der auffälligsten Merkmale des Mazda MX-30 sind seine gegenläufig angeschlagenen Türen, die ohne B-Säule auskommen. Das macht Platz für den Ein- und Ausstieg der Fondpassagiere, schafft zusätzliche Möglichkeiten für die Beladung oder erleichtert zum Beispiel das Handling mit Kindersitzen. Der Nachteil: Immer, wenn hinten jemand rein oder raus will, muss vorher die vordere Türe geöffnet werden.

Obwohl die hinteren Sitze eher wie eine gepolsterte Parkbank und recht unbequem aussehen, sitzt man hier in punkto Seitenführung recht komfortabel. Allerdings sollte man wegen der knappen Kopffreiheit nicht allzu groß sein und damit zurechtkommen, dass man die Beine beim Sitzen stark anwinkeln muss und durch die hohe Seitenlinie mit den kleinen Fenstern wenig Ausblick genießt. Immerhin lässt sich die Rücklehne der Bank im Verhältnis 2:1 klappen – und erweitert den eher durchschnittlich großen 366 Liter Kofferraum dann auf bis zu 1171 Liter.

Mazda MX-30: Kleine Batterie verbessert Ökobilanz

Den Ansatz, einem Elektrofahrzeug beim aktuellen Strommix in Deutschland und Europa schon bei geringeren Gesamtlaufleistungen einen CO₂-Vorteil zu verschaffen, nennt Mazda "Rightsizing". Denn Klimabilanzen, die – zusätzlich zu den Well-to-Wheel-Emissionen –
die gesamten Umweltauswirkungen eines Produkts über seine gesamte Lebensdauer messen, beweisen, dass E-Autos mit kleineren Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus tendenziell geringere CO₂-Emissionen verursachen, als vergleichbare Autos mit größeren Batterien.

Für Mazda ist deshalb die relativ geringe Batteriekapazität des MX-30 mit 35,5 kWh die optimale Balance zwischen einer Reichweite von bis zu 262 Kilometern (WLTP), die den Nutzern ausreichend Sicherheit gibt, und niedrigen CO₂-Emissionen in der gesamten Ökobilanz. Allerdings könnte die beim MX-30 noch besser sein, würde er weniger als die 19 kWh/100 km verbrauchen, die Mazda für den kombinierten WLTP-Zyklus angibt. Zur Relation: Der vergleichbare Hyundai Kona Elektro nimmt offiziell 15 kWh.

Schade: Der MX-30 lädt nur einphasig

Warum jedoch Mazda die relativ geringe, aber in der Praxis wohl meist ausreichende Reichweite nicht durch bessere Lademöglichkeiten abfedert, ist nicht verständlich. Gut: Der MX-30 kann mit Gleichstrom und CCS-Stecker mit bis zu 50 kW in weniger als einer Stunde geladen werden. Doch solche Säulen findet man nur selten im urbanen Umfeld, sondern mit etwas Glück an Autobahnen.

Daheim wird aber in der Regel Wechselstrom gezapft. Doch das kann der MX-30 nur mit einer Phase. Selbst mit einer 22-kW-Wallbox dauert das schon 4,5 Stunden. Hängt der Stromer dagegen an einer normalen Haushaltssteckdose, heißt es: Bis zu zwölf Stunden warten! Deshalb, liebe Mazda-Entwickler: Legt zusammen und spendiert Eurem Batterie-Neuling drei Phasen. Das dürft Ihr dann doch mal so wie die Konkurrenz machen.

Prima Fahrleistungen mit 107-kW-Elektromotor

Hervorragende Arbeit leisteten die Techniker dagegen bei der Abstimmung des knapp über 1700 Kilo schweren Stromers. Für ihr erstes batterieelektrisches Fahrzeug entwickelten sie den neuen e-Skyactiv-Antrieb mit einem 107 kW/145 PS starken Elektromotor, der 271 Nm Drehmoment freisetzt. Der frontgetriebene Mazda beschleunigt mit ihm in 9,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und hat eine abgeriegelte Spitze von 140 km/h.

Klar, an Leistungsdaten, die z. B. ein Tesla Model 3 aufweist, kommt er damit nicht ran. Aber im Alltagsverkehr lässt er trotzdem noch jeden Verbrenner stehen, weil sein Drehmoment schon ab der ersten Umdrehung anliegt. Und auch zügig gefahrene Kurven machen enorm Spaß, weil das straffe, aber nicht unkomfortable Fahrwerk wie ein Brett auf der Straße klebt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist lediglich die sehr leichtgängige Lenkung, die in der Mittellage etwas straffer sein könnte.

Eine echte und sehr gut funktionierende Innovation sind die zwei Paddel links und rechts am Lenkrad. Die haben einige andere E-Autos zwar auch, doch mit ihnen wird in der Regel nur die Rekuperation zeitweise erhöht. Macht das linke Paddel beim Mazda auch, doch das rechte bewirkt das Gegenteil: Die Normal-Rekuperation beim Rollen wird in zwei Stufen verringert. Selbst beim Rollen hat man so das Gefühl als würde man plötzlich bergab fahren.

Eine zweite Besonderheit ist der künstliche, auf das Motordrehmoment abgestimmte Sound des im Prinzip geräuschlosen E-Motors: Schallfrequenz und Schalldruck sollen dem Fahrer bei der Einschätzung von Geschwindigkeit helfen. Künstliche Geräusche da, wo eigentlich keine sind? Ja, funktioniert tatsächlich gut, weil es auch nur sehr dezent hörbar ist und intuitiv immer passt. Lediglich bei höheren Dauergeschwindigkeiten könnte sich das Soundsystem mehr zurücknehmen. 

Gutes Preis-/Leistungsverhältnis

Der neue Mazda MX-30 rollt am 25. September 2020 in die Schauräume der deutschen Händler und startet – dann aktuell mit einem Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent – zu Preisen ab 32.645,71 Euro. Schon die Serienausstattung kann sich sehen lassen: 18-Zoll-Leichtmetallfelgen Voll-LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, das Konnektivitätssystem Mazda Connect mit Navi, Apple Car Play, Android Auto und ein Head-up Display mit Projektion in der Windschutzscheibe. Die umfangreiche Ausstattung an Sicherheitssystemen mit ACC und Staufunktion, einem Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung und Kreuzungsfunktion, Verkehrszeichenerkennung oder Spurhalteassistent ist auch Serie.

Aktuell (und noch bis Ende 2021) ist der Kauf eines E-Fahrzeugs besonders attraktiv. Mal durchgerechnet am Beispiel des MX-30: Beim Kaufabschluss wird auf den Bruttopreis ein Innovationsbonus von insgesamt 9570 € gut geschrieben (6000 € Bundesanteil, 3570 € Hersteller). Macht: 23.920 €. Und bis Ende des Jahres mit 16 Prozent Mehrwertsteuer sind es sogar nur 23.166 €.

Selten war es also so günstig, mit einem so umfangreich ausgestatteten Fahrzeug wie dem Mazda MX-30 in die E-Mobilität einzusteigen. Und vor allem: Mazda hat versprochen, dass sich die Lieferzeiten von denen der Verbrenner-Kollegen nicht unterscheiden sollen.

Technische Daten Mazda MX-30

HerstellerangabenMazda MX-30

Motor/Antrieb

AC-Synchronmotor, Lithium-Ionen-Batterie, 107 kW/145 PS, 271 Nm ab 0 U/min

Fahrleistungen

9,7 s auf 100 km/h, 140 km/h Spitze

Batteriekapazität

35,5 kWh

Verbrauch (WLTP)

19 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Maße

L 4,40 / B 1,80 / H 1,56 m

Kofferraum

366 – 1171 l

Leergewicht / Zuladung

1720 / 463 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

keine

Garantie

3 Jahre / 100.000 km

Preis

ab 33.490 € (inkl. 19% Mwst.)

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