Fünf Camping-Trends für 2021

Der neue Mercedes-Benz Marco Polo jetzt mit MBUX und MBAC
Mit dem kompakten Kastenwagen hinaus ins Grüne: Camping liegt im Trend ∙ © Mercedes

Der Campingboom wird in Zeiten von Corona noch größer: Für Urlaub mit Wohnmobil und Caravan interessieren sich immer mehr Jüngere und Einsteiger. Fünf Trends für die Saison 2021.

Rekord: Wohnmobil-Boom hält an

Enormen Zuwachs gibt es bei den Wohnmobilen: 78.055 Neuzulassungen 2020 und damit plus 44,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr meldet der Caravaning Industrie Verband (CIVD), der die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes detailliert auswertet. Insgesamt wurden erstmals mehr als 100.000 Freizeitfahrzeuge (also Reisemobile und Caravans) in Deutschland binnen eines Kalenderjahres neu zugelassen: 107.203 (+32,6%). Bei den Wohnwagen fiel der Zuwachs geringer aus: 29.148 Neuzulassungen (+8,2 Prozent), hier hatten sich Familien als wichtigste Caravan-Käufergruppe im Frühjahr noch zurückgehalten.

Auch 2021 erwartet der Verband weiterhin eine hohe Nachfrage. Individuelles Reisen mit Wohnmobil oder Caravan sei eben in Corona-Zeiten "eine besonders sichere Urlaubsform", sagt CIVD-Präsident Hermann Pfaff zu dem anhaltenden Boom, der in der Pandemie offenbar noch verstärkt wird.

Prognosen für 2021 seien angesichts der Corona-Situation schwierig, der Verband erwartet aber, dass sich der positive Trend grundsätzlich so fortsetzt. „Unter dem Vorbehalt, dass es keine großen Rückschläge in der Bekämpfung der Pandemie gibt", die beispielsweise Reisen verhindern oder die Produktion der Fahrzeuge beeinträchtigen, "gehen wir von einem Wachstum von um 10 Prozent bei den Freizeitfahrzeugen insgesamt aus“, so Pfaff. Bei den Wohnmobilen rechnet der Verband mit einem Plus von etwa 12 Prozent.

Spitzenreiter: Junge Camper und kleine Kastenwagen

Familie campt mit ihrem VW California
Die jungen Camper kommen: Durch die vielen Neueinsteiger hat sich der Trend zu Vans und Kastenwagen verstärkt ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Besonders die jüngere Zielgruppe ist beim Camping stark im Kommen, das stellen Experten des Branchenverbands und des ADAC anhand von Umfragen übereinstimmend fest: Speziell die "Millenials" (Menschen von Mitte 20 bis Mitte 30) zeigen großes Interesse. 2020 habe man vor allem gänzlich neue Kunden gesehen, so der CIVD – also Einsteiger, die sich wirklich zum allerersten Mal für Camping interessieren.

Durch die zusätzlichen jüngeren Zielgruppen hat sich die Nachfrage nach kompakten Einsteigermodellen noch verstärkt. Kastenwagen und Vans machen inzwischen fast die Hälfte (47,5 Prozent) der Wohnmobil-Neuzulassungen aus.

"Gefragt sind vor allem Fahrzeuge, die alltagstauglich sind und trotzdem alles für den autarken Campingurlaub an Bord haben", bestätigt ADAC Campingexperte Martin Zöllner. Der Bedarf an günstigen Modellen für junge Familien steige merklich. Angesichts dieser Trends testet der ADAC aktuell vor allem kompakte Campingfahrzeuge, die speziell für die jüngere Zielgruppe interessant sind wie Mercedes Marco Polo, VW California und weitere Campingbusse im Vergleich. Auch im ADAC Crashtest wurde jetzt erstmals ein zum Wohnmobil ausgebauter Kastenwagen geprüft.

Trend nach oben: Aufstelldach und Dachzelt

Zwei Kinder im Dachzelt eines VW California
Ein Aufstelldach, das zusätzliche Schlafplätze bietet, ist derzeit bei Campern besonders gefragt ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Bei den kompakten Modellen, die speziell Jüngere und Einsteiger interessieren, zeigt sich laut CIVD vor allem ein Trend: Ein Aufstelldach, das zusätzliche Schlafplätze bietet, ist sozusagen das "Must-have" der Saison.

Viele Camper geben sich bei ihren Fahrzeugen derzeit bewusst mit einfachen Ausstattungen zufrieden und nehmen ein engeres "Innenleben" in Kauf, meint Zöllner. Andererseits hätten sie im städtischen Umfeld auch kaum eine andere Wahl, da der öffentliche Parkraum knapper werde und vielerorts die dort über den Winter abgestellten Wohnmobile negativ auffielen.

Neben den sehr gefragten Aufstelldächern bei kompakten Wohnmobilen gibt es noch einen anderen Trend, nach oben hin Platz zu schaffen: Dachzelte*. Über 50 Hersteller vertreiben in Deutschland bereits derartige Zelte, die auf dem Fahrzeugdach montiert werden – vom Einsteigerexemplar über das aufblasbare Leichtgewicht bis zum Premiummodell für mehrere Tausend Euro.

Campingplätze: Deutschland stark gefragt, mehr online buchbar

Luftaufnahme des Campingplatzes Wulfener Hals
Sehr beliebt sind Ziele in Deutschland wie der Campingplatz Wulfener Hals auf der Ostsee-Insel Fehmarn ∙ © Camping Wulfener Hals

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie hat sich der Trend zum Camping noch mal verstärkt, heißt es auch beim ADAC Campingportal Pincamp*. Schließlich gelte es als "coronasichere" Urlaubsform: Camper seien weitestgehend autark, hätten ihre eigenen vier Wände dabei und in den meisten Fällen auch ihren eigenen Sanitärbereich mit an Bord. Sie könnten sich selbst versorgen und einfach den Standort wechseln, wenn sich die Nutzungsmöglichkeiten der Campinganlagen ändern.

Für 2021 erwartet der ADAC, dass sich Camper stark auf nahe gelegene und vor allem deutsche Ziele fokussieren. Deshalb hat das Portal die Kapazitäten massiv erweitert und bietet zurzeit mehr als 2000 online buchbare Campingplätze in Deutschland und Europa an, zum Jahresende sollen es 3200 sein. Rechtzeitige Onlinebuchung sei der richtige Weg, den Wunschplatz zu sichern, rät Uwe Frers, Geschäftsführer der ADAC Camping GmbH: "Achten Sie dabei auf faire Nutzungs- und Stornobedingungen." Es gebe zudem auch sehr attraktive Campingplätze in der zweiten und dritten Reihe, also z.B. etwas im Hinterland statt direkt an einem Seeufer, die deutlich besser verfügbar seien.

Die Nachfrage nach Reisemobilstellplätzen steigt ebenfalls stetig durch den Zuwachs an Fahrzeugen und den Trend zum Deutschland-Tourismus. Daher setzen sich ADAC, CIVD, der deutsche Tourismusverband DTV und weitere Institutionen im Arbeitskreis Reisemobiltourismus* für die Schaffung neuer Plätze bei Kommunen und Landkreisen ein. Hier geht es um eine am Bedarf orientierte Infrastruktur: Stellplätze für Wohnmobile werden als reine Übernachtungsplätze genutzt und müssen daher nicht so ausgestattet sein wie Campingplätze. Aktuell bemerkt ADAC Experte Zöllner hier einen Trend weg von der Parkplatzsituation, viele Camper wollten jetzt eher "versteckt stehen und für sich sein".

Zukunftstechnik: Alternative Antriebe und smarte Wohnmobile

Derzeit sind fast alle Wohnmobile Diesel, alternative Antriebe bleiben für Camper eher ein langfristiges Thema. Die Nachfrage sei momentan noch gering aufgrund der weiterhin bestehenden Hindernisse wie geringe Reichweite, fehlende Lade-Infrastruktur, höherer Anschaffungspreis und Zusatzgewicht, heißt es beim CIVD. In den kommenden Jahren werde die Entwicklung aber deutlich an Dynamik zunehmen, beispielsweise wenn der vollelektrische VW-Bulli ID. Buzz auf den Markt komme. Immer mehr Campingplätze schaffen bereits Ladesäulen an der Parzelle, sagt ADAC Experte Zöllner, der mit ausgereiften Hybrid-Modellen bei den Wohnmobilen ab 2022 rechnet.

Vom Strand aus die Klimaanlage im Fahrzeug aktivieren, im Winter rechtzeitig die Heizung aufdrehen, per App immer über Batterieladung und Gasflaschenfüllstand informiert bleiben – smarte Wohnmobile mit digitaler Vernetzung liegen weiter im Trend. In puncto Konnektivität haben mittlerweile zahlreiche Campingfahrzeug-Hersteller etwas zu bieten. Hymer startet aktuell z.B. für seine B-Klasse MasterLine eine neue Connect App, die smarte Wohnraumsteuerung direkt mit Fahrzeuginfos des Mercedes Sprinter bündelt. Neben Kommunikation in Fahrzeugnähe via Bluetooth soll auch die Steuerung aus der Ferne möglich sein.

Auf den Trend zum smarten Wohnmobil hat der ADAC bei den Tests von Campingfahrzeugen bereits reagiert: Für den Bereich Elektrik/Konnektivität gibt es hier eine eigene Bewertung.

Mehr Infos rund um Camping finden Sie hier sowie beim ADAC Campingportal Pincamp*

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