Die Campingtrends für 2022

Mit dem kompakten Kastenwagen auf Tour: Camping liegt im Trend
Mit dem kompakten Kastenwagen auf Tour: Camping liegt im Trend © Crosscamp

Camping boomt weiterhin, noch stärker in Zeiten von Corona. Immer mehr jüngere Menschen und Neueinsteiger interessieren sich für Urlaub mit dem Wohnmobil. Die Trends für die Saison 2022.

  • Weiter hohe Wohnmobil-Nachfrage, aber Verzögerungen in der Produktion

  • Trend zum Kastenwagen hält an: ADAC Tests bieten Infos

  • Campingplätze in Deutschland gefragt, auch Südeuropa wieder im Kommen

Wohnmobil-Boom und Lieferprobleme

Für Rekordzahlen sorgen erneut die Wohnmobile: 81.420 Neuzulassungen gab es 2021 laut Caravaning Industrie Verband (CIVD), der die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts detailliert auswertet. Das sind noch einmal 4,3 Prozent mehr als im Boom-Jahr 2020. Innerhalb von vier Jahren haben sich die Reisemobil-Zulassungen mehr als verdoppelt. Insgesamt wurden zum zweiten Mal mehr als 100.000 Freizeitfahrzeuge (also Reisemobile und Caravans) in Deutschland binnen eines Kalenderjahrs neu zugelassen.

Dass es nicht noch mehr waren, lag laut CIVD-Präsident Hermann Pfaff an Rohstoffmangel und verzögerten Lieferketten durch die Pandemie vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Bei den Wohnwagen sanken die Neuzulassungen 2021 sogar um 15,2 Prozent auf 24.718. Der Verband erwartet jedoch auch 2022 positive Aussichten für die gesamte Branche. Die Behinderungen in der Produktion werde es zwar wohl noch das ganze Jahr und eventuell sogar darüber hinaus geben, die Nachfrage nach Reisemobilen und Caravans bleibe aber hoch.

"Die Automotive-Zulieferer haben zu kämpfen", sagt auch ADAC Campingexperte Martin Zöllner, "Lieferketten sind längerfristig geschädigt." Etliche Neufahrzeuge könnten nicht fertiggestellt werden. Durch diese Verknappung sei auch der Markt für Gebrauchtfahrzeuge überhitzt. Insgesamt gebe es mittlerweile rund 1,6 Millionen zugelassene Campingfahrzeuge auf deutschen Straßen.

ADAC Tipps rund um den Kauf eines gebrauchten Wohnmobils

Der Krise entgegenwirken und die eingeschränkte Lieferfähigkeit wieder verbessern will jetzt zum Beispiel die Erwin Hymer Group durch eine Partnerschaft mit Ford: Transit-Modelle sollen künftig als Basis dienen, dadurch eine breitere Palette an Lieferanten entstehen. Als strategische Partner wollen Hymer und Ford bereits die Basisfahrzeuge besser auf den Bedarf der Camper zuschneiden. Bislang basiert der größte Anteil der Wohnmobile in Deutschland auf Fiat Ducato.

Spitzenreiter: Junge Camper und kleine Kastenwagen

Die jungen Camper kommen: Durch die vielen Neueinsteiger hat sich der Trend zu Vans und Kastenwagen verstärkt © Crosscamp/Basti Hansen

Camper werden immer jünger: "Die Millennials im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30 werden zu einer wichtigen Zielgruppe", beobachtet ADAC Experte Zöllner, "vor allem junge Familien." Besonders gefragt sind bei ihnen und bei Campingeinsteigern kompakte Modelle. Kastenwagen und Vans machen inzwischen rund die Hälfte der Wohnmobil-Neuzulassungen aus. Gesucht sind laut Zöllner vor allem Fahrzeuge, die alltagstauglich sind und trotzdem alles für den autarken Campingurlaub an Bord haben.

Kompakte Campingfahrzeuge im ADAC Test

ADAC Crashtest mit einem zum Wohnmobil ausgebauten Kastenwagen © ADAC/Uwe Rattay

Angesichts dieser Trends testet der ADAC vor allem kompakte Campingfahrzeuge, die speziell für die jüngere Zielgruppe interessant sind wie Mercedes Marco Polo, VW Grand California 600, VW California Ocean, Hymer Sydney und Hymer Grand Canyon S.
Auch im ADAC Crashtest wurde erstmals ein zum Wohnmobil ausgebauter Kastenwagen geprüft. Bei diesem Wohnmobil-Crash brach beim Testfahrzeug die Rückbank aus Holz völlig zusammen. Ein weiterer ADAC Test zeigte dann, dass sich das Verletzungsrisiko der Insassen mit einem einfachen Metallunterbau deutlich verringern lässt. Campingexperte Zöllner sieht nun Auswirkungen: "Erste Hersteller reagieren auf unseren Crashtest und entwickeln Konzepte für die Sicherheit in der zweiten Sitzreihe."

Trend nach oben: Aufstelldach und Dachzelt

Dachzelte gibt es auch als aufblasbare Leichtgewichte © GentleTent

Viele Camper geben sich bei ihren Fahrzeugen derzeit bewusst mit einfachen Ausstattungen zufrieden und nehmen ein engeres "Innenleben" in Kauf, meint Zöllner. Da nutzen viele die Möglichkeit, nach oben hin Platz zu schaffen: Sehr gefragt sind Aufstelldächer, die in kompakten Wohnmobilen zusätzliche Schlafplätze bieten. Voll im Trend liegen aber auch Dachzelte*: Über 50 Hersteller vertreiben in Deutschland bereits derartige Zelte, die auf dem Fahrzeugdach montiert werden – vom Einsteigerexemplar bis zum Premium-Modell für mehrere Tausend Euro oder zur aufblasbaren Leichtversion, die in Minutenschnelle aufgebaut sein und auf fast alle Fahrzeuge passen soll. Als Vorteil von Dachzelten gilt bei vielen die große Liegefläche: 160 x 220 Zentimeter sind keine Seltenheit.

Zukunftstechnik: Mehr Hybrid- und Elektrocamper

Noch immer sind die meisten Wohnmobile Dieselfahrzeuge, alternative Antriebe für Camper eher ein Zukunftsthema. Es gibt mittlerweile aber mehr Elektroversionen und Modelle mit Plug-In-Hybridantrieb bei Transportern und damit auch mehr elektrifizierte Campervans, so ADAC Experte Zöllner, "allerdings immer noch mit geringer Reichweite und zu deutlich überhöhten Preisen".

Künftig könnte die Entwicklung an Dynamik zunehmen – beispielsweise wenn der vollelektrische VW-Bulli ID.Buzz in diesem Jahr in seiner Serienversion vorgestellt wird, der später auch als Camper auf den Markt kommt. Gebremst wird die Nachfrage momentan auch noch von Hindernissen wie fehlender Ladeinfrastruktur. Immer mehr Campingplätze schaffen aber bereits Ladesäulen am Standplatz, so Zöllner.

Zukunftstechnik gibt es nicht nur beim Antrieb. Wer ein smartes Wohnmobil mit digitaler Vernetzung hat, kann vom Strand aus die Klimaanlage im Fahrzeug aktivieren, im Winter rechtzeitig die Heizung aufdrehen, per App immer über Batterieladung und Gasflaschenfüllstand informiert bleiben. Diesen Trend zum Komfort berücksichtigt der ADAC bei den Tests von Campingfahrzeugen: Für den Bereich Elektrik/Konnektivität gibt es hier eine eigene Bewertung.

Campingplätze: Deutschland gefragt, mehr online buchbar

Neu unter den ADAC Superplätzen 2022: Camping Strukkamphuk auf der Ostseeinsel Fehmarn © Melina Waliczek

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie hat sich der Trend zum Camping weiter verstärkt, heißt es auch beim ADAC Campingportal Pincamp*. Das Campingland Deutschland belegte 2021 wieder die Spitzenposition in der Nationenwertung des Portals. Im Gegensatz zum Vorjahr konnten aber die südeuropäischen Länder Boden gut machen und erreichen nahezu Vor-Corona-Niveau. Vor allem Italien und Kroatien verzeichneten nach Lockerung der Reisebestimmungen regen Zuspruch.

2022 erwartet Pincamp wieder ein Plus für Ziele in Südeuropa und speziell in Frankreich, da hier im Gegensatz zu anderen Destinationen die Preise meist nicht gestiegen seien. Kundenfreundliche Stornoregeln wirkten sich zudem aus. Einen Trend zu mehr Qualität zeige das Plus von 21 Prozent in der Spitzengruppe der ADAC Superplätze: Die Corona-Zeit sei oft für Verbesserungen genutzt worden, in Deutschland und im Ausland, besonders in Kroatien.

Für 2022 rechnet Uwe Frers, Geschäftsführer der ADAC Camping GmbH, auch mit mehr online buchbaren Campingplätzen: "Unser Ziel ist es, alle auf Pincamp gelisteten Campingplätze mit dieser Funktion auszustatten." Aktuell gehe das bereits bei mehr als 2400 Campingplätzen in Deutschland und Europa. Rechtzeitige Onlinebuchung sei der richtige Weg, den Wunschplatz zu sichern, rät Frers: "Achten Sie dabei auf faire Nutzungs- und Stornobedingungen." Es gebe zudem auch sehr attraktive Campingplätze in der zweiten und dritten Reihe, also z.B. etwas im Hinterland statt direkt an einem Seeufer, die deutlich besser verfügbar seien.

Das Interesse an nachhaltigem Campingurlaub steige, das Google-Suchvolumen für Begriffe wie "Ökocamping" habe sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt. ADAC Camping unterstützt die Initiative Wohnmobil für Klimaschutz, die klimarobuste Bäume pflanzt. Campingplätze mit umweltfreundlicher Betriebsführung werden auf Pincamp gekennzeichnet. Hier gebe es noch Wachstumspotenzial: Nur in sechs Ländern tragen mehr als zehn Prozent der Campingplätze das Umweltzeichen, an der Spitze Kroatien und Deutschland mit 18 und 16 Prozent.

Nachfrage nach Stellplätzen steigt

Die Nachfrage nach Reisemobilstellplätzen steigt ebenfalls stetig durch den Zuwachs an Fahrzeugen und den Trend zum Deutschland-Tourismus. Daher setzen sich ADAC, CIVD, der deutsche Tourismusverband DTV und weitere Institutionen im Arbeitskreis Reisemobiltourismus* für die Schaffung neuer Plätze in Kommunen und Landkreisen ein. Hier geht es um eine am Bedarf orientierte Infrastruktur: Stellplätze für Wohnmobile werden als reine Übernachtungsplätze genutzt und müssen daher nicht so ausgestattet sein wie Campingplätze. ADAC Experte Zöllner sieht hier einen Trend weg von der Parkplatzsituation, viele Camper wollten jetzt eher "versteckt stehen und für sich sein".

Mehr Infos rund um Camping finden Sie hier sowie beim ADAC Campingportal Pincamp*.

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