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Santa Clara | 12.09.2019

Byton M-Byte: Das Elektroauto aus China geht in Serie

Byton M-Byte Front stehend
Der Byton M-Byte rangiert irgendwo zwischen SUV und Van

Der M-Byte ist das erste Serienauto des chinesischen Herstellers Byton. Enthüllt wird es auf der IAA In Frankfurt. Autor Thomas Geiger konnte bereits probesitzen. Erste Infos.

  • Marktstart des M-Byte in Europa verschoben auf 2021
  • Batterien mit 71 und 95 kWh, wahlweise 200 oder 350 kW Leistung
  • Komfort steht im Mittelpunkt; der Riesen-Bildschirm lenkt ab

Als Byton 2018 auf der CES in Las Vegas sein Messedebüt gab, staunten die Gäste. Das Auto-Start-Up aus China versprach, alles besser zu machen als die etablierten Hersteller. Autonom und elektrisch fahren, die Bedienung revolutionieren, keine Schlüssel mehr dank Gesichtserkennung.

Klang alles richtig gut, doch noch hat Byton kein einziges Serienauto auf die Straße gebracht. Doch inzwischen läuft die Entwicklung des ersten elektrischen Wagens auf Hochtouren, auf der IAA in Frankfurt feierte das Serienfahrzeug seine Premiere.

"Ein Elektroauto muss bequem sein"

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Byton M-Byte Heck
Byton M-Byte: Der lange Radstand schafft Platz für die Batterien im Boden

Entwicklungschef David Twohig verfolgt dabei Philosophie, die ganz anders ist als die von Tesla & Co. Seine Überzeugung: "Ein Elektroauto muss bequem sein." Nur, weil jedes Elektroauto dank unmittelbarer Kraftübersetzung beschleunigen könne wie ein Sportwagen, müssten die Ingenieure es noch lange nicht so auslegen. "Sonst machen die Autos am Ende nur dem Fahrer Spaß", so Twohig.

Und weil der M-Byte (Europastart: vermutlich 2021) zunächst vor allem in chinesischen Stauhochburgen wie Shanghai oder Peking unterwegs sein werde, verliere Fahrdynamik noch mehr an Bedeutung. Die Entwickler legten deshalb viel Wert auf Komfort und sanftes Dahingleiten. Das führt dazu, dass sich die Insassen bei der Fahrt im Prototyp eher wie in einer traditionellen Oberklasse-Limousine fühlen – und nicht wie in einem Elektro-Renner.

Bis zu 520 Kilometer Reichweite

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Byton M-Byte Grundkörper
Die Akkus befinden sich platzsparend im Unterboden

Völlig verzichten müssen die künftigen Käufer trotzdem nicht auf den Elektroauto-typischen Vorwärtsdrang. Der M-Byte ist entweder mit Heckantrieb und 200 kW oder mit Allrad und 350 kW ausgestattet. Das reicht, um den 2,5 Tonnen schweren Wagen mit gehörigem Nachdruck zu beschleunigen.

Dass Twohig überhaupt so viel Mühe auf die Abstimmung verwendet, ist durchaus eine Überraschung. Denn bislang wurde die Connectivity so sehr betont, dass der Eindruck entstand, Fortbewegung sei für die Chinesen nur eine lästige Nebensache.

Diese Wahrnehmung will man nun offenbar ändern und betont deshalb auch traditionelle Werte. Dazu gehört die Reichweite: Im Bauch des Byton stecken Batterien mit 71 oder 95 kWh.

Der große Akku soll für bis zu 520 Kilometer Normreichweite genügen. Twohig: "Auch ein Smartphone muss fahren können, wenn wir Räder dran bauen."

Der Riesen-Bildschirm lenkt ab

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Byton M-Byte Innenraum Cockpit
Der Bildschirm des M-Byte erstreckt sich über die gesamte Cockpit-Breite

Für das futuristische Ambiente sorgt die riesige Bildschirmlandschaft. Sie besteht aus Touchscreens in der Armlehne zwischen den Sitzen, im Lenkrad und am Armaturenbrett. Dort erstreckt sich der Display über die komplette Fahrzeugbreite.

Allerdings ist das Geflimmer arg gewöhnungsbedürftig: Während sich das Tablet in der feststehenden Nabe des Lenkrads überraschend gut bedienen lässt, bindet der riesige Screen unter der Scheibe gefährlich viel Aufmerksamkeit. Außerdem behindert er den Blick auf die Straße, speziell direkt vor die Haube.

Zumindest vorne ist der Byton mit reichlich Platz ausgestattet. Fahrer und Beifahrer können sich am völlig ebenen und geräumigen Fußraum und entsprechend großer Beinfreiheit erfreuen. Die Hinterbänkler dagegen müssen sich klein machen. In der zweiten Reihe hat der M-Byte trotz seines stattlichen Formats von knapp fünf Metern nämlich weniger Knieraum als erwartet. Obendrein fällt das Dach ungemütlich früh ab.

Von der Digitalisierung bekommen die Hintersassen nicht viel mit: An den Rücklehnen gibt es nämlich keine Bildschirme, stattdessen muss man sich mit dem Smartphone ins lokale Wifi-Netzwerk des Byton einklinken.

So darf man gespannt sein, wie der Elektroauto-Neuling hierzulande ankommen wird. Denn den Nimbus eines Tesla hat der chinesische Hersteller noch lange nicht. Als Preis peilt Byton rund 54.000 Euro an – für das Gebotene durchaus o.k, für einen Newcomer aber nicht wenig.


Text: Thomas Geiger. Fotos: Byton.

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