Mercedes C-Klasse: Der Mittelklasse-Bestseller im ADAC Test

Neue Mercedes C-Klasse: Elegante Form in typischer Mercedes-Optik ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Mercedes

Die aktuelle Mercedes C-Klasse ist seit Herbst 2021 bei den Händlern. Edler und sportlicher als zuvor, aber auch als innovativer Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometern Reichweite. ADAC Test des C 200 mit Daten, Preisen, Infos.

  • ADAC Test des Benziners C 200 mit 224 PS

  • Auch als Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometer E-Reichweite

  • Einstiegspreis für die C 180-Limousine: 41.942 Euro

Man kann es kaum glauben: Rund 30 Jahre gibt es die Mercedes C-Klasse schon. Seit sie 1993 den Mercedes 190 ("Baby-Benz") abgelöst hat, wurden bereits vier Modellgenerationen auf die Straße gebracht. Und sie blieb als das volumenstärkste Modell von Mercedes-Benz auch in den letzten Jahren erfolgreich.

Im Sommer 2021 fuhr die jetzt fünfte Auflage des Hecktrieblers zu den Händlern – in China, dem inzwischen größten Absatzmarkt der C-Klasse, bevorzugt als klassische Limousine, in Deutschland wird das T-Modell von den Käufern präferiert: Hier werden zwei von drei C-Klassen als Kombi verkauft. Und deshalb machte es Sinn, dass bei uns erstmals Limousine und T-Modell gleichzeitig in den Verkauf gingen.

Mercedes C-Klasse optisch verjüngt

AMG-Look: "Powerdomes" auf der Motorhaube © Mercedes

In den letzten Jahren haben traditionelle Limousinen immer mehr Marktanteile an SUVs verloren. Um verlorenen Boden gut zu machen, hat Mercedes-Design-Chef Gordon Wagener die C-Klasse auch optisch deutlich modernisiert: Digitale Scheinwerfer mit scharfem Blick, eine Motorhaube mit "Powerdomes" wie bei einem Auto aus der Tuningszene, und der prominente Zentralstern im Grill statt des filigranen Sterns auf der Haube schinden im Rückspiegel mächtig Eindruck. Am Heck dagegen folgen die Blicke einem athletischen Rücken mit besseren Proportionen und weniger sinnfreien Rundungen, die manch anderes Mercedes-Modell zieren. Sieht mit den schmalen, erstmals zweigeteilten Heckleuchten von hinten fast schon etwas zierlich aus.

Aber bei einem neuen Modell geht es vor allem ums Fahren. Und auch die Ingenieure müssen sich technische Highlights einfallen lassen, mit denen die C-Klasse gegenüber BMW 3er und Audi A4 künftig punkten will.

360-Grad-Blick: Ein Cockpit wie in der S-Klasse

Das gilt vor allem fürs Cockpit, das stark von der neuen S-Klasse inspiriert und für Mercedes-Verhältnisse extrem fahrerorientiert ist. Das Lenkrad trägt wie im Luxusliner Doppelspeichen, dahinter steht frei ein 10,25 Zoll großes Display (gegen Aufpreis 12,3 Zoll), und daneben schwebt wie im Flaggschiff ein üppiger Bildschirm vor der Mittelkonsole (9,5 wahlweise 11,9 Zoll), der bis in den Mitteltunnel reicht. Für beide Displays gibt es verschiedene Anzeigestile (klassisch, dezent, sportlich), die Inhalte sind knackscharf gezeichnet.

Gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung. Klar, ein Touchscreen ist inzwischen Standard. Aber müssen auch alle anderen "Schalter" im Lenkrad (zu viele) oder unter dem Display (im Prinzip gut platziert) fingerwischend über eine kleine Softtouch-Oberfläche bedient werden? Nach anfänglichen Fehlversuchen sehnt man sich doch den guten alten Dreh-/Drückschalter zurück.

Natürlich soll auch die neue C-Klasse aufs Wort hören und mit der zweiten MBUX-Generation der S-Klasse frei gesprochene Befehle wie "Hey Mercedes, stelle die Temperatur im Haus auf 18 Grad" verstehen. Ja, funktioniert oft, aber nicht immer. Irgendwie hat man bei allen Sprachsystemen das Gefühl, da wäre noch Luft nach oben.

Als Sonderausstattung wird für die Navigation MBUX Augmented Reality angeboten. Eine Kamera erfasst die Umgebung vor dem Fahrzeug und zeigt die Videobilder mit zusätzlichen Infos wie beispielsweise Verkehrsschilder, Abbiegehinweise, Spurwechselempfehlungen und Hausnummern auf dem Zentral-Display. Funktioniert gut und erleichtert die Navigation insbesondere in der Stadt deutlich.

C-Klasse mit mehr Platz im Innenraum

Das neue Heck wirkt fast zierlich © Mercedes

Die C-Klasse wurde etwas größer – und den Raumgewinn durch 10 Millimeter mehr Breite und eine reichlich gewachsene Spur nimmt man im wertig gestaltetem Innenraum deutlich wahr. Auf 4,75 Metern Länge (bei der Limousine ein Plus von rund sieben Zentimetern im Vergleich zum Vorgänger) zahlen sich 25 Millimeter mehr Radstand plus ein bisschen mehr Platz für Köpfe und Schultern aus. Die Beinfreiheit vorne reicht für knapp zwei Meter große Menschen, über dem Scheitel ist dann sogar noch Platz.

Bei den Fondpassagieren ist es ähnlich, zumindest für die Knie. Die Kopffreiheit findet allerdings ab etwa 1,85 Meter ein Ende. Das bringt den Mercedes wieder auf Augenhöhe mit Audi und BMW.

Das Kofferraumvolumen liegt laut Mercedes bei der Limousine bei 455 Liter, beim Nachmessen der ADAC Ingenieure blieben davon aber nur 390 Liter oder bis zu sechs Getränkekisten übrig. Unter dem Kofferraumboden findet man zudem ein Fach mit 30 Litern Volumen. Wählt man die optionale klappbare Rücksitzlehne, stehen umgeklappt und im Innenraum gemessen bis zur Fensterunterkante immerhin 775 Liter zur Verfügung. Auch wenn das für die meisten Transporte ausreichend sein sollte und der Limousinen-Kofferraum im Vergleich zum Vorgänger etwas größer wurde, ist man in Sachen Transport mit dem T-Modell selbstredend besser bedient.

Gegen Aufpreis öffnet und schließt die Heckklappe elektrisch. Mit dem Keyless-Go-Komfort-Paket funktioniert das auch mittels Fußschwenk unter die Stoßstange. Die Ladekante liegt mit rund 68 Zentimetern über der Fahrbahn gerade noch in praxistauglicher Höhe. Beim Ausladen stört eine 13 Zentimeter hohe Stufe. Die Kofferraumöffnung ist nicht gerade groß, sperrige Gegenstände lassen sich dadurch schlecht oder gar nicht einladen.

Viel Hightech – meist gegen Aufpreis

Das digitale Licht kann Führungslinien auf die Straße projizieren © Mercedes

Selbstredend, dass die neue C-Klasse gegen Aufpreis auch ein Head-up-Display (1178 Euro) bietet und sich neue Software "over the air" in das Fahrzeug spielen lässt. Darüber lassen sich später auch Extras nachkaufen, die man beim Neukauf etwa vergessen hat zu bestellen oder das Fahrzeug um Funktionen erweitern, die erst im Lauf der nächsten Jahre entwickelt werden. Und wer will, kann sich über die Digital-Light-Scheinwerfer (im Paket 2112 Euro Aufpreis) mit ihren 1,3 Millionen Mikrospiegeln Symbole vor das Fahrzeug projizieren lassen – zum Beispiel Linien, die die Fahrzeugbreite darstellen und nachts beim Durchfahren einer Baustelle hilfreich sein können.

Neue Dynamik dank Hinterachslenkung

Limousinen-klassisch: Kurze Überhänge, langer Radstand © Mercedes

Damit wären wir bei einer weiteren Innovation: Die C-Klasse hat erstmals eine Hinterachslenkung – leider nur gegen Aufpreis (1249 Euro). Denn auch wenn sich die Räder nur um 2,5 statt wie bei der neuen S-Klasse um mehr als zehn Grad einschlagen lassen, wirkt das Auto viel handlicher und agiler. Das Prinzip: Bei Geschwindigkeiten von weniger als 60 km/h lenken die Hinterräder in die entgegengesetzte Richtung der Vorderräder – der Radstand verkürzt sich situationsabhängig virtuell, wodurch das Fahrzeug in der Stadt oder im Parkhaus wendiger wirkt.

Ab einer Geschwindigkeit von mehr als 60 km/h lenken die Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder – das verlängert virtuell den Radstand. Die Abstimmung der im
Mittelklasse-Segment sehr seltenen Allradlenkung ist Mercedes gut gelungen – bei höheren Tempi ist sie nicht zu spüren und die C-Klasse fährt sich solide, auf Wunsch aber auch agil. Die Lenkung überzeugt mit einem harmonischen, wenn auch gedämpften Lenkgefühl, guter Präzision und klarer Zentrierung.

Die neue C-Klasse mag zwar die agilste in der langen Geschichte sein, aber sie gibt nicht den BMW-Jäger. Denn trotz der Fokussierung auf Agilität und Fahrspaß wurden keine Kompromisse beim Komfort gemacht – auch wenn Mercedes die optionale Luftfederung bei den meisten Modellen gestrichen hat. Selbst mit adaptiven Stahlfedern wirkt die C-Klasse immer noch wie ein gemütlicher Cruiser, der den Blutdruck ruhig hält. Und das Fahrwerk des Testwagens mit adaptiven Dämpfern und drei Kennfeldern stellt nach Ansicht der ADAC Ingenieure vor allem im beim Fahrzeugstart im standardmäßigen Comfort-Modus nicht nur in dieser Klasse unter Komfortaspekten so ziemlich das Beste dar, was es gibt.

Der C 200 wirkt nicht sehr souverän

Fummelige Softtouch-Bedienung am Lenkrad © Mercedes

Mercedes elektrifiziert in der aktuellen C-Klasse alle Motoren mit einem 48-Volt-Startergenerator, der 15 kW und 200 Nm leistet und ein häufiges Abschalten des Verbrenners sowie sanftes Wiederanfahren auch bei höheren Geschwindigkeiten ermöglicht. Denn die Schwaben haben auch alle großen Motoren ausgemustert und sich auf Vierzylinder beschränkt: Die Bandbreite reicht vom C 180 mit 190 PS über den getesteten C 200 (224 PS) bis zum vorläufigen Spitzenreiter C 300 (278 PS) bei den Benzinern. Als Diesel fungieren der C 200 d mit 183 PS, der C 220 d (220 PS) sowie der 300 d (285 PS). Die stärkeren Modelle können auch als Allradversion 4Matic geordert werden.

Leistung produziert der nur 1,5 Liter große Vierzylinder-Benziner im getesteten C 200 reichlich. Trotzdem hinterließ er einen etwas zwiespältigen Eindruck: Man fühlt sich mit ihm nie untermotorisiert, aber irgendwie fehlt ihm trotz 224 PS die souveräne Gelassenheit. Er kann beim beherzten Gasgeben schon mal unwillig knurren. Und dann weiß die ansonsten butterweich schaltende 9-Gang-Automatik auch nicht, welcher Gang jetzt der beste ist.

C 200: 7,5 Liter Testverbrauch

Tragen der kleine Hubraum und die Elektro-Unterstützung dann wenigstens zu einem niedrigen Verbrauch bei? Nicht wirklich offenbar, denn der gemessene Durchschnittsverbrauch liegt bei 7,5 Litern Super je 100 Kilometer. Weil es im Schadstoff-Kapitel die Note 1,0 gibt, bekommt der C 200 aber zumindest drei von fünf möglichen Sternen im ADAC Ecotest.

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Technische Daten Mercedes-Benz C 200 Limousine

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz C 200 Avantgarde 9G-TRONIC (ab 06/21)

Motorart

Otto (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.496 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

165

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

224

Drehmoment (Systemleistung)

300 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.800 U/min

Antriebsart

Heck

Beschleunigung 0-100km/h

7,3 s

Höchstgeschwindigkeit

246 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

143 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

6,3 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

6,2 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

455 l

Leergewicht (EU)

1.650 kg

Zuladung

615 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.800 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.751 mm x 1.820 mm x 1.438 mm

Grundpreis

48.493 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Mercedes-Benz C 200 Avantgarde 9G-TRONIC

Überholvorgang 60 – 100 km/h

4,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

32 m

Wendekreis

10,6 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

7,5 l Super/100 km, 206 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

665 km

Innengeräusch bei 130 km/h

66,7 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1722 / 543 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

390 / 775 / - l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Mercedes-Benz C 200 Avantgarde 9G-TRONIC (ab 06/21)

Karosserie/Kofferraum

2,7

Innenraum

2,4

Komfort

1,8

Motor/Antrieb

1,5

Fahreigenschaften

1,6

Sicherheit

1,4

Umwelt/EcoTest

2,8

Gesamtnote

2,0
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen:

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometer Elektro-Reichweite

Trotz großer Antriebsbatterie im Heck gibt es beim Plug-in keine Stufe mehr im Kofferraum © Mercedes

Drei AMG-Versionen mit bis zu 510 PS haben die Schwaben inzwischen nachgeschoben. Und dazu auch einen weit zukunftssichereren Neuzugang, in Gestalt des 313 PS starken und knapp 54.000 Euro teuren C 300 e, eines Plug-in-Hybriden mit einer 25,4-kWh-Antriebsbatterie – genug für eine bislang konkurrenzlose Reichweite von über 100 Kilometern im rein elektrischen Fahrbetrieb (WLTP). Bis 140 km/h kann die C-Klasse damit völlig ohne Verbrenner fahren. Gut für kurze Ladezeiten: Ein 11-kW-Lader ist Serie, und ein 55-kW-Schnellladesystem für CCS-Säulen gibt es gegen 595 Euro Aufpreis. Damit ließe sich auf Urlaubsreisen die Batterie in rund 30 Minuten wieder füllen. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Batterie auch besser integriert worden, sodass im Kofferraum keine Stufe mehr entsteht und auch eine Durchlademöglichkeit existiert.

Daten und Preise zu allen Motoren und Ausstattungen der Mercedes C-Klasse Limousine finden Sie hier.

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