Cupra Born: So gut ist der Technik-Bruder des ID.3

Extrem dynamische Optik: Cupra Born, eine Variante zum VW ID.3
Extrem dynamische Optik: Cupra Born, eine Variante zum VW ID.3© Cupra

Das spanische Pendant zum VW ID.3 heißt Cupra Born und baut auf dessen Technik auf. Im Detail gibt es dennoch deutliche Unterschiede. Infos, Bilder, Daten, Reichweiten und Preise.

  • Zwei Leistungsstufen und zwei Akkugrößen

  • Grundpreise zwischen 39.370 und 46.450 Euro 

  • Tieferlegung, direktere Lenkung sowie 20 kW mehr Leistung

Der VW-Konzern nutzt alle Möglichkeiten, um seine umfangreiche Elektrostrategie in Schwung zu bringen. Der Wandel soll alle Marken erfassen, also auch Seat – respektive deren sportliche Tochter Cupra. Die Erweiterung des Portfolios um die Untermarke Cupra wirkt zunächst eigenartig, ist aber ein logischer Schritt: Einen Cupra können die Designer und Ingenieure noch deutlich knackiger und dynamischer auslegen als einen Seat. Was bei der engen technischen Verwandtschaft des Born zum VW ID.3 die Differenzierung unterstützt.

Sein großes Markenspektrum hilft dem VW-Konzern bei der Elektrifizierung genauso wie die Plattformstrategie. So wurde aus dem elektrischen Kleinwagen VW e-Up! der Mii electric. Und auch der Born (als Studie hieß er noch El-Born) setzt wie der ID.3 in der Kompaktklasse auf dem modularen Elektrobaukasten MEB auf.

Der Cupra Born wird aktuell (Stand Oktober 2022) in zwei Leistungsversionen und mit zwei verschiedenen Akkugrößen ausschließlich mit Heckantrieb angeboten. Die Basisversion kostete anfangs noch 32.700 Euro (abzüglich Umweltprämie), inzwischen liegt der Einstieg bei 39.370 Euro, dafür gibt es aber statt des ursprünglichen Akkus mit einer Nettokapazität von 45 kWh einen 58-kWh-Stromspender, die E-Maschine leistet 110 kW/150 PS. Darüber rangiert die Version mit einer Leistung von 170 kW/231 PS, mal mit dem 58-, mal mit einem 77-kWh-Akku. Dafür verlangt Cupra mindestens 40.750 und 46.450 Euro.

Cupra Born mit bis zu 550 Kilometer Reichweite

Zur Testfahrt stand die Topversion mit 231 PS und 77 kWh großem Akku zur Verfügung. Und die scheint aus allen ihren Poren mitteilen zu wollen, wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Klar, dass die Erwartungen hinsichtlich der dynamischen Fahreigenschaften, aber auch in Bezug auf die Reichweite groß waren beim Einsteigen. Der Blick auf den Bordcomputer zeigt: Akkustand 94 Prozent, prognostizierte Reichweite 427 Kilometer. Laut Hersteller wären mit prall gefülltem Akku und bei vorausschauender Fahrweise bis zu 550 Kilometer drin.

Na dann kann's ja losgehen. Leise und kraftvoll wie jedes Elektroauto setzt sich der dynamisch gestylte Cupra Born in Bewegung. Dabei ist es beeindruckend, wie unmittelbar der Elektroantrieb seine Kraft entfaltet. Während andere Fahrzeugführer an der Ampel noch damit beschäftig sind, das Auto in die Gänge zu bringen, ist der Born schon ein ganzes Stück enteilt. Schließlich entfallen das Einlegen und Einkuppeln des ersten Gangs. Es gibt auch kein Start-Stopp-System, bei dem der Anlasser den Motor erst starten müsste. Und auch die Gedenksekunde eines Doppelkupplungsgetriebes beim Anfahren fehlt völlig: Fuß mit leichtem Nachdruck aufs Gas – und scheinbar mühelos schnürt der Wagen davon.

Dieses Phänomen könnte auch jede Fiat-500e-Fahrerin und jeder Elektro-Smart-Besitzer bestätigen, denn Motorleistungen von 170 kW/231 PS wie im Cupra Born (oder mehr) bräuchte es dafür gar nicht. Doch ein gewisses Leistungspotenzial ist auch sehr hilfreich. Zum Beispiel wenn es darum geht, einen Lkw auf einer kurvigen Landstraße zu überholen. Es beruhigt tatsächlich ungemein, wie souverän und sicher so ein Überholvorgang bewerkstelligt werden kann. Das macht der kräftige Cupra Born richtig gut.

Sieht der Cupra nur schneller aus?

Von 0 auf 100 km/h in 7,0 Sekunden: Born mit 170 kW (231 PS) Leistung und 77 kWh großem Akku © Cupra

Dass der Cupra Born mit seinem expressiven Blechgewand im Vergleich mit dem Technik-Bruder VW ID.3 die deutlich sportlichere Erscheinung ist, wird niemand ernsthaft bezweifeln. Aber ist er auch wirklich so viel schneller und fahrdynamischer? Bei dieser Frage fällt die Antwort nicht so leicht.
Obwohl die Cupra-Ingenieure viele technische Veränderungen vorgenommen haben: Abgesehen davon, dass sie dem Motor 20 kW mehr Spitzenleistung entlocken, haben sie das Fahrwerk tiefergelegt, die Lenkung arbeitet im Born etwas progressiver und direkter als im ID.3, die Reifen sind breiter und die Bremsen größer.

Als Sprintwert von 0 auf 100 km/h gibt Cupra für die Topversion glatte 7,0 Sekunden an, das wäre etwa eine halbe Sekunde schneller als die Topversion des VW ID.3. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei beiden Modellen elektronisch auf 160 km/h limitiert. Bei der Höchstgeschwindigkeit ist der Cupra also nicht schneller.

Video: Cupra Born im ADAC Review

Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Cupra

Per Knopfdruck wird der Born sportlicher

Doch wirklich zum Tragen kommt die Sportlichkeit des Cupra Born erst, wenn ein passendes Fahrprogramm eingestellt wird. Dies geschieht mittels zweier unübersehbarer Knöpfe am Lenkrad. Mit dem Button rechts geht es direkt in den höchsten Cupra-Sportmodus. Mit dem Button links lassen sich alle Fahrprogramme linear durchwählen: von zurückhaltend-sparsamer Fahrweise bis hin zu aggressivem Power-Pressing.

Die gewählten Modi beeinflussen sowohl das Fahrverhalten als auch die Lenkung wie das Ansprechverhalten des Motors. Cupra-Fahrer, die sich hier zu schaffen machen, kommen sich stets ein bisschen wie ein Formel-1-Rennfahrer vor, mit all den Knöpfen und elektronischen Helfern. Aber so ambitioniert sportlich gefahren wird es natürlich nichts mit einer Reichweite von über 500 Kilometern.

Feine Unterschiede zum VW ID.3

Normalerweise bleibt das Fahrgefühl im Cupra Born ziemlich ähnlich wie das im VW ID.3. So zumindest ist der vorläufige subjektive Eindruck. Um den Unterschieden exakt auf die Spur zu kommen, müsste man die beiden Autos im direkten Vergleich bewegen.

Zu bemängeln gibt es unter dem Strich wenig. Nervig laut klingt das Blinkergeräusch des Cupra Born. Außerdem fühlt sich das Bremspedal etwas teigig an. Beide Kritikpunkte räumen die Ingenieure bei Cupra unumwunden ein – und versprechen Abhilfe. Auch die von VW bekannten Bedienungsmängel hat man bei Cupra leider übernommen. Bis die unpraktikablen Fingerschieber ("Slider") für Lautstärke und Innentemperatur wieder verschwinden, wird es noch dauern.

Wie schnell lädt der Cupra Born?

Beim Aufladen an einer Schnellladesäule, beispielsweise an der Autobahn, lässt sich der Cupra Born innerhalb von 30 bis 35 Minuten von 10 auf 80 Prozent Akkufüllstand befördern. Wer die 58 kWh große Batterie an Bord hat, lädt mit bis zu 120 kW Ladeleistung. Der 77 kWh große Akku wird mit bis zu 170 kW geladen. Die vom ADAC angefertigten Ladekurven werden es bald exakt zeigen, in welcher Zeit wie viel Strom nachgeladen ist.

Leidiges Thema: Lieferfristen

Wer sich entschlossen hat, einen Cupra Born zu bestellen, muss Geduld haben – die Lieferzeiten sind aktuell extrem lang für neue Autos. Wenn es gut läuft, muss man trotzdem sechs bis neun Monate einkalkulieren, bis der Wagen geliefert wird. Bei einer Version mit Vollausstattung kann es aber auch noch Monate später werden mit der Auslieferung. Fahrzeuge auf dem Hof von Händlern sind auch keine Lösung: Sie gibt es aktuell praktisch nicht.

Technische Daten und Preise des Cupra Born

Technische Daten (Herstellerangaben)

CUPRA Born (58 kWh) (ab 11/21)

CUPRA Born e-Boost (58 kWh) (ab 02/22)

CUPRA Born e-Boost (77 kWh) (4-Sitzer) (ab 02/22)

Motorart

Elektro
Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150
170
170

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204
231
231

Drehmoment (Systemleistung)

310 Nm
310 Nm
310 Nm

Antriebsart

Heck
Heck
Heck

Beschleunigung 0-100km/h

7,3 s
6,6 s
7,0 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h
160 km/h
160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

425 km
420 km
550 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,3 kWh/100 km
15,5 kWh/100 km
15,8 kWh/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

13,0 kWh/100 km
13,0 kWh/100 km
16,0 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

62,0
62,0
82,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

58,0
58,0
77,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:120,0
AC:11,0 DC:120,0
AC:11,0 DC:170,0

Kofferraumvolumen normal

385 l
385 l
385 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.267 l
1.267 l
1.267 l

Leergewicht (EU)

1.818 kg
1.838 kg
1.950 kg

Zuladung

452 kg
442 kg
350 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.324 mm x 1.809 mm x 1.540 mm
4.324 mm x 1.809 mm x 1.540 mm
4.324 mm x 1.809 mm x 1.540 mm

Grundpreis

39.370 Euro
40.750 Euro
46.450 Euro

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

Elektroautos im Winter: So schnell schmilzt die Reichweite dahin

Elektroautos im Dauertest: Nissan Leaf, BMW i3 und Opel Ampera – hält die Batterie?

Alles rund um Elektromobilität: Welche Autos gibt es? Wie funktioniert das Laden?

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.