Auf einen Winterreifen sollte man sich unter allen Bedingungen verlassen können, besonders auf Schnee und Eis. Bei den Wintereigenschaften fallen jedoch selbst zwei bekannte Marken durch. 16 Reifen für die Mittelklasse im ADAC Test. Gut: Pirelli, Continental, Goodyear und Michelin vorn Problemfall: Bremsen oder beschleunigen und dabei lenken Vorsicht: 6 Reifen mangelhaft! Winterreifen ist nicht gleich Winterreifen: Der aktuelle ADAC Winterreifentest der Dimension 225/50 R17 zeigt eindrucksvoll, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind. Zwischen den besten und den schlechtesten Reifen liegen beim Bremsen auf nasser Fahrbahn mehr als 10 Meter. Das kann im Ernstfall darüber entscheiden, ob ein Fahrzeug rechtzeitig vor einem Hindernis zum Stehen kommt oder mit hoher Restgeschwindigkeit einschlägt. Getestet wurden 16 Winterreifen für Mittelklassefahrzeuge wie Audi A4, BMW 3er oder Mercedes C-Klasse. Vier Reifen erhalten die Note "gut" An der Spitze des Testfelds steht der Pirelli Cinturato Winter 3 mit der Gesamtnote 2,2. Er überzeugt vor allem durch die beste Fahrsicherheit im gesamten Test. Besonders auf nasser Fahrbahn setzt der Pirelli Maßstäbe: Kurze Bremswege, hohe Aquaplaning-Reserven und ein präzises Handling sorgen für die Bestnote in diesem Kapitel. Auch auf trockener und winterlicher Fahrbahn liefert er ein ausgewogenes Ergebnis. Knapp dahinter folgt der Continental WinterContact TS 870 (Note 2,3). Dieser Reifen zeigt ebenfalls ein sehr hohes Sicherheitsniveau und punktet mit kurzen Bremswegen auf trockener und nasser Fahrbahn. Lediglich bei der Präzision auf trockener Straße und im Schnee-Handling gibt es leichte Abzüge. Ebenfalls mit "gut" bewertet werden der Goodyear UltraGrip Performance 3 (Note 2,4) und der Michelin Alpin 7 (Note 2,5). Während der Goodyear vor allem mit hoher Laufleistung und ausgewogener Performance überzeugt und nur geringe Schwächen auf Schnee und Eis zeigt, beeindruckt der Michelin mit seinen ausgezeichneten Eigenschaften auf winterlicher Fahrbahn. Sein etwas weniger präzises Lenkgefühl auf trockener Fahrbahn verhindert allerdings eine bessere Platzierung. Auffällig ist: Die besten Reifen sind nicht unbedingt in einer einzelnen Disziplin herausragend. Vielmehr gelingt ihnen der schwierige Spagat zwischen trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn. Und das ist wichtig: Moderne Winterreifen müssen nicht nur bei Schnee funktionieren. In Mitteleuropa fahren Autofahrer im Winter überwiegend auf trockenen oder nassen Straßen. Testergebnisse 225/50 R17 (2026) Wie alle getesteten Reifen abgeschnitten haben, sehen Sie in der folgenden Tabelle. Klicken oder tippen Sie auf eine Zeile, um die Detailnoten eines Reifens in den Einzelkriterien zu sehen. Mit anderen Reifen vergleichen können Sie das Wunschmodell durch einen Klick auf das Symbol in der letzten Spalte. Sunwide Snowide: Gut im Schnee, aber kein guter Reifen Interessant: Der beste Reifen auf Schnee (Teilnote 1,3) ist der Sunwide Snowide. Seine Bremswege auf Schnee und Eis sind hervorragend, ebenso das Handling mit ordentlichem Grip. Trotzdem lautet das Gesamturteil Note 5,5 ("mangelhaft"). Der Grund: ein extrem schwammiges Fahrverhalten auf trockenem Belag plus gravierende Schwächen bei Nässe. Je nach Kurvenverlauf zeigt sich sehr früh eine Tendenz zum Unter- bzw. Übersteuern. Gleichzeitig Gasgeben oder Bremsen und Lenken wirft ihn aus der Bahn. Beim Bremsen auf nasser und trockener Fahrbahn und beim Aquaplaning quer das gleiche Bild: Durchgefallen. Defizite bei günstigen Reifen Insgesamt sind 6 Reifen wegen individueller, teils gravierender Schwächen durchgefallen, vorwiegend aus dem günstigen Preissegment: der bereits erwähnte Sunwide Snowide, No-Names wie Tracmax Ice-Plus S210, Aptany RW211 und Royal Black Royalwinter UHP, aber auch Reifen von zwei bekannten Marken: Falken mit dem Eurowinter HS02 Pro und Toyo Tires mit dem Observe EWS1. Der Toyo Tires Observe EWS1 fährt auf trockener und nasser Fahrbahn zwar fast auf dem Niveau der Premiumhersteller. Auf Schnee bricht seine Performance jedoch komplett ein. Insbesondere beim Handling gelingt es dem Reifen nicht, ausreichend Seitenführung aufzubauen. Das Fahrzeug neigt früh zum Unter- oder Übersteuern. Der Falken Eurowinter HS02 Pro fällt ebenfalls durch sein sehr schwaches Schnee-Handling auf. Noch einmal zum Mitschreiben: Wir sprechen von "Winterreifen", die auf Schnee und Eis miserabel sind. Der Tracmax Ice-Plus S210 zeigt schwerwiegende Defizite auf Nässe und Schnee zugleich. Problem Nassbremsen Große Unterschiede zeigen sich auf Nässe, wie die ermittelten Bremswege aus 80 km/h demonstrieren. Continental WinterContact TS 870 und Pirelli Cinturato Winter 3 bringen das Testfahrzeug aus 80 km/h bereits nach rund 35 Metern zum Stehen. Der Sunwide Snowide fährt an derselben Stelle noch mit etwa 40 km/h weiter und benötigt insgesamt fast 12 Meter mehr Bremsweg. 12 Meter entsprechen ungefähr drei Fahrzeuglängen. Alternativen: Die Reifen im Mittelfeld Sechs der getesteten Reifenmodelle landen im Mittelfeld und können mit Gesamtnoten von 2,6 bis 3,1 durchaus gute Dienste leisten für alle, die mit leichten Schwächen in bestimmten Bereichen leben können. Wie sich Bridgestone Blizzak 6, Hankook Winter i*cept RS3, ESA+TECAR Supergrip Pro2, Dunlop Winter, Yokohama BluEarth Winter V906 und Vredestein Wintrac Pro+ in den einzelnen Disziplinen schlagen, sehen Sie an der Detailwertung in der obigen Tabelle. Umweltbilanz: Premiumreifen nicht immer besser Interessant ist auch die Umweltwertung. Hier steht nicht der Testsieger Pirelli an der Spitze, sondern der Dunlop Winter. Mit dem geringsten Abrieb und einer prognostizierten Laufleistung von rund 59.300 Kilometern erreicht er den Bestwert des gesamten Testfelds. Auch der Goodyear UltraGrip Performance 3 schneidet hier hervorragend ab. Fazit: Ein Einzeltalent reicht nicht Die größte Erkenntnis des Tests lautet: Ein Reifen, der auf Schnee glänzt, ist noch lange kein guter Winterreifen. Erst wenn ein Pneu auf allen Fahrbahnoberflächen sicher und berechenbar bleibt, verdient er eine echte Kaufempfehlung. Auf diese Autos passt 225/50 R17 Die getestete Reifengröße ist für zahlreiche Modelle der Mittelklasse zugelassen. Von Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse über Škoda Yeti, Opel Zafira und Peugeot 3008 bis hin zu Volvo S80 und VW Sharan reicht das Spektrum. Welche Größe für Ihr Fahrzeug zugelassen ist, lässt sich aus Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I (ehemals Fahrzeugschein) und dem CoC-Papier ersehen. Lieber doch einen Sommer- oder Ganzjahresreifen, oder Sie benötigen eine andere Größe? Hier können Sie die aktuellen Testergebnisse nachlesen: ADAC Sommerreifentests ADAC Winterreifentests ADAC Ganzjahresreifentests ADAC Empfehlungen Werden Sie sich vor dem Kauf Ihres Fahrprofils bewusst. Verwenden Sie immer vier Reifen des gleichen Modells und Typs. Montieren Sie bei unterschiedlicher Profiltiefe die besseren Reifen auf die Hinterachse, da diese durch ihr Seitenführungspotenzial die Fahrstabilität insbesondere bei Kurvenfahrt bestimmt. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen ab einer Profiltiefe von weniger als 4 Millimeter zugunsten der Fahrsicherheit rechtzeitig zu tauschen. Darunter nehmen die Eigenschaften besonders im Blick auf Aquaplaning deutlich ab. Verlassen Sie sich beim Kauf nicht auf das Label. ADAC Tests zeigen, dass das Label nicht die Gesamtperformance auf Nässe widerspiegeln muss. Beim Reifenkauf darauf achten, dass alle vier Räder möglichst das gleiche Produktionsdatum und damit auch den gleichen technischen Stand haben. Kaufen Sie keine neuen Reifen, die älter als drei Jahre sind. Auskunft über das Herstellungsdatum der Reifen gibt Ihnen die DOT-Angabe auf dem Reifen. So testet und bewertet der ADAC Reifen Die Testergebnisse lassen sich auf andere Reifengrößen übertragen, wenn die Breite höchstens ±10 Millimeter und das Höhenverhältnis höchstens ±5 Prozentpunkte abweicht und Felgendurchmesser sowie Bauart identisch sind. Ergebnisse von Reifen mit Geschwindigkeitsindex V (≥ 240 km/h) oder höher sind nicht auf Reifen mit niedrigerem Index übertragbar. Zudem gilt: Reifen ohne Zusatz, Reifen mit der Kennzeichnung XL/"Reinforced" und HL gehören zu unterschiedlichen Lastklassen und sind untereinander nur bedingt vergleichbar. Umweltschutz ist auch bei der Mobilität ein wichtiges Thema. Deshalb spielen bei den ADAC Reifentests nicht nur Fahrsicherheit und Wirtschaftlichkeit, sondern auch Nachhaltigkeits-Gesichtspunkte eine Rolle. Die Details zum Bewertungsschema werden in den Klapp-Elementen unter der folgenden Tabelle erklärt. Fachliche Beratung: Felix Henning, ADAC Technik Zentrum Hier finden Sie alle aktuellen Reifentests des ADAC.