Seat Tarraco im Test: Wie gut ist der neue Mittelklasse-SUV?

28.8.2019

Der Seat Tarraco ist der derzeit größte SUV der spanischen VW-Tochter. Der ADAC Test klärt, wie gut der Mittelklasse-SUV tatsächlich ist. Plus: Video, Fotos, Motoren, technische Daten, Crashtest-Ergebnis und Preise

Seat Tarraco fahren Strasse
Der Name Tarraco erinnert an die katalanische Stadt Tarragona
  • Den Mittelklasse-SUV gibt es mit Front- oder Allradantrieb, dazu Diesel- und Benzinmotoren von 110 bis 140 kW Leistung
  • Konkurrenten sind Honda CR-V, Peugeot 5008, Škoda Kodiaq und VW Tiguan Allspace
  • Im ADAC Test: Der 2.0 TDI in Topausstattung mit Allrad und DSG   

 

Bei Seat ging es Schlag auf Schlag. 2016 kam der Ateca, 2017 der Arona, Anfang 2019 rollte der Seat Tarraco in die Ausstellungsräume der Händler. Der dritte SUV in der Modellpalette der Spanier ist 4,74 Meter lang, 1,84 Meter breit und 1,66 Meter hoch – und damit fast exakt so groß wie ein VW Tiguan Allspace oder ein Škoda Kodiaq. Kein Wunder: Der Tarraco basiert auf der gleichen Konzern-Plattform und läuft auch in Wolfsburg vom Band.

Das Karosseriedesign entspricht der aktuellen Mode, die Leuchten an Front und Heck sowie das Interieur machen ihn sofort als spanische VW-Tochter erkennbar. Auch am Steuer stellt sich sofort das gewohnte Gefühl ein, ein Modell aus dem VW-Konzern zu fahren. Sitze und Sitzposition, Heizung, Klimatisierung und Infotainment-Funktionen – alle Bedienelemente sind am rechten Platz

Die meisten Funktionen sind in einem Touchscreen gebündelt, der weit oben auf der Mittelkonsole angebracht und damit sehr gut zu sehen und zu erreichen ist. Es gibt auch zwei Drehregler für Lautstärke und Scrollen –  perfekt für die Bedienung. 

Im ADAC Test: Der 2.0 TDI mit 190 PS

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Seat Tarraco stehend von vorne
Der 2.0 TDi glänzt mit enormer Durchzugskraft 

Vier Motoren werden für den neuen Seat Tarraco angeboten. Die zwei Benziner haben 1,5 und 2,0 Liter Hubraum, leisten 150 und 190 PS. Die beiden 2,0-Liter-Diesel sind ebenfalls mit 150 und 190 PS ausgestattet. Optional zur 6-Gang-Handschaltung ist jeweils auch ein Doppelkupplungsgetriebe (DSG) erhältlich.

Im ADAC Test trat der 2.0 TDI mit 190 PS an. Diese Version wirkt aufgrund ihres Drehmoments am souveränsten. Die volle Kraft von 400 Nm liegt zwischen 1750 und 3250 Umdrehungen an, also fast über das gesamte im Alltag genutzte Drehzahlband. Die Laufkultur ist ordentlich.

Das Siebengang-DSG wechselt die Gänge unauffällig und komfortabel. Dank der im Ölbad laufenden Kupplungen funktioniert auch die Kriechfunktion angenehm – Doppelkupplungsgetriebe mit trockener Kupplung arbeiten oftmals ruckartig und unharmonisch. Bei Bedarf lassen sich die Gänge auch über Lenkradwippen oder – in der manuellen Gasse – über den Wählhebel durchschalten.   

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2020 kommt der Tarraco als Plug-in-Hybrid

Der Seat Tarraco ist ab 2020 mit Plug-in-Hybridantrieb zu haben. In dem Mittelklasse-SUV arbeiten ein 110 kW/150 PS starker 1,4-Liter-Benziner und ein Elektromotor mit 85 kW/116 PS zusammen; gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 180 kW/245 PS. Die elektrische Reichweite gibt der Hersteller mit gut 50 Kilometern an, der CO2-Ausstoß soll unterhalb von 50 Gramm pro Kilometer liegen.

In Deutschland qualifiziert sich der Tarraco Plug-in-Hybrid somir für die verminderte Dienstwagensteuer (0,5 Prozent vom Neupreis) als auch für den Umweltbonus. Premiere feiert der Doppelmotor-Tarraco auf der IAA 2019 in Frankfurt. Der Preis steht noch nicht fest. SP-X.

Großzügiger Innenraum im Mittelklasse-SUV

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Der Kofferraum des Seat Terraco  Update 2018
Ins Heckabteil des Tarraco passen 445 bis maximal 1450 Liter

Bei der Fahrwerksabstimmung haben die Entwickler darauf geachtet, einen ausgewogenen Kompromiss zu finden zwischen Komfort und Sportlichkeit. Die Unterschiede zwischen 
den Modi der adaptiven Dämpferregelung DCC (Comfort, Normal und Sport) sind spürbar, aber nicht sehr ausgeprägt. Mit der leichtgängigen, aber genügend präzisen Lenkung lässt sich der Taracco zielsicher auch über kurvige Landstraßen dirigieren. 

Die Platzverhältnisse sind vorn und hinten klassenüblich gut. Selbst hinten Sitzende kommen bis zu einer Körpergröße von 1,95 Meter bequem unter. Dank der geteilt klappbaren, längsverschiebbaren und neigungsverstellbaren Rückbank schneidet der Tarraco für ein SUV richtig gut ab. Gegen Aufpreis  sind darüber hinaus zwei Sitzplätze in der dritten Reihe erhältlich. Die sind allerdings nur sehr mühsam  zu erreichen, und schon der enge Weg dahin macht klar, dass  sie nur für Kinder geeignet sind.

Das Kofferraumvolumen beträgt nach ADAC Messmethode gut 445 Liter. Entfernt man die Gepäckraumabdeckung, passen bis zum Dach 645 Liter oder zwölf handelsübliche Getränkekisten hinein. 

Der Allrad-Tarraco überrascht im Gelände

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Seat Tarraco Offroad Wüste Sand
Offroad schlägt sich der spanische SUV überraschend solide

Erstaunlich ist, was der Seat Tarraco im Gelände alles kann. Die Allradversion des Midsize-SUV erklimmt starke Steigungen, meistert schräge Böschungen und überwindet Steine und Geröll, wie man ihm es eigentlich nicht zutrauen würde. Wobei seine Entwickler zugeben, dass die Offroad-Talente für die wenigsten Kunden von Belang sind. 

In der Ausstattungslinie Xcellence gehören LED-Frontscheinwerfer und LED-Rückleuchten zur Ausstattung. Das separates Abbiegelicht leuchtet das Umfeld bei Abbiegesituationen vorbildlich aus. Ebenso an Bord ist ein Fernlichtassistent, der aber nur auf- und abblenden kann; partielles Abblenden wie bei Matrix-LED-Scheinwerfern ist nicht möglich. 

An Assistenzsystemen hält der Taracco serienmäßig den Notbremsassistent mit Abstands- und Kollisionswarnung, den adaptiven Tempomaten, den Geschwindigkeitsbegrenzer, den Spurhalteassistenten und den Müdigkeitswarner bereit. Aufpreis kosten der Spurwechselassistent samt Querverkehrerkennung beim rückwärtigen Ausparken, der Stauassistent und der Emergency-
Assist.

Hier gelangen Sie zum ausführlichen Testbericht Seat Tarraco 2.0 TDI Xcellence 4Drive DSG (pdf).

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

Technische Daten (Herstellerangaben) Seat Tarraco 2.0 TDI 4Drive DSG*
Motor/Antrieb 4-Zyl.-Turbodiesel,  1968 cm3, 140 kW/190 PS, 400 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen 8,0 s auf 100 km/h, 210 km/h Spitze
Verbrauch NEFZ 5,6 l Diesel/100 km, 147 g CO2/km
Maße L 4,74 / B 1,84 / H 1,66 m 
Kofferraum 760 – 1775 l 
Preis ab 38.450 €, Baureihe ab 29.980 € 

 

Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h 5,4 s 
Bremsweg aus 100 km/h 36,3 m 
Wendekreis 11,9 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest 7,2 l Diesel/100 km , 227 g CO2/km (well-to-wheel) 
Reichweite 830 km
Innengeräusch bei 130 km/h    65,8 dB (A)                    
 Leergewicht / Zuladung 1860 / 690 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch   445 / 825 / 1450 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,4
Karosserie/Kofferraum 2,4
Innenraum 1,9
Komfort 2,2
Motor/Antrieb 1,9
Fahreigenschaften 2,4
Sicherheit  1,6
Umwelt/EcoTest 3,8

 * Der 190-PS-Diesel ist momentan nicht im Programm und erst wieder ab Ende September 2019 lieferbar

  • Das hat uns gefallen: Variabler Innenraum mit viel Platz. Verschiebbare Rückbank. Umfangreiche Ausstattung. Kraftvoller Dieselmotor. Sicheres Fahrverhalten. Hohe aktive und passive Sicherheit.
  • Das hat uns nicht gefallen: Hoher Verbrauch. Bremsweg nur durchschnittlich. In der Stadt unhandlich.  
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Seat Tarraco im Crashtest

Der Seat Tarraco erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die dafür erforderlichen Punktzahlen zum Teil deutlich – ein sehr sicheres Fahrzeug. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffer, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut. Die Beine des Fahrers werden zusätzlich mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko ist durchweg gering bis sehr gering, lediglich beim Heckcrash ist das Verletzungsrisiko der Halswirbelsäule für Insassen der zweiten Sitzreihe mittel. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen und am Beifahrersitz montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der mittlere Sitz hinten und der Beifahrersitz sind für gegurtete Kindersitze geeignet. Die dritte Sitzreihe jedoch ist für Kindersitze so gut wie ungeeignet. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der Tarraco ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und gutem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet. 

Hier finden Sie den ausführlichen Crashtest.

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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