Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

Kofferraumvolumen: Der ADAC testet die Angaben der Hersteller

In einem Kofferraum wird ein Kinderwagen verstaut
Wer Kinderwagen verstauen will, braucht einen realistisch großen Kofferraum ∙ ADAC/Test und Technik

Beim Kauf eines Autos spielt die Größe des Kofferraums eine wichtige Rolle. Doch halten die Herstellerangaben immer das, was sie versprechen? Der ADAC hat das Kofferraumvolumen im Autotest von 150 aktuellen Modellen überprüft – mit gravierenden Überraschungen.

  • Messmethoden der Hersteller sind unterschiedlich

  • ADAC Messwert bis zu 325 Liter geringer

  • Premium-Marken "runden" großzügig nach oben auf

Vom Kombi über die Limousine bis zum Van oder SUV: Die Autohersteller werben häufig mit der Größe der Kofferräume – besonders bei Fahrzeugen, bei denen das Kofferraumvolumen eine wichtige Rolle spielt. Und oft ist die Größe des Gepäckabteils sogar das Argument für oder gegen den Kauf eines Fahrzeugs.

Der ADAC überprüft deshalb die Angaben der Hersteller im Autotest kontinuierlich. Stimmen die Werte in den Prospekten, die meist in Volumenlitern angegeben sind, tatsächlich? Den Messwert veröffentlicht der Automobilclub dann in den Datenblättern des ADAC Autotests – und für 150 aktuelle Modelle hier.

Vom Kombi bis zum SUV: Der ADAC Check

Ein Kofferraum wird ausgelitert, das heisst die Größe des Kofferraums wird bestimmt
Wie viel Schaumstoffwürfel passen rein? Die Tester nennen das "auslitern" ∙ ADAC/Uwe Rattay

Generell zeigt sich beim Vergleich der Kofferraumvolumen, dass es bei den Automodellen im preisgünstigeren Segment eher geringe Unterschiede zwischen ADAC Messwerten und Herstellerangaben gibt. Automarken mit sehr günstigen Modellen wie zum Beispiel Dacia machen meist recht realistische Angaben zum Kofferraumvolumen. So hat der ADAC beim kleinen SUV Dacia Duster nahezu den gleichen Wert nachgemessen: Kofferraumvolumen laut Hersteller 413 Liter, laut ADAC Check 410 Liter – vorbildlich.

Anders sieht es bei größeren Fahrzeugen mit geräumigeren Kofferräumen im eher hochpreisigen Segment aus. Besonders auffällig ist z.B. bei den SUVs der Volvo XC90, bei dem die Differenz zwischen ADAC Messwert (475 Liter) und Herstellerangabe (721 Liter) über 240 Liter beträgt. Neben Volvo fallen im hochpreisigen Segment vor allem auch die Angaben deutscher Premium-Hersteller auf. Bei den Vans sticht die Herstellerangabe des VW Sharan heraus: Hier beträgt die maximale Differenz beim Kofferraumvolumen zwischen ADAC Messwert (630 Liter) und Herstellerangabe (955 Liter) sogar 325 Liter.

Erfreulich: Bei den Limousinen zeigt sich, dass einzelne Modelle laut ADAC Messwerten sogar mehr Stauvolumen bieten als vom Hersteller versprochen. Generell sind bei den Limousinen mit Schrägheck oder Stufenheck die Unterschiede in den Messwerten geringer als bei Vans oder SUVs, wo es oft keine klare Trennung zwischen Kofferraum und darüber befindlichem Freiraum gibt.

Wer mit dem Auto in den Urlaub reist, belädt den Kofferraum oft auch bis unters Dach. Natürlich sollte man dann auf die korrekte Ladungssicherung achten: So muss der Laderaum vom Fahrgastraum zum Beispiel durch ein Trenngitter geteilt sein. Der ADAC hat auch die dachhohe Beladung nachgemessen: Hier hat der Volvo XC90 bei den SUVs in der Übersicht mit 1935 Litern Kofferraumvolumen mit Abstand das größte Volumen, bei den Vans mit jeweils 2190 Litern der VW Sharan und damit auch der baugleiche Seat Alhambra.

ADAC Messwerte sind realistischer

Die Messmethoden zum Kofferraumvolumen sind leider nicht einheitlich geregelt und für die Hersteller nicht verbindlich. Dadurch können die Herstellerangaben auch nur als grober Richtwert gelten und sind damit beim Autokauf nur bedingt hilfreich. Der ADAC bietet deshalb einen praxisnahen Bezug bei der Ermittlung des Kofferraumvolumens. Hierfür werden im ADAC Technik Zentrum in Landsberg alle variabel einstellbaren Bauteile, wie eine verschiebbare Rücksitzbank, ein variabler Kofferraumboden oder ein Abdeckrollo, in eine einheitliche Stellung gebracht.

Die Position der Sitze wird zum Beispiel mithilfe einer Messpuppe auf einen Fahrer mit einer Körpergröße von 1,85 Metern eingestellt. Der Kofferraum wird mit Schaumstoffquadern definierter Größe (angelehnt an ISO 3832) aufgefüllt. Um das Normalvolumen des Kofferraums zu bestimmen, wird dieser bis zur Unterkante der Abdeckung oder des Abdeckrollos mit den Schaumstoffquadern beladen. Gibt es keine Abdeckung, wird er bis zur Unterkante der hinteren Fenster beladen.

Über die Anzahl der Schaumstoffquader kann das tatsächliche Volumen des Kofferraums berechnet werden. Durch das einheitliche Vorgehen ist das Kofferraumvolumen aller Fahrzeuge also miteinander vergleichbar.

Fazit: Kontrolle ist besser

Der ADAC Check der Kofferraumvolumen zeigt, dass die Prospektangaben der einzelnen Automodelle durch die nicht verbindlichen und damit unterschiedlichen Messmethoden der Autohersteller nur wenig vergleichbar sind. Die empfohlenen Messmethoden der Branchenverbände sind zudem relativ allgemein formuliert und beachten Details wie die exakte Position von Sitzen oder variablen Kofferraumböden nicht genügend.

So rechnen einige Hersteller z.B. die Ersatzradmulde unter dem Kofferraumboden zum Kofferraumvolumen hinzu. Oder wie hoch misst man? Bei nach oben baulich nicht begrenzten Kofferräumen messen die einen bis zum Abdeckrollo die anderen bis zur Unterkante der Fenster.

Ein großer Unterschied kann auch durch die Rücksitze entstehen, wenn das Fahrzeug optional eine dritte Sitzreihe bietet: Wird die dritte Reihe unter dem Kofferraumboden zusammengeklappt, schmälert das dann das Volumen. Und viele Fahrzeuge wie Vans oder SUVs bieten heutzutage verschiebbare Sitze in zweiter Reihe – aber durch Verschieben ändert sich zwangsläufig auch das Kofferraumvolumen.

Tipps für den Autokauf

  • Die Herstellerangaben können nur als grober Richtwert betrachtet werden

  • Tatsächlich vergleichbare Werte finden Sie in der ADAC Übersicht zu allen Automarken & Modellen

  • Prüfen Sie Ihre individuellen Bedürfnisse und bedenken Sie auch den Platzbedarf bei Urlaubsfahrten

  • Probieren Sie bei der Probefahrt aus, ob größere Gegenstände wie zum Beispiel der Kinderwagen in den Kofferraum passen

  • Achten Sie beim Beladen des Fahrzeugs stets auf die maximal zulässige Zuladung

ADAC Forderungen an die Autohersteller

  • Die Angaben zum Stauvolumen eines Kofferraums müssen realistisch sein

  • Für eine bessere Nutzung des Kofferraums sind niedrige Ladekanten und breite Ladeöffnungen wichtig

  • Praktische Details, wie Staufächer, vernünftige Kofferraumbeleuchtung und Taschenhaken, sollten in neue Modelle integriert werden

Welches Auto ist das richtige?

Wer wissen will, welches Auto das richtige für die individuellen Bedürfnisse ist, muss neben dem Kofferraumvolumen natürlich noch weitere Aspekte berücksichtigen. Eine erste Übersicht finden Sie in den ADAC Kauftipps.

Fachliche Beratung: Maximilian Bauer, ADAC Technik Zentrum.

Andrea Piechotta
Redakteurin
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?