Auto überladen: Was bei der Zuladung zu beachten ist

Auto mit Dachbox und Fahrrädern auf dem Fahrradträger auf der Autobahn
Voller Kofferraum, Dachlast und Stützlast: Dieses Auto könnte schon überladen sein ∙ © Shutterstock/Tynka

Einfach so viel mitnehmen, wie ins Auto passt? Keine gute Idee. Wer sorglos alles in den Kofferraum, aufs Dach und auf die Anhängerkupplung packt, hat schnell zu viel auf der Waage. Die Tipps des ADAC.

  • Gesamtgewicht und Achslasten nicht überschreiten

  • Die meiste Zuladung drückt auf die Hinterachse

  • Empfindliche Strafen bei Überladung

Zur Urlaubszeit sieht man sie wieder häufiger: Autos mit vollgepacktem Kofferraum, Dachkoffer, Fahrrädern am Heck und oft zusätzlich noch mit Anhänger. Es ist ja auch praktisch, wenn sich im eigenen Auto so viel mehr mitnehmen lässt als bei einer Reise mit dem Zug oder dem Flugzeug. Doch Vorsicht: Ein Auto darf nicht unbegrenzt als Packesel herhalten. Nutzt man alle Möglichkeiten, die sich bieten, also auch Stütz- und Dachlast, ist der Wagen schnell überladen.

Überladen: Das Fahrverhalten verschlechtert sich

Warum ist es so wichtig, auf das Fahrzeuggewicht zu achten? Das volle Beladen oder gar das Überladen des Fahrzeugs hat einen gravierenden Einfluss auf das Fahrverhalten. Nicht nur der Bremsweg kann sich verlängern, auch Ausweichmanöver verlaufen träger und benötigen mehr Raum. Im Ernstfall kann das Auto trotz ESP ins Schlingern kommen – mit fatalen Folgen.

Überladung: Das wird teuer

Ein überladenes Fahrzeug gefährdet die Verkehrssicherheit. Nicht ohne Grund wird bei Überladung ein Bußgeld von bis zu 235 Euro plus ein Punkt in Flensburg verhängt. Im Ausland können die Strafen noch viel höher sein. Wer erwischt wird, darf dann übrigens nicht mehr weiterfahren, sondern erst, wenn das Gewicht wieder stimmt. Konkret heißt das: Ausladen – und zwar an Ort und Stelle.

Zulässiges Gesamtgewicht niemals überschreiten

Ein überladenes schwarzes Auto mit Dachbox und 4 Fahrrädern auf der Autobahn
Geht mächtig in die Knie: Dieser Hyundai i30 ist überladen ∙ © mauritius images/Justin Kase zsixz

Zum einen darf das zulässige Gesamtgewicht auf keinen Fall überschritten werden. Das steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) unter dem Buchstaben F, das Leergewicht des Fahrzeugs unter G. Die Differenz ergibt die Zuladung. Dass diese selbst bei neuen Modellen oft nicht besonders hoch ist, fällt beim ADAC Autotest immer wieder auf, wo alle Testwagen auf die Waage kommen. Nicht selten liegt die Zuladung bei unter 500 Kilogramm.

Beispiele: Ein aktueller Renault Mégane TCe 140 kommt nach ADAC Messungen zwar noch auf akzeptable 485 Kilogramm Zuladung, ein Toyota Prius Plug-in-Hybrid aus dem Jahr 2016 darf aber nur magere 315 Kilo mitnehmen.

Im folgenden Beispiel hat ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse ein Leergewicht von 1286 Kilogramm und ein zulässiges Gesamtgewicht von 1725 Kilo. Packt man es voll, bringt es 51 Kilogramm zu viel auf die Waage:

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Beispiel: Beladung für ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse ∙ © ADAC e.V.

Achtung Achslast: Auch hier gibt es Limits

Fahrzeugschein in dem die Ziffern 8.1 und 8.2 die Angaben für die Dach und Stützlast gekennzeichnet sind
In der Zulassungsbescheinigung finden sich unter der Ziffer 8 die maximalen Achslasten ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Was viele nicht wissen: Es kommt nicht nur auf das zulässige Gesamtgewicht an. Auch das Gewicht auf den Achsen ist limitiert. Die maximale Achslast steht ebenfalls unter anderem in der Zulassungsbescheinigung Teil I und zwar unter der Ziffer 8.1 (Vorderachse) und 8.2 (Hinterachse). Das Fatale: Das zugeladene Gewicht verteilt sich nicht gleichmäßig auf Vorder- und Hinterachse. Meist wird die Hinterachse mehr belastet. Schon das Gewicht des Fahrers wirkt nur zu 45 Prozent auf die Vorderachse – 55 Prozent kommen bei der Hinterachse an. Steigt jemand hinten ein, belastet sein Gewicht die Hinterachse noch mehr: 85 Prozent verteilen sich nach hinten, 15 Prozent nach vorn.

Mit 85 Prozent auf die Hinterachse wirkt auch die Dachlast (Dachbox etc.). Sie setzt zudem den Schwerpunkt des Autos nach oben und sorgt für ein schlechteres Fahrverhalten. Das Gepäck im Kofferraum belastet die Hinterachse generell mit 110 Prozent, die Vorderachse wird also um zehn Prozent erleichtert – und das spüren sensible Autofahrer tatsächlich am veränderten Lenkgefühl.

Noch heftiger wirkt sich ein Fahrradträger mit vier Bikes auf der Anhängerkupplung aus. Weil er deutlich hinter der Hinterachse angebracht wird, setzt eine Hebelwirkung ein: Vorn wird das Fahrzeug leichter, hinten dafür umso schwerer. Die an sich stützlastkonformen 75 Kilo Ballast am Heck erleichtern dann die Vorderachse um 34 Kilo – drücken also mit 109 Kilo auf die Hinterräder.

Lastverteilung im Fahrzeug in der Längsachse

Beladung

Belastung Vorderachse

Belastung Hinterachse

Frontinsasse

45 %

55 %

Heckpassagier

15 %

85 %

Gepäck

minus 10 %

110 %

Dachlast

15 %

85 %

Stützlast Anhänger

minus 30 %

130 %

Fahrräder an Heckträger

minus 45 %

145 %

Wo kann man ein Auto wiegen?

Tatsächlich überprüfen, ob man das zulässige Gesamtgewicht oder die Achslasten überschritten hat, lässt sich nur, wenn man das vollgepackte Fahrzeug wiegt. Manche ADAC Prüfzentren bieten diesen Service an. Erkundigen Sie sich einfach vor Ort bei Ihrem Regionalclub. Zudem gibt es auch bei vielen Gemeinden öffentliche Pkw-Waagen, außerdem verfügen manche Wertstoffhöfe, Baustoffhandlungen, Sand- und Kieswerke oder Schrotthändler über Waagen oder entsprechendes Equipment.

Wer öfter mit Sack und Pack in den Urlaub fährt, für den kann die Anschaffung einer Radlastwaage sinnvoll sein. Mit einem Preis ab hundert Euro ist dabei allerdings zu rechnen.

Fahren mit Anhänger? Hier lesen Sie alles Wissenswerte über Anhängelast.

Tipps des ADAC

  • Achten Sie beim Autokauf auf eine hohe Zuladung, besonders für die Hinterachse.

  • Wählen Sie einen Kombi: Hier ist die Zuladung oft höher als bei Autos mit Schräg- oder Stufenheck.

  • Berücksichtigen Sie beim Beladen das Gewicht der Gegenstände: Schweres im Kofferraum nach unten und möglichst nah an die Rückenlehne der Rücksitze oder in den hinteren Fußraum, wenn dort niemand sitzt.

  • Ladegut gut gegen Verrutschen sichern, da es jederzeit zu extremen Fahr- und Bremsmanövern oder gar einem Unfall kommen kann.

  • Wiegen Sie das Fahrzeug und die Achslasten vor der Fahrt.

  • Reisen Sie öfter „am Limit“, macht es Sinn, eine Radlastwaage zu kaufen.

  • Achten Sie auf den richtigen Reifendruck bei maximaler Beladung (siehe Anleitung).

  • Verwenden Sie einen kleinen Lastenanhänger, anstatt das Fahrzeug zu überladen.

  • Achten Sie auf eine hohe Zuladung bei Campinganhängern, damit das Auto nicht über das Limit beladen wird.

  • Gewichtsüberschreitungen werden im Ausland deutlich teurer geahndet als in Deutschland.

Weitere interessante Themen und Angebote

Der ADAC bietet in seinen Fahrsicherheitszentren auch Fahrtrainings für Gespanne an.

Empfehlungen an die Hersteller

  • Während die zulässige Achslast der Vorderachse nicht ausgeschöpft werden kann, wird die Hinterachse über das Limit beansprucht. Eine Erhöhung der Tragfähigkeit der Hinterachse ist zu empfehlen aufgrund des veränderten Nutzerverhaltens (Fahrradheckträger, Stützlasten durch Anhänger).

  • Fahrdynamikprogramme sollten die hohe Belastung der Hinterachse berücksichtigen.

  • Es sollten mehr Möglichkeiten angeboten werden, Fahrzeuge wiegen zu können. Das würde die Fahrsicherheit erhöhen.

Video: So packt man richtig ein

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Video: Ladung schlecht gesichert – das kann passieren

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Uwe Rattay

Fachliche Beratung: Burkhard Böttcher/ADAC Technikzentrum

Jochen Wieler
Redakteur
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