Dacia Jogger: Testfahrt im preiswerten Familien-Van

Neuer Dacia Jogger als Familienvan im "Outdoor-Look" ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Dacia

Mit dem neuen Jogger präsentiert Dacia einen vielseitigen und preiswerten Allrounder, der als Mischung zwischen Kombi und Van in robuster Offroad-Optik vor allem viel Platz und praktischen Nutzwert bietet. Die erste Testfahrt mit allen Infos, Daten, Preisen.

  • Auf 4,55 Metern Länge bis zu sieben Sitzplätze

  • Zwei Motoren: Benzin und Autogas (Flüssiggas LPG)

  • Markteinführung: März 2022 ab 13.990 Euro

Auch wenn die populären SUVs den klassischen Vans vom Schlage eines VW Touran oder Renault Scénic mittlerweile den Rang abgelaufen haben, hält zumindest noch ein Hersteller die Fahne für den Familien-Van hoch: Die Renault-Tochter Dacia bringt nun den Nachfolger des Lodgy auf den Markt, den Jogger. Für Familien ist das eine gute Nachricht. Denn wie bei der rumänischen Marke üblich, ist auch der Jogger kein technisch hochgerüstetes Fahrzeug, sondern bleibt betont bodenständig. Und damit: preiswert!

Preis: Dacia-Van Jogger ab 13.990 Euro

Viel Platz, niedrige Ladekante: Der Jogger gibt den Pragmatiker © Dacia

Allerdings: Das eher karg ausgestattete Basismodell "Essential" ist schon ab 13.990 Euro zu haben und nur etwas für Puristen. Klimaanlage, Tempomat oder ein in Reichweite verstellbares Lenkrad fehlen, Außenspiegel müssen manuell verstellt werden. Mit ordentlicher Extreme-Ausstattung wie Alufelgen, Rückfahrkamera und Keyless-Go sind dann 17.190 Euro zu veranschlagen. Doch diese Summe ist für einen Familien-Van immer noch unschlagbar günstig!

Ganz ohne einen trendgemäßen Hauch von SUV geht es aber auch beim Jogger nicht. Zumindest robuste Planken an den Radhäusern, ein angedeuteter Unterfahrschutz, eine Bodenfreiheit von 20 Zentimetern und eine modular verstellbare Dachreling (80 Kilo Dachlast) betonen den "Outdoor-Charakter" der Marke, wie es bei Dacia heißt, und rücken den Van zumindest optisch ein bisschen in Richtung SUV.

Viel Platz auch in der dritten Reihe

Die optionalen Sitze in dritter Reihe bieten erstaunlich viel Platz © Dacia

Mit Allradantrieb kann der Van zwar nicht dienen, aber mit einem Dacia-üblichen, sehr pragmatischen Ansatz. Auf nur 4,55 Metern Länge bietet der Jogger bis zu sieben Personen Platz, die dritte Sitzbank gibt es gegen 800 Euro Aufpreis. Schiebetüren hat der Jogger nicht, man steigt ganz konventionell ein. Für den bequemen Zugang nach ganz hinten lässt sich die 1/3 zu 2/3 geteilte zweite Reihe nach vorn kippen. Das funktioniert prinzipiell sehr gut, auch wenn es mit einer ausgeklügelteren Gurtführung oder integrierten Griffen noch etwas geschmeidiger ginge.

Die Knie- und Kopffreiheit in der dritten Reihe ist üppiger als bei den meisten Siebensitzern auf dem Markt: Hier können auch Erwachsene, die größer als 1,75 Meter sind, längere Strecken recht bequem meistern. Viel Gepäck sollten sie dann aber nicht dabei haben: Bei voller Bestuhlung schrumpft der Kofferraum auf 160 Liter.

Mit fünf Sitzen stellt der Jogger familientaugliche 607 Liter Fassungsvermögen zur Verfügung und macht damit dem Renault Kangoo konzernintern Konkurrenz. Umgeklappt nimmt der Van bis zu 1819 Liter auf. Zudem gibt es Taschenhaken und eine 12-Volt-Steckdose im Laderaum. Gut: Die Ladekante liegt mit 66 Zentimetern sehr niedrig, was das Einladen schwerer Gegenstände vereinfacht.

Ansonsten sind die Platzverhältnisse in der ersten und zweiten Reihe mit viel Kopf- und Beinfreiheit sehr großzügig. Angenehm ist dabei auch die geringe Gürtellinie im Fond, was große Fensterflächen für ein luftiges Raumgefühl ermöglicht. Die Sitze wurden vom Sandero übernommen und bieten – hier wie dort – wenig Seitenhalt, weil die Konturen aufgrund der weichen Unterpolsterung eher optischer Natur sind.

Bildschirm nur für bessere Ausstattungen

Auch das Cockpit des Jogger erinnert stark an das Armaturenbrett des preiswerten Sandero und gefällt mit klaren Strukturen. Die Bedieneinheit für die Klimatisierung liegt etwas tief,
doch die Tasten und Drehregler sind übersichtlich angeordnet. Die Basisversion muss ohne Bildschirm auskommen, dafür gibt es eine Smartphone-Halterung im Cockpit: Das Telefon lässt sich über eine App mit dem Radio verbinden und wie ein eingebautes Navi komfortabel bedienen.

Das Infotainment- System wird ab der Comfort-Ausstattung oder mit der Option Media Display (310 Euro) über einen großen Touch-Monitor gesteuert. Die Menüstrukturen kann man recht schnell verinnerlichen, da sie nicht zu komplex gestaltet wurden. Alternativ lassen sich auch Apple Car Play und Android Auto mit dem Smartphone verknüpfen. Erst die größte Ausbaustufe des Touchscreens (Media Nav für 500 Euro) beinhaltet ein eingebautes Navigationssystem. Die üblichen Assistenzsysteme sind teils serienmäßig und teils gegen Aufpreis an Bord.

Dacia Jogger mit nur zwei Motoren

Mit verkleideten Radkästen ein Hauch von SUV: Neuer Dacia Jogger © Dacia

In Sachen Antrieb sieht Dacia von Dieselmotoren ab und bietet deshalb ein eher eingeschränktes Portfolio. Kunden haben ausschließlich die Wahl zwischen zwei Dreizylinder-Turbomotoren mit jeweils 1,0 Liter Hubraum: Ein neu entwickelter Benziner mit 81 kW/110 PS sowie ein LPG-Motor mit 74 kW/101 PS für den Betrieb mit preiswertem Autogas sind im Angebot. Die LPG-Version, die schon im Sandero eingesetzt wird, kommt mit ihrem 40 Liter fassenden Autogastank und dem 50-Liter-Benzintank auf eine Reichweite von über 1000 Kilometern und emittiert im LPG-Betrieb nur 119 Gramm CO₂ je Kilometer (Benzinbetrieb 136).

Vor allem der neue 110 PS-Benziner (ab 14.490 Euro) bewegt den nur 1,3 Tonnen leichten Jogger mühelos. Der kernige Dreizylinder hängt mit seinem maximalen Drehmoment von 200 Nm in allen Drehzahlbereichen gut am Gas, beschleunigt in knapp über 10 Sekunden auf 100 und macht bei 183 km/h Schluss. Auch bei höherem Tempo wird das Aggregat dabei akustisch nie aufdringlich, weil der 6. Gang des perfekt abgestuften Getriebes (eine Automatik gibt es nicht) als Schongang ausgelegt ist.

Gut passt jetzt auch die Lenkung, die – anders als beim Sandero – direkter übersetzt und um die Mittellage straffer ist. Das wankstabile Fahrwerk federt willig über Unebenheiten, spricht auch bei niedrigen Geschwindigkeiten sensibel an und absorbiert größere Unebenheiten wie die fiesen französischen Bodenschwellen bei der Testfahrt problemlos.

Auch mit dem älteren LPG-Dreizylinder kann man dank Turboaufladung angemessen flott unterwegs sein, das Drehmoment erreicht immerhin bis zu 160 Nm. Die Leistung entfaltet sich bei den unteren Drehzahlen allerdings ziemlich zögerlich, bei mittleren Drehzahlen jedoch spontan und nachdrücklich. Oberhalb von 3500 Umdrehungen scheint ihm dann etwas die Puste auszugehen. Doch damit kann man gut leben – vor allem weil man weiß: Man spart mit Autogas viel Geld (im Schnitt kostet LPG 85 Cent/Liter) und emittiert zehn Prozent weniger CO₂.

Dacia stark bei den Privatverkäufen

Durchsicht: Hier passen – relativ bequem – sieben Personen rein. © Dacia

Für 2023 hat der Hersteller bereits eine noch sparsamere Hybridvariante angekündigt. Aber da wartet Dacia noch ab, wie sich bis dahin die Jogger-Verkäufe entwickeln, weil eine Hybridisierung auch ohne Plug-in-Technik viel Geld kostet – doch das müssten die preissensiblen Dacia-Kunden natürlich gegen Aufpreis bezahlen. "Viel Auto für wenig Geld" – das ist das Erfolgsrezept der Renault-Tochter. Bester Beweis: In europäischen Ländern wie Frankreich oder Rumänien ist Dacia die Nummer 1 bei den Privatverkäufen, im Dienstwagenland Deutschland immerhin auf Platz 10.

Und: Immerhin 35 Prozent dieser Käufer entscheiden sich europaweit für die LPG-Variante eines Dacia, neben Fiat noch der letzte Neuwagenanbieter mit diesem günstigen Treibstoff. Doch wenn Benzin und Diesel jetzt noch teurer werden: Wer weiß, wie sich der LPG-Markt noch entwickelt.

Das hat uns gefallen: Gute Platzverhältnisse und einfacher Zustieg, ausgewogenes Fahrwerk, LED-Scheinwerfer (Abblendlicht) Serie, LPG-Variante erhältlich, günstiger Preis

Das hat uns nicht gefallen: Nur wenig Extras für Basisausstattung verfügbar, sehr einfache Materialqualität, Sitze mit wenig Seitenhalt, kaum Assistenten lieferbar

Dacia Jogger: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Essential (5-Sitzer) (Autogasbetrieb) (ab 03/22)

Dacia Jogger TCe 110 Essential (5-Sitzer) (ab 03/22)

Motorart

Gas
Otto

Hubraum (Verbrennungsmotor)

999 ccm
999 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

74
81

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

102
110

Drehmoment (Systemleistung)

170 Nm
200 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.600 U/min
5.000 U/min

Antriebsart

Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

12,3 s
10,5 s

Höchstgeschwindigkeit

175 km/h
183 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

118 g/km
127 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

7,6 l/100 km
5,6 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

607 l
607 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.819 l
1.819 l

Leergewicht (EU)

1.298 kg
1.251 kg

Zuladung

426 kg
444 kg

Anhängelast ungebremst

645 kg
625 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.200 kg
1.200 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km
3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.547 mm x 1.784 mm x 1.631 mm
4.547 mm x 1.784 mm x 1.631 mm

Grundpreis

16.100 Euro
16.500 Euro

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