Porsche Taycan Cross Turismo: Vom Elektroauto zum Abenteurer

Porsche Taycan Cross Turismo: Etwas höher, robustere Radläufe ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Porsche

Der elektrische Porsche Taycan bekommt einen ersten Ableger: Noch im Frühjahr 2021 startet der Taycan Cross Turismo als hemdsärmelige Offroad-Variante. Die ist genauso stark und hat die gleiche Reichweite wie der normale Taycan. Erste Testfahrt.

  • Cross Turismo als zweite Karosserievariante des Taycan

  • Die Karosserie lässt sich fürs Gelände anheben

  • Bis zu 450 Kilometer Reichweite

  • Preis: ab 93.635 Euro

Der elektrische Macan braucht zwar noch eine Zeitlang. Doch so ganz lässt Porsche die elektrische SUV-Welle nicht an sich vorbei schwappen. Denn ein gutes Jahr nach dem Start des Taycan stellen die Schwaben ihrem elektrischen Erstling jetzt den Cross Turismo zur Seite.

Mit etwas rustikalerer Optik, größerem Kofferraum und mehr Bodenfreiheit wird die schnittige Limousine zu Preisen ab 93.635 Euro so zum Allrounder für Alltag und Abenteuer und damit zur smarten Alternative zum SUV – besser als ein Audi e-tron, Mercedes EQC oder Tesla Model X sieht der Cross Turismo obendrein aus.

Elektroauto mit Luftfederung und Trekking-Outfit

Ein Porsche Taycan Cross Turismo fährt auf einer Straße
Von vorn sind Taycan und Taycan Cross Turismo kaum zu unterscheiden ∙ © Porsche

Dafür spendieren die Schwaben dem Taycan ein markantes Trekking-Outfit: Denn anders als der Panamera bekommt der Elektrowagen nicht nur eine steilere Kofferraumklappe, die das Heck besonders breit und knackig wirken lässt. Sondern ringsum wurden dem Taycan auch noch rustikale Plastikplanken ans Blech geschraubt, die Kotflügel mit einer Kunststoffleiste verbreitert und ein Unterfahrschutz an Bug und Heck montiert. Sogar eine Dachreling gibt es. Und weil die Luftfederung bei allen Cross Turismo Standard ist, pflügt der Wagen noch zwei Zentimeter höher über den Asphalt.

Mit über 700 PS in 2,9 Sekunden auf 100 km/h

Seitenansicht eines Porsche Taycan Cross Turismo
Trotz fünf Metern Länge wirkt der Taycan Cross Turismo sehr sportlich ∙ © Porsche

Bei einer ersten Ausfahrt im finalen Prototypen merkt man als Fahrer trotzdem keinen Unterschied. Weder spürt man die höhere Bodenfreiheit oder die erhabene Sitzposition, noch den dezent verrückten Schwerpunkt oder das etwas größere Gewicht. Erst recht nicht, wenn der Testwagen ein Turbo S ist, der schon im Standardbetrieb auf 625 PS kommt und bei einem Kickdown kurzfristig 761 PS mobilisiert. Das reicht für 0 auf 100 km/h in 2,9 Sekunden und ein Spitzentempo von 250 km/h.

419 km Reichweite nach WLTP

Und selbst wenn der Cross Turismo den schlechteren Cw-Wert hat, ist die Reichweite beim obligatorischen Performance Plus Akku mit brutto 93,4 kWh noch immer mehr als ausreichend. 370 Kilometer zeigt der Bordcomputer beim Start und auf dem Prüfstand sind es sogar 419 Kilometer. Neben dem Turbo S gibt es drei weitere Varianten, die man allesamt vom normalen Taycan kennt: Den 4 mit bis zu 476 PS und 456 Kilometern Reichweite, den 4S (571 PS/452 km) sowie den Turbo (680 PS/452 km).

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Mit Offroad-Paket elektrisch in die Pampa

Nur eines ist tatsächlich neu: Ganz unten im Touchscreen auf der Mittelkonsole leuchtet vorlaut "Gravel" und lockt den Porsche-Kunden als zusätzliches Fahrprofil in die Pampa. Dort bringen den Taycan eine neu programmierte Traktionskontrolle und der Allradantrieb weiter als sich die meisten in unseren Breiten mit einem so teuren Gefährt je wagen wollen. Noch abenteuerlicher wird es mit dem Offroad-Paket, das neben besonders rustikalen Plastikplanken noch eine weitere Niveaustufe für die Luftfederung bringt: Per Knopfdruck stemmen die Blasebälge den 2,5-Tonner noch einmal drei Zentimeter nach oben und lupfen ihn so über tief ausgefahrene Feldwege oder heftige Schneewehen.

Auch der Cross Turismo muss sportlich sein

Das Cockpit eines Porsche Taycan Cross Turismo
Cockpit wie im normalen Taycan mit vier Bildschirmen ∙ © Porsche

Trotzdem ändert sich am Charakter des Taycan nichts: "Die größte Herausforderung war es, die Anforderungen bezüglich Sportlichkeit mit den Fähigkeiten abseits befestigter Straßen unter einen Hut zu bekommen", sagt Projektleiter Stefan Weckbach: "Der Cross Turismo soll einerseits auf der Rundstrecke Leistung bringen und andererseits auf Geröll, Matsch und Schotter funktionieren." Deshalb sei der Cross Turismo natürlich kein Hardcore-Offroader geworden, sondern eher ein Allrounder mit erweitertem Aktionsradius, so Weckbach: "Er ist also eine Art Schweizer Taschenmesser auf bis zu 21 Zoll großen Rädern."

Während sich der Cross Turismo zumindest auf Asphalt für den Fahrer anfühlt wie jeder andere Taycan, merkt man den Unterschied hinten auf Anhieb. Ja, die Beinfreiheit bleibt eingeschränkt für ein Auto von fünf Metern, und trotz der Fußgaragen im Akku wird es ab Schuhgröße 43 knapp für die Hinterbänkler. Doch mit dem länger nach hinten gezogenen Dach gibt es spürbar mehr Kopffreiheit und die größeren Scheiben lassen den Innenraum heller wirken.

Der Kofferraum fasst bis zu 1212 Liter

Der Kofferraum eines Porsche Taycan Cross Turismo
Die etwas steilere Heckscheibe im Vergleich zum Taycan schafft Platz für Sperriges ∙ © Porsche

Zudem gibt es einen großen, offenen Kofferraum, der auch für den Besuch bei Ikea taugt. 446 Liter gehen hinter die Heckklappe und damit stolze 80 Liter mehr als beim Standard-Modell. Und wenn man die Rückbank umlegt, sind es sogar 1212 Liter. Noch nicht genug? Dann gibt’s für den Sommer einen Fahrradträger am Heck und für den Winter eine spezielle Dachbox, die – so viel ist Porsche seiner Tradition schuldig – bis Tempo 200 freigegeben ist. Damit wird der Taycan als Cross Turismo nicht nur zum Abenteurer, sondern auch zu einem Alltagsauto.

Preis: Nur 1500 Euro extra für den Taycan Cross Turismo

Und bleibt trotzdem ein typischer Porsche – mit einer Ausnahme: Dem Preis. Denn beim Aufschlag für den Allrounder geben sich die Schwaben ungewöhnlich bescheiden und verlangen gerade einmal 1500 Euro mehr. Dafür gibt es bei ihnen sonst allenfalls einen Satz Fußmatten.

Text: Thomas Geiger

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