Porsche Taycan Sport Turismo: Elektro-Sportler mit Platz
Der Porsche Taycan hat zwei Kombis als Brüder: den abenteuerlustigen Taycan Cross Turismo und den eleganteren Sport Turismo. Zur Modellpflege hat Porsche tief in die technische Trickkiste gegriffen. Alle Infos, Bilder, Preise und Test des Vor-Facelift-Modells.
Porsche Taycan in drei Karosserieversionen
Akku mit neuer Zellchemie, verbesserten Reichweiten
Motorleistung: plus 80 kW, DC-Laden mit bis zu 320 kW
Porsche macht es seinen Kunden nicht leicht. Abgesehen davon, dass es sich nur wenige Menschen leisten können, einen Porsche zu fahren, verwirrt der Stuttgarter Autobauer sein Publikum seit Langem mit immer neuen Versionen und Ablegern. Allein alle aktuellen Varianten des Sportwagenklassikers Porsche 911 vollständig aufzuzählen, ist keine leichte Übung.
Zusätzlich zum großen SUV Cayenne wurde ein Cayenne Coupé eingeführt. Dem Porsche Panamera – einer Luxuslimousine für die große Reise – folgte bald ein Panamera mit noch mehr Platz für Gepäck: der Panamera Sport Turismo, quasi der Kombi der Baureihe. Und das Spiel geht mit den Varianten beim Porsche Taycan – dem ersten Elektro-Sportwagen aus Stuttgart – munter weiter. Hier die Versionen:
Porsche Taycan (2020): Sportlimousine
Porsche Taycan Cross Turismo (2021): Elektro-Kombi als Allrounder
Porsche Taycan Sport Turismo (2022): Sportkombi – der Porsche für Familien
Den Porsche Taycan gibt es seit Januar 2020. Nur 14 Monate später (März 2021) kam der Taycan Cross Turismo auf den Markt: eine Art elektrische Kombi-Version, leicht geländegängig dank höherer Bodenfreiheit und mit ein paar robusten Kunststoff-Einfassungen, falls man mal irgendwo aneckt.
Wiederum rund ein Jahr später (Frühjahr 2022) folgte der Taycan Sport Turismo: ebenfalls ein Kombi, aber nun wieder mehr erdgebunden und auf der Straße klebend, wie es sich für einen Sportwagen gehört. Also der elektrische Porsche für Familien sozusagen. Er steht optisch nicht weniger dynamisch da als der normale Taycan und kann tatsächlich etwas mehr einladen als die Limousine. Vor allem aber ist seine große Heckklappe einfach praktischer.
Alle drei Version wurden jetzt kräftig überarbeitet. Durch etliche technische Änderungen schafft es die Einstiegsversion des Taycan Sport Turismo nun auf eine WLTP-Reichweite von 565 Kilometern, die Performance-Plus-Version sogar auf 650 Kilometer.
ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen
Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.
Mehr Reichweite durch mehr Rekuperation
Um die verbesserten Reichweiten zu erzielen, haben die Schwaben tief in die technische Trickkiste gegriffen: So wurde die maximale Rekuperation von 290 auf bis zu 400 kW erhöht. Des Weiteren kommen ein modifizierter Pulswechselrichter mit optimierter Software, ein geändertes Thermokonzept sowie eine Wärmepumpe der nächsten Generation zum Einsatz.
All das geht einher mit einer deutlich besseren Fähigkeit zur Schnellladung. Dafür wurde die Ladeleistung der 800-Volt-Akkus von 270 auf nahezu konkurrenzlose 320 kW angehoben und die Klimatisierung der Zellen so verbessert, dass die Leistung nun länger gehalten wird. Laut Porsche bleibt der Taycan nun bis zu fünf Minuten über 300 kW und regelt erst jenseits von 60 Prozent Ladestand herunter. Der Ladehub von 10 auf 80 Prozent soll nur noch 18 statt bisher 22 Minuten dauern.
Taycan Sport Turismo: Leistung bis 700 kW
Aber der überarbeitete Taycan Sport Turismo macht nicht nur Tempo an der Ladesäule. Wie es sich für einen Porsche gehört, legt er auch auf der linken Spur einen Zahn zu: Weil die Batterie mehr Power bietet und an der Hinterachse ein bis zu 80 kW stärkerer Motor eingebaut wird, reicht die Spanne jetzt vom Grundmodell mit mindestens 300 kW über den Taycan 4S mit 400 und über den Turbo mit 650 bis hin zum Taycan Turbo S mit nun 700 kW. Das sind satte 140 kW mehr als früher und nach alter Währung immerhin 952 PS.
Auch im "Kombi": Der Knopf zum Überholen
Damit der Fahrer die verbesserte Leistung besser spüren kann, haben sich die Porsche-Ingenieure von der Formel E inspirieren lassen und einen "Push to Pass"-Button ans Lenkrad montieren lassen. Wer den drückt, kann für zehn Sekunden bis zu 70 kW extra freischalten und so noch leichter am Vordermann vorbeiziehen oder auf Tempo 100 beschleunigen – im besten Fall eine gute halbe Sekunde schneller als bisher in 4,8 Sekunden beim Grundmodell und 2,4 Sekunden beim Turbo S.
Sportlicher und sparsamer, schneller auf der Straße und flotter an der Ladesäule – so macht der Taycan beim Facelift in jeder Disziplin einen gewaltigen Sprung nach vorn. Doch damit wollen sich die Schwaben nicht begnügen und planen bereits mit zwei elektrischen Extremversionen. Schon bald wollen sie jenen mehr als 1000 PS starken Überflieger in Serie bringen. Außerdem könnte es den Elektrosportler auch als Sparer geben, der bei Effizienz und Reichweite neue Maßstäbe setzt – jenseits der 800-Kilometer-Marke.
Vollgasfest war der Taycan schon immer
Eine abgesperrte Rennstrecke war schon beim bisherigen Modell vonnöten, um das Leistungspotenzial der drei Taycan-Versionen auszuloten. Im öffentlichen Straßenverkehr ist das Ausreizen der Kraft praktisch unmöglich. Wer das Strompedal für einen Moment nur annähernd durchdrückt, spürt einen Schlag ins Kreuz, der fast wehtut. Dabei sorgt die schlaue Fahrwerksregelung dafür, dass weder die Reifen quietschen noch der Sportwagen von der Straße fliegt.
Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse des Kombi Sport Turismo GTS und des Taycan 4S jeweils vor der umfassenden Überarbeitung aus dem Test-Archiv:
Taycan Sport Turismo 2024: Daten, Preise
Technische Daten (Herstellerangaben) | Porsche Taycan Sport Turismo (ab 03/24) | Porsche Taycan Sport Turismo 4S (ab 03/24) | Porsche Taycan Sport Turismo Turbo (ab 03/24) | Porsche Taycan Sport Turismo Turbo S (ab 03/24) |
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Motorart | Elektro | Elektro | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 300 | 400 | 650 | 700 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 408 | 544 | 884 | 952 |
Drehmoment (Systemleistung) | 410 Nm | 695 Nm | 940 Nm | 1.110 Nm |
Antriebsart | Hinterrad | Allrad | Allrad | Allrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 4,8 s | 3,7 s | 2,7 s | 2,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h | 250 km/h | 260 km/h | 260 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 566 km | 537 km | 610 km | 607 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 17,5 kWh/100 km | 18,4 kWh/100 km | 18,7 kWh/100 km | 18,8 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 89,0 | 89,0 | 105,0 | 105,0 |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 82,3 | 82,3 | 97,0 | 97,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0-22,0 DC:150,0-270,0 | AC:11,0-22,0 DC:150,0-270,0 | AC:11,0-22,0 DC:150,0-320,0 | AC:11,0-22,0 DC:150,0-320,0 |
Leergewicht (EU) | 2.190 kg | 2.270 kg | 2.390 kg | 2.395 kg |
Zuladung | 580 kg | 605 kg | 490 kg | 475 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.963 mm x 1.966 mm x 1.390 mm | 4.963 mm x 1.966 mm x 1.390 mm | 4.962 mm x 1.966 mm x 1.392 mm | 4.962 mm x 1.966 mm x 1.388 mm |
Grundpreis | 102.400 Euro | 121.800 Euro | 176.600 Euro | 210.800 Euro |
Hier finden Sie die Daten zu den weiteren Versionen des Porsche Taycan.
Text: Thomas Geiger, Wolfgang Rudschies
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