Mercedes EQA: So fährt der GLA elektrisch

Typische Elektro-Front: Mercedes EQA mit geschlossenem Grill ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Mercedes

Nach dem Mittelklasse-SUV EQC bringt Mercedes den kompakten EQA als elektrisches Einsteigermodell auf den Markt – mit voller Umweltprämie. Der erste Fahrbericht mit allen Daten, Infos, Preisen.

  • Mercedes EQA ist die Elektro-Version des Mercedes GLA

  • Mit 66,5-kWh-Batterie 426 km Reichweite nach WLTP

  • Preis: Ab 47.540 €. Minus Umweltprämie: Rund 38.000 Euro

Lange wurde Mercedes vorgeworfen, die Elektromobilität zu zaghaft anzugehen. Doch jetzt tut sich was: Ab sofort steht der rein elektrische Mercedes EQA bei den Händlern. Und wir konnten ihn schon ausprobieren.

Der Mercedes EQA basiert auf dem GLA

Seitenansicht eines Mercedes EQA fahrend auf einer Straße
Der Mercedes EQA ist 4,46 Meter lang ∙ © Mercedes

Die in Richtung EQC getrimmte Front mit geschlossenem Black-Panel-Grill und das Heck mit durchgehendem Leuchtenband weisen den EQA zwar klar als Mitglied der Elektro-Familie von Mercedes aus. Doch die ansonsten mit dem GLA identische Karosserie kann ihre Verwandtschaft zum konventionellen Verbrenner-Modell nicht verhehlen.

Soll er auch nicht. Denn Mercedes verspricht, dass der EQA "als enger Verwandter des GLA alle begeisternden Eigenschaften dieses Fahrzeug mitbringt und sie mit einem effizienten Elektroantrieb kombiniert." Ob das gelungen ist, mussten die ersten Testfahrten rund ums Sindelfinger Werk jetzt beweisen. Gebaut wird der kompakte SUV dort übrigens nicht, sondern im badischen Rastatt sowie in Peking.

66,5 kWh für 426 km Reichweite

Beim Antrieb geht der EQA also eigene Wege. In seinem Fahrzeugboden steckt eine Batterie mit 66,5 kWh Kapazität (netto nutzbar). Das ist insofern ordentlich, da sie laut Mercedes eine Norm-Reichweite von bis zu 426 Kilometern im realitätsnahen WLTP-Zyklus ermöglichen soll. Nach den ersten Eindrücken werden es gefühlt in der Praxis wohl eher zwischen 350 und 370 Kilometer sein, doch das macht den EQA ausreichend alltagstauglich. Später soll sogar noch eine Version folgen, die mit mehr als 500 Kilometer Reichweite aufwartet, über 200 kW Motorleistung verfügt und Allradantrieb hat.

Gute Fahrleistungen von Eco bis Sport

Vorerst arbeitet aber erst mal ein E-Motor im EQA, der die Vorderräder antreibt. Er leistet 140 kW, was nach alter Lesart 190 PS macht und den SUV mit einem Drehmoment von 375 Nm gut in Schwung bringt: Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Elektro-SUV bestenfalls in 8,9 Sekunden, die Spitze ist bei 160 km/h begrenzt.

Drei Fahrstufen von Eco bis Sport stehen zur Auswahl, die Fahrwerk, Lenkung oder Motorcharakteristik beeinflussen. Den meisten Fahrspaß (und Stromverbrauch) macht die Sport-Einstellung, mit der der EQA bei Bedarf mit direkter Gasannahme und straffer Federung zum Kurvenräuber wird. Doch auch mit der Wahl der Eco-Taste wird aus dem Kompakt-SUV kein zahnloser Tiger, weil der gut gedämpfte E-Motor immer noch ausreichend Leistung liefert.

Etwas gefühllos wirkt in der Eco-Einstellung die sehr leichtgängige Lenkung, die um die Mittellage straffer sein sollte. Allerdings kann man deren Charakteristik in jeder Einstellung extra anwählen – und in der Stellung "Sport" funktioniert sie dann wesentlich direkter. Dass die Bremse sich wie bei fast jedem E-Auto etwas teigig anfühlt? Daran gewöhnt man sich.

EQA mit 11 kW (AC) und 100 kW (DC) Ladeleistung

Wir stellen den neuen Mercedes EQA vor
Beim AC-Laden (Wechselstrom) zieht sich der EQA maximal 11 kW ∙ © Mercedes

Gut: Die maximale Ladeleistung beträgt bei allen Versionen 100 kW, wenn eine entsprechende DC-Schnellladesäule (Gleichstrom, meist an der Autobahn) zum Einsatz kommt. Der Akku ist dann in 30 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen. An "normalen" AC-Ladesäulen (Wechselstrom, in der Stadt) zieht sich der EQA maximal 11 kW. Eine komplett leere Antriebsbatterie wäre somit unter idealen Bedingungen mit AC in knapp sechs Stunden wieder zu 100 Prozent gefüllt.

Und was Tesla, der Audi e-tron und der EQC können, kann auch der Mercedes EQA: Das Navi rechnet die schnellste Route aus und plant Ladestopps samt voraussichtlicher Ladezeit mit ein. Über Mercedes Me Charge lassen sich so 450.000 Ladepunkte in 31 Ländern ansteuern. Eine Bezahlfunktion ist über das Display im Fahrzeug oder über die dazugehörige Smartphone-App integriert. Und kommt aus der Säule mal direkt kein Ökostrom, sorgt Mercedes in Europa dann noch nachträglich für den Grünstrom-Ausgleich.

Beim Fahren soll der EQA sehr effizient mit Energie umgehen: Das energieraubende Heizen übernimmt im Winter eine serienmäßige Wärmepumpe und ein "EcoAssist" kümmert sich automatisch je nach Streckenverlauf, Tempolimit oder dem Abstand zum Vordermann um eine situationsgerechte Rekuperation, bremst also mal stärker und mal schwächer ab, wenn der Fahrer vom Gas geht und speist entsprechend Energie in die Batterie zurück. Funktioniert prima und ist tatsächlich enorm entspannend! Wie stark rekuperiert wird, lässt sich zusätzlich per Schaltwippen am Lenkrad anwählen.

Mercedes EQA: Elektro-SUV mit reichlich Platz

Cockpit des Mercedes EQA
Modernes Cockpit, kein Unterschied zum GLA ∙ © Mercedes

Im Innenraum findet sich 1:1 der GLA wieder. Die beiden 10,25-Zoll-Displays in einem freistehenden, flachen Gehäuse wirken modern, analoge Anzeigen gibt es keine mehr. Bedient wird per Fingerdruck auf dem zentralen Mitteldisplay, per Touchpad in der Mittelkonsole oder per Daumen auf den kleinen Sensorflächen am Lenkrad – eine etwas fummelige Angelegenheit.

Wie bei den Schwestermodellen kommt das MBUX genannte Bediensystem zum Einsatz, das mit frei gesprochener Sprache zurecht kommt und auf den Befehl "Hey Mercedes" hört. Allerdings sollte man sich wie bei allen derzeitigen Sprachsystemen im Auto nicht zu viel davon erwarten. Einfache Befehle wie "Bitte Heizung etwas wärmer" sind zwar schon realisierbar, doch wird die Anforderung etwas komplexer ("Wo finde ich die Einstellung fürs Head-up-Display"), quittiert auch MBUX die Frage mit Unverständnis ("Wo hin möchtest Du?").

Wie schon der konventionelle GLA kann auch der EQA mit guten Platzverhältnissen aufwarten. Vorne sitzt man mit viel Kopffreiheit sehr luftig und auch hinten sind die Maße für die Knie und Ellbogen ausreichend. Allerdings stört, dass die Beine wegen des etwas höheren Bodens (Batterie) sehr angewinkelt werden müssen – und das ist auf längeren Strecken doch unangenehm. Den Stauraum gibt der Hersteller mit 340 bis 1320 Litern an – für die Fahrzeugklasse ist der gut zugängliche Kofferraum mit niedriger Ladekannte also vergleichsweise groß.

Die serienmäßige Ausstattung kann sich unter anderem mit aktivem Spur- und Bremsassistent, Klimaautomatik, LED-Scheinwerfern, elektrischer Heckklappe, Ambientelicht mit 64 Farben, Komfortsitzen, Rückfahrkamera und Navigationssystem sehen lassen. Optional sind die Ausstattungslinien "Electric Art" und "AMG Line" sowie ein "Night-Paket" zu haben.

Preis: Ab 47.540 Euro – vor Abzug der Förderprämie

Zum Preis: Mercedes ruft für den EQA mindestens 47.540 Euro auf und liegt damit netto ganz zufällig knapp unter der Schwelle von 40.000 Euro – die volle E-Auto-Förderung von gut 9000 Euro ist dem EQA also sicher. Samt Mehrwertsteuer ist der EQA dann also ab rund 38.000 Euro zu haben.

Allein auf weiter Flur ist der in Rastatt und Peking gefertigte EQA aber längst nicht mehr: Im Segment der elektrischen Kompakt- bzw. Mittelklasse-SUVs tummeln sich Lexus UX 300e, Kia e-Niro, Mazda MX-30, VW ID.4, der Škoda Enyaq iV und der chinesische MG ZS EV. Noch 2021 kommen Audi Q4 e-tron und Tesla Model Y auf den Markt. Das Rennen um den besten bezahlbaren Elektro-SUV ist also eröffnet.

Mercedes EQA: Technische Daten

Herstellerangaben

Mercedes EQA 250

Motor/Antrieb

Asynchron-Elektromotor, 140kW/190 PS, 375 Nm Drehmoment

Fahrleistungen

8,9 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze

Batteriekapazität

66,5 kWh (netto nutzbar)

Maximale Ladeleistung (AC/DC)

11 kW / 100 kW

Verbrauch (WLTP)

17,7 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Reichweite (WLTP)

426 km

Maße

L 4,46 / B 1,83 / H 1,62 m

Kofferraum

340 – 1320 l

Leergewicht / Zuladung

2040 / 430 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

k. A.

Garantie

2 Jahre

Preis

ab 47.540 €