Dacia Sandero: So gut ist die dritte Generation

Der neue Dacia Sandero wirkt selbstbewusster als sein Vorgänger ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Dacia

Der Dacia Sandero hat sich vom schlichten Billigangebot zum attraktiven Kleinwagen mit mehr Luxus und Sicherheit gewandelt. Und bleibt günstigster Neuwagen Deutschlands. Testfahrt, Daten, Bilder.

  • Zwei Modelle: Dacia Sandero und Sandero Stepway

  • Zwei Benziner (65 und 90 PS) und ein Autogasmotor (100 PS)

  • Euro NCAP: Stepway fällt mit nur 2 Sternen durch

  • Preis: 8490 Euro für die Basisversion

Wer kein rollendes Statussymbol braucht, kauft sich einen Dacia – sagt zumindest die Werbung. Das sehen wohl auch viele Autokäufer so, denn Dacia hat sich sehr erfolgreich als Billigableger von Renault auf dem Markt etabliert. Nach dem Duster ist der Sandero in Deutschland das meistverkaufte Modell der Rumänen. Kein Wunder, denn der Kleinwagen gilt als günstigster Neuwagen auf dem Markt, auch wenn der Mitsubishi Space Star in ähnlichen Preisregionen unterwegs ist.

Dacia Sandero ab 8490 Euro

Dacia Sandero Stepway fährt auf einer Landstraße, von hinten aufgenommen.
Der Sandero Stepway im robusten SUV-Look ∙ © Dacia

Die dritte Generation gibt es ab einem Preis von 8490 Euro, die Crossover-Variante im Stil eines SUV namens Stepway kostet ab 11.390 Euro. Der Ableger hat eine höhergelegte Karosserie, Kunststoffplanken an den Seiten und einen angedeuteten Unterfahrschutz. Im Vergleich zum normalen Sandero hat der Stepway rund vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit, aber nach wie vor keinen Allradantrieb.

Trugen die Vorgänger noch die Technik der alten Clio-Generationen auf, hat Dacia mittlerweile Zugriff auf die aktuelle Kleinwagenplattform des Konzerns – inklusive Motoren, Konnektivität und Assistenzsystemen. Dass man es mittlerweile mit einem modernen Kleinwagen zu tun hat, sieht man sofort: Vor allem die Front mit großem Kühlergrill und serienmäßigen LED-Scheinwerfern strahlt Selbstbewusstsein aus, die breitere Spur und das flachere, Richtung Heck abfallende Dach stehen dem Fünftürer ebenfalls gut.

Während sich die Länge beim Modellwechsel kaum geändert hat, mit 4,09 Metern knapp oberhalb der 4-Meter-Marke verharrt und damit VW Polo, Ford Fiesta und Opel Corsa leicht übertrifft, legt die neue Generation in der Breite um rund zehn Zentimeter auf 1,85 Meter zu.

Zeitgemäßer Innenraum im Dacia Sandero

Das Cockpit in einem Dacia Sandero
Innen wurde der Sandero deutlich moderner ∙ © Dacia

Auch im Innenraum geht es zeitgemäß zu, statt großflächiger Plastikwüsten gibt es nun ein kleinteiligeres Design, in dem die weiterhin etwas einfachen Verkleidungsmaterialien weniger auffallen. In den höheren Ausstattungslinien werten Stoff- und Chrom-Applikationen sowie das Touchscreen-Multimediasystem das Ambiente zusätzlich auf. In Sachen Infotainment stehen drei Optionen zur Wahl. Zum einen kann in der Einstiegsvariante das eigene Smartphone in der Mitte des Armaturenbretts angebracht und – mit dem Fahrzeug verbunden – als "Touchscreen" für bestimmte Funktionen (z.B. Navigation, Radiobedienung etc.) benutzt werden.

Als zweite Möglichkeit gibt es einen acht Zoll großen Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts. Er erlaubt unter anderem die Integration des Smartphones via Android Auto und Apple Car Play. Erst in der Top-Variante ist der 8-Zoll-Bildschirm als dritte Option als Touchscreen ausgeführt.

Mehr Kniefreiheit und mehr Kofferraum

Das Raumangebot ist wie gewohnt auf allen Plätzen gut, wobei der Mittelsitz im recht geräumigen Fond Erwachsenen wie bei den meisten Autos nur für die Kurzstrecke zuzumuten ist. Die Fondpassagiere haben nun merklich mehr Kniefreiheit als bisher, der Hersteller spricht von vier Zentimetern. Der Kofferraum fällt mit 328 Litern für ein Fahrzeug dieser Klasse ordentlich aus.

Auf der Straße fährt der Sandero den technischen Fortschritt voll aus. Deutlich geschmeidiger als der Vorgänger, mit leichtgängiger elektrischer Lenkung und auch auf unebenen Straßen gutem Fahrwerkskomfort lässt der Dacia nichts vermissen, was einen modernen Kleinwagen ausmacht.

Drei Motoren: 65, 90 und 100 PS

Dacia Sandero seitlich, auf einer Strasse fahrend
Auf 4,09 Metern Länge bietet der neue Sandero mehr Platz als bisher ∙ © Dacia

Beim Antrieb setzt der Dacia auf sparsame und günstige Technik. Den Einstieg markiert ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 48 kW/65 PS, alternativ ist eine Turbovariante mit 66 kW/90 PS zu haben, für die neben der Sechsgang-Handschaltung auch eine stufenlose Automatik angeboten wird. Um den CO₂-Ausstoß in der Flotte zu senken, hat der Sandero eine Version mit günstiger Autogas-Technik statt teurer Elektrifizierung im Angebot.

Der Einliter-Ottomotor kommt im LPG-Autogasbetrieb auf 74 kW/100 PS, hört auf die Bezeichnung TCe 100 ECO-G und stellt gleichzeitig den stärksten Antrieb in der Modellpalette dar. Erwartungsgemäß geht es mit ihm am flottesten voran. Der Käufer des Autogasmodells profitiert zunächst von niedrigeren Tankkosten, allerdings sind diese nicht von Dauer, da die Steuervergünstigung für LPG bis 2022 schrittweise ausläuft. Trotzdem könnte der Kauf lohnen, ist der 100-PS-Motor doch nur 100 Euro teurer als die 90-PS-Variante. Und weil je ein vollwertiger Gas- und Benzintank an Bord ist, liegt die Gesamtreichweite bei 1300 Kilometern.

Dass der raue Klang der 1,0-Liter-Dreizylindermotoren vor allem zum Start kaum gefiltert in den Innenraum dringt und dass die kleinen Benziner nicht unbedingt mit Temperament und Durchzug protzen, ist Preis und Fahrzeugklasse geschuldet.

Bei der Ausstattung hat der Dacia zugelegt

Dacia Sandero fahrend von schräg hinten
Die meisten Kunden nehmen den Sandero mit 90 PS ∙ © Dacia

Zwar lockt der Sandero mit einem Basispreis von 8490 Euro. Gegenüber dem Vorgänger ist das Einstiegsniveau "Access" aber um knapp 1000 Euro teurer geworden, bei den anderen Varianten liegt der Aufpreis nur noch bei einigen Hundert Euro. Wer ein einigermaßen ordentlich ausgestattetes Modell mit Klimaanlage und ein paar kleineren Komfortextras will, muss mindestens zur dritten Ausstattungslinie "Comfort" greifen, die bei 9990 Euro startet. Auch das ist aber noch sehr günstig.

Der größte Teil der Kunden dürfte das tun – und sich nach Renault-Einschätzung außerdem für den 66 kW/90 PS starken Benziner entscheiden, womit am Ende 11.490 Euro auf der Preisliste stehen. Für den Stepway werden jeweils 1000 Euro mehr fällig, die Einstiegsmotorisierungen und niedrigen Ausstattungslinien sind für den Crossover allerdings nicht im Programm.

Bei der Ausstattung hat Dacia nachgelegt: Es gibt je nach Version Bordcomputer, Tempomat und Lichtautomatik, optional Komfortextras wie Sitzheizung und elektrische Parkbremse. Die Basisversion bietet das Nötigste, etwa elektrische Fensterheber vorn, Smartphone-Halterung, Servolenkung, einen Notbremsassistenten, Fenster-Airbags und eine Notruffunktion. Eine Radioanlage ist hier aber noch nicht an Bord. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer sollen 110 Meter weit und damit 37 Prozent weiter leuchten als die Halogenscheinwerfer des Vorgängermodells.

Fazit: Viel Auto für wenig Geld

Für vergleichsweise kleines Geld gibt es mit dem Sandero also ein Auto, das so modern fährt, wie es wirkt. Auch wenn man an Materialauswahl und Ausstattungsumfängen durchaus eine gewisse Preissensibilität bemerkt – billig im negativen Sinne wirkt hier nichts mehr. So gerüstet dürfte der Rumäne nicht nur dem französischen Schwestermodell Renault Clio gefährlich werden, sondern auch so manchen asiatischen oder südeuropäischen Kleinstwagen.

Euro NCAP: Stepway erreicht nur 2 Sterne

Im April 2021 testete das Verbraucherschutzprogramm Euro NCAP den neuen Sandero Stepway. Das Ergebnis: Magere 2 Sterne! Warum? Schon der Insassenschutz beim Crash ist mit 70 Prozent Erfüllungsgrad nur ausreichend. Doch das größte Problem gibt es beim Fußgängerschutz: Das autonome Notbremssystem (AEBS) des Dacia Sandero kann gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer nicht erkennen! Ein Spurhaltesystem, das schwere Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn verhindern könnte, fehlt beim Sandero ebenfalls. Hier sollte die Renault-Tochter Dacia dringend nachbessern.

Nur 2 Sterne: Der Sandero Stepway bei Euro NCAP ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Test und Technik

Dacia Sandero: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Dacia Sandero SCe 65

Dacia Sandero TCe 90

Dacia Sandero TCe 100 ECO-G (Autogas)

Motor / Antrieb

Dreizylinder-Benziner, 999 cm³, 49 kW/67 PS, 95 Nm bei 3600 U/min

Dreizylinder-Turbobenziner,

999 cm³, 67 kW/91 PS,

160 Nm bei 2100 U/min

Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 74 kW/101 PS, 170 Nm bei 2000 U/min

Fahrleistungen

16,7 s auf 100 km/h, 158 km/h Spitze

11,7 s auf 100 km/h, 178 km/h Spitze

11,6 s auf 100 km/h, 183 km/h Spitze

Verbrauch nach NEFZ; CO₂ nach WLTP

5,0 l Super/100 km; 117 – 124 g CO₂/km

4,8 – 5,0 l Super/100 km, 116 – 124 g CO₂/km

6,5 – 6,6 l LPG/100 km, 106 – 112 g CO₂/km

Maße

L 4,09 / B 1,85 / H 1,50 m

L 4,09 / B 1,85 / H 1,50 m

L 4,09 / B 1,85 / H 1,50 m

Kofferraum

328 – 1108 l

328 – 1108 l

328 – 1108 l

Leergewicht

1089 – 1111 kg

1127 – 1147 kg

1182 – 1205 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

540 – 555 / 980 kg

560 – 570 / 1100 kg

590 – 600 / 1100 kg

Garantie

3 Jahre / 100.000 km

3 Jahre / 100.000 km

3 Jahre / 100.000 km

Preis

ab 8490 €

ab 10.390 €

ab 10.490 €

Text: Holger Holzer/SP-X, Jochen Wieler