Dacia Sandero Test: So gut ist die dritte Generation

Der aktuelle Sandero wirkt selbstbewusster als sein Vorgänger ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Dacia

Der Dacia Sandero hat sich vom schlichten Billigangebot zum attraktiven Kleinwagen mit mehr Luxus und Sicherheit gewandelt. Und bleibt günstigster Neuwagen Deutschlands. ADAC Test des Sandero Stepway, Daten, Bilder

  • Zwei Modelle: Dacia Sandero und Sandero Stepway

  • Zwei Benziner (67 und 91 PS) und ein Autogasmotor (101 PS)

  • Euro NCAP: Stepway erhält nur 2 Sterne

  • Preis: 8990 Euro für die Basisversion

Wer kein rollendes Statussymbol braucht, kauft sich einen Dacia – sagt zumindest die Werbung. Das sehen wohl auch viele Autokäufer so, denn Dacia hat sich sehr erfolgreich als Billigableger von Renault auf dem Markt etabliert. Nach dem Duster ist der Sandero in Deutschland das meistverkaufte Modell der Rumänen. Kein Wunder, denn der Kleinwagen gilt als günstigster Neuwagen auf dem Markt, auch wenn der Mitsubishi Space Star in ähnlichen Preisregionen unterwegs ist.

Dacia Sandero ab 8990 Euro

Der Sandero Stepway im robusten SUV-Look © Dacia

Die dritte Generation gibt es ab einem Preis von 8990 Euro, die Crossover-Variante im Stil eines SUV namens Stepway kostet ab 13.050 Euro. Der Ableger hat eine höhergelegte Karosserie, Kunststoffplanken an den Seiten und einen angedeuteten Unterfahrschutz. Im Vergleich zum normalen Sandero hat der Stepway rund vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit, aber nach wie vor keinen Allradantrieb.

Trugen die Vorgänger noch die Technik der alten Clio-Generationen auf, hat Dacia mittlerweile Zugriff auf die aktuelle Kleinwagenplattform des Konzerns – inklusive Motoren, Konnektivität und Assistenzsystemen. Dass man es mittlerweile mit einem modernen Kleinwagen zu tun hat, sieht man sofort: Vor allem die Front mit großem Kühlergrill und serienmäßigen LED-Scheinwerfern strahlt Selbstbewusstsein aus, die breitere Spur und das flachere, Richtung Heck abfallende Dach stehen dem Fünftürer ebenfalls gut.

Während sich die Länge beim Modellwechsel kaum geändert hat, mit 4,09 Metern knapp oberhalb der 4-Meter-Marke verharrt und damit VW Polo, Ford Fiesta und Opel Corsa leicht übertrifft, legt die aktuelle Generation in der Breite um rund zehn Zentimeter auf 1,85 Meter zu.

Zeitgemäßer Innenraum im Dacia Sandero

Innen wurde der Sandero deutlich moderner © Dacia

Auch im Innenraum geht es zeitgemäß zu, statt großflächiger Plastikwüsten gibt es nun ein kleinteiligeres Design, in dem die weiterhin etwas einfachen Verkleidungsmaterialien weniger auffallen. In den höheren Ausstattungslinien werten Stoff- und Chrom-Applikationen sowie das Touchscreen-Multimediasystem das Ambiente zusätzlich auf. In Sachen Infotainment stehen drei Optionen zur Wahl. Zum einen kann in der Einstiegsvariante das eigene Smartphone in der Mitte des Armaturenbretts angebracht und – mit dem Fahrzeug verbunden – als "Touchscreen" für bestimmte Funktionen (z.B. Navigation, Radiobedienung etc.) benutzt werden.

Als zweite Möglichkeit in Gestalt des 600 Euro teuren Komfort-Pakets gibt es einen acht Zoll großen Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts. Er erlaubt unter anderem die Integration des Smartphones via Android Auto und Apple CarPlay. Erst in der Top-Variante ist der 8-Zoll-Bildschirm als dritte Option als Touchscreen ausgeführt.

Mehr Kopffreiheit und mehr Kofferraum

Auf den vorderen Plätzen finden Personen bis knapp 1,90 Meter genug Platz, die Kopffreiheit reicht noch für deutlich mehr. Die Innenbreite ist für einen Kleinwagen großzügig. Hinten wird es im Sandero schon enger, was aber hauptsächlich an der beschränkten Beinfreiheit liegt. In Kombination mit der ordentlichen Innenbreite ergibt sich ein gutes Raumgefühl; mehr als zwei Erwachsene sollten hinten aber nicht sitzen, sonst wird es arg eng.

Der Kofferraum fällt mit gemessenen 320 Litern für ein Fahrzeug dieser Klasse ordentlich aus. Entfernt man die Kofferraumabdeckung und nutzt den Stauraum bis zum Dach hoch, stehen 440 Liter zur Verfügung. Das reicht für bis zu sieben Getränkekisten. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen lassen sich maximal 1105 Liter unterbringen.

Negativ: Die Ladekante befindet sich üppige 79 Zentimeter über der Straße, entsprechend weit muss Gepäck beim Einladen angehoben werden. Beim Ausladen sieht es nicht viel besser aus, dann muss die innere Stufe von 27 Zentimetern überwunden werden. Klappt man die Rücksitze um, ergibt sich eine unpraktische Stufe und im Bereich der Lehnen steigt der Ladeboden an.

Auf der Straße fühlt sich der Sandero deutlich geschmeidiger als der Vorgänger an. Insgesamt ist der Fahrkomfort innerorts zufriedenstellend. Auf der Landstraße wie auch auf der Autobahn geht es kommod zu, das Fahrwerk federt willig über Unebenheiten, über regelmäßigen Bodenwellen gibt es aber immer noch eine leichte Stuckerneigung.

Der Sandero liegt auch in der "Offroad-Version" Stepway mit mehr Bodenfreiheit insgesamt stabil und sicher auf der Straße. Die ziemlich indirekte Lenkübersetzung führt zu einer gewissen Behäbigkeit und eher trägen Reaktion auf plötzliche Lenkbefehle, der Wagen bleibt aber insgesamt gut beherrschbar. Das serienmäßige ESP greift im Notfall unterstützend ein.

Dacia Sandero mit drei Motoren: 67, 91, 101 PS

Auf 4,09 Metern Länge bietet der neue Sandero mehr Platz als bisher © Dacia

Beim Antrieb setzt der Dacia auf sparsame und günstige Technik. Den Einstieg markiert ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 49 kW/67 PS, alternativ ist die getestete Turbovariante mit 67 kW/91 PS zu haben, für die neben der Sechsgang-Handschaltung auch eine stufenlose Automatik angeboten wird (nicht für alle Ausstattungsniveaus). Um den CO₂-Ausstoß in der Flotte zu senken, hat der Sandero statt teurer Elektrifizierung eine Version mit günstiger Autogas-Technik im Angebot. Der Einliter-Ottomotor kommt im LPG-Autogasbetrieb auf 74 kW/101 PS, hört auf die Bezeichnung TCe 100 ECO-G und stellt gleichzeitig den stärksten Antrieb in der Modellpalette dar.

Der Käufer des Autogasmodells profitiert zunächst von niedrigeren Tankkosten, allerdings sind diese nicht von Dauer, da die Steuervergünstigung für LPG bis 2022 schrittweise ausläuft. Trotzdem könnte der Kauf lohnen, ist der 101-PS-Motor doch nur 300 Euro teurer als die 91-PS-Variante. Und weil je ein vollwertiger Gas- und Benzintank an Bord ist, liegt die Gesamtreichweite bei 1300 Kilometern.

Auch wenn der getestete Dreizylinder mit 91 PS nur wenig Hubraum hat, kann man damit bei Bedarf dank Turboaufladung dennoch angemessen flott unterwegs sein. Die Beschleunigung
von 60 auf 100 km/h im vierten Gang ist in 9,9 Sekunden erledigt, das gleiche klappt im fünften Gang in 14,3 Sekunden. Der recht lang übersetzte sechste Gang sollte für diese Disziplin nicht in Anspruch genommen werden, denn mit ihm dauert sie lange 22,8 Sekunden.

Dacia verspricht, dass der Sandero Stepway TCe 90 den Sprint von null auf 100 km/h in 12 Sekunden absolvieren kann und eine Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h erreicht. Der Motor zeigt typische Dreizylinder-Vibrationen, die aber insgesamt ordentlich ausbalanciert sind und so kaum störend auffallen. Erst beim Ausdrehen klingt er etwas kernig.

Testverbrauch von 6,3 Litern Super/100 km

Und wie schaut es mit dem Verbrauch aus? Der liegt im ADAC Ecotest bei insgesamt 6,3 Liter Super pro 100 Kilometer – dafür gibt es im ADAC Ecotest die gerade noch befriedigende Note 3,4. Ein Lichtblick: Der neue Dreizylinder ist gegenüber dem Vorgänger im Kapitel Schadstoffe ein echter Fortschritt. Er ist durch die Bank sauber. Wo der Vorgänger noch mit erhöhten Partikelwerten aufgefallen war, liegt der Neue nun in allen Bereichen weit unter den Grenzwerten, auf dem Prüfstand wie auf der Straße, wie separate RDE-Messungen zeigen. Das gibt die Note 1,0 und unterm Strich vier von fünf möglichen Ecotest-Sternen.

Bei der Ausstattung hat der Dacia zugelegt

Die meisten Kunden nehmen den Sandero mit 91 PS © Dacia

Zwar lockt der "normale" Sandero mit einem Basispreis von 8990 Euro. Gegenüber dem Vorgänger ist das Einstiegsniveau "Access" aber um deutlich über 1000 Euro teurer geworden, bei den anderen Varianten liegt der Aufpreis nur noch bei einigen Hundert Euro. Wer ein einigermaßen ordentlich ausgestattetes Modell mit Klimaanlage und ein paar kleineren Komfortextras will, muss mindestens zur dritten und höchsten Ausstattungslinie "Comfort" mit 91-PS-Motor und Fünfganggetriebe greifen, die mittlerweile auch schon bei 12.650 Euro startet. Auch das ist aber noch günstig.

Beim getesteten Stepway geht es erst bei 13.050 Euro für die "Essential"-Version los, die Einstiegsmotorisierung und die Basisausstattung sind für den Crossover nicht im Programm.

Bei der Ausstattung hat Dacia nachgelegt: Es gibt je nach Version Bordcomputer, Tempomat und Lichtautomatik, optional Komfortextras wie Sitzheizung und elektrische Parkbremse. Die Basisversion bietet das Nötigste, etwa elektrische Fensterheber vorn, Smartphone-Halterung, Servolenkung, einen Notbremsassistenten, Fenster-Airbags und eine Notruffunktion. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer sollen 110 Meter weit und damit 37 Prozent weiter leuchten als die Halogenscheinwerfer des Vorgängermodells.

Serienmäßig verfügt der Sandero Stepway über einen Frontradarsensor. Damit werden die Kollisionswarnung und das Notbremssystem umgesetzt, von 7 bis 170 km/h wird auf vorausfahrende Hindernisse gebremst, immerhin bis 80 km/h auf stehende. Auch ein Kreuzungsassistent ist integriert, wobei die Funktionalität nur zufriedenstellend ist, weil es keine Frontkamera zur besseren Erkennung der Szenarien gibt. Ein manueller Geschwindigkeitsbegrenzer sowie ein Tempomat sind Serie.

Fazit: Viel Auto für wenig Geld

Für vergleichsweise kleines Geld gibt es mit dem Sandero also ein Auto, das so modern fährt, wie es wirkt. Auch wenn man an Materialauswahl und Ausstattungsumfängen durchaus eine gewisse Preissensibilität bemerkt – billig im negativen Sinne wirkt hier nichts mehr. So gerüstet könnte der Rumäne nicht nur dem französischen Schwestermodell Renault Clio gefährlich werden, sondern auch so manchem asiatischen oder südeuropäischen Kleinstwagen.

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Dacia Sandero: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Dacia Sandero Stepway TCe 90 Essential (ab 01/21)

Motorart

Otto

Hubraum (Verbrennungsmotor)

999 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

67

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

91

Drehmoment (Systemleistung)

160 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.600 U/min

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

12,0 s

Höchstgeschwindigkeit

172 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

127 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,6 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

4,9 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

328 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.108 l

Leergewicht (EU)

1.152 kg

Zuladung

426 kg

Anhängelast ungebremst

585 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.100 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.099 mm x 1.848 mm x 1.535 mm

Grundpreis

13.850 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Dacia Sandero Stepway TCe 90 Essential

Überholvorgang 60 – 100 km/h

7,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,6 m

Wendekreis

11,0 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,3 lSuper/100 km, 177 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

790 km

Innengeräusch bei 130 km/h

71,1 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1135 / 426 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

320 / 645 / 1105 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Dacia Sandero Stepway TCe 90 Essential

Karosserie/Kofferraum

3,3

Innenraum

3,5

Komfort

3,5

Motor/Antrieb

2,7

Fahreigenschaften

2,7

Sicherheit

3,2

Umwelt/Ecotest

2,2

Gesamtnote

2,9

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

Euro NCAP: Stepway erreicht nur 2 Sterne

Im April 2021 testete das Verbraucherschutzprogramm Euro NCAP den neuen Sandero Stepway. Das Ergebnis: Magere 2 Sterne! Warum? Schon der Insassenschutz beim Crash ist mit 70 Prozent Erfüllungsgrad nur ausreichend. Doch das größte Problem gibt es beim Fußgängerschutz: Das autonome Notbremssystem (AEBS) des Dacia Sandero kann gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer nicht erkennen. Ein Spurhaltesystem, das schwere Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn verhindern könnte, fehlt beim Sandero ebenfalls. Hier sollte die Renault-Tochter Dacia dringend nachbessern.

Nur 2 Sterne: Der Sandero Stepway bei Euro NCAP ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC/Test und Technik

Text mit Material von SP-X