Tacho-Manipulation

6.3.2019

Das "Zurückdrehen" eines Tachos geht kinderleicht. Es ist zwar gesetzlich verboten, wird aber von vielen "Dienstleistern" zu Preisen ab 50 Euro pro Auto offen angeboten. Das Ziel dabei ist, den Wert eines Gebrauchtwagens auf betrügerische Weise zu steigern oder aber Leasing-Strafzahlungen zu vermeiden. Wir klären über die aktuelle Situation auf und benennen die größten Probleme.

 

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Fotos: ADAC/Simon Koy

Aktuelle Situation

Laut Ermittlungsergebnissen der Polizei ist an jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert worden. Der verfälschte Kilometerstand führt demnach pro Fahrzeug im Durchschnitt zu einer illegalen Wertsteigerung von 3000 Euro. Das bedeutet allein in Deutschland jedes Jahr einen Schaden von über sechs Milliarden Euro. Opfer sind in erster Linie die privaten Gebrauchtwagen-Käufer.

Wie geht das?

Die "Dienstleister" verwenden handliche, leicht bedienbare Manipulationsgeräte, die ab etwa 150 Euro legal erhältlich sind. Diese Geräte enthalten Software, mit der die allermeisten Autos in Deutschland binnen Sekunden auf einen beliebigen Kilometerstand manipuliert werden können. Nach Erscheinen neuer Fahrzeugmodelle gibt es meist kurzfristig Software-Updates.

Bei der Mehrzahl der Autos kann der Kilometerstand ohne Ausbau des Tachos oder anderer Teile beliebig verstellt werden - durch Anschluss des Manipulationsgerätes an den Diagnose-Stecker, der seit etwa Baujahr 2000 Vorschrift ist. Meist genügt es, einen der "Dienstleister" anzurufen und mit ihm einen Termin auf einem Parkplatz zu vereinbaren.

Bei einer großen Razzia hat die Polizei 2011 in München ein Fahrzeug mit einer echten Laufleistung von 700.000 Kilometern sicher gestellt, das auf 150.000 Kilometer „herunter gedreht“ worden war. Mit echtem Tachostand etwa 5000 Euro wert, konnte es aufgrund des manipulierten Tachos (und nach "kosmetischem Aufhübschen") für 15.000 Euro verkauft werden - ohne dass dies aufgefallen wäre.

Wann wird manipuliert?

Tachos werden nicht nur kurz vor dem Verkauf eines Gebrauchtwagens manipuliert. Kilometerstände zu frisieren ist – weil es so einfach geht – auch während der Nutzung des Autos üblich, damit die falschen Daten in der "Fahrzeug-Historie" der Hersteller-Werkstatt eingetragen werden und so weniger Laufleistung vortäuschen.

Die Manipulationen dienen u. a. dazu, ein Auto unter die beim Leasing vereinbarte Laufleistung zu drücken und somit Abzüge beim Restwert zu sparen oder um zu Unrecht eine Garantie- beziehungsweise Kulanzleistung kostenlos in Anspruch zu nehmen. 

Richtig teuer kann es werden, wenn der neue Besitzer meint, dass etwa der Zahnriemenwechsel laut Tachostand noch Zeit hat, tatsächlich aber aufgrund der echten Laufleistung schon längst fällig ist. Wenn dann der Zahnriemen wegen Überschreiten des Wechsel-Intervalls reißt, kann dies schlimmstenfalls zu einem tausende Euro teuren Motorschaden führen.

Wie manipulationssicher sind Autos?

ADAC Tests haben ergeben: Keines der aktuellen Fahrzeuge kann als manipulationssicher gelten. Das Herunterdrehen des Tachostandes ist bei allen Modellen so simpel und billig, dass sich beim Verkauf ein deutlicher Gewinn aus der Manipulation schlagen lässt. Die Kosten dafür beginnen – je nach Modell - bei 50 Euro und enden in einigen wenigen Fällen bei 500 Euro.

Der ADAC weist nachdrücklich darauf hin, dass das Verschweigen der tatsächlichen Gesamt-Laufleistung einen Betrug darstellt. Hierfür sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder aber eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.

Rechtliches & Tipps

Erfolg für Verbraucherschutz

Neue Fahrzeugmodelle müssen ab 1. September 2017 "systematisch" gegen Manipulation des Kilometerstandes geschützt werden; ein Jahr später soll dies für alle Neuwagen gelten. Das schreibt eine neue „Verwaltungsvorschrift für die EG-Typgenehmigung“* vor. Damit erfüllt der Gesetzgeber eine langjährige Forderung des ADAC im Sinne des Verbraucherschutzes. 

Doch dies ist nur ein Zwischenschritt. Der ADAC appelliert daher an den Gesetzgeber, der neuen Regelung rasch konkrete Ausführungsbestimmungen folgen zu lassen: Welche Schutzklasse muss eingehalten werden, wie kann der Gesetzgeber deren Einhaltung überwachen usw. Hierfür schlägt der Automobilclub die international in der IT-Branche bewährte Common-Criteria-Methode vor. Damit kann nicht nur das erforderliche Maß an Manipulationsschutz genau definiert werden. Die Einhaltung lässt sich auch von neutralen Fachleuten überwachen – in Deutschland etwa durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI in Bonn).

* VERORDNUNG (EU) 2017/1151 DER KOMMISSION vom 1. Juni 2017 zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen hinsichtlich der Emissionen von leichten Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen (Euro 5 und Euro 6) und über den Zugang zu Fahrzeugreparatur- und -wartungsinformationen, zur Änderung der Richtlinie 2007/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates, der Verordnung (EG) Nr. 692/2008 der Kommission sowie der Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 692/2008 der Kommission

Warum gibt es kein Verbot der Geräte?

Herstellung und Verkauf der Manipulations-Geräte sind aufgrund eines Urteils des Bundes-Verfassungsgerichtes erlaubt. Ein Verbot der Geräte in Deutschland würde nichts bringen, da die Anbieter vielfach im Ausland sitzen. 

Eine Tacho-Manipulation an sich ist auf Initiative des ADAC seit 17. August 2005 gesetzlich verboten und wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis geahndet. Das Straßenverkehrsgesetz wurde hierzu durch den Paragraphen 22 b ergänzt:

Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer  
1. die Messung eines Wegstreckenzählers, mit dem ein Kraftfahrzeug ausgerüstet ist, dadurch verfälscht, dass er durch Einwirkung auf das Gerät oder den Messvorgang das Ergebnis der Messung beeinflusst, 
2. die bestimmungsgemäße Funktion eines Geschwindigkeitsbegrenzers, mit dem ein Kraftfahrzeug ausgerüstet ist, durch Einwirkung auf diese Einrichtung aufhebt oder beeinträchtigt oder 
3. eine Straftat nach Nummer 1 oder 2 vorbereitet, indem er Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt oder sich oder einem anderen verschafft, feilhält oder einem anderen überlässt.“

Auch direkte Werbung für Tacho-Manipulation in Zeitungen und im Internet ist verboten, da das Gesetz bereits das Angebot einer rechtswidrigen Dienstleistung untersagt. Dieses Verbot wird jedoch vielfach unterlaufen, so dass solche Anzeigen und Internet-Seiten in der Praxis weiterhin stark verbreitet sind (meist unter den Stichworten „Tacho-Justierung“ oder „Tacho-Anpassung“).

Wie entlarvt man gefälschte Tachostände?

Eine Manipulation des Kilometerstandes lässt sich auf technischem Wege (mit den Mitteln eines Kfz-Sachverständigen oder einer Werkstatt) allermeist nicht aufdecken. Daher sollten Interessenten für einen Gebrauchtwagen möglichst genau recherchieren, ob sich aufgrund von Dokumenten Unstimmigkeiten ergeben:

  • Überprüfen Sie Reparatur-Rechnungen, AU- und TÜV-Berichte, Tankbelege (bei Verwendung einer Tankkarte steht dort der Kilometerstand), Eintragungen im Inspektionsheft und Ölwechsel-Aufkleber bzw. Anhänger auf Plausibilität. Wenn dort steht, der nächste Ölwechsel sei bei 180.000 Kilometern fällig, das Auto hat aber erst 100.000 Kilometer auf der Uhr, dann stimmt etwas nicht. Denn üblicherweise wird ein Ölwechsel spätestens alle 30.000 Kilometer (in seltenen Fällen bis zu 40.000 Kilometer) fällig.
  • Nehmen Sie Kontakt mit dem Vorbesitzer auf, der in Zulassungsbescheinigung Teil II eingetragen ist. Fragen Sie diesen nach den im ersten Punkt genannten Unterlagen. Klären Sie, mit welchem Kilometerstand das Fahrzeug verkauft wurde. Weitere Vorbesitzer stehen teilweise auch im Service-Heft.
  • Verlassen Sie sich nicht auf Verkäuferangaben wie "Kilometerstand laut Tacho" oder "Kilometerstand abgelesen". Sie sind weitgehend unverbindlich. Bestehen Sie auf der schriftlichen Angabe der "tatsächlichen Laufleistung" im Kaufvertrag, den Sie am besten gemäß ADAC Muster abschließen. Hier geht es zum "ADAC Kaufvertrag" als PDF.
  • Lassen Sie einen Gebrauchtwagen-Check durchführen: In einem ADAC-Prüfzentrum oder bei einem ADAC Vertragssachverständigen. Hier können Sie ADAC Prüfdienste in Ihrer Nähe suchen.
  • Achten Sie bei einem Gebrauchtwagen nicht nur auf den Kilometerstand, sondern auch auf den Pflegezustand und die Betriebsbedingungen bei den Vorbesitzern. Ein Fahrzeug mit wenigen Kilometern, die auf Verschleiß fördernden Kurzstrecken-Fahrten absolviert wurden, kann mehr strapaziert sein als ein Fahrzeug mit vielen Kilometern, die vor allem schonend auf Langstrecken gefahren wurden.
  • Lassen Sie in der Werkstatt Fehler- und Wartungsintervall-Speicher auslesen. Vergleichen Sie die bei Fehlereinträgen teilweise mitprotokollierten Kilometerstände mit dem im Tacho angezeigten.
  • Lassen Sie im Verdachtsfall das Produktionsdatum von Tacho und Steuergeräten in der Werkstatt ermitteln: Es könnte sein, dass diese bei der Manipulation beschädigt und danach ersetzt worden sind. Ein Tacho oder ein Steuergerät mit Herstellungsjahr 2015 (meist ins Gehäuse eingeprägt oder per Aufkleber hinterlegt) passt nicht zu einem 2013 hergestellten Fahrzeug - es sei denn, der Vorbesitzer kann einen Tausch wegen Defekt belegen.

Hersteller in der Pflicht

Tacho-Betrug bei vielen Autos ab Werk vorbereitet

Laut Analyse von ADAC und Uni Magdeburg sind Fahrzeuge unzureichend gegen Manipulation geschützt. Die Autohersteller verzichten auf neueste Sicherheitstechnik. Dadurch entsteht den Gebrauchtwagenkäufern allein in Deutschland jedes Jahr ein Schaden in Höhe von sechs Milliarden Euro.

Automobilhersteller unternehmen seit Jahren zu wenig gegen Tacho-Betrug, obwohl es problemlos möglich wäre, ihre Fahrzeuge wirksamer zu schützen. Mehr noch: Viele Autos sind bereits ab Werk für Manipulationen "vorbereitet", da die im Einsatz befindliche Elektronik nur unzureichend abgesicherte Software-Funktionen beinhaltet und demzufolge keinen adäquaten Schutz bietet. Das ermöglicht es den Tacho-Tricksern vielfach erst, mit frei erhältlichen Manipulationsgeräten den Kilometerstand eines Autos einfach und schnell zu verändern.

Wissenschaftler der Arbeitsgruppe "Multimedia and Security" der Universität Magdeburg haben im Rahmen einer vom ADAC beauftragten Studie Fahrzeug-Elektronik eines Audi Q7, einer Mercedes E-Klasse W 211 und eines VW Passat B6 untersucht. Die Forscher fanden dabei heraus, dass es in der Elektronik mangelhaft geschützte Software-Funktionen gibt, die von den Betrügern später für ihre Manipulationen genutzt werden.

Alle Hersteller betroffen

Laut ADAC hätten es Tacho-Trickser deutlich schwerer, wenn Autoproduzenten und Zulieferer so genannte "Back doors" ("Hintertüren") schließen und aktuelle Sicherheitstechnik einsetzen würden. Besonders erstaunlich: Entsprechende Technologien wie SHE (Secure Hardware Extension) oder HSM (Hardware Secure Modules) sind bereits heute teilweise in den Steuergeräten der Fahrzeuge vorhanden, aber nicht aktiviert.

Ein Grund für die mangelnde Sicherung des Kilometerzählers könnte sein, dass gelegentlich erforderliche Werks-Probefahrten der Hersteller vor der Fahrzeugauslieferung „gelöscht“ werden, um dem Kunden ein "ungefahrenes" Neufahrzeug übergeben zu können.

Weitere Praxistests des ADAC haben zudem ergeben, dass sich neben den in der Studie untersuchten Fahrzeugen auch bei vielen weiteren Modellen der Kilometerstand in Sekundenschnelle und ohne Ausbau des Tachos manipulieren lässt. Außerdem werden laut Insidern offenbar gebrauchte Kombi-Instrumente "refurbished", also aufbereitet und mit auf Null gestelltem Kilometerstand als Ersatzteile verkauft. Das Sicherheitsproblem ist also herstellerübergreifend.

Schäden in Milliardenhöhe

Laut Polizei beläuft sich der volkswirtschaftliche Schaden durch Tachomanipulation auf etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr. Dem gegenüber würde es nur etwa drei Millionen Euro kosten, um die drei Millionen jährlich in Deutschland verkauften Neuwagen wirksam gegen Betrug zu schützen. Pro Auto bedeutet dies etwa einen Euro Aufpreis. Bisher wurde der Wert eines Gebrauchtwagens vor allem anhand von Alter und Laufleistung geschätzt.

Im Zuge der Digitalisierung mit immer komplexeren Bordsystemen sollen diese Ansatzpunkte durch bessere Beurteilungskriterien ersetzt werden. Die Universität Magdeburg arbeitet deshalb in einem mehrjährigen Projekt an Methoden, mit denen sich der Zustand moderner Autos zuverlässiger bestimmen lässt.

ADAC Position

Wir fordern

  • Zeitgemäßer technischer Schutz der Gesamtwegstrecke! Der Aufwand für eine Manipulation muss so hoch sein, dass sie sich in Relation zur Preissteigerung des Gebrauchtwagens nicht mehr lohnt. Dies soll durch die EU-Typgenehmigung für jedes neue Fahrzeugmodell vorgeschrieben werden.Beispielsweise durch Computer-Chips mit HSM (Hardware Secure Module), deren Speicherinhalt sich nicht mehr mit vertretbarem Aufwand fälschen lässt. Solche Chips werden heute schon in vielen Fahrzeugen verbaut, das HSM jedoch entweder gar nicht oder nicht gegen Tacho-Betrug verwendet. 
  • Neutraler Nachweis für die Wirksamkeit dieses Schutzes! Der Schutz muss von neutraler Stelle bestätigt werden – z. B. durch eine Common-Criteria-Zertifizierung (in Deutschland – etwa beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Dass ein hinreichender elektronischer Schutz möglich ist, zeigt die Zahl der Fahrzeug-Diebstähle: Durch zeitgemäße Elektronik (Wegfahrsperre) ist sie über viele Jahre von ehemals über 100.000 pro Jahr auf heute rund 20.000 in Deutschland gesunken. Demgegenüber stehen hundert Mal so viele Fälle von Tacho-Betrug.  
  • Keine Sicherheitslücken beim Austausch defekter Tachos! In Ersatz-Tachos darf die tatsächliche Laufleistung des Autos nicht mehr einstellbar sein. Sie sollen bei Null zu zählen beginnen. Der Tacho-Tausch muss samt Laufleistung des Autos zum Zeitpunkt des Wechsels in den Fahrzeugpapieren vermerkt werden. Der Einbau eines neuen Tachos ist heute nur noch äußerst selten nötig, da Tacho-Defekte extrem selten sind und es für viele Schadensbilder zeitwertgerechte Reparatur-Angebote gibt, mit denen der Verbraucher gegenüber einem neuen Tacho Geld sparen kann.

ADAC Initiative gegen Tacho-Betrug

Den Fahrzeug-Herstellern entsteht durch Tacho-Betrug kein direkter Schaden, daher zeigen sie wenig Neigung, genug dagegen zu tun. Auch Versicherer und Leasinggeber erkennen für sich keinen messbaren Schaden. Opfer von Tacho-Betrug sind in erster Linie die privaten Gebrauchtwagen-Käufer. Daher hat der ADAC eine "Initiative gegen Tacho-Betrug“ gegründet. Diese hat zum Ziel, dass künftige Autos zeitgemäß gegen Tacho-Betrug geschützt sind. Zur „ADAC Initiative gegen Tacho-Betrug" gehören unter anderem:

  • mehrere ADAC Arbeitskreise mit Fachvorträgen von Experten aus dem Bereich der Elektronik-Sicherheit
  • Sensibilisierung deutscher Ministerien durch das ADAC Büro Berlin
  • Initiative in Brüssel mit dem Ziel, Manipulationsschutz in die EU-Typgenehmigung aufzunehmen
  • Sensibilisierung von Verbrauchern und allen, die mit dem Verkauf von Gebrauchtwagen zu tun haben (u. a. Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes, Versicherungen, Leasing-Unternehmen, Bundesverband freier Kfz-Händler/BVfK)

 

 

Interview

Interview mit Markus Sippl, Leiter ADAC Fahrzeugtechnik

Wer manipuliert Ihrer Ansicht nach Tachos? Machen dies nur organisierte „Banden“ oder auch „seriöse“ Kfz-Händler/- Betriebe und u. U. auch Privatpersonen?

Tacho-Betrug geht schnell und einfach, ist kaum aufzudecken. Das kann prinzipiell jeden in Versuchung führen, der mit dem Verkauf eines gebrauchten Autos zu tun hat – ob Halter oder Händler.

Welche Fahrzeugtypen werden um welche Kilometerstände manipuliert?

Bei teureren Fahrzeugen ist die Wertsteigerung größer. Doch auch bei „Brot-und-Butter“-Autos liegt der Mehrerlös in jedem Fall um ein Zigfaches höher als der fürs Manipulieren bezahlte Preis (je nach Auto 50 bis 500 Euro). 

Wie leicht ist Tacho-Manipulation heute?

Bei den allermeisten Autos genügt es, das Manipulationsgerät an die Diagnose-Buchse anzuschließen und dann dem Menü auf dem Touchscreen zu folgen. In 30 Sekunden ist oft schon alles erledigt. Wenn der Kilometerstand auch in anderen Steuergeräten abgelegt ist, wird er dort allermeist ebenso manipuliert. 

Gibt es analog zum Diebstahlschutz im Fall der Tacho-Manipulation Fahrzeughersteller, die ihre Systeme besser bzw. weniger gut schützen? Welche sind das?

Manche Hersteller treiben einen höheren Aufwand als andere. Doch jedes Auto taucht über kurz oder lang in den offen zugänglichen Preislisten der Tacho-Trickser auf und ist dann manipulierbar. Die wollen damit ja ihren Reibach machen! 

Erleichtert moderne Fahrzeugelektronik eine Manipulation eher oder erschwert sie diese (Stichwort Diagnose-Schnittstelle)? 

Diagnose-Buchse und CAN-Bus sorgen für eine Verbindung zu allen Steuergeräten und damit zu allen denkbaren Speicherorten für den Kilometerstand. Es gibt aber sehr wohl Technologien, um unerlaubte Zugriffe zu verhindern. Sie müssen nur eingebaut werden.

Was tut der ADAC gegen Tacho-Betrug?

Der ADAC lädt Auto-Hersteller, Zulieferer, Chip-Hersteller und Experten seit Jahren zu Fachgesprächen ein und konfrontiert sie mit der für die Verbraucher völlig inakzeptablen Situation. Verbesserungen wurden zwar immer wieder zugesichert, bisher konnten wir jedoch keine signifikante Veränderung fest stellen. Deshalb haben wir die "ADAC Initiative gegen Tacho-Betrug" gegründet mit dem Ziel, Tacho-Manipulation so zu erschweren, dass sie sich nicht mehr lohnt. Außerdem betreiben wir intensive Medienarbeit, um die Verbraucher zu informieren – und sensibilisieren den Gesetzgeber auf nationaler und auf EU-Ebene für dieses Thema.

Welche Forderungen stellen Sie an Fahrzeughersteller bezüglich der Sicherheit von Fahrzeugsystemen, um Tacho-Manipulation zu verhindern? 

Es muss aktuelle Technologie eingesetzt werden, die sich in anderen Branchen (z. B. Pay-TV, Kreditkarten) längst bewährt hat, um den Verbraucher vor großem Schaden zu bewahren. Denn neben dem überhöhten Gebrauchtwagenpreis kann es ihn ein zweites Mal treffen: Wenn etwa wegen dem gefälschten Kilometerstand ein Zahnriemenwechsel nicht rechtzeitig gemacht wird und es zu einem tausende Euro teuren Motorschaden kommt.

Ist Ihnen bekannt, welche Kosten Fahrzeugherstellern pro Fahrzeug entstehen würden, um Ihre Produkte signifikant manipulationsicherer zu machen? 

Das kostet laut Experten – selbst auf Seiten der Fahrzeughersteller – weniger als einen Euro pro Auto. Bei drei Millionen Neuzulassungen pro Jahr bedeutet das einen Mehraufwand von etwa einem Tausendstel des Schadens, der damit vermieden werden könnte. Ein besseres Verhältnis von Aufwand zu Nutzen ist schwer vorstellbar. Doch bisher sehen die Fahrzeughersteller wenig Veranlassung, denn der Schaden trifft ja nicht sie, sondern „nur“ die Gebrauchtwagenkäufer.

Gibt es Methoden/Werkzeuge, die eine Tacho-Manipulation aufdecken können?

Derzeit hat der Verbraucher keine Möglichkeit, einen Tacho-Betrug zuverlässig zu entlarven. Nur wenn er in Service-Heft, auf Ölwechsel-Zettel und an anderer Stelle unplausible Kilometerstände findet, hat er eine kleine Chance.