Behördenfahrzeuge: Gebrauchte kaufen und ersteigern

Behoerdenfahrzeuge stehen zur Versteigerung bereit
In Nordrhein-Westfalen wird noch analog versteigert ∙ © ADAC/Fabian Hoberg

Alte Behördenfahrzeuge werden online und in öffentlichen Kfz-Versteigerungen verkauft, auch in Zeiten von Corona. Was muss man beachten beim Kauf von Dienstwagen oder beschlagnahmten Autos?

  • Für wen sich der Kauf lohnt

  • So finden Sie die Angebote

  • Besonderheiten bei Besichtigung, Probefahrt, Zahlung und Zulassung

Ministerien, Behörden und Verwaltungen des Bundes und der Länder haben umfangreiche Fuhrparks, die ständig modernisiert werden. Und damit gibt es jede Menge Fahrzeuge, die per Versteigerung ausgemustert und verkauft werden. Doch wie läuft das ab? Und was sollten Interessenten beachten? Hier die Antworten auf alle wichtigen Fragen.

Welche Fahrzeuge kann man kaufen?

Bei den Auktionen kommt grundsätzlich alles unter den Hammer. Meistens online, aber in NRW auch direkt vor Ort. Versteigert werden unter anderem:

  • kommunale Sonderfahrzeuge wie Schneefräsen oder Bauhof-Unimogs aus den Fuhrparks der Städte und Gemeinden

  • zivile und militärische Dienstwagen, Polizeiautos, Einsatzfahrzeuge, Lkw

  • Rettungswagen, Feuerwehrautos, Polizei- und Bundeswehrbusse

  • beschlagnahmte oder eingezogene Fahrzeuge

Wo stehen die Autos?

Behoerdenfahrzeuge stehen zur Versteigerung bereit
Beschlagnahmte Sportwagen: Diese Boliden warten auf neue Besitzer ∙ © ADAC/Fabian Hoberg

Je nach Anbieter und Vorbesitzer parken die Fahrzeuge an ganz unterschiedlichen Stellen. Bei der Versteigerung der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen* stehen die Autos in einer Halle in Düsseldorf. Dort können Interessenten sie momentan nur unter schriftlicher Voranmeldung am Tag der Versteigerung ab 8 Uhr besichtigen. Bei zoll-auktion.de* und Vebeg*, der Treuhandgesellschaft zur Verwertung von Eigentum des Bundes, lagern die Fahrzeuge bundesweit in den jeweiligen Dienststellen. Deshalb kann eine weite Anreise zur Besichtigung erforderlich sein, die sich nicht immer lohnt. Auch dort ist eine schriftliche Voranmeldung beim Vorbesitzer, meist eine Behörde, nötig. Die jeweiligen Hygienevorschriften müssen Interessenten auf jeden Fall beachten. Auskunft darüber gibt die jeweilige Dienststelle.

Kann ich die Autos Probe fahren?

Meist sind die Autos abgemeldet und können deshalb nicht mit dem alten Kennzeichen Probe gefahren werden. Aber auch mit roten oder Überführungskennzeichen ist eine Testfahrt nur selten möglich. Falls doch, müssen Interessenten die jeweiligen Hygienevorschriften beachten. Dazu zählt unter anderem das Tragen einer Mund-Nasen-Schutzmaske sowie ein Abstand von mindestens 1,5 Meter zwischen zwei Personen. Vor und nach einer Probefahrt sollten Interessenten sensible Bereiche des Autos desinfizieren: Lenkrad, Schaltknauf, Spiegel und Griffe. Bei der Probefahrt gilt: Möglichst mit offenen Fenstern fahren, um das Auto durchzulüften.

Stimmt die Beschreibung der Autos?

In der Regel sind die Fahrzeuge kurz, aber genau beschrieben. Auch erkennbare Mängel oder fehlende Teile werden erwähnt. Dennoch kommt es vor, dass der Anbieter nicht alle Schäden aufgeführt hat. Das Risiko trägt der Käufer. Weitere Infos gibt es nur telefonisch und unverbindlich von den einzelnen Dienststellen.

Das sollten Sie wissen!

ADAC Jurist Klaus Heimgärtner warnt: ”Oft ist zu den Fahrzeugen keine Historie vorhanden. Unter Umständen kauft man die Katze im Sack, da kurz nach dem Erwerb mit massiven Mängeln aufgrund der hohen Laufleistung oder intensiven Nutzung zu rechnen ist.”

Gibt es Garantie oder Gewährleistung?

Behoerdenfahrzeuge stehen zur Versteigerung bereit
Feuerwehrautos, Sankas, Unimogs: Die Vielfalt der Fahrzeuge ist groß ∙ © ADAC/Fabian Hoberg

Nein, beides wird ausdrücklich ausgeschlossen, der Kunde kauft sozusagen die Katze im Sack. Es kann also auch sein, dass unter dem Blech kein Motor steckt. In der Regel stimmt die Beschreibung der Fahrzeuge allerdings, und die aufgerufenen Preise liegen unter dem tatsächlichen Marktwert. Bei Fahrzeugen ohne Papiere, wie von beschlagnahmten Autos, erhalten Käufer übrigens eine Eigentumsbescheinigung sowie eine Verlusterklärung. Damit kann der Käufer beim Straßenverkehrsamt neue Papiere beantragen.

Welche Zahlungsmodalitäten gelten?

Je nach Auktion verlangt der Auktionator Bargeld oder das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte. Bei den NRW-Versteigerungen wird seit März 2020 wegen der Corona-Pandemie nur noch Kartenzahlung akzeptiert. Das Konto sollte deshalb vorher ausreichend gedeckt und das Tageslimit zum Abheben (Verfügungsrahmen) erhöht sein.

Gibt es die Möglichkeit zur Finanzierung?

Nein, ersteigerte Autos müssen direkt bezahlt werden, eine Finanzierung oder Leasing über den Verkäufer ist normalerweise nicht möglich. Allerdings steht jedem eine Finanzierung über eine Bank frei.

Wo kann ich Behördenfahrzeuge ersteigern? 

Behoerdenfahrzeuge stehen zur Versteigerung bereit
Beliebtes Behördenfahrzeug: VW Golf ∙ © ADAC/Fabian Hoberg

Bayern versteigert seine Polizeifahrzeuge nicht zentral, sondern über die verschiedenen Polizeipräsidien des Freistaats*. Einen Überblick gibt es hier.

Nordrhein-Westfalen versteigert seine Behördenautos und vom Zoll eingezogene Autos monatlich in Düsseldorf. Eine Übersicht der angebotenen Fahrzeuge des Zolls und von NRW-Behörden* erscheint ein paar Tage vorher im Internet. Grundsätzlich kann jeder Interessent bei den Versteigerungen teilnehmen und mitbieten. Derzeit müssen sich Interessenten vorher schriftlich anmelden, da während der Corona-Pandemie die Anzahl der Teilnehmer auf 50 pro Versteigerung beschränkt ist. Dafür werden zwei Versteigerung an einem Tag angeboten, um 9.30 und 12.30 Uhr.

Beim virtuellen Auktionshaus der Bundeszollverwaltung* finden sich viele Angebote alter Fahrzeuge von Bund, Ländern und Gemeinden. Auf dieser Online-Plattform des Finanzministeriums müssen sich Interessierte vorher registrieren, die Angebote sind schriftlich abzugeben, das Gebot ist bindend.

Eine große Auswahl an alten Behördenfahrzeugen gibt es beim Verwertungsunternehmen des Bundes, der VEBEG*. Neben zeitlich festgesetzten Auktionen finden auf der Seite auch Live-Auktionen statt. Zum Kauf stehen Fahrzeuge und Artikel des Bundes, der Länder und Kommunen sowie deren nachgeordneten Institutionen, der Bundeswehr und weiterer öffentlicher Einrichtungen und Unternehmen.

Wie und wann muss ich das Auto abholen?

Behoerdenfahrzeuge stehen zur Versteigerung bereit
Unzählige Autos kommen jeden Monat unter den Hammer ∙ © ADAC/Fabian Hoberg

Die genauen Modalitäten des Abholens stehen in den Auktions-Ausschreibungen. Dort ist detailliert beschrieben, wann und wo das Fahrzeug abgeholt werden muss. Ein Versand auf Kosten des Ersteigerers ist nur nach Absprache mit dem jeweiligen Anbieter möglich. Da die Autos abgemeldet sind, sollte der neue Besitzer mit einem Fahrzeuganhänger oder Autotransporter zur Abholung erscheinen. Auch dabei sollten Käufer die empfohlenen Hygieneregeln einhalten. Im Falle einer plötzlichen Erkrankung an Corona oder einer verordneten Quarantäne dürfen Käufer das Fahrzeug jedoch nicht abholen.

Was tun, wenn das Auto doch nicht gefällt?

Zurückgeben kann ein Käufer das ersteigerte Auto nicht – höchstens versuchen, es über den normalen Gebrauchtwagenmarkt weiterzuverkaufen.

Für wen lohnt sich der Kauf eines Behördenfahrzeugs?

Da die Preise meist unter dem üblichen Marktpreis liegen, rentieren sich solche Käufe oft. Allerdings muss man Risiken einkalkulieren: Oftmals weisen die Autos Schäden auf, die repariert werden müssen. Wer schrauben kann, ist also klar im Vorteil. Bei recht neuen und beschlagnahmten Fahrzeugen ist das Risiko in der Regel geringer.

Die Deutsche Bahn als Gebrauchtwagenhändler

Wem die Risiken einer Online-Auktion zu hoch sind, könnte bei der Deutschen Bahn fündig werden. Sie betreibt bundesweit fünf DB Autohäuser*. Veräußert werden jährlich ca. 100.000 Gebrauchtwagen des unternehmenseigenen Fuhrparks oder anderer großer Flottenbetreiber. Daher sind nicht nur Dienstwagen und Nutzfahrzeuge im Angebot, sondern auch Premiumfahrzeuge – allesamt scheckheftgepflegt. Es besteht die Möglichkeit einer Inzahlungnahme oder einer Finanzierung.

Darf ich mit Blaulicht und Martinshorn fahren?

Polizeiauto fährt auf Strasse
Darf ich mit Blaulicht und Martinshorn fahren? ∙ © ADACShutterstock/Lutsenko_Oleksandr

Fahren schon, jedoch nur, wenn die "Rundum-Turm-Kombination", kurz RTK, also das Blaulicht und das Martinshorn abgedeckt sind und nicht benutzt werden. Bei vielen ehemaligen Behördenfahrzeugen fehlt die RTK bereits bei der Versteigerung. Der Schriftzug Polizei auf dem Auto ist übrigens verboten. Meist verlangt schon der Versteigerer, dass sämtliche Hoheitszeichen und Schriftzüge vom Fahrzeug zu entfernen sind.

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Darf ich mit einem Panzer auf der Straße fahren?

Es gab in der Vergangenheit einige Fälle, wo private Panzer auf der Straße fuhren. Generell ist das nicht verboten, wenn das Fahrzeug der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) entspricht. Aber es wird nur ganz selten erlaubt. Das Problem: Die Bundesländer entscheiden unterschiedlich, ob ein privater Panzer auf die Straße darf oder nicht.

Bei allen Fahrzeugen muss die Bewaffnung demontiert, das Fahrzeug entmilitarisiert sein. Die zuständige Vebeg verkauft keine Panzer, Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe, Waffen und Geräte nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen (KWKG). Für ehemalige Geländewagen wie dem Mercedes G-Modell "Wolf" oder Mercedes Unimog gilt das jedoch nicht. Auch die Tarnlackierung muss nicht geändert werden.

Kann ich ehemalige Bundeswehrfahrzeuge anmelden?

Fahrzeuge der Bundeswehr haben keinen normalen Fahrzeugschein wie private Autos, sondern eine Bescheinigung der Zentralen Militärkraftfahrtstelle. Diese enthält alle technischen Daten für die Prüfung nach §21 StVZO und für die Ausstellung einer Zulassungsbescheinigung, Teil II und muss bei der ersten Zulassung als Privatfahrzeug vorgelegt werden. Bei den meisten anderen Fahrzeugen mit gültiger HU reicht dagegen die Anmeldung beim jeweiligen Straßenverkehrsamt.

Eine Kfz-Zulassung ist in vielen Städten und Gemeinden derzeit jedoch nur eingeschränkt möglich. Für eine An- oder Ummeldung eines Fahrzeugs ist meist ein Termin erforderlich, der in der Regel nur per Onlineformular vereinbart werden kann. Wie genau verfahren wird, regelt jedes Amt selbst.

Text: Fabian Hoberg

Hier finden Sie Informationen zur Entwicklung der Gebrauchtwagenpreise und Versteigerung von Behördenfahrzeugen. Und hier erfahren sie alles zum Thema Tachomanipulation bei Gebrauchtwagen.

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