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Der ADAC

Behördenfahrzeuge: Gebrauchte kaufen und ersteigern

Behoerdenfahrzeuge stehen zur Versteigerung bereit
In Nordrhein-Westfalen wird noch analog versteigert ∙ © ADAC/Fabian Hoberg

Alte Behördenfahrzeuge werden online und in öffentlichen Kfz-Versteigerungen verkauft. Was muss man beachten beim Kauf von Dienstwagen oder beschlagnahmten Autos?

Peng. Der Hammer ist gefallen. "Zum Ersten! Zum Zweiten! Zum Dritten!", hallt es in dem kahlen Raum nach. Jeden ersten Mittwoch im Monat versteigert die Oberfinanzdirektion NRW ausrangierte, sichergestellte, eingezogene und beschlagnahmte Autos. Rund 150 Exemplare sind das jedes Mal.

"Hier wird alles verkauft, verschrottet wird nichts", sagt Herbert Bolten von der zuständigen Behörde. "Vom beschlagnahmten Ferrari, Rolls-Royce und Mercedes-AMG für 85.000 Euro bis zum Gefängnisbus und Bagger hatten wir schon alles dabei."

Das Geld fließt in der Regel den Dienststellen zu, von denen das Fahrzeug kommt. Doch wie läuft eine Versteigerung ab? Was sollten Interessenten beachten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Fahrzeuge kann man kaufen?

Bei den Auktionen kommt grundsätzlich alles unter den Hammer. Meistens online, aber in NRW auch direkt vor Ort. Versteigert werden unter anderem:

  • Kommunale Sonderfahrzeuge wie Schneefräsen oder Bauhof-Unimogs aus den Fuhrparks der Städte und Gemeinden

  • Zivile und militärische Dienstwagen, Polizeiautos, Einsatzfahrzeuge, Lkw

  • Rettungswagen, Feuerwehrautos, Polizei- und Bundeswehrbusse

  • Beschlagnahmte oder eingezogene Fahrzeuge

Wo stehen die Autos?

Je nach Anbieter parken die Fahrzeuge an ganz unterschiedlichen Stellen. Bei der Versteigerung in NRW stehen die Autos in einer Halle in Düsseldorf, dort können Interessenten sie besichtigen.

Bei zoll-auktion.de und Vebeg lagern die Fahrzeuge bundesweit in den jeweiligen Dienststellen. Deshalb kann eine weite Anreise zur Besichtigung erforderlich sein, die sich nicht immer lohnt.

Kann ich die Autos Probe fahren?

Meist sind die Autos abgemeldet und können deshalb nicht mit dem alten Kennzeichen Probe gefahren werden. Aber auch mit roten oder Überführungskennzeichen ist eine Testfahrt nur selten möglich.

Stimmt die Beschreibung der Autos?

In der Regel sind die Fahrzeuge kurz, aber genau beschrieben. Auch erkennbare Mängel oder fehlende Teile werden erwähnt. Dennoch kommt es vor, dass der Anbieter nicht alle Schäden aufgeführt hat. Das Risiko trägt der Käufer. Weitere Infos gibt es nur telefonisch und unverbindlich von den einzelnen Dienststellen.

Das sollten Sie wissen!

ADAC Jurist Klaus Heimgärtner warnt: ”Oft ist zu den Fahrzeugen keine Historie vorhanden. Unter Umständen kauft man die Katze in Sack, da kurz nach dem Erwerb mit massiven Mängeln aufgrund der hohen Laufleistung oder intensiven Nutzung zu rechnen ist.”

Gibt es Garantie oder Gewährleistung?

Nein, beides wird ausdrücklich ausgeschlossen. Der Kunde kauft sozusagen die Katze im Sack. Es kann also auch sein, dass unter dem Blech kein Motor steckt. In der Regel stimmt die Beschreibung der Fahrzeuge allerdings, und die aufgerufenen Preise liegen unter dem tatsächlichen Marktwert.

Welche Zahlungsmodalitäten gelten?

Je nach Auktion verlangt der Auktionator Bargeld oder das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte. Bei Online-Auktionen wie zoll-auktion.de werden dem Käufer nach dem Zuschlag die Zahlungsmodalitäten zugeschickt. Den Kaufpreis muss er innerhalb von wenigen Tagen begleichen, meist über eine normale Banküberweisung.

Gibt es die Möglichkeit zur Finanzierung?

Nein, ersteigerte Autos müssen direkt bezahlt werden, eine Finanzierung oder ein Leasing über den Verkäufer ist normalerweise nicht möglich. Allerdings steht jedem eine Finanzierung über eine Bank frei.

Wo kann ich Behördenfahrzeuge ersteigern? 

Bayern versteigert seine Polizeifahrzeuge nicht zentral, sondern über die verschiedenen Polizeipräsidien des Freistaats*. Einen Überblick gibt es hier.

Nordrhein-Westfalen versteigert seine Behördenautos und vom Zoll eingezogene Autos monatlich in Düsseldorf. Eine Übersicht der angebotenen Fahrzeuge des Zolls und von NRW-Behörden* erscheint ein paar Tage vorher im Internet.

Beim virtuellen Auktionshaus der Bundeszollverwaltung* finden sich viele Angebote alter Fahrzeuge von Bund, Ländern und Gemeinden. Auf dieser Online-Plattform des Finanzministeriums müssen sich Interessierte vorher registrieren, die Angebote sind schriftlich abzugeben, das Gebot ist bindend.

Eine große Auswahl an alten Behördenfahrzeugen gibt es beim Verwertungsunternehmen des Bundes, der VEBEG*. Neben zeitlich festgesetzten Auktionen finden auf der Seite auch Live-Auktionen statt. Zum Kauf stehen Fahrzeuge und Artikel des Bundes, der Länder und Kommunen sowie deren nachgeordneten Institutionen, der Bundeswehr und weiterer öffentlicher Einrichtungen und Unternehmen.

Wie und wann muss ich das Auto abholen?

Die genauen Modalitäten des Abholens stehen in den Auktions-Ausschreibungen. Dort ist detailliert beschrieben, wann und wo das Fahrzeug abgeholt werden muss.

Ein Versand auf Kosten des Ersteigerers ist nur nach Absprache mit dem jeweiligen Anbieter möglich. Da die Autos abgemeldet sind, sollte der neue Besitzer mit einem Fahrzeug-Anhänger oder Autotransporter zur Abholung erscheinen.

Was tun, wenn das Auto doch nicht gefällt?

Zurückgeben kann ein Käufer das ersteigerte Auto nicht – höchstens versuchen, es über den normalen Gebrauchtwagenmarkt weiterzuverkaufen.

Für wen lohnt sich der Kauf eines Behördenfahrzeugs?

Da die Preise meist unter dem üblichen Marktpreis liegen, rentieren sich solche Käufe oft. Allerdings muss man Risiken einkalkulieren: Oftmals weisen die Autos Schäden auf, die repariert werden müssen. Wer schrauben kann, ist also klar im Vorteil. Bei recht neuen und beschlagnahmten Fahrzeugen ist das Risiko in der Regel geringer.

Die Deutsche Bahn als Gebrauchtwagenhändler

Wem die Risiken einer Online-Auktion zu hoch sind, könnte bei der Deutschen Bahn fündig werden. Sie betreibt bundesweit fünf DB Autohäuser*. Veräußert werden jährlich ca. 100.000 Gebrauchtwagen des unternehmenseigenen Fuhrparks oder anderer großer Flottenbetreiber. Daher sind nicht nur Dienstwagen und Nutzfahrzeuge im Angebot, sondern auch Premiumfahrzeuge – allesamt scheckheftgepflegt. Es besteht die Möglichkeit einer Inzahlungnahme oder einer Finanzierung.

Darf ich mit Blaulicht und Martinshorn fahren?

Fahren schon, jedoch nur, wenn die "Rundum-Turm-Kombination", kurz RTK, also das Blaulicht und das Martinshorn abgedeckt sind und nicht benutzt werden. Bei vielen ehemaligen Behördenfahrzeugen fehlt die RTK bereits bei der Versteigerung. Der Schriftzug Polizei auf dem Auto ist übrigens verboten. Meist verlangt schon der Versteigerer, dass sämtliche Hoheitszeichen und Schriftzüge vom Fahrzeug zu entfernen sind.

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Darf ich mit einem Panzer auf der Straße fahren?

Es gab in der Vergangenheit einige Fälle, wo private Panzer auf der Straße fuhren. Generell ist das nicht verboten, wenn das Fahrzeug der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) entspricht. Aber es wird nur ganz selten erlaubt. Das Problem: Die Bundesländer entscheiden unterschiedlich, ob ein privater Panzer auf die Straße darf oder nicht.

Bei allen Fahrzeugen muss die Bewaffnung demontiert, das Fahrzeug entmilitarisiert sein. Die zuständige Vebeg verkauft keine Panzer, Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe, Waffen und Geräte nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen (KWKG). Für ehemalige Geländewagen wie dem Mercedes G-Modell "Wolf" oder Mercedes Unimog gilt das jedoch nicht. Auch die Tarnlackierung muss nicht geändert werden.

Kann ich ehemalige Bundeswehrfahrzeuge anmelden?

Fahrzeuge der Bundeswehr haben keinen normalen Fahrzeugschein wie private Autos, sondern eine Bescheinigung der Zentralen Militärkraftfahrtstelle. Diese enthält alle technischen Daten für die Prüfung nach § 21 StVZO und für die Ausstellung einer Zulassungsbescheinigung, Teil II und muss bei der ersten Zulassung als Privatfahrzeug vorgelegt werden. Bei den meisten anderen Fahrzeugen mit gültiger HU reicht dagegen die Anmeldung beim jeweiligen Straßenverkehrsamt.

Text: Fabian Hoberg

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