Der neue Kia Ceed 2018: Erste Testfahrt im Golf-Gegner

25.6.2018

Die dritte Generation des Kia Ceed kommt mit neuester Technologie, agilerem Fahrverhalten, modernem Interieur und athletischem Design. Der Fahrbericht der Motorwelt-Testredaktion klärt, wie gut der Koreaner geworden ist. Preis: ab 15.990 Euro

Der neue Kia Ceed fährt auf Landstrasse
Der neue Ceed: Klare, gerade Linien prägen das Design

Aus Raider wurde Twix. Und aus dem Kia c'eed wird jetzt der Ceed. Die neue Schreibweise macht die Kommunikation zwar etwas einfacher, doch die schwierige Aussprache ("siid") und die ungewöhnliche Herkunft des Modellnamens (Community of Europe, with European Design) bleiben eigenwillig.

Ein Hindernis für den Erfolg des in Deutschland designten Kompaktwagens war das jedoch nicht: Von den 1,3 Millionen Einheiten, die seit Anfang 2007 im slowakischen Werk vom Band liefen, gingen fast 150.000 an deutsche Kunden.

Bei Twix hat sich außer dem Namen tatsächlich "nix" geändert: Mit identischem Inhalt blieb der Schokoriegel ein Erfolgsmodell. Doch bei Autos funktioniert das nicht: Sie müssen mit regelmäßigen Modernisierungen stets neu auf Kundenfang gehen, weil die Käufer für ihr (vieles) Geld Technik vom neuesten Stand erwarten.

Und das verspricht Kia auch für die inzwischen dritte Generation des Ceed, der ab 30. Juni bei den Händlern steht: Neue Technologien, ein agileres Fahrverhalten, ein modernes, geräumiges Interieur und ein athletisches Design. Das gilt es zu überprüfen. Wir starten zur ersten Testfahrt.

Apple CarPlay und Android Auto für Smartphones

Zoom-In
Der neue Kia Ceed fährt auf Landstrasse
Stämmiger Hintern: Der neue Ceed liegt optisch satter auf der Straße

Von außen wirkt der 4,21 Meter lange 5-türige Ceed jetzt markanter als sein Vorgänger. Er ist etwas breiter (1,80 m) und flacher (1,45 m), zitiert mit seiner klaren Linienführung das sehr stimmige Design der Sportlimousine Stinger. Die Front dominieren der breite Kühlergrill in Form der Kia-typischen Tigernase und das auffällige LED-Tagfahrlicht mit jeweils vier Spots, von hinten wirkt er stämmig und solide. 

Das neue Interieur orientiert sich am Konzept der jüngsten Kia-Modelle. Das heißt: Aufgeschäumtes Leder mit wenig Plastikanteil, gut konturierte Sitze und einfachste Bedienbarkeit. Hier werden – vorbildlich gegen den Trend! – die wichtigen Grundfunktionen noch per Tasten und Drehschalter angewählt.

Der in der Mitte des Armaturenbretts platzierte 7- oder 8-Zoll-Touchscreen ist vor allem fürs Infotainment da und stellt per Android Auto oder Apple CarPlay Smartphone-Funktionen zur Verfügung. Ein Fauxpas jedoch die digitale Temperaturanzeige im Klima-Drehknopf, die bei Sonneneinstrahlung nur schwer ablesbar ist

Klassenübliches Platzangebot

Das Raumgefühl vorn ist mit VW Golf & Co vergleichbar, hinten sitzt man wegen der breiteren Karosserie bei ausreichender Kniefreiheit etwas luftiger. Zugelegt hat auch der Kofferraum (395 Liter), der mit seinem herausnehmbaren Boden und der fast 10 cm tieferen Ladekante gefällt.

Der neue Ceed ist der erste Kia, der seine automatische Geschwindigkeitskontrolle ACC mit einem Stauassistenten kombiniert – das funktionierte bei den ersten Testfahrten gut. Dazu kommen jede Menge Sicherheitsassistenten: Standard sind ein Frontkollisionswarner mit Notbremsassistent, ein aktiver Spurhaltassistent, Fernlichtautomatik und Müdigkeitswarner. Je nach Ausführung oder Aufpreis sind Spurwechselassistent, Querverkehrswarner und Verkehrszeichenerkennung im Programm.

Bildergalerie: Details von Exterieur & Interieur

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Komplett überarbeitet hat Kia das Fahrwerk des Ceed – und das ist hervorragend gelungen. Der Neue ist knackiger abgestimmt und fährt sich wesentlich agiler, ohne dabei auf holpriger Strecke unkomfortabel zu wirken. Die Neigung zum Untersteuern ist vergessen und das Fahrverhalten inzwischen so neutral, dass plötzliche Lenkmanöver auch ohne ESP leicht gelingen. Dazu trägt auch die Lenkung bei, die jetzt straffer ausgelegt ist und ein gutes Rückstellmoment zeigt.

Alle Benziner und Diesel erfüllen Euro 6d-TEMP

Immerhin fünf Motoren bietet Kia für den neuen Ceed an. Zwei aus anderen Modellreihen bekannte Benziner – den Dreizylinder-1-l-Turbo mit 120 PS und den betagten 1,4-l-Saugmotor (100 PS) – sowie einen neuen 1,4-l-Turbo mit 140 PS und zwei neue 1,6-l-Diesel in zwei Leistungsstufen (115 und 136 PS). Sämtliche Triebwerke sind mit effektiven Abgasreinigungssystemen ausgestattet und Euro 6d-TEMP-zertifiziert.

Bis zum 1. September 2018 will der neuntgrößte Autohersteller der Welt übrigens alle seine europäischen Modelle mit der neuesten Abgasnorm inklusive RDE-Straßenmessungen anbieten. Immerhin ein Jahr bevor es verpflichtend ist – während viele anderen Marken aktuell noch mit der Umsetzung der WLTP-Norm ohne RDE kämpfen.

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Nur Kia bietet 7 Jahre Garantie

Doch welcher Motor passt am besten? Eine gute Wahl ist der sehr laufruhige Diesel (ab 21.490 Euro), der in beiden Leistungsstufen drehfreudig ausreichend Leistung bringt. Auch der neue 1,4-Liter-Turbobenziner (ab 22.090 Euro) zeigt viel Laufkultur und lädt vor allem in Verbindung mit dem perfekt schaltendem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (1600 Euro) zum entspannten Cruisen ein.

Definitiv keinen Spaß macht der zähe 1,4-Liter-Saugbenziner, der zwar am günstigsten ist (ab 15.990 Euro), aber wenig Fahrfreude bereitet. Unser Preis-Leistungs-Tipp ist der quirlige und drehfreudige Dreizylinder-Turbo, der ab 19.090 Euro in puncto Akustik zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber beim Ausdrehen richtig Spaß macht.

Der fünftürige Ceed (einen Dreitürer gibt es nicht mehr) ist das erste Mitglied der Ceed-Familie, der praktische Sportswagon kommt im September, Anfang 2019 soll neben einer Antriebsvariante mit 48-Volt-Mildhybridversion ein schicker Shooting Brake neue Käuferschichten erobern. Und alle profitieren von dem Alleinstellungsmerkmal, das nur Kia bietet: 7 Jahre oder 150.000 km Garantie – vorbildlich.

Technische Daten Kia Ceed 1.0 T-GDI
Motor Dreizylinder-Turbobenziner, 998 cm3, Euro 6d-Temp
Leistung 120 PS, 172 Nm bei 1500 U/min
Antrieb/Fahrwerk Direkteinspritzung mit variablem Turbolader, 6-Gang-Getriebe, Partikelfilter, MacPherson vorne / Mehrlenkerhinterachse
Fahrleistungen 11,1 Sekunden auf 100 km / h, 190 km/h
 Verbrauch  5,6 Liter Super / 100 km, CO2: 128 g / km
 Leergewicht  1297 kg
 Maße  L 4,31 / B 1,80 / H 1,45 m
 Preis  19.090 € (Edition 7)

  • Das hat uns gefallen: Drehfreudiger 3-Zylinder-Benziner, kultivierter 4-Zylinder-Turbobenziner, laufruhige Diesel (alle mit Euro 6d-Temp). Gut abgestimmtes Fahrwerk mit sicherem Fahrverhalten. Straffe Lenkung. Effektives 7-Gang- Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis). Leichte Bedienbarkeit. Komplette Sicherheitsausstattung (teilweise Aufpreis). Gute Geräuschdämmung. Gut nutzbarer Kofferraum mit im Verhältnis 60:40 klappbarer Rücklehne.
  • Das hat uns nicht gefallen: Zäher 4-Zylinder-Saugmotor. Schlechte Ablesbarkeit der Temperaturanzeige bei Sonnenlicht. Wenig Sicht nach hinten. 

 

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

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