Neuer Kia Ceed: Der Golf-Gegner im ADAC Test

16.10.2018

Die dritte Generation des Kia Ceed kommt mit neuester Technik, agilerem Fahrverhalten, modernem Interieur und athletischem Design. Wie gut der Koreaner geworden ist, klärt der ADAC Test. Preis: ab 15.990 Euro

Der neue Kia Ceed fährt auf Landstrasse
Der neue Kia Ceed: Klare, gerade Linien prägen das Design
  • Optisch markanter als der Vorgänger
  • Klassenübliches Platzangebot, größerer Kofferraum
  • Reichlich Assistenzsysteme, unter anderem auch ein Stauassistent

 

Aus Raider wurde Twix. Und aus dem Kia c'eed wurde der Ceed. Die neue Schreibweise macht die Kommunikation zwar etwas einfacher, doch die schwierige Aussprache ("siid") und die ungewöhnliche Herkunft des Modellnamens (Community of Europe, with European Design) bleiben eigenwillig.

Ein Hindernis für den Erfolg des in Deutschland designten Kompaktwagens war das jedoch nicht: Von den 1,3 Millionen Einheiten, die seit Anfang 2007 im slowakischen Werk vom Band liefen, gingen fast 150.000 an deutsche Kunden.

Bei Twix hat sich außer dem Namen tatsächlich "nix" geändert: Mit identischem Inhalt blieb der Schokoriegel ein Erfolgsmodell. Doch bei Autos funktioniert das nicht: Sie müssen mit regelmäßigen Modernisierungen stets neu auf Kundenfang gehen, weil die Käufer für ihr (vieles) Geld Technik vom neuesten Stand erwarten. Das verspricht Kia auch für die inzwischen dritte Generation des Ceed. Der ADAC hat den Kompaktwagen mit 140-PS-Benziner getestet.

Apple CarPlay und Android Auto für Smartphones

Zoom-In
Der neue Kia Ceed fährt auf Landstrasse
Stämmiger Hintern: Der neue Ceed liegt optisch satter auf der Straße

Von außen wirkt der 4,31 Meter lange 5-türige Ceed jetzt markanter als sein Vorgänger. Er ist etwas breiter (1,80 m) und flacher (1,45 m), zitiert mit seiner klaren Linienführung das sehr stimmige Design der Sportlimousine Stinger.

Das neue Interieur orientiert sich am Konzept der jüngsten Kia-Modelle. Das heißt: Aufgeschäumtes Leder mit wenig Plastikanteil, gut konturierte Sitze und einfachste Bedienbarkeit. Hier werden – vorbildlich gegen den Trend! – die wichtigen Grundfunktionen noch per Tasten und Drehschalter angewählt.

Der in der Mitte des Armaturenbretts platzierte 7- oder 8-Zoll-Touchscreen ist vor allem fürs Infotainment da und stellt per Android Auto oder Apple CarPlay Smartphone-Funktionen zur Verfügung. Das Infotainment-System umfasst ein Radio samt DAB-Empfang, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und eine Sprachsteuerung über ein kompatibles, gekoppeltes Smartphone.

Das Navigationssystem mit Echtzeit-Verkehrsmeldungen über TomTom Live Services kostet Aufpreis, ist mit 890 Euro aber nicht teuer, zumal dann auch die Verkehrszeichenerkennung und ein JBL-Soundsystem dabei sind. Für die Live Services wird allerdings ein Handy benötigt, dessen Datenvolumen genutzt wird.

Klassenübliches Platzangebot

Das Raumgefühl vorn ist mit VW Golf & Co vergleichbar, hinten sitzt man wegen der breiteren Karosserie bei ausreichender Kniefreiheit etwas luftiger. Sind die Vordersitze für 1,85 m große Menschen einge- stellt, haben auf den Rücksitzen nach den Messungen des ADAC etwas über 1,80 m große Personen Platz; begrenzend wirkt die Beinfreiheit, die Kopffreiheit endet erst bei über 1,90 m Körpergröße.

Zugelegt hat auch der Kofferraum. Zwar wirkt die Werksangabe mit 395 Litern arg optimistisch, aber bis zur Laderaumabdeckung gemessene 295 Liter sind in der Golfklasse kein schlechter Wert. Unter dem Kofferraumboden können noch etwa 20 Liter verstaut werden, wenn kein Notrad hinzugekauft wurde. Gut: Die niedrige Ladekante, die nur 66 Zentimeter über der Straße liegt und das Beladen mit schwerem Gepäck erleichtert.

Der neue Ceed ist der erste Kia, der seine automatische Geschwindigkeitskontrolle ACC mit einem Stauassistenten kombiniert – das funktionierte bei den ersten Testfahrten gut. Dazu kommen jede Menge Sicherheitsassistenten: Standard sind ein Frontkollisionswarner mit Notbremsassistent, ein aktiver Spurhaltassistent, Fernlichtautomatik und Müdigkeitswarner. Je nach Ausführung oder Aufpreis sind Spurwechselassistent, Querverkehrswarner und Verkehrszeichenerkennung im Programm.

Bildergalerie: Details von Exterieur & Interieur

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Komplett überarbeitet hat Kia das Fahrwerk des Ceed – und das ist hervorragend gelungen. Der Neue ist knackiger abgestimmt und fährt sich wesentlich agiler, ohne dabei auf holpriger Strecke unkomfortabel zu wirken. Im Vergleich zum Vorgänger hat der Ceed jedenfalls merklich an Federungskomfort gewonnen.

Die Neigung zum Untersteuern ist vergessen und das Fahrverhalten inzwischen so agil, dass bei einem plötzlichen Ausweichmanöver das ESP nur so viel wie notwendig regeln muss. Dazu trägt auch die Lenkung bei, die zielgenau ausgelegt ist und ein gutes Rückstellmoment zeigt.

1,4-Liter-Turbo-Benziner mit guten Fahrleistungen

Immerhin fünf Motoren bietet Kia für den neuen Ceed an. Zwei aus anderen Modellreihen bekannte Benziner – den Dreizylinder-1-l-Turbo mit 120 PS und den betagten 1,4-l-Saugmotor (100 PS) –, zwei neue 1,6-l-Diesel in zwei Leistungsstufen (115 und 136 PS) sowie einen neuen 1.4 Turbo mit 140 PS. Letzterer trat zum ADAC Test an.

140 PS und 242 Nm Drehmoment sind für einen Kompaktwagen recht gute Werte. Im Alltag kann man mit diesem Antrieb richtig flott unterwegs sein und dank des fülligen Drehmoments über einen weiten Drehzahlbereich schaltfaul fahren.

Von Vorteil ist zudem, dass die Übersetzung kurz genug gewählt wurde, so dass die Leistung gut in Vortrieb umgesetzt werden kann. Überdies erweist sich das Sechsganggetriebe als sinnvoll abgestuft: Es geht immer mit spürbarem Druck voran. Mehr Leistung braucht es nicht, 100 km/h sind schon nach 8,9 Sekunden erreicht und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h.

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Nur Kia bietet 7 Jahre Garantie

Und der Verbrauch? Der liegt im praxisnahen ADAC Ecotest bei 6,5 Litern Super im Schnitt. Kein besonders guter Wert, andere sind in dieser Klasse sparsamer unterwegs. Gut: Die Schadstoffanteile im Abgas sind sehr gering, selbst beim Kohlenmonoxid im Autobahnzyklus ist der 1.4 Turbo nicht auffällig. Einzig die Partikelanzahl ist zwar niedrig, aber immer noch ausbaufähig. Und das obwohl der Ceed nun serienmäßig einen Ottopartikelfilter an Bord hat. Unter dem Strich erhält der Ceed vier von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Der fünftürige Ceed (einen Dreitürer gibt es nicht mehr) ist das erste Mitglied der Ceed-Familie, der praktische Kombi Sportswagon ist als erster Ableger ebenfalls schon auf dem Markt. Anfang 2019 soll neben einer Antriebsvariante mit 48-Volt-Mildhybridversion ein schicker Shooting Brake neue Käuferschichten erobern. Und alle profitieren von dem Alleinstellungsmerkmal, das nur Kia bietet: 7 Jahre oder 150.000 km Garantie – vorbildlich.

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum Kia Ceed 1.4 T-GDI Spirit.

Technische Daten (Herstellerangaben) Kia Ceed 1.4 T-GDI Spirit
Motor Vierzylinder-Turbobenziner, 1353 cm3, 103 kW/140 PS, 242 Nm bei 1500 U/min
Fahrleistungen 8,9 s auf 100 km/h, 210 km/h Spitze
Verbrauch 5,9 l Super/100 km, 135 g CO2/km
Leergewicht 1315 kg
Maße  L 4,31 / B 1,80 / H 1,45 m
Preis  24.690 €, Baureihe ab 15.990 €
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,5 s 
Bremsweg aus 100 km/h
34,4 m
Wendekreis 11,3 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
6,5 l Super/100 km , 179 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
765 km
Innengeräusch bei 130 km/h 67,7 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1350 / 470 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 295 / 615 / 1140 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,4
Karosserie/Kofferraum 2,8 
Innenraum 2,3
Komfort 2,7
Motor/Antrieb 2,4
Fahreigenschaften 
2,2
Sicherheit
2,1
Umwelt/EcoTest
2,5

 

  • Das hat uns gefallen: Großzügiges Platzangebot vorn. Sicheres und komfortables Fahrwerk. Viele Assistenzsysteme. Umfangreiche Serienausstattung. Saubere Abgase.       
  • Das hat uns nicht gefallen:Verbrauch könnte niedriger ausfallen. Die meisten Extras sind nur in Paketen zu haben.
Tipp Icon

Der Kia Ceed als Kombi: Das kann der Sportswagon

Kia CeedDeutschland ist Kombiland – das weiß auch Kia und zeigt nur ein paar Wochen nach dem Fünftürer den Kombi namens Sportswagon. Bislang hat gut jeder dritte Ceed-Kunde die geräumigere Variante gewählt.

Auch das neue Modell hat gute Argumente: 10 Zentimeter länger als bisher kommt er auf eine Gesamtlänge von 4,60 Meter und ein Kofferraumvolumen von 625 bis 1694 Litern – mehr als macher Mittelklassekombi zu bieten hat.

Los geht es bei günstigen 16.990 Euro für die Einstiegsversion mit 100-PS-Benziner. Die Antriebspalette mit fünf Motoren (bis 140 PS) teilt sich der SW mit dem Fünftürer. 

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

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