Kia Stinger im ADAC Autotest: Fahrspaß garantiert

Ein Kia fährt auf einer Straße, von vorne aufgenommen
Kia Stinger: Sportliche Front mit Lufteinlässen auf der Haube ∙ © Kia Motors/F. Roschki

Stark, sportlich, elegant und vergleichsweise günstig: Mit dem Stinger greift Kia die etablierte Konkurrenz wie BMW 4er GT, Audi S4 und Mercedes AMG C43 an. Der muntere Sechszylinder-Benziner im ADAC Test – dazu technische Daten und Preise

  • Nur noch ein Antrieb mit 366 PS beim Kia Stinger

  • Hoher Verbrauch im ADAC Ecotest

  • Preis für den 3.3 T-GDI AWD: ab 57.900 Euro

"Movement that inspires" (Bewegung, die inspiriert) lautet seit Anfang 2021 das Motto von Kia. Doch so richtig inspirieren konnte das Modellprogramm mit Picanto, RioCeed oder Optima nicht. Klar, die Autos sind prima gemacht, aber aufregend? Erst der in Deutschland designte Stinger (übersetzt: Stachel), ein überaus dynamischer Luxus-Sportler, sticht mit Power und Stil – und einer großzügigen serienmäßigen Ausstattung. Für die sich die etablierte Konkurrenz fürstlich bezahlen lässt.

Es gibt immer ein erstes Mal. Und der Stinger war Kias Debüt: Die erste viertürige Sportlimousine in klassischer Gran-Turismo-Tradition und gleichzeitig der erste Kia mit Hinterradantrieb. Zumindest bis zum Start des Modelljahres 2021. Seitdem gibt es den Stinger nur noch mit Twin-Turbo-Benziner und Allradantrieb. Dass sein inzwischen leicht überarbeitetes, elegantes Design im Straßenbild sofort ins Auge sticht, beweisen die begeisterten Reaktionen anderer Autofahrer bei unseren Ausfahrten: "Was, das soll ein Kia sein? Das hätte ich denen nie zugetraut". 

Mehr Ausstattung für mindestens 57.900 Euro

Bordcomputer vom Kia Stinger GT
Der Touchscreen des Stinger ist jetzt 10,25 Zoll groß ∙ © Kia Motors/F. Roschki

Kia hat seit dem Debut des Stinger allerdings das Antriebs-Angebot eingedampft. Einziger noch verfügbarer Motor: Der 3.3 T-GDI AWD Automatik, der allerdings ein dynamisches und ziemlich komplettes Angebot darstellt. Ob Harman/Kardon Premium-Soundsystem mit 15 Lautsprechern, Rundumsichtkamera, elektrisch einstellbare, ventilierbare Vordersitze und Sitzbezüge in Nappaleder, neues Navigations-System mit 10,25-Zoll-Touchscreen, Bluetooth-Mehrfachverbindungen und Split-Screen-Funktion samt der Online-Dienste UVO Connect – alles drin, alles dran. Neu ist auch ein aktiver Totwinkelassistent mit Monitoranzeige, dessen Kameraauge einen direkten Einblick in die toten Winkel ermöglicht.

Ebenfalls an Bord: der Stauassistent, der intelligente Geschwindigkeitsassistent, ein Ausstiegswarner, die jetzt navigationsbasiert arbeitende adaptive Geschwindigkeits-Regelanlage, der Frontkollisionswarner, der jetzt beim Linksabbiegen an Kreuzungen auch den Gegenverkehr im Blick hat oder der aktive Spurhalteassistent. Nach wie vor sieben Jahre Herstellergarantie bei maximal 150.000 km – auch das ist ein starkes Verkaufsargument.

Das Platzangebot ist bis auf die Kopffreiheit gut

Der erste Eindruck vom Stinger: Trotz seiner sportlichen Coupé-Silhouette bietet er mit 4,83 Metern Länge und 1,87 Breite enorm viel Platz. Hinten könnten zwei Erwachsene auch auf längeren Strecken bequem sitzen, allerdings sind die Beine durch die tiefe Sitzposition zu sehr angewinkelt. Und wer über 1,80 Meter groß ist, streift mit den Haaren bereits das Dach.

Fürs Gepäck bleibt hinter der Fließheckklappe mit gemessenen 440 Litern Packvolumen ebenfalls noch ausreichend Platz, vorausgesetzt die Gepäckraumabdeckung hat man vorher entfernt. Die ist nämlich recht flach angebracht und schmälert das Ladevolumen auf 335 Liter. Umgeklappt fasst der Kia mit der großen Heckklappe immerhin 1065 Liter.

Das Interieur präsentiert sich optisch wie haptisch mit viel Leder durchaus luxuriös. Doch wichtiger ist die einfache Bedienbarkeit – und hier zeigt der Stinger die kia-übliche Stärke: Kein Schnick-Schnack, die Schalter da, wo sie sein müssen, Instrumente und Displays bestens ablesbar. Serienmäßig ist sogar ein Head-Up-Display eingebaut, das Infos für den Fahrer gut ablesbar auf die Windschutzscheibe projiziert.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Die Motoren sind laufruhig und kraftvoll

Beim Marktstart standen zunächst drei Motoren zur Wahl. Neben dem 2-Liter-Basisbenziner mit 245 PS, der den 1,8 Tonner leise und ausreichend kräftig bewegt hat, wurde noch ein laufruhiger 2,2-Liter-Turbodiesel mit 200 PS und 7,1 Liter Testverbrauch angeboten. Den hatte Kia zunächst mit NOx-Filter und SCR-Technik zukunftsfit gemacht. Im ADAC Ecotest fielen die Emissionen daher erfreulich niedrig aus. Beide Aggregate sind jetzt für Gebraucht-Käufer interessant.

Getestet wurde aber auch der Top-Motor - und der bleibt auch noch im Programm: Der fulminante 3,3-Liter-V6-Benziner mit Twin-Turbo und 510 Nm Drehmoment – ein echter Spaßmacher! Der Motor hängt prima am Gas, gefällt durch seinen sonoren und kräftigen, aber keinesfalls aufdringlichen Sound. Und wer dem Reiz des Stinger erliegt und das Gaspedal Richtung Bodenblech bewegt, wird mit Nachdruck in die Sitze gepresst. Auf 100 km/h sprintet der Kia in 5,4 Sekunden, die Spitze liegt bei 270 km/h – und dreht der häufig bei 250 km/h abgeriegelten Konkurrenz eine lange Nase. Auch der Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h ist nach ADAC Messung rasant erledigt: 2,7 Sekunden, länger dauert's nicht.

Die Schattenseite der Spaßgranate ist der hohe Verbrauch. Im ADAC Ecotest kam der Koreaner auf 10,4 Liter Super, verbunden mit einem gemessenen CO₂-Ausstoß von 278 Gramm je Kilometer (well-to-wheel). Auf der Autobahn genehmigt sich der Sportler sogar 12,4 Liter. Zeitgemäß ist das nicht. Weil auch die Partikelemissionen erhöht sind, reicht es nur für einen von fünf Sternen im Ecotest. Ob es mit der Überarbeitung auf die Euro 6d-Norm und jetzt 366 statt 370 PS besser geworden ist, muss noch getestet werden.

Das Fahrwerk ist sportlich-agil und komfortabel

Absolut auf der Höhe der Zeit ist dagegen das am Nürburgring verfeinerte Fahrwerk, das in Verbindung mit der feinfühlig ansprechenden Lenkung den Spagat zwischen sportlich-agilem Handling und Reisekomfort überzeugend hinbekommt. Der Stinger ist tatsächlich ein richtiger Gran-Turismo im klassischen Sinn geworden: eine coupéhafte Reiselimousine mit luxuriösem Platz für vier Personen und sportlichen Talenten. Und dem Picanto-Fahrer können wir versichern: Ja, Kia kann auch Stinger.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum Kia Stinger 3.3 V6 als PDF
PDF, 704 KB
PDF ansehen

Kia Stinger: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT AWD Automatik

Motor

6-Zylinder-Turbobenziner, 269 kW/366 PS, 3342 cm³, 510 Nm bei 1300 U/min

Fahrleistungen

5,4 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 270 km/h

Verbrauch / CO₂-Ausstoß

10,4 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 238 g/km

Maße

L 4,83/ B 1,87/ H 1,40 m

Kofferraum

406 – 1114 l

Preis

ab 57.900 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte

3.3 T-GDI V6

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,1 m

Wendekreis

12,4 m

Verbrauch im ADAC EcoTest

10,4 l Super/100 km, 278 g CO₂/km (well-to-wheel)

Reichweite

575 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,7 dB(A)

Kofferraumvolumen

335 – 1065 l

Leergewicht / Zuladung

1880 / 445 kg

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

3.3 T-GDI V6

Karosserie/Kofferraum

2,8

Innenraum

2,4

Komfort

2,2

Motor/Antrieb

1,3

Fahreigenschaften

2,0

Sicherheit

1,7

Umwelt/EcoTest (1 Stern von 5)

4,5

Gesamtnote

2,6

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Sehr laufruhiger, ausreichend kräftiger Motor. Fein abgestimmtes Fahrwerk. Gut ansprechende Lenkung. Relativ großzügige Platzverhältnisse. Einfache und logische Bedienung 

Das hat uns nicht gefallen: Schlechte Sicht nach hinten. Zu wenig Oberschenkelauflage im Fond. Hoher Verbrauch

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests