Škoda Scala: Erste Testfahrt mit dem Golf-Gegner

9.5.2019

Der kompakte Škoda Scala bietet jede Menge Platz und tolle Fahrleistungen. Wir konnten den Golf-Konkurrenten schon ausgiebig testen. Plus: Bilder, technische Daten, Preise 

Skoda Scala  von der Seite
Kompakt und kräftig: Der neue Škoda Scala
  • Motoren von 90 bis 150 PS – alle mit Euro 6d-TEMP
  • Einstiegsvariante schon ab 17.350 Euro
  • Konkurrenten: Kia Ceed, Hyundai i30 und: VW Golf!

Kuriose Konzernpolitik: Die tschechische VW-Tochter Škoda bringt am 18. Mai in Deutschland den neuen Scala auf den Markt. Und obwohl er zehn Zentimeter länger als der aktuelle Golf ist, darf er – weil er offiziell auf der kleinen Polo-Plattform aufbaut und günstiger angeboten wird – aus Konzernräson vor allem eines nicht sein: ein offizieller Konkurrent zum VW Golf. Der Scala – ein Škoda, der kein Golf sein darf…

Innenraum: Platz wie im Škoda Octavia

Zoom-In
Skoda Scala  von hinten
Das Heck mit tiefer Heckscheibe – jetzt mit Schriftzug statt Logo   

Der Scala baut wie der VW Polo oder der Seat Ibiza auf der MQB A0-Plattform des VW-Konzerns auf, nutzt aber die längstmögliche Ausbauvariante. Das Ergebnis gibt der tschechischen Konzerntochter bei der ersten Sitzprobe (mal wieder) recht: Der lange Radstand von 2,65 Metern (VW Golf 2,62 m) sorgt bei nur 4,36 m Außenlänge für üppige Innenmaße – hinsichtlich der Knie- und Kopffreiheit erreichen sie im Fond sogar Octavia-Format! 

Markentypisch hat er mit 467 Litern (Golf 380 l) auch den größten Kofferraum seiner Klasse, der mit im Verhältnis 60:40 umgeklappter Rückbank sogar 1410 Liter fasst. Dazu ist für besonders sperrige Gegenstände auch eine umklappbare Beifahrerlehne erhältlich und ein optionaler doppelter Ladeboden macht den Kofferraum noch variabler.

Rein optisch wird der Nachfolger der fünftürigen Schräghecklimousine Rapid Spaceback seinem Namen Scala (lat. Treppe, Leiter) gerecht. Tatsächlich zeigt die neue Entwicklungsstufe des eher biederen Škoda-Designs jetzt mehr Charakter: vorn mit markanten Sicken und flachen Frontscheinwerfern breit und dynamisch, hinten mit der nach unten gezogenen Scheibe (optional) und den schmalen LED-Leuchten (Serie) formschön wie selten in der Kompaktklasse.

Neue Infotainmentsysteme

Zoom-In
Skoda Scala Cockpit
Cockpit mit virtuellen Instrumenten und großem Display

Passend zum modernen Auftritt des Scala ist in der neu gestalteten Instrumententafel mit einer hochwertigen Oberfläche auch neueste Digitaltechnik ins Fahrzeug integriert. Das flexibel konfigurierbare optionale Virtual Cockpit ist mit einem 10,25 Zoll großen Display erhältlich und das Display des Infotainmentsystems misst in der Diagonale bis zu 9,2 Zoll. Die Bedienung geht – VW-typisch – leicht.

Aus der neuesten Generation des VW-Baukastens werden drei Infotainmentsysteme angeboten: Das komplette "Amundsen" sowie die Systeme "Bolero" und "Swing" ohne Navi.  Dabei verfügt Bolero mit seinem 8-Zoll-Zisplay immerhin über eine Bluetooth-Verbindung und die Technologie SmartLink+, während die beim Swing extra kosten.

Als erster Škoda ist der Scala – wie künftig alle Modelle – immer online. Die eingebaute eSIM kann per LTE eine Hochgeschwindigkeits-Internetverbindung herstellen. Ein Smartphone, das die Verbindung ins Netz für den Scala aufbaut, ist also künftig nicht mehr erforderlich.

Bereits zur Serienausstattung gehören der Spurhalteassistent und der Frontradarassistent. Optional erhältlich sind alle anderen Assistenzsysteme aus dem VW-Konzern wie Side Assist, Rear Traffic Alert, Adaptiver Abstandsassistent (ACC) und der Parklenkassistent fürs automatische Einparken.

Gute Fahrleistungen mit VW-Motoren

Zoom-In
Skoda Scala von vorne
Markant: Schmale Scheinwerfer mit steilem Kühlergrill

Der lange Radstand sorgt auch für sehr gute Fahreigenschaften: Der Scala präsentierte sich bei unseren Testfahrten zwar sehr straff abgestimmt, bügelt gröbere Unebenheiten trotzdem relativ gut weg. Die straffe Auslegung unterstützt auch bei flotteren Kurvenfahrten, die mit der sehr direkten und trotzdem mitteilsamen Lenkung auch spielerisch zu bewältigen sind. 

Für den, der's noch dynamischer will, gibt es – erstmals bei Škoda – optional das neue Sport Chassis Control: Ein um 15 Millimeter tiefer gelegtes, sportlich ausgelegtes und über die Fahrprofilauswahl Driving Mode Select umschaltbares Fahrwerk mit den Kennlinien Normal und Sport.

Als Motoren (alle mit der Abgasnorm Euro 6d-TEMP) stehen für den Scala zunächst vier eher wirtschaftlich orientierte Varianten von 115 bis 150 PS zur Verfügung, darunter ein 1.6-Diesel mit 6-Gang-Schaltung oder DSG. 

Im Sommer folgen der Einstiegsmotor 1.0 TSI mit 95 PS , der ab 17.350 € bestellbar ist, und der 115 PS starke 1.0 TSI mit Direktschaltgetriebe. Ab Herbst ergänzt der 1,5 TSI mit manuellem 6-Gang-Getriebe das Angebot. Komplettiert wird die Motorenpalette gegen Ende des Jahres mit der Erdgasvariante 1.0 G-TEC.

Wir konnten bei unseren ersten Testfahrten drei Motoren ausprobieren: den 1.0 TSI mit 115 PS und 6-Gang-Schaltung, die 1.5-Variante mit 150 PS und DSG sowie 1.6-Diesel mit 115 PS und DSG. Unser Favorit: Ganz klar der 1.0-Dreizylinder-TSI. 

Warum? Der kleine Turbo-Benziner macht mit seinem 200 Nm-Drehmoment richtig Spaß. Er beschleunigt spritzig, bleibt dank guter Dämmung akustisch stets unaufdringlich und lässt sich trotz des geringen Hubraums auch sehr schaltfaul fahren – passt gut!

Das DSG der beiden anderen Motorvarianten macht weniger Spaß: Es ist mit seinen frühen Schaltpunkten sehr defensiv ausgelegt und zieht dem jeweiligen 250er-Drehmoment gefühlt die Zähne. Dynamisch geht anders.

   

Skoda-typisch: Simply Clever-Ideen

Zoom-In
Skoda Scala Regenschirmhalterung in der Tür
Serienmäßig: Regenschirm in den vorderen Türen

Der Scala wäre kein Škoda, wenn er keine pfiffigen Simply-Clever-Ideen umgesetzt hätte, die seinen Besitzern den täglichen Umgang mit ihrem Fahrzeug erleichtern. 

Neben Klassikern wie dem Tickethalter an der A-Säule auf der Fahrerseite und dem Regenschirmfach in der Fahrertür (mit Regenschirm) gehören dazu neue nützliche Features wie der Eiskratzer im Tankdeckel mit einer Profiltiefenskala für Kontrollmessungen der Reifen und ein integrierter Trichter im Verschlussdeckel des Scheibenwaschbehälters. 

Auf Wunsch ist der Scala als erstes Fahrzeug seiner Klasse optional mit einer elektrischen Heckklappe ausgestattet, die per Knopfdruck öffnet und schließt und damit einen bequemen Zugang zum großen Kofferraum ermöglicht. 

Und die optionale schwenkbare Anhängerkupplung mit elektrischer Entriegelung lässt sich über eine Taste im Kofferraum entsperren. Gut gemacht.

Die ersten Motorisierungen und Preise

Motor  Leistung Getriebe  Preise ab
1.0 TSI (ab Sommer)  70 kW / 95 PS 5-Gang                      17.350 €
1.0 TSI   85 kW / 115 PS 6-Gang                      21.450 €
1.5 TSI                     110 kW / 150 PS 7-Gang-DSG                      25.200 €
1.6 TDI  85 kW / 115 PS 6-Gang  21.500 €
1.6 TDI                      85 kW / 115 PS 7-Gang-DSG                      23.300 €

Text: Thomas Kroher. Bilder: Škoda Auto.

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de