Škoda Scala im ADAC Test: So gut ist der Golf-Gegner

12.8.2019

Der kompakte Škoda Scala bietet jede Menge Platz und interessante Details. Wir konnten den Golf-Konkurrenten ausgiebig testen. Plus: Bilder, technische Daten, Preise und das Crashtest-Ergebnis.

Skoda Scala  von der Seite
Kompakt und kräftig: Der neue Škoda Scala
  • Derzeit zwei Benziner (95 und 115 PS) und ein Diesel (115 PS)
  • Einstiegsvariante ab 17.350 Euro
  • Konkurrenten: Kia Ceed, Hyundai i30 und: VW Golf!
  • Sehr gutes Ergebnis im Euro NCAP Crashtest: 5 Sterne

Kuriose Konzernpolitik: Die tschechische VW-Tochter Škoda hat den Scala als Nachfolger des Rapid im Programm. Und obwohl er zehn Zentimeter länger als der aktuelle Golf ist, darf er – weil er offiziell auf der kleinen Polo-Plattform aufbaut und günstiger angeboten wird – aus Konzernräson vor allem eines nicht sein: ein offizieller Konkurrent zum VW Golf. Der Scala – ein Škoda, der kein Golf sein darf…

Innenraum: Platz wie im Škoda Octavia

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Skoda Scala  von hinten
Das Heck mit tiefer Heckscheibe – jetzt mit Schriftzug statt Logo   

Der Scala baut wie der VW Polo oder der Seat Ibiza auf der MQB A0-Plattform des VW-Konzerns auf, nutzt aber die längstmögliche Ausbauvariante. Das Ergebnis gibt der tschechischen Konzerntochter bei der ersten Sitzprobe (mal wieder) recht: Der lange Radstand von 2,65 Metern (VW Golf 2,62 m) sorgt bei nur 4,36 m Außenlänge für üppige Innenmaße fast schon im Octavia-Format.

Vorn können Zwei-Meter-Riesen den Sitz weit genug zurückschieben. Auf den Rücksitzen wirkt die Kopffreiheit beschränkend, denn sie reicht für Insassen bis rund 1,90 m. Die Beinfreiheit würde sogar für Personen bis zwei Meter reichen – in der Kompaktklasse ein respektabler Wert (wenn die Vordersitze für 1,85 m große Menschen eingestellt sind).

Markentypisch hat er auch den größten Kofferraum seiner Klasse. Nach ADAC Messungen passen bis zur Kofferraumabdeckung 370 Liter rein, dachhoch beladen 585 Liter oder sieben Getränkekisten. Unter Ausnutzung des kompletten Raums hinter den Vordersitzen lassen sich bis zu 1070 l verstauen (Rapid Spaceback 1105 l). Dazu ist für besonders sperrige Gegenstände auch eine umklappbare Beifahrerlehne erhältlich und ein optionaler doppelter Ladeboden macht den Kofferraum noch variabler.

Rein optisch wird der Nachfolger der fünftürigen Schräghecklimousine Rapid Spaceback seinem Namen Scala (lat. Treppe, Leiter) gerecht. Tatsächlich zeigt die neue Entwicklungsstufe des eher biederen Škoda-Designs jetzt mehr Charakter: vorn mit markanten Sicken und flachen Frontscheinwerfern breit und dynamisch, hinten mit der nach unten gezogenen Scheibe (optional) und den schmalen LED-Leuchten (Serie) formschön wie selten in der Kompaktklasse.

Neue Infotainmentsysteme

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Skoda Scala Cockpit
Cockpit mit virtuellen Instrumenten und großem Display

Passend zum modernen Auftritt des Scala ist in der neu gestalteten Instrumententafel mit einer hochwertigen Oberfläche auch neueste Digitaltechnik ins Fahrzeug integriert. Das flexibel konfigurierbare optionale Virtual Cockpit ist mit einem 10,25 Zoll großen Display erhältlich und das Display des Infotainmentsystems misst in der Diagonale bis zu 9,2 Zoll. Die Bedienung geht – VW-typisch – leicht von der Hand.

Aus der neuesten Generation des VW-Baukastens werden drei Infotainmentsysteme angeboten: Das komplette "Amundsen" sowie die Systeme "Bolero" und "Swing" ohne Navi.  Dabei verfügt Bolero mit seinem 8-Zoll-Zisplay immerhin über eine Bluetooth-Verbindung und die Technologie SmartLink+, während die beim Swing extra kosten.

Als erster Škoda ist der Scala – wie künftig alle Modelle – immer online. Die eingebaute eSIM kann per LTE eine Hochgeschwindigkeits-Internetverbindung herstellen. Ein Smartphone, das die Verbindung ins Netz für den Scala aufbaut, ist also künftig nicht mehr erforderlich.

Bereits zur Serienausstattung gehören der Spurhalteassistent und der Frontradarassistent. Optional erhältlich sind alle anderen Assistenzsysteme aus dem VW-Konzern wie Side Assist, Rear Traffic Alert, Adaptiver Abstandsassistent (ACC) und der Parklenkassistent fürs automatische Einparken.

Gute Fahrleistungen mit VW-Motoren

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Skoda Scala von vorne
Markant: Schmale Scheinwerfer mit steilem Kühlergrill

Der lange Radstand sorgt auch für sehr gute Fahreigenschaften: Der Scala präsentierte sich bei unseren Testfahrten zwar sehr straff abgestimmt, bügelt gröbere Unebenheiten trotzdem relativ gut weg. Die straffe Auslegung unterstützt auch bei flotteren Kurvenfahrten, die mit der sehr direkten und trotzdem mitteilsamen Lenkung auch spielerisch zu bewältigen sind.

Für den, der's noch dynamischer will, gibt es – erstmals bei Škoda – optional das neue Sport Chassis Control: Ein um 15 Millimeter tiefer gelegtes, sportlich ausgelegtes und über die Fahrprofilauswahl Driving Mode Select umschaltbares Fahrwerk mit den Kennlinien Normal und Sport.

In puncto Fahrstabilität zeigt sich der Scala im Vergleich zu seinem Vorgänger (dem Rapid) gereift. Weder plötzliche Lenkimpulse noch Spurrinnen bringen den Kompaktwagen aus der Ruhe, der mit einem guten Geradeauslauf punktet. Der Scala lässt sich sowohl Überland als auch auf der Autobahn je nach Wunsch, gelassen oder auch fahraktiv bewegen.

Als Motoren (alle mit der Abgasnorm Euro 6d-TEMP) stehen für den Scala fünf eher wirtschaftlich orientierte Varianten von 95 bis 150 PS zur Verfügung, darunter der Einstiegsmotor 1.0 TSI mit 95 PS, der ab 17.350 € bestellbar ist, und der 115 PS starke 1.0 TSI mit Direktschaltgetriebe. Der einzige Diesel ist der 1.6 TDI mit 6-Gang-Schaltung oder DSG. 

Komplettiert wird die Motorenpalette gegen Ende 2019 mit der Erdgasvariante 1.0 G-TEC.

Testverbrauch beim 1.0 TSI: 5,9 l Super/100 km

Wir konnten bei unseren ersten Testfahrten drei Motoren ausprobieren: den 1.0 TSI mit 115 PS und 6-Gang-Schaltung, die 1.5-Variante mit 150 PS und DSG sowie 1.6-Diesel mit 115 PS und DSG. Unser Favorit: Ganz klar der 1.0-Dreizylinder-TSI. 

Warum? Der Turbo-Benziner mit 115 PS macht mit seinem 200 Nm Drehmoment richtig Spaß. Er beschleunigt spritzig (9,8 s auf 100 km/h) bleibt dank guter Dämmung akustisch unaufdringlich und lässt sich trotz des geringen Hubraums auch sehr schaltfaul fahren – passt gut! Auch der Testverbrauch geht mit 5,9 Litern Super im Schnitt völlig in Ordnung.

Das DSG der beiden anderen Motorvarianten macht weniger Spaß: Es ist mit seinen frühen Schaltpunkten sehr defensiv ausgelegt und zieht dem jeweiligen 250er-Drehmoment gefühlt die Zähne. Dynamisch geht anders.

   

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Skoda Scala Regenschirmhalterung in der Tür
Serienmäßig: Regenschirm in den vorderen Türen

Skoda-typisch: Simply Clever-Ideen

Der Scala wäre kein Škoda, wenn er keine pfiffigen Simply-Clever-Ideen umgesetzt hätte, die seinen Besitzern den täglichen Umgang mit ihrem Fahrzeug erleichtern. 

Neben Klassikern wie dem Tickethalter an der A-Säule auf der Fahrerseite und dem Regenschirmfach in der Fahrertür (mit Regenschirm) gehören dazu neue nützliche Features wie der Eiskratzer im Tankdeckel mit einer Profiltiefenskala für Kontrollmessungen der Reifen und ein integrierter Trichter im Verschlussdeckel des Scheibenwaschbehälters. 

Auf Wunsch ist der Scala als erstes Fahrzeug seiner Klasse optional mit einer elektrischen Heckklappe ausgestattet, die per Knopfdruck öffnet und schließt und damit einen bequemen Zugang zum großen Kofferraum ermöglicht. 

Und die optionale schwenkbare Anhängerkupplung mit elektrischer Entriegelung lässt sich über eine Taste im Kofferraum entsperren. Gut gemacht.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Škoda Scala 1.0 TSI Style.

Volle 5 Sterne im Crashtest

Der Škoda Scala erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die dafür erforderlichen Punktwerte deutlich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut (für die zweite Sitzreihe optional), der Fahrer wird optional zusätzlich mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung (für den Beifahrersitz optional erhältlich). Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der Scala ist mit einem umfassenden und guten Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet. 

Detailergebnisse des Škoda Scala-Crashtests

Technische Daten

Herstellerangaben 1.0 l TSI                    1.0 l TSI 1.5 l TSI DSG (derzeit nicht bestellbar) 1.6 l TDI
Motor  Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min
Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 85 kW/115 PS, 200 Nm bei 2000 U/min
Vierzylinder-Turbobenziner, 1498 cm3, 110 kW/150 PS, 250 Nm bei 3500 U/min
Vierzylinder-Turbodiesel, 1598 cm3, 85 kW/115 PS, 250 Nm bei 1500 U/min
Fahrleistungen
10,9 s auf 100 km/h, 188 km/h Spitze 9,8 s auf 100 km/h, 201 km/h Spitze
8,2 s auf 100 km/h, 219 km/h Spitze
10,1 s auf 100 km/h, 201 km/h Spitze
Verbrauch (NEFZ) 5,0 l Super/100 km, 114 g CO2/km
5,0 l Super/100 km, 113 g CO2/km
5,0 l Super/100 km, 113 g CO2/km
4,2 l Diesel/100 km, 108 g CO2/km
Maße  L 4,36 / B 1,79 / H 1,50 m
L 4,36 / B 1,79 / H 1,50 m L 4,36 / B 1,79 / H 1,50 m L 4,36 / B 1,79 / H 1,50 m
Kofferraum  467 – 1410 l 467 – 1410 l  467 – 1410 l  467 – 1410 l 
Leergewicht ab 1192 kg ab 1209 kg k. A. ab 1324 kg
Preis ab 17.350 € ab 18.550 € (getestet: Style ab 23.400 €) k. A. ab 21.500 €

 

ADAC Messwerte (Auszug) 1.0 TSI (115 PS)
Überholvorgang 60-100 km/h 6,7 s 
Bremsweg aus 100 km/h 35,5 m 
Wendekreis 11,2 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 5,9 l Diesel/100 km , 162 g CO2/km (well-to-wheel) 
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) **** 
Reichweite 845 km
Innengeräusch bei 130 km/h    67,6 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 1255 / 510 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch  370 / 750 / 1070 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 2,6
Innenraum 2,3
Komfort 2,5
Motor/Antrieb 2,7
Fahreigenschaften 2,2
Sicherheit  1,6
Umwelt/Ecotest 2,1

 

  • Das hat uns gefallen: Gutes Platzangebot. Umfangreiche Sicherheitsausstattung (teils optional). Si-chere Fahreigenschaften.
  • Das hat uns nicht gefallen: Keine Fahrlichtanzeige im Kombiinstrument. Wenig Auswahl bei Motoren. Dreizylinder nicht ganz vibrationsfrei.

Text: Thomas Kroher. Bilder: Škoda Auto.

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