ADAC Test: So gut ist der Hyundai Kona Elektro

7.11.2018

Der Hyundai Kona Elektro prahlt als erster kleiner SUV mit Elektroantrieb mit großer Reichweite. Gut 480 Kilometer soll er schaffen. Ob das so ist, klärt der ADAC Test. Plus: technische Daten und Preise

Elektroauto Hyundai Kona fahrend
Charakteristisch: Die geschlossene Kühlermaske des Kona Elektro
  • Der Hyundai Kona ist nach dem Ioniq das zweite Elektromodell der Koreaner
  • Mit 64-kWh-Batterie große Reichweiten möglich
  • Deutsche Autobauer hinken weiter hinterher

 

Während die heimischen Hersteller noch an den Modellen ab 2020 basteln, gibt Hyundai bei der Elektromobilität schon heute Gas und baut mit dem neuen Hyundai Kona Elektro ihre alternativ angetriebene Modellvielfalt weiter aus.

Denn neben dem Brennstoffzellenfahrzeug Nexo hat Hyundai schon den Ioniq im Programm, der als Hybrid, Plug-In-Hybrid oder vollelektrisch zu haben ist. Der Hyundai Kona Elektro positioniert sich als erstes elektrisch angetriebenes SUV in der Kompaktklasse. Zu haben ist er mit zwei Batteriegrößen (39 und 64 kWh) und zwei Leistungsstufen.

Reichweite: Bei langsamer Fahrt 500 km

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Elektroauto Hyundai Kona fahrend von hinten
Typisch Kompakt-SUV: Kurze Überhänge, trendige Zweifarb-Lackierung

Wahlweise mit 100 kW/136 PS oder 150 kW/204 PS Motorleistung unterwegs, verspricht das kräftige Drehmoment von 395 Newtonmeter, das prinzipbedingt von Beginn an zur Verfügung steht, sichere Überholmanöver auch aus niedrigen Geschwindigkeiten. So beschleunigt die stärkere Variante innerhalb von 7,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und Schluss ist erst bei 167 km/h. Der Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h beträgt nach ADAC Messung kurze 3,6 Sekunden.

Doch der Kona Elektro zeigt auch ausgeprägte Langstreckenqualitäten: Die Batteriekapazität beträgt bei der getesteten 204-PS-Version stattliche 64 Kilowattstunden, die in Kombination mit dem effizienten Elektroantrieb eine Reichweite von bis zu 482 Kilometern nach dem neuen WLTP-Zyklus möglich macht.

Auf dem Papier zumindest. Doch bei Elektroautos kommt es ganz erheblich auf das persönliche Fahrprofil an. Ist man ausschließlich bei langsamer Fahrt in der Stadt unterwegs, ist der angegebene Wert nicht unrealistisch. Fordert man den Kona allerdings mehr und fährt viel auf der Landstraße oder auf der Autobahn, schmilzt die Reichweite dahin. Im ADAC Ecotest, der mit allen Autos gefahren wird – also auch mit Verbrennern, Hybridfahrzeugen oder Gasautos – ergibt sich eine Reichweite von 375 Kilometern. Auch das ist ein stolzer Wert, der nicht einmal vom deutlich teureren Jaguar I-Pace übertroffen wird.

Stromverbrauch: 19,5 kWh/100 km im ADAC Ecotest

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Elektroauto Hyundai Kona an der Ladesäule
An der Schnellladestation ist die Kona-Batterie in einer Stunde voll

Der Stromverbrauch liegt bei gemessenen 19,5 kWh auf 100 Kilometer – Ladeverluste eingerechnet. Denn wie bei jedem Elektroauto kommt nicht so viel Strom in der Batterie an als aus der Steckdose fließt. Beim Hyundai Koma fallen die Verluste vergleichsweise gering aus. Zum Verbrauch des Motors kommen noch 15 Prozent hinzu: Um die 64-kWh-Batterie vollzuladen, fließen also 73,9 kWh.

Die Speicherung übernehmen im Unterboden platzierte Lithium-Polymer-Akkus, die auch schnellladefähig sind. So dauert es knapp unter einer Stunde, um die Stromspeicher an einer 100-kW-Schnellladestation zu 80 Prozent aufzuladen. Leider gibt es diese Powersäulen noch kaum, die an der Autobahn entstehen sollen. Momentan sind dort eher 50-kW-Säulen anzutreffen, die zumindest in rund 75 Minuten eine 80-Prozent-Ladung ermöglichen.

Die Zeit für einen vollständigen Ladezyklus an einer für die heimische Garage geeigneten Wallbox dauert rund 9,5 Stunden in der 204-PS-Variante. Die Ladeleistung des Onboard-Chargers beträgt 7,2 Kilowattstunden.

Im Design unterscheidet sich die Elektrovariante des Kona von den herkömmlich angetriebenen Modellen nur im geschlossenen Kühlergrill und den speziellen Felgen der serienmäßigen 17-Zoll-Rädern. Der dynamische Stil des Lifestyle-SUV mit seinem langen Radstand (2,60 Meter) und den kurzen Überhängen bleibt also erhalten. Und natürlich gibt es auch den E-Kona in den inzwischen üblichen trendigen Zweifarb-Lackierungen.

Einfache Bedienung: Für die Automatik gibt es Knöpfe

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Elektroauto Hyundai Kona Armaturenbrett
Viel Plastik, aber schick: Cockpit mit optisch schwebender Mittelkonsole

Im Innenraum dominieren gut verarbeitete Plastikverkleidungen, die allerdings nicht sonderlich hochwertig wirken. Digitale Instrumente, ein frei stehender 8-Zoll-Monitor sowie eine Rückfahrkamera übernehmen die Fahrerinformation, ein DAB-Radio mit Navi-System, Bluetooth und Smartphone-Anbindung ist ebenfalls Serie.

Schön anzusehen ist die optisch frei schwebende Mittelkonsole mit diversen Bedientasten und der Getriebesteuerung, die elektrisch per Knopfdruck geschieht. Der Ganghebel ist beim E-Kona überflüssig, weil die Rekuperations- und Bremsstärke (sogar bis zum Stillstand) über Schaltpaddel am Lenkrad gewählt wird. Ohnehin sollte die Bedienung kaum jemanden überfordern: Auch die Menüs des Touchscreens sind gut strukturiert.

Das Platzangebot im nur 4,17 Meter langen Kona ist naturgemäß begrenzt, weil er noch konventionell konstruiert ist, damit auch Benzin- und Dieselmotoren unter die Haube passen. Bei der E-Variante schränken zusätzlich die im Unterboden platzierten Batterien den Raum ein, was vor allem die Fondpassiere mit drei Zentimeter weniger Kniefreiheit betrifft.

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Der Kofferraum ist recht klein geraten

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Elektroauto Hyundai Kona Kofferraum
Lademeister: Mit geklappten Lehnen passen über 1100 Liter hinein

Auch das Kofferraumvolumen schrumpft, so dass bei der ADAC Messung unter der Kofferraumabdeckung nur noch magere 225 Liter übrigbleiben (Werksangabe 332 Liter). Allerdings lassen sich auch beim elektrischen Kona die Rücksitzlehnen umklappen, wodurch ein (leider schräger) Laderaum für bis zu 1070 Liter Volumen (ADAC Messwert) entsteht.

Der Permanentmagnet-Synchronmotor, der seine Kraft per einstufigem Getriebe auf die Vorderräder überträgt, macht mit seinem ständig abrufbaren Drehmoment beim Fahren richtig Spaß. Turboloch, Anfahrschwäche oder ganz einfach nur der falsche Gang? Das kennt der Kona Elektro nicht. Das Fahrwerk vermittelt auch beim ADAC Ausweichtest ein sicheres Fahrgefühl und bügelt Unebenheiten im Großen und Ganzen anständig weg.

Nur schade, dass sich die Lenkung etwas synthetisch anfühlt und der Bremsweg mit gemessenen 40,3 Metern aus 100 km/h überdurchschnittlich lang ausfällt. Hier hätten wir von dem Koreaner ein besseres Ergebnis erwartet.

Zahlreiche Assistenzsysteme sind für die aktive Sicherheit zuständig: Adaptives ACC, aktiver Spurhalteassistent und Notbremsassistent mit Fußgängererkennung sind immer serienmäßig, Querverkehrswarner hinten, Stauassistent, Totwinkel-Warner oder Verkehrszeichenerkennung gibt's nur in der Premium-Ausstattung, die dann für immerhin 45.600 € nur für den 204 PS-Kona angeboten wird.

Der Kona Elektro mit 136 PS kostet in der günstigsten Trend-Ausstattung 34.600 €, mit dem 204 PS-Motor 39.000 € – 4000 € Elektrobonus noch nicht abgezogen. Für einen Kleinwagen-SUV ist das zwar immer noch viel Geld, für ein Elektroauto mit brauchbarer Praxisreichweite aber ein faires Angebot.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Hyundai Kona Elektro (64 kWh) Premium.

Technische Daten (Herstellerangaben)
Hyundai Kona Elektro (64 kWh) Premium
Motor Permanentmagnet-Synchronmotor, Lithium-Polymer-Akku
Leistung 150 kW/204 PS, 395 Nm ab 1 U/min
Antrieb Frontantrieb mit einstufigem Reduktionsgetriebe
Fahrleistungen 7,6 s auf 100 km/h, 167 km/h
Verbrauch 14,3 kWh/100 km, CO2: 0 g/km, Reichweite: 482 km
Leergewicht 1760 kg
Maße L 4,18/ B 1,80/ H 1,57 m
Preis 45.600 € (Premium-Ausstattung), Baureihe ab 34.600 € (136 PS)
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
3,6 s 
Bremsweg aus 100 km/h
40,3 m
Wendekreis 11,2 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
19,5 kWh/100 km , 113 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
375 km
Innengeräusch bei 130 km/h 69,2 dB (A)
Leergewicht / Zuladung
1725 / 445 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 225 / 625 / 1070 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,1
Karosserie/Kofferraum 3,0 
Innenraum 2,6
Komfort 2,7
Motor/Antrieb 1,0
Fahreigenschaften 
3,2
Sicherheit
2,2
Umwelt/EcoTest
1,2

 

  • Das hat uns gefallen: Sehr gute Fahrleistungen. Praxistaugliche Reichweite. Gutes Platzangebot vorn. Sehr umfangreiche Serienausstattung. Großzügige Garantieleistungen.
  • Das hat uns nicht gefallen: Hoher Anschaffungspreis. Einfache Materialien im Innenraum. Keine Anhängelast. Wenig Platz in Fond und Kofferraum.

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

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