Green NCAP 2021: 61 Modelle im Ökocheck

VW Passat auf dem Prüfstand
Green-NCAP-Messung: Der VW Passat auf dem ADAC Prüfstand ∙ © ADAC/Test und Technik

In Sachen Umwelt haben es Autokäufer jetzt etwas leichter: Fünf Sterne bei Green NCAP stehen dort für besonders saubere Autos. Im Test: 61 meistverkaufte und populäre Modelle mit Benzin-, Diesel-, CNG- (Erdgas) und Elektroantrieb.

  • Fünf Sterne für sieben Modelle mit Elektroantrieb

  • Plug-in-Hybride nicht immer umweltfreundlich

  • Viele Diesel schneiden etwas schwächer ab

Die neue Initiative Green NCAP (New Car Assessment Programme) bewertet seit 2019 die Umweltfreundlichkeit von Pkw nach einheitlichen und zukunftsorientierten Standards – nach dem Vorbild des ADAC Ecotest. Schwerpunkte sind Schadstoffemissionen, der Kraftstoff- bzw. Energieverbrauch und seit 2020 neu: die klimaschädlichen Treibhausgase.

Was ist Green NCAP?

Green NCAP Logo
Green NCAP ist eine Initiative von Euro NCAP ∙ © Green NCAP

Green NCAP ist eine Initiative von Euro NCAP, die seit Jahren die Sicherheitsstandards von Autos testet und bewertet. Der ADAC ist Mitglied im internationalen Testkonsortium und überprüft auf seinen Anlagen seit zwei Jahrzehnten die Sicherheit von Pkw. Vergleichbares soll nun bei der Umweltfreundlichkeit von Autos geschaffen werden. Der ADAC bringt sich mit seinen langjährigen Erfahrungen aus dem ADAC Ecotest intensiv in der Green-NCAP-Arbeitsgruppe ein. Ausführliche Informationen zum Projekt und den Test- und Bewertungsverfahren finden Sie auch auf der Green-NCAP-Homepage*.

Ökocheck: 61 populäre Modelle im Test

Nach dem aktuellen Green-NCAP-Verfahren wurden 61 Modelle mit unterschiedlichen Antriebsarten und Karosserieformen getestet. Um eine möglichst große europäische Marktabdeckung zu erzielen, sind bei der Fahrzeugauswahl auch die Verkaufszahlen, die Beliebtheit und der Einsatzzweck berücksichtigt.

Das Ergebnis ist wie beim Euro-NCAP-Crashtest eine einfach nachvollziehbare Bewertung mit bis zu fünf Sternen als Bestwertung für jedes Auto. Zusätzlich zur Sternebewertung werden Fahrzeuge nach den Schadstoffen (Clean Air Index), dem Kraftstoff-/Energieverbrauch (Emissions Efficiency Index) sowie den Treibhausgasen (Greenhouse Gases) bewertet. Alle Detailergebnisse sind auch über die Homepage des Green NCAP* abrufbar.

Fünf Sterne für Elektroautos

Hyundai Kona Electric fahrend auf einer Straße
Volle Punktzahl: Hyundai Kona Electric ∙ © Hyundai

Spitzenreiter mit fünf Sternen sind sieben Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Während der Renault Zoe einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 22,3 kWh/100 km aufweist und mit dem getesteten optionalen 52-kWh-Akku (Basisversion mit 41 kWh) realistische 319 Kilometer weit kommt, überzeugt auch der Hyundai Kona Electric mit einem sogar noch etwas geringeren Stromverbrauch (22,2 kWh/100 km) – fährt mit dem im Testwagen verbauten 39,2 kWh (optional 64 kWh) großen Standardakku allerdings nur 202 Kilometer weit. Der Fiat 500 weist einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 20,9 kWh/100 km auf und erzielt damit eine realistische Reichweite von 230 Kilometern.

Green NCAP legt besonders strenge Maßstäbe an, testet zum Beispiel auch bei minus 7 Grad Celsius. Hier zeigen der Nissan Leaf e+ und der Lexus UX 300e einen etwas erhöhten Energieverbrauch und bekommen daher geringfügige Abzüge beim "Energy Efficiency Index".

Auch der VW iD.3 muss hier Abzüge hinnehmen. Er hat ein sehr leistungsstarkes Heizsystem, das die Kabinentemperatur sehr schnell auf Komfortniveau bringt. Doch das führt zu einem etwas höheren Energieverbrauch und einem geringeren Gesamtwirkungsgrad.

Der Ford Mustang Mach-E zeigt ebenfalls einen erhöhten Energieverbrauch bei minus 7 Grad Celsius sowie im Autobahntest und bekommt daher geringfügige Abzüge beim "Energy Efficiency Index".

Allerdings: Diese E-Autos schneiden in der Ökobilanz des Green NCAP auch deshalb so hervorragend ab, weil die Organisation im Gegensatz zum ADAC Ecotest für Strom noch keine Well-to-Wheel-Betrachtung (von der Quelle bis zum Rad) anlegt, die auch die Schadstoffe oder Treibhausgase bei der Stromerzeugung einrechnet.

Das 5-Sterne-Auto Hyundai Nexo, das den Strom für seinen E-Motor in einer Brennstoffzelle mit Wasserstoff an Bord erzeugt, schneidet knapp schlechter ab: Seine Energieeffizienz ist niedriger als bei den Stecker-Konkurrenten, da die Umwandlung von Wasserstoff in Strom in Kombination mit dem Antriebsstrang und Widerstandsverlusten einen Verlust aufweist.

Unterschiede bei den Plug-in-Hybriden

Prius Plug-In Hybrid fahrend auf einer Straße
Vier Sterne gibt's für den Toyota Prius PlugIn ∙ © Toyota

Die Plug-in-Technik ist eine Brückentechnologie für Fahrzeuge, die ursprünglich als reine Verbrennungsfahrzeuge konzipiert wurden, und bleibt ein zentraler Bestandteil der Strategien der Automobilhersteller zur Erfüllung der durchschnittlichen Emissionsanforderungen der EU-Flotte.
Doch wie schon ein ADAC Vergleichstest von Plug-in-Hybriden zeigte: Nicht alle Teilzeitstromer sind automatisch umweltfreundlich. So schneiden zwar der Toyota Prius PlugIn Hybrid mit vier Sternen sowie der Kia Niro 1.6 GDI PlugIn Hybrid, der Renault Captur E-Tech 160 und der VW Golf GTE mit je 3,5 Sternen besser ab als die meisten Autos mit Verbrennungsmotor, bleiben aber immer noch weit unter den fünf Sternen eines reinen Elektrofahrzeugs – obwohl sie von der verwendeten Green-NCAP-Messmethode profitieren.

Plug-in-Hybride durchlaufen in Green NCAP eine aufwendige Testprozedur, um einerseits mit den Verbrennerfahrzeugen vergleichbar zu sein, aber andererseits auch die unterschiedlichen Fahrzustände abbilden zu können. Denn das Umweltverhalten mit voller Batterie ist nur ein Aspekt: Ein modernes Fahrzeug muss auch effizient und sauber sein, wenn man längere Strecken fährt und keine Möglichkeit hat, sein Fahrzeug aufzuladen. Denn dann verrichtet der Verbrennermotor einen Großteil der Arbeit.

Mit keiner Antriebsart fährt der Mitsubishi Outlander 2.4 PHEV besonders umweltfreundlich. Mit knapp 1,9 Tonnen Gewicht verbraucht der stattliche SUV mit Batterie und Verbrenner einfach in allen Fahrsituationen zu viel. Zudem hat sich Mitsubishi beim Outlander einen Partikelfilter gespart, was für einen erhöhten Partikelausstoß sorgt. Mehr als zwei Sterne und ein Platz im unteren Drittel des Rankings sind so nicht drin.

Den Benzinern hilft die Hybrid-Technik

Skoda Octavia auf einem ADAC Prüfstand
Škoda Octavia: Green-NCAP-Messungen auf dem ADAC Prüfstand ∙ © ADAC/Test und Technik

Das Abschneiden der vier Benziner mit Vollhybrid-Technik beweist, dass diese Art der Elektrisierung tatsächlich hilft, den Verbrenner etwas sauberer zu machen. Die drei Benzin-Hybrid-Modelle Toyota Yaris, Toyota C-HR, Honda CR-V und Honda Jazz zeigen mit ihren geringen Verbräuchen, dass die Hybridtechnologie einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase liefern kann – auch wenn der Honda CR-V bei den Kriterien Treibhausgase und Energieeffizienz die Leistung der Toyota-Modelle nicht erreichen kann. Nicht ganz überzeugend ist bei zwei Modellen der Schadstoffausstoß: Denn sowohl Toyota beim C-HR als auch Honda verzichten bisher auf einen Partikelfilter.

Dass bei den Benzinern mit dem Mazda CX-5 und dem Hyundai Tucson zwei große SUVs am schlechtesten abschneiden, verwundert nicht: Trotz modernster Abgastechnik ist aufgrund der reinen Fahrzeugmasse, der Größe und Aerodynamik einfach nicht mehr drin.

Diesel: Im Schnitt weniger Ökosterne

Bestes Ergebnis bei den Dieseln: Der Škoda Octavia Combi ∙ © Skoda

SUVs spielen natürlich auch bei den Dieseln eine große Rolle. Bei ihnen können der Peugeot 3008 und der Ford Kuga mit dem geringsten Kraftstoffverbrauch punkten, während in dieser Disziplin vor allem Volvo XC60 und Land Rover Discovery Sport Federn lassen. Auch der Diesel-SUV Jeep Renegade fällt bei den Treibhausgasen durch – so hohe CO₂-Emissionen sind nicht mehr zeitgemäß. Das Schlusslicht Kia Sportage bekommt mit seinem zusätzlich hohen Schadstoffausstoß nur 1,5 Sterne.

Populäre Modelle der Mittelklasse: BMW 3er, Mercedes C-Klasse, VW Passat – alle mit dem beliebtesten Dieselmotor mit etwa 190 PS ausgestattet – sowie der A3 Sportback mit 150 PS. Audi und Mercedes zeigen das beste Emissionsverhalten und erreichen drei Sterne. BMW 320d und VW Passat liegen mit 2,5 Sternen knapp dahinter. Während der VW noch ein deutliches Verbesserungspotenzial im Emissionsverhalten hat, fallen beim BMW die erhöhten N₂O-Emissionen (Lachgas) auf, die sich im Ergebnis der Treibhausgase niederschlagen.

Ganz vorn in der Dieselklasse liegt jedoch ein anderes sehr beliebtes Mittelklassemodell: der Škoda Octavia Combi. Er tritt analog zum europäischen Kaufverhalten mit der beliebtesten 110-PS-Variante des 2.0-TDI-Motors an. Und die leistungsmäßige Bescheidenheit, die hervorragend abgestimmte Schaltpunktanzeige sowie das moderne Abgasreinigungssystem mit Doppel-SCR-Katalysator zahlt sich für die Umwelt aus: 3,5 Sterne sind bei den Dieseln Spitze.

Bei den drei Transportern Mercedes V-Klasse, VW T6 und Opel Zafira Life sorgen das hohe Gewicht und die schlechte Aerodynamik der Kastenwagen für einen hohen Kraftstoffverbrauch – mehr als 1,5 Sterne sind so im Umweltranking nicht möglich. Der Mercedes zeigt aber, dass die Schadstoffe auch bei einem Transporter niedrig sein können.

Erdgasmodelle im Test

Auch zwei Erdgasmodelle waren im Test: der Audi A4 g-tron und der Seat Ibiza. Die Volkswagen-Gruppe ist aktuell einer der wenigen Pkw-Hersteller, die den Fokus noch auf CNG legen. Der kleine Seat Ibiza erzielt drei Sterne, der Audi nur zwei. Da beide keinen Partikelfilter an Bord haben, der zwischenzeitlich zum Stand der Technik gehört, liegt die Partikelzahl im Benzinmodus im Vergleich zu den meisten modernen Benzinern relativ hoch – und das kostet Punkte im Schadstoffkapitel.

Denn auch bei den Erdgasfahrzeugen gilt die gleiche Green-NCAP-Philosophie wie bei den Plug-in-Hybriden: Ein wirklich umweltfreundliches Fahrzeug muss in allen Betriebszuständen sauber sein, also auch, wenn man mal mit Benzinkraftstoff anstatt Erdgas unterwegs sein muss.

ADAC Ecotest bleibt wichtig

VW Polo beim PEMS Test
VW Polo: Eine PEMS-Anlage misst die Emissionen im realen Straßenverkehr ∙ © ADAC/Test und Technik

Eine Schwäche hat das Bewertungsschema der internationalen Green-NCAP-Initiative allerdings noch: Weil der Strom in den europäischen Ländern unterschiedlich hergestellt wird, kann kein einheitlicher Treibhausgaswert festgelegt werden, der bei der Stromerzeugung emittiert wird. Deshalb werden nur die Treibhausgase berücksichtigt, die beim Fahrbetrieb entstehen. Die Folge: Elektroautos schneiden bei dieser Bewertung, die nur die Auspuffemissionen berücksichtigt, immer bestens ab.

Zukünftige Green-NCAP-Bewertungen sollen die Emissionen bei der Stromerzeugung und eine Analyse des gesamten Lebenszyklus zwar berücksichtigen. Doch bis dahin bleibt für Deutschland weiterhin der ADAC Ecotest maßgeblich. Er bewertet seit 2003 ganzheitlich das Umweltverhalten von Pkw, um Käufern eine unabhängige Vergleichsbasis zu liefern.

Die Messungen des ADAC gehen weit über die Anforderungen im Rahmen des Typgenehmigungsverfahrens hinaus und beinhalten bereits eine für Deutschland gültige Well-to-Wheel-Betrachtung. Dabei werden die CO₂-Emissionen für die Kraftstoff- bzw. Energieerzeugung in der Bewertung berücksichtigt. Für die Stromerzeugung wird der deutsche Strommix herangezogen. Mit mehr als 300 getesteten Modellen bietet der aktuelle Ecotest eine umfassende und über alle Antriebsarten vergleichbare Datenbasis für den deutschen Markt.

Die Automobilindustrie sollte sich für die Euro-7-Abgasnorm an Green NCAP orientieren.

Dr. Rainhard Kolke, Leiter ADAC Test und Technik©Foto©Ralph Wagner Ralph Wagner

Für Dr. Reinhard Kolke, den Leiter ADAC Test und Technik, ist die neue Green-NCAP-Initiative dennoch ein Meilenstein: "Green NCAP gibt mit zukunftsorientierter Testmethodik heute die Antworten auf die Abgasfragen von morgen. Erstmals liefern wir Ergebnisse zu nicht limitierten Schadstoffen wie Ammoniak und Lachgas, zu Emissionen bei sehr niedrigen Außentemperaturen und zum Abgasverhalten unter anspruchsvollen Realfahrten. Die Automobilindustrie sollte sich für die Euro-7-Abgasnorm an Green NCAP orientieren."

Fachliche Beratung: Dino Silvestro, ADAC Technik Zentrum

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Thomas Kroher
Redakteur
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