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Der ADAC

Green NCAP 2020: 24 aktuelle Modelle im Öko-Check

VW Passat auf dem Prüfstand
Green-NCAP-Messung: Der VW Passat auf dem ADAC Prüfstand ∙ © ADAC/Test und Technik

In Sachen Umwelt haben es jetzt die Autofahrer etwas leichter: Fünf Sterne bei Green NCAP stehen dort für besonders saubere Autos. Diesmal im Test: 24 populäre Modelle mit Benzin-, Diesel-, CNG- und Elektroantrieb.

  • Fünf Sterne für Renault Zoe und Hyundai Kona Electric

  • Viele Diesel schneiden etwas schwächer ab

  • ADAC Ecotest bleibt für Deutschland maßgebend

Die neue Initiative Green NCAP (New Car Assessment Programme) bewertet seit 2019 die Umweltfreundlichkeit von Pkw nach einheitlichen und zukunftsorientierten Standards – nach dem Vorbild des ADAC Ecotest. Schwerpunkte sind Schadstoffemissionen, der Kraftstoff- bzw. Energieverbrauch und 2020 neu: die klimaschädlichen Treibhausgase.

Für Dr. Reinhard Kolke, dem Leiter ADAC Test und Technik, ist die neue Initiative ein Meilenstein: „Green NCAP gibt mit zukunftsorientierter Testmethodik heute die Antworten auf die Abgasfragen von morgen. Erstmals liefern wir Ergebnisse zu nicht limitierten Schadstoffen, wie Ammoniak und Lachgas, zu Emissionen bei sehr niedrigen Außentemperaturen und zum Abgasverhalten unter anspruchsvollen Realfahrten. Die Automobilindustrie sollte sich für die Euro-7-Abgasnorm an Green NCAP orientieren."

Nach dem aktuellen Green-NCAP-Verfahren 2020 wurden nun 24 Modelle mit unterschiedlichen Antriebsarten und Karosserieformen getestet. Um eine möglichst große europäische Marktabdeckung zu erzielen, sind bei der Fahrzeugauswahl auch die Verkaufszahlen, die Beliebtheit und der Einsatzzweck berücksichtigt.

Modelle im Test: Vom Kleinwagen bis zum Transporter

Green NCAP Logo
Green NCAP ist eine Initiative von Euro NCAP ∙ © Green NCAP

Acht Benziner:
VW Polo 1.0 TSI, Peugeot 208 1.2 PureTech 100, Renault Clio TCe 100, Suzuki Vitara 1.0 Boosterjet, Peugeot 2008 1.2 PureTech 110, Renault Captur TCe 130, Mazda CX-5 SKYACTIV-G 165, Nissan Qashqai 1.3 DIG-T
Zwei Benzin-Hybride:
Honda CR-V 2.0 i-MMD, Toyota C-HR 1.8
Zehn Diesel:
Dacia Duster Blue dCi 115, Peugeot 3008 1.5 BlueHDI 130, Mercedes C 220d, BMW 320d, VW Passat 2.0 TDI, Kia Sportage 1.6 CRDi 136, Jeep Renegade 1.6 Multijet, Opel Zafira Life S 2.0, VW Transporter 2.0 TDI, Mercedes V 250d
Zwei Erdgasmodelle (CNG):
Seat Ibiza 1.0 TGI, Audi A4 40 g-tron
Zwei reine Elektromodelle:
Renault Zoe R110 Z.E. (52 kWh), Hyundai Kona Electric (39,2 kWh)

Testergebnisse: Fünf Sterne für Elektro

Green NCAP Rating
Fünf Sterne sind bei Green NCAP die Bestwertung ∙ © Green NCAP

Spitzenreiter mit fünf Sternen sind die beiden Elektrofahrzeuge Renault Zoe und der Hyundai Kona. Während der Renault Zoe einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 22,3 kWh/100 km aufweist und mit dem getesteten optionalen 52-kWh-Akku (Basisversion mit 41 kWh) realistische 319 Kilometer weit kommt, überzeugt auch der Hyundai Kona Electric mit einem sogar noch etwas geringeren Stromverbrauch (22,2 kWh/100 km) – fährt mit dem im Testwagen verbauten 39,2 kWh (optional 64 kWh) großen Standardakku allerdings nur 202 Kilometer weit. Green NCAP legt allerdings besonders strenge Maßstäbe an, testet zum Beispiel unter anderem auch bei minus sieben Grad Celsius.

Die beiden Benzin-Hybrid-Modelle Toyota C-HR und Honda CR-V zeigen mit ihren geringen Verbräuchen, dass die Hybridtechnologie einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase liefern kann – auch wenn der Honda CR-V bei den Kriterien Treibhausgase und Energieeffizienz die Leistung des Toyota nicht erreichen kann. Nicht ganz überzeugend ist bei beiden Modellen der Schadstoffausstoß: denn sowohl Toyota als auch Honda verzichten bisher auf einen Partikelfilter.

Kleinwagen mit niedrigen Emissionen

VW Polo auf dem PRüfstand
Der gute VW Polo auf dem Prüfstand ∙ © ADAC/Test und Technik

Beim Vergleich der populärsten Kleinwagen in Europa erzielten in der beliebtesten Benzinervariante alle drei Modelle drei Sterne. Im Detail zeigt der VW Polo 1.0 TSI das beste Emissionsverhalten, der Renault Clio und der Peugeot 208 überzeugen mit dem niedrigsten Kraftstoffverbrauch.

Bei den fünf populären Mini-SUVs – drei Benziner, zwei Diesel – glänzt der Peugeot 2008 1.2 PureTech 110 mit dem besten Emissionsverhalten und der höchsten Energieeffizienz und erreicht somit drei Sterne, genau wie der Renault Captur mit einem etwas höheren Kraftstoffverbrauch.

Der Suzuki Vitara erzielt in der Gesamtwertung 2,5 Sterne und kann vor allem in der Schadstoffbewertung nicht überzeugen. Suzuki hat bereits reagiert und einen überarbeiteten Motor mit Mild-Hybrid-Technologie auf den Markt gebracht. Die beiden Diesel-SUVs Dacia Duster und Jeep Renegade fallen bei den Treibhausgasen durch – so hohe CO₂-Emissionen sind nicht mehr zeitgemäß.

Große SUVs mit durchwachsenem Ergebnis

Getestet wurden auch vier größere SUVs: zwei Benziner (Nissan Qashqai, Mazda CX-5) und zwei Diesel (Peugeot 3008, Kia Sportage). Der Nissan Qashqai erzielt dank recht sauberer Abgase immerhin 2,5 Sterne, wie auch der Peugeot 3008, der innerhalb der Gruppe mit geringstem Kraftstoffverbrauch punktet. Der Mazda CX-5 landet bei zwei Sternen, der Kia Sportage fällt aufgrund des hohen Schadstoffausstoßes und des hohen Verbrauchs durch, er bekommt nur 1,5 Sterne.

Die populärsten Modelle der Mittelklasse: BMW 3er, Mercedes C-Klasse, VW Passat – alle mit dem beliebtesten Dieselmotor mit etwa 190 PS ausgestattet. Mercedes zeigt das beste Emissionsverhalten und erreicht drei Sterne. Der BMW 320d und VW Passat liegen mit 2,5 Sternen knapp dahinter. Während der VW noch ein deutliches Verbesserungspotenzial im Emissionsverhalten hat, fallen beim BMW die erhöhten N2O-Emissionen auf, die sich im Ergebnis der Treibhausgase niederschlagen.

Bei den drei Transportern Mercedes V-Klasse, VW T6 und Opel Zafira Life sorgen das hohe Gewicht und die schlechte Aerodynamik der Kastenwagen für einen hohen Kraftstoffverbrauch – mehr als 1,5 Sterne sind so im Umweltranking nicht möglich. Der Mercedes zeigt aber, dass die Schadstoffe auch bei einem Transporter niedrig liegen können.

Erdgasmodelle im Test

Auch zwei Erdgasmodelle waren im Test: Der Audi A4 g-tron und der Seat Ibiza. Die Volkswagen-Gruppe ist aktuell einer der wenigen Pkw-Hersteller, die den Fokus noch auf CNG legen. Der kleine Seat Ibiza erzielt drei Sterne, der Audi nur zwei Sterne. Da beide keinen Partikelfilter an Bord haben, der zwischenzeitlich zum Stand der Technik gehört, liegt die Partikelzahl im Vergleich zu den meisten modernen Benzinern relativ hoch – und das kostet Punkte im Schadstoffkapitel.

Das Ergebnis ist wie beim Euro-NCAP-Crashtest eine einfach nachvollziehbare Bewertung mit bis zu fünf Sternen als Bestwertung für jedes Auto. Zusätzlich zur Sternebewertung werden Fahrzeuge nach den Schadstoffen (Clean Air Index), dem Kraftstoff-/Energieverbrauch (Emissions Efficiency Index) sowie den Treibhausgasen (Greenhouse Gases) bewertet. Alle Detailergebnisse sind über die Homepage des Green NCAP* abrufbar.

Was ist Green NCAP?

VW Polo beim PEMS Test
VW Polo: Eine PEMS-Anlage misst die Emissionen im realen Straßenverkehr ∙ © ADAC/Test und Technik

Green NCAP ist eine Initiative von Euro NCAP, das seit Jahren die Sicherheitsstandards von Autos testet und bewertet. Der ADAC ist Mitglied im internationalen Testkonsortium und überprüft auf seinen Anlagen seit zwei Jahrzehnten die Sicherheit von Pkw. Vergleichbares soll nun bei der Umweltfreundlichkeit von Autos geschaffen werden. Der ADAC bringt sich mit seinen langjährigen Erfahrungen aus dem ADAC Ecotest intensiv in der Green-NCAP-Arbeitsgruppe ein. Ausführliche Informationen zum Projekt und den Test- und Bewertungsverfahren finden Sie ebenfalls auf der Green-NCAP-Homepage*.

ADAC Ecotest bleibt Standard

Eine Schwäche hat das Bewertungsschema der Green-NCAP-Initiative allerdings noch: Weil der Strom in den europäischen Ländern unterschiedlich hergestellt wird, kann kein einheitlicher Treibhausgas-Wert festgelegt werden, der bei der Stromerzeugung emittiert wird. Deshalb werden nur die Treibhausgase berücksichtigt, die beim Fahrbetrieb entstehen. Die Folge: Elektroautos schneiden bei dieser Bewertung, die nur die Auspuffemissionen berücksichtigt, immer bestens ab.

Zukünftige Green-NCAP-Bewertungen sollen die Emissionen bei der Stromerzeugung und eine Analyse des gesamten Lebenszyklus zwar berücksichtigen. Doch bis dahin bleibt für Deutschland weiterhin der ADAC Ecotest maßgeblich. Er bewertet seit 2003 ganzheitlich das Umweltverhalten von Pkw, um Käufern eine unabhängige Vergleichsbasis zu liefern.

Die Messungen des ADAC gehen weit über die Anforderungen im Rahmen des Typgenehmigungsverfahrens hinaus und beinhalten bereits eine für Deutschland gültige Well-to-Wheel-Betrachtung. Dabei werden die CO₂-Emissionen für die Kraftstoff- bzw. Energieerzeugung in der Bewertung berücksichtigt. Für die Stromerzeugung wird der deutsche Strommix herangezogen. Mit mehr als 300 getesteten Modellen bietet der aktuelle Ecotest eine umfassende und über alle Antriebsarten vergleichbare Datenbasis für den deutschen Markt.

Welche Autos aktuell im ADAC Ecotest am besten abschneiden, finden Sie im Artikel ADAC Ecotest 2019: Die saubersten Autos.

Fachliche Beratung: Dino Silvestro, ADAC Technik Zentrum

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Thomas Kroher
Redakteur
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