Wer umweltbewusst und elektrisch mit der Familie unterwegs sein will, findet eine immer größere Auswahl an Modellen. Lesen Sie, welchen Elektroautos die beste Balance zwischen Reichweite, Platz und Preis gelingt. Aktuelle Marktübersicht. Auf Stauraum, Reichweite und Sicherheit kommt es an Inzwischen über 60 familienfreundliche Elektroautos Im Vormarsch: Elektro-SUV der Kleinwagenklasse Vans, Kombis und Hochdachkombis gelten immer noch als die klassischen Familienautos, besonders mit einem effizienten Dieselmotor. Auf dem Elektro-Markt sieht die Lage etwas anders aus: Elektro-Kombis gibt es sehr wenige, Elektro-Vans im Moment gar keine. Familien, die elektrisch unterwegs sein wollen, müssen also unter den übrigen Pkw, Hochdachkombis und SUVs schauen, ob etwas Passendes dabei ist. Und sich beispielsweise fragen: Passt die Eishockey-Ausrüstung der Töchter in den Kofferraum? Und müssen auf der Rückbank drei Kindersitze nebeneinander montiert werden oder reicht eine Babyschale hinten und ein Kindersitz vorn? E-Auto für die Familie: Das ist zu beachten Bei E-Autos für die Familie kommt die Frage hinzu, ob Batteriekapazität und Ladeleistung den jeweiligen Ansprüchen genügen. Zwar würde für die Stadt ein kleiner Akku problemlos reichen, doch für die Urlaubsreise ans Ijsselmeer könnten zahlreiche Ladestopps auf der Strecke zu schlechter Stimmung auf der Rückbank und einer langen Anreise führen. Und nicht zuletzt spielt das individuelle Budget eine große Rolle. Neue Elektroautos sind im Vergleich zu Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor meist teurer, der Gebrauchtwagenmarkt für die relevanten Modelle ist (noch) überschaubar. Was macht ein gutes Familienauto aus? Bei der Auswahl von für Familien besonders geeigneten E-Fahrzeugen haben die ADAC Fachleute deshalb die folgenden Kriterien angelegt: Sicherheit: Alle ausgewählten Autos haben beim standardisierten Testverfahren Euro NCAP in der Kategorie Kindersicherheit mindestens 70 Prozent der möglichen Punkte erreicht. Kopf- und Seitenairbags sind bei den Fahrzeugen deaktivierbar, damit Kindersitze sicher eingebaut werden können. Platzangebot: Das Volumen des Kofferraums muss mindestens 380 Liter betragen. In jedem der ausgewählten Fahrzeuge lässt sich mindestens ein Kinderwagen im Kofferraum verstauen. Außerdem muss ein Mindestgewicht von 400 Kilogramm zuladbar sein. Preis: In der Tabelle wurden nur familientaugliche Autos berücksichtigt, die weniger als 55.000 Euro kosten: Fahrzeuge wie der BMW iX oder der Mercedes EQV kombinieren zwar gute Platzverhältnisse mit hohen Reichweiten, haben sich aufgrund ihrer hohen Kosten aber nicht qualifiziert. Reichweite: Mindestens 250 Kilometer (nach Herstellerangaben, gemessen mit dem WLTP-Testverfahren) sollen möglich sein. Übersicht aktueller Elektro-Familienautos Modelle mit dem meisten Platz Am meisten Platz bieten naturgemäß Hochdachkombis und E-Fahrzeuge, die als Bus kategorisiert sind, ganz vorn die fast fünf Meter langen Citroën e-Spacetourer und Peugeot e-Traveller. Sie sind als Neunsitzer ausgelegt, bieten mit nur zwei der drei genutzten Sitzreihen aber ein enormes Kofferraumvolumen von 1624 Liter – ein unschlagbarer Wert. Damit sie auf eine ordentliche Reichweite (351 km nach WLTP) kommen, braucht es aber die 75 kWh große Batterie aus dem Modellprogramm. Und dann kosten die Raumriesen über 52.000 Euro in der Anschaffung. Meist zu viel Geld für eine Familie mit Kindern. Mit einem Preis von rund 38.000 Euro kommt der brandneue Kia PV5 deutlich günstiger. Ein Fünfsitzer, nur 4,70 Meter lang und mit einem Kofferraum von ebenfalls sehr guten 1320 Litern gesegnet. Hier müssen sich Inreressenten jedoch mit sehr wenig Motorpower (89 kW) und 288 Kilometern Reichweite begnügen. Bei den Reichweiten ist außerdem zu bedenken, dass die angegebenen WLTP-Werte bei einer Reisegeschwindigkeit von 120 bis 130 km/h auf der Autobahn nicht zu erreichen sind. Erst recht nicht im Winter. Das zeigt der ADAC Reichweitenrechner, wenn man die Regler zu Temperatur und Geschwindigkeit entsprechend verschiebt. Wer sich auf Reisen auf vier Personen und ein Minimum an Gepäck beschränkt, der mag auch mit dem VW ID.3 zurechtkommen, dessen Kofferraum 385 Liter aufnimmt. Das ist zwar vergleichsweise wenig, aber dafür entschädigt der kompakte Wolfsburger mit einem gewohnt guten Pkw-Fahrkomfort. Er braucht mit 4,26 Meter Länge viel weniger Parkraum, ist um Welten handlicher und dank 125 kW deutlich flotter zu bewegen. Ein prima Allround-Alltagsfahrzeug eben – und das zu einem Einstandspreis von derzeit 33.330 Euro. Das absolut günstigste familienfreundliche E-Fahrzeug ist aktuell der Citroën e-C3 Aircross in der Version Standard-Range You. Das französische SUV gehört in die Kompaktklasse, bietet wie der ID.3 zwei Erwachsenen und zwei Kindern ausreichend Platz, ist aber schon ab 26.490 Euro zu haben. Elektro-SUVs und -Kombis Eine gelungene Mischung aus guter Reichweite und Stauraum bieten viele weitere Elektro-SUV, beispielsweise der VW ID.5 oder der Škoda Enyaq. Der Enyaq 60 schafft eine Reichweite von 432 Litern und schluckt 549 Liter Gepäck. So ein Gesamtpaket hat natürlich auch seinen Preis: Gut 44.000 Euro kostet das Basismodell des Škoda Enyaq. Der VW ID.5 Pure ist aktuell für 43.000 zu haben. Zu guter Letzt: Gab es bisher keine Elektro-Kombis, die den Anforderungen genügten, sind nun drei Modelle in der Empfehlungsliste enthalten: der elektrische Opel Astra Sports Tourer sowie sein französisches Pendant Peugeot e-308 SW, außerdem der VW ID.7 Tourer Pro in Basisausstattung. Der ID.7 Tourer bleibt allerdings nur 95 Euro unter der definierten ADAC Preisgrenze für familienfreundliche E-Autos bis 55.000 Euro. Das heißt, bei der kleinsten Preisanhebung durch VW wäre der ID.7 Kombi wieder draußen. Die eigenen Bedürfnisse entscheiden Die ADAC Übersicht zeigt, dass sich die Fahrzeuge bezogen auf Reichweite und Platzangebot teils stark voneinander unterscheiden. Das "eine" ideale Familienauto zu bestimmen, ist deshalb schwierig. Die eigenen Ansprüche und persönlichen finanziellen Möglichkeiten entscheiden. Fachliche Beratung: Maximilian Bauer, ADAC Technik Zentrum