VW Arteon: Feiner Passat-Bruder als Shooting Brake im Test

VW Arteon: Seit dem Facelift gibt es ihn auch als Kombi ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Volkswagen

Die Luxuslimousine von VW wurde 2020 aufgewertet und bekam einen Kombi namens Shooting Brake zur Seite gestellt. ADAC Test der Version mit Plug-in-Hybridantrieb, Motoren, Fotos, technische Daten

  • Facelift für den feinen Passat-Bruder

  • Neu entwickelter "Kombi" Shooting Brake

  • Plug-in-Hybrid schafft im Test 50 Kilometer rein elektrisch

Neben den ambitionierten Elektroautos ID.3 und ID.4 und der aktuellen Version des Bestsellers Golf geriet ein ebenfalls noch ziemlich neues Modell von Volkswagen fast ein bisschen in den Hintergrund: Seit dem Sommer 2020 gibt es nämlich einen Kombi-Ableger des Arteon, den VW Arteon Shooting Brake.

Der ist so etwas wie die Luxusversion eines Passat Kombi. Damit wird klar, welche Fahrzeuge er als Konkurrenz im Visier hat: Audi A4 und BMW 5er oder die Mercedes E-Klasse sowie die Premium-Kombis von Peugeot und Volvo.

Der Shooting Brake soll den Markt aufmischen

Kombi mit dynamischer Linienführung: Shooting Brake © Volkswagen

Besonders stolz sind die VW-Verantwortlichen auf das Design des aktuellen Arteon. Schließlich wissen sie nur zu gut, wie wichtig die Optik eines Autos gerade in der Preisklasse ab rund 45.000 Euro für den Kunden ist. Doch gerade die Verkaufszahlen des seit 2017 angebotenen Arteon sind nicht wirklich beeindruckend, was sich auch mit dem Facelift von 2020 nicht geändert hat: Im Vergleich zum Marktführer Passat, der sich 2019 in all seinen Varianten knapp 60.000 Mal unters Volk bringen ließ, wurde die Arteon-Limousine nur 6775 Mal in Deutschland bestellt.

Neue Begehrlichkeiten bei den Kunden sollte die Kombiversion wecken, doch auch damit wurde der Arteon nicht zum Bestseller: 2020 konnten die VW-Händler im zugegeben schwierigen Corona-Jahr gerade mal 5191 Exemplare absetzen. Dabei ist das Konzept durchaus überzeugend. Es heißt: hochwertige Materialien, viel Luxus und Sicherheit, ein breites Angebot an Motoren sowie ein Höchstmaß an digitalen Zusatz-Funktionen.

Vom eHybrid mit Stecker bis zum R-Modell mit Wumms

eHybrid: Genug Energie für tägliche Elektrofahrten © Volkswagen

Die Basisversion des Arteon fährt zum Preis von 40.905 Euro als Diesel mit 110 kW/150 PS vor (Shooting Brake: ab 42.790 Euro). Der Basisbenziner, zu haben erst in der Ausstattungsstufe "Elegance" und ab 43.880 Euro (Kombi: ab 45.765 Euro), ist ein turboaufgeladener 2.0 TSI, der mit 140 kW/190 PS Leistung und 320 Nm Drehmoment schon eine mehr als ausreichende Motorisierung darstellt. Technisch interessant an diesem Aggregat ist das so genannte B-Zyklus-Brennverfahren mit einer besonders hohen Verdichtung. VW sagt, dadurch verbessere sich der Wirkungsgrad des Motors um bis zu zehn Prozent.

Mit den Top-Versionen bis hin zum R-Modell sollen auch sportlich orientierte BMW-Fahrer zum Arteon gelockt werden. 235 kW/320 PS, 420 Nm Drehmoment und Allradantrieb sind in einem Mittelklasse-Fahrzeug tatsächlich eine Ansage. Ein manuelles Schaltgetriebe gibt es aber auch für diese mindestens 60.095 Euro teure Sportversion nicht, der Arteon wird grundsätzlich mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ausgeliefert.

Test: Plug-in-Hybrid fährt 50 km rein elektrisch

Spritsparern wird zudem ab 49.385 Euro für die Limousine und ab 51.270 Euro für den Shooting Brake ein an der Steckdose aufladbarer eHybrid angeboten. Der Antrieb stellt eine Systemleistung von 160 kW/218 PS zur Verfügung und soll rein elektrisch "mehr als eine Tagesdistanz", nämlich 55 WLTP-genormte Kilometer, absolvieren können. In der Praxis kommt dieser Wert schon nahe an die vom ADAC gemessene Reichweite von 50 Kilometern heran.

Dank seiner strammen Leistung und 400 Nm Drehmoment setzt sich der Arteon flott in Bewegung, obwohl schon leer über 1,8 Tonnen in Schwung gebracht werden müssen. VW verspricht 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h und eine Endgeschwindigkeit von 222 km/h. Gemessene 3,9 Sekunden für den Sprint von 60 auf 100 km/h sind ein sehr guter Wert, so können beispielsweise Überholmanöver auf der Landstraße zügig und sicher umgesetzt werden.

Nur drei Sterne im ADAC Ecotest

Der reine Stromverbrauch liegt inklusive Ladeverluste bei 24,6 kWh/100 Kilometer. Für einen Plug-in-Hybrid in dieser Größe ist das in Ordnung, für ein reines Elektroauto wäre es ein eher etwas hoher Wert. Fährt man im Hybridmodus (Batterie leer oder Ladung halten), ergibt sich ein Benzinverbrauch von durchschnittlich 6,1 Litern Super pro 100 Kilometer.

Startet man mit voller Batterie, verbraucht der Arteon Shooting Brake eHybrid auf den ersten 100 Kilometern 11,5 kWh Strom und 3,3 Liter Super. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 149 g/km. Der Partikelausstoß und der CO-Ausstoß liegen in allen Betriebszuständen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Auch die Emissionen anderer Schadstoffe wie NOx liegen auf niedrigem Niveau. Die eher bescheidenen drei Ecotest-Sterne resultieren aus dem nicht gerade sparsamen Umgang des Plug-in-Hybriden mit dem Strom.

400 bis 1345 Liter Kofferraum-Volumen

Auch ins sportliche R-Modell passen maximal 1345 Liter Gepäck © Volkswagen

Während die Motoren für Limousine und Kombi identisch sind, müssen Kunden, die ein Kofferraum-Maximum haben wollen, zwangsweise zum Shooting Brake greifen – denkt man. Doch tatsächlich bietet der Kombi gar nicht so viel mehr an Platz. Laut Volkswagen schluckt das Abteil bei umgeklappter Rückbank gerade mal 75 Liter mehr, ohne Umklappen sind's nur mickrige zwei Liter. Und bei der Messung im ADAC Test kommen letztlich Volumina zwischen 400 und 1345 Litern zusammen.

Obwohl der Kombi also nicht viel mehr Platz hat als die Limousine, dürfte er doch den meisten Menschen aufgrund seiner dynamischen Linie besser gefallen. Zudem reicht die Beinfreiheit vorn für knapp 1,95 Meter große Menschen und die Kopffreiheit ist üppig. Auf der Rückbank geht es genau andersrum zu: Beinfreiheit ist reichlich vorhanden, über den Köpfen wird es etwas enger, wenn auch wahrlich nicht knapp. Konkret heißt das, ab knapp 1,95 Metern Körpergröße kommt man mit dem Dachhimmel in Kontakt, während die Beinfreiheit selbst dann noch für deutlich über zwei Meter große Menschen reicht, wenn die Vordersitze für 1,85-Meter-Mitfahrer eingestellt sind.

Volldigitales Cockpit und Hightech-Extras

Hochwertig und volldigital eingerichtet: Der Fahrerplatz © Volkswagen

Ganz auf der Höhe der Zeit befindet sich der Arteon hinsichtlich seines digitalen Cockpits. Ähnlich wie beim aktuellen Golf der achten Generation oder beim vollelektrischen ID.3 und dessen Bruder ID.4 gibt es einen Touchslider für die Temperatureinstellung. Ihr Nachteil: Die Ansteuerung der Funktionsbereiche erfordert jetzt immer mindestens zwei Bedienschritte (über die Menü-Taste), die Lautstärke kann nicht mehr „mit einem Dreh“ geändert werden und die Hochglanz- Bildschirmfläche stellt jeden Fingerabdruck zur Schau. Die Menükacheln der Displays sind individuell konfigurierbar. Selbstverständlich lassen sich die Smartphones auch via Bluetooth und Apple CarPlay oder Android Auto mit dem Bordsystem vernetzen.

Als Extra bekommt der Kunde ein Soundsystem mit 700-Watt-Verstärker und zwölf Hochleistungslautsprechern. Ein Travel Assist Paket entlastet den Fahrer bis 210 km/h auf der Autobahn, solange er die Hände am Steuer behält. Das schlaue System bremst vor Kurven auf Landstraßen, achtet auf Kreisverkehre, Kreuzungen und Tempolimits. Und ein so genanntes Active Lighting System leuchtet bei Dunkelheit vorausschauend in Kurven hinein.

Fazit

Unabhängig vom Antrieb ist der Arteon Shooting Brake ein angenehmes Reiseauto, das viel
Komfort und ein sicher abgestimmtes Fahrwerk bietet. Der Platz reicht für vier Erwachsene locker, ausreichend Platz im Kofferraum gibt es zusätzlich. Technisch ist der Arteon auf dem aktuellen Stand und bietet praktisch alles an Sicherheitsextras und Assistenten, was VW zur Zeit verbaut.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des VW Arteon Shooting Brake 1.4 eHybrid R-Line als PDF.
PDF, 885 KB
PDF ansehen

Technische Daten VW Arteon Shooting Brake

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW Arteon Shooting Brake 1.4 eHybrid OPF R-Line DSG (11/20 - 06/22)

Motorart

PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.395 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

160

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

218

Drehmoment (Systemleistung)

400 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.000 U/min

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

7,8 s

Höchstgeschwindigkeit

222 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

61 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

26 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

1,2 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

1,6 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

13,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

10,4

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-3,7

Kofferraumvolumen normal

565 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.632 l

Leergewicht (EU)

1.809 kg

Zuladung

481 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.600 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.866 mm x 1.871 mm x 1.462 mm

Grundpreis

52.050 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

VW Arteon Shooting Brake 1.4 eHybrid R-Line

Überholvorgang 60 – 100 km/h

3,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,9 m

Wendekreis

11,8 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

3,3 l Super u. 11,5 kWh Strom/100 km, 149 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

865 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,3 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1805 / 485 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

400 / 805 / 1345 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

VW Arteon Shooting Brake 1.4 eHybrid R-Line

Karosserie/Kofferraum

2,5

Innenraum

2,3

Komfort

2,0

Motor/Antrieb

1,7

Fahreigenschaften

2,1

Sicherheit

1,6

Umwelt/Ecotest

3,0

Gesamtnote

2,2

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

Im ADAC Autokatalog finden Sie die technischen Daten und Preise aller Versionen des VW Arteon und hier viele weitere Fahrberichte und Autotests.