Test Volvo V60: Plug-in-Hybrid mit guten Noten

Volvo setzt beim V60 auf eine elegante Linienführung ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Volvo

Der Volvo V60 hat all jene Talente, die man von einem soliden Kombi erwartet. Wie gut der Schwede wirklich ist, zeigt der ADAC Test. Plus: Euro NCAP-Crashtest, technische Daten, Video, Motoren, Preise

Schweden gelten gemeinhin nicht als Aufschneider, sondern eher als bescheiden mit Hang zum Understatement. Volvo ist da ein gutes Beispiel. Schon der Markenname scheint maßlos untertrieben, denn das lateinische "Volvo" heißt schlicht "ich rolle". Doch einfach nur von A nach B zu kommen war eigentlich noch nie der einzige Anspruch der schwedischen Autobauer, wie der aktuelle V60 einmal mehr zeigt.

Optisch verzichtet der Mittelklasse-Kombi auf Extravaganzen und ist seinem großen Bruder Volvo V90 wie aus dem Gesicht geschnitten – wirkt aber nicht ganz so mächtig und stimmiger proportioniert als sein Vorbild. Sogar bei den inneren Werten kann der V60 es mit dem V90 aufnehmen: Zwar ist er 18 Zentimeter kürzer (4,76 statt 4,94 Meter), doch sein Kofferraum schluckt laut Werksangabe mit 529 Litern (ADAC Messwert 385 Liter) kaum weniger als das Gepäckabteil des V90 mit 560 Litern Volumen (ADAC Messwert 415 Liter).

Das gilt auch für den Platz im Fond, wo der V60 überraschend viel Beinfreiheit bietet. Laut ADAC Messung taugt sie auch Zwei-Meter-Hünen und auch einem dritten Mitfahrer in der Mitte, dem das Leben nur dadurch schwer gemacht wird, dass der Sitz recht hart gepolstert ist. Die Kopffreiheit wird durch das optionale Panorama-Glasdach eingeschränkt.

Innenraum: Bequeme Sitze, wenig Geräusche 

schwarzer Volvo V60 fährt auf Strasse
Auch beim V60 markant: Die breite Volvo-Front ∙ © Volvo

Das typische Volvo-Gefühl stellt sich im V60 sofort ein. Wenn die schweren Türen satt ins Schloss fallen, bleibt die trubelige Welt draußen. Keine Frage: Hier soll man sich wohlfühlen wie im eigenen Wohnzimmer. Die Sitze sind bequem, die Geräuschkulisse ist niedrig. Feiner Teppich, helles Holz und hochwertige Materialien in skandinavisch-elegantem Design und durchgehend softe Oberflächen heben sich wohltuend vom automobilen Allerlei ab – hier kann qualitativ höchstens noch eine Mercedes C-Klasse mithalten.

Volvo hat sich auch um Perfektion im Detail bemüht. Die Sitzlehnen klappen zum Beispiel elektrisch via Knopfdruck vom Kofferraum aus um (Aufpreis) und bilden eine brettebene Ladefläche. Und auch bei der aktiven Sicherheit haben die Schweden zum ohnehin schon üppigen Sicherheitspaket noch eins draufgelegt: Der V60 kann bei einem drohenden Crash mit dem Gegenverkehr nicht nur ausweichen, sondern auch gleichzeitig eine Vollbremsung hinlegen. Und bis 130 km/h auch teilweise automatisiert fahren – so lang der Fahrer seine Hände am Lenkrad lässt.

Gute Anbindung von Smartphones

Doch ganz perfekt ist der V60 nicht. So fragt man sich, warum sich die Bedienung von Tempomat und Bordcomputer über die Lenkradtasten nicht sofort erschließt und warum die Piktogramme auf dem Touchscreen so zart gestaltet sind, dass man unnötig lang abgelenkt wird. Weil es kaum noch Knöpfe gibt und sich fast alles über den Touchscreen einstellen lässt, gestaltet sich die Handhabung teils umständlicher als nötig. Und auch wenn die Vernetzung mit Apple CarPlay, Android Auto (außer beim Basismodell) und serienmäßigem WLAN-Hotspot zeitgemäß ausfällt: Eine induktive Ladefunktion fürs Smartphone sollte gerade in dieser Preisklasse Standard sein. Doch die wird nur gegen 270 (!) Euro Aufpreis angeboten.

Hohes Preisniveau beim Volvo V60

Ein Schnäppchen ist der V60 schließlich schon in der Basisausstattung Momentum Core nicht. Mit dem derzeit kleinsten Motor (163-PS-Benziner mit Mildhybrid-Unterstützung) startet er bei 39.150 Euro, dazu kommen diverse Extras, bei denen Volvo nicht gerade zimperlich ist. Ein Head-up-Display etwa, das es ab der zweiten Stufe Momentum gibt, kostet 1090 Euro. Eine Rückfahrkamera samt Einparkhilfe vorn und hinten 700 und selbst für LED-Scheinwerfer kommen im "Licht-Paket" noch zwischen 1100 und 1150 Euro drauf. Hier unterscheidet sich Volvo nicht von Audi, BMW und Mercedes, deren Aufpreispolitik ähnlich unverschämt gestaltet ist.

Wem gehört Volvo?

Volvo wurde 1927 als Pkw-Hersteller gegründet, baut heute aber auch Bootsmotoren, Nutzfahrzeuge und Busse. Der Unternehmenssitz ist in Göteborg in Schweden. 1999 wurde die Volvo Car Corporation an Ford verkauft, 2010 an den chinesischen Hersteller Geely. Die Asiaten halten sich bei der Entwicklung der Fahrzeuge eher zurück und geben den schwedischen Ingenieuren viel Freiraum. Schließlich soll ein Volvo ein schwedisches Produkt bleiben und das Image nicht verwässert werden.

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Starker Motor im Test: Plug-in-Hybrid mit 340 PS

schwarzer Volvo V60 steht auf Parkplatz
Fließend: Stimmige Proportionen auf 4,76 Metern Länge ∙ © Volvo

Vier Benziner von 163 bis 300 PS und jeweils einer Startergenerator-Hybridisierung hat Volvo aktuell beim V60 zu bieten, dazu einen 197 PS starken Mildhybrid-Diesel namens B4, der wie die beiden stärkeren Benziner auch mit Allradantrieb zu haben ist. Zusätzlich gibt es zwei Plug-in-Hybridversionen (T6 und T8 Recharge) mit ursprünglich 340 und 390 PS Systemleistung, die im Modelljahr 2022 leicht erstarkt sind und ab 59.200 und 62.100 Euro angeboten werden.

Der vom ADAC getestete T6-Teilzeitstromer erlaubt laut Volvo dank seiner 11,6 kWh-Batterie noch bis zu 58 Kilometer rein elektrisches Fahren. Maximal 590 Newtonmeter Drehmoment stehen parat. Der Energieverbrauch soll 1,8 Liter Benzin und 16,5 kWh auf 100 Kilometer betragen. Inzwischen haben die Schweden aber an der Reichweiten-Schraube gedreht (siehe unten).

Ecotest-Verbrauch: 7,6 kWh Strom und 4,7 Liter Super

Im ADAC Test machte die 340-PS-Variante mit dem 11,6 kWh-Akku einen recht guten Eindruck. Sie sprintet in mehr als sportiven 5,5 Sekunden auf Tempo 100, der Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h ist in 3,9 Sekunden absolviert. Auch das Einfädeln beim Abbiegen in den fließenden Verkehr gelingt zügig, von 15 auf 30 km/h vergeht kaum mehr als eine Sekunde. Besonders angenehm ist die spontane Reaktion auf Gasbefehle dank kurzem E-Boost, der die kleine Trägheit des Verbrenners überspielen kann. Und Fahrspaß kann man definitiv haben, das Antriebssystem hat wirklich Dampf.

Die aufwendige Technik des Plug-in-Hybrid ergibt unter Umweltgesichtspunkten nur dann Sinn, wenn regelmäßig – am besten jede Nacht – die Batterie geladen wird, damit zu jeder Zeit Strom für den Antrieb bereit steht. Dabei ist es wichtig, mit aktivierter Navigation zu fahren, damit das Auto weiß, wie es seinen Stromvorrat einteilen soll. Topografische Eigenschaften der Route wie auch Kurven und Kreisverkehre werden so angesteuert, dass möglichst viel Energie rekuperiert wird und möglichst wenig Energie in den Bremsen verpufft.

Mit voll geladener Batterie sind im Elektrozyklus des ADAC Ecotest rund 41 Kilometer elektrische Reichweite drin, ehe sich der Verbrenner zuschaltet. Der reine Stromverbrauch liegt inklusive Ladeverlusten bei 25,6 kWh je 100 Kilometer – für einen Plug-in-Hybriden in dieser Größe ist das aktuell technischer Stand, für ein reines Elektroauto wäre es zu viel. Fährt man dann weiter im Hybrid-Modus, ergibt sich ein Benzinverbrauch von durchschnittlich 6,8 Liter Super pro 100 Kilometer.

Kombiniert man die elektrische Strecke mit der Hybrid-Strecke, dann verbraucht der V60 Twin Engine auf 100 Kilometer 7,6 kWh Strom und 4,7 l Super. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 172 Gramm pro Kilometer. Im ADAC Ecotest gibt es dafür nur 26 von maximal 60 möglichen Punkten. Der Partikelausstoß liegt in allen Betriebszuständen unter den Grenzwerten.

Fährt der V60 Twin Engine im Hybrid-Modus, bekommt er fast volle Punktzahl für sehr niedrige Schadstoffemissionen. Weil aber im ADAC Ecotest auch die Schadstoffwerte bei der Stromerzeugung in Deutschland berücksichtigt werden und der Plug-in-V60 reichlich Strom verbraucht, gibt es Punktabzüge im Bereich Schadstoffe. So erhält der Twin Engine gerade noch für vier von fünf Sternen im Ecotest.

Bestnote im Euro NCAP-Crashtest

Crash Test eines schwarzen Volvo V60
Der Volvo V60 kann auch im Crashtest überzeugen ∙ © Euro NCAP

Der Volvo V60 erreicht im Euro NCAP-Crashtest volle 5 Sterne. Das Ergebnis gilt übrigens auch für die Limousine S60. Das Modell ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffer, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.
Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert, für den Beifahrersitz sind sie optional erhältlich. Der mittlere Sitz hinten ist für gegurtete Kindersitze mäßig geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Der V60 ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Jetzt mit größerem Akku und mehr Reichweite

Für das Modelljahr 2022 hat Volvo die Akku-Kapazität deutlich erhöht und gleichzeitig fit für die ab 1. Januar 2022 geltenden Bestimmungen der BAFA-Förderung und der vergünstigten Dienstwagen-Versteuerung gemacht. Konkret hat die Batterie jetzt eine Gesamtkapazität von 18,8 kWh. Der E-Motor an der Hinterachse erstarkt auf 107 kW/145 PS. Dadurch diese Leistungsspritze kommen Recharge T6-Modelle jetzt 257 kW/350 PS, beim T8 sind es jetzt 335 kW/455 PS. Die elektrische Reichweite steigt laut Hersteller auf bis zu 90 Kilometer, wie viele davon in der Praxis übrig bleiben, muss ein kommender ADAC Test nachprüfen. Die Einstiegspreise in die Baureihen bleiben trotz des Upgrades unverändert.

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V60 Twin Engine: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Volvo V60 T6 Twin Engine Inscription AWD (getestetes Modell)

Volvo V60 Recharge Plug-in-Hybrid T6 AWD (Modelljahr 2022)

Motor

Vierzylinder-Plug-in-Hybrid (Otto/Elektro), 1969 cm³, 251 kW/340 PS, 590 Nm bei 1700 U/min

Vierzylinder-Plug-in-Hybrid (Otto/Elektro), 1969 cm³, 257 kW/350 PS, 659 Nm bei 1700 U/min

Fahrleistungen

5,5 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze (abgeregelt)

5,4 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze (abgeregelt)

Verbrauch (nach NEFZ)

1,8 l Benzin und 16,5 kWh Strom/100 km, 42 g CO₂/km

0,8 l Benzin und 17,7 kWh Strom/100 km, 18 g CO₂/km

Maße

L 4,76 / B 1,85 / H 1,43 m

L 4,76 / B 1,85 / H 1,43 m

Kofferraum

529 - 1441 l

529 - 1441 l

Leergewicht / Zuladung

2061 / 489 kg

2064 / 466

Preis

ab 58.950 Euro

ab 56.350 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Volvo V60 T6 Twin Engine Inscription AWD

Überholvorgang 60-100 km/h

3,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,6 m

Wendekreis

11,9 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC EcoTest

4,7 l Super und 7,6 kWh/100 km, 172 g CO₂/km (well-to-wheel)

Reichweite

925 km

Innengeräusch bei 130 km/h

66,9 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2072 / 478 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

385 / 875 / 1420 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Volvo V60 T6 Twin Engine Inscription AWD

Karosserie/Kofferraum

2,3

Innenraum

2,4

Komfort

2,1

Motor/Antrieb

1,4

Fahreigenschaften

2,0

Sicherheit

1,4

Umwelt/EcoTest

2,5

Gesamtnote

2,0

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt/Ecotest werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Edles Ambiente und gute Verarbeitung. Hohe aktive Sicherheit. Harmonischer Antrieb. Sichere und agile Fahreigenschaften.        

Das hat uns nicht gefallen: Hohes Preisniveau. Umständliches Bediensystem. Durchschnittlicher Federungskomfort.   

Und wie schlägt sich die höhergelegte "Offroad"-Version? Der Volvo V60 Cross Country D4 im ADAC Test.

Testbericht zum Volvo V60 Cross Country D4
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Text: Jochen Wieler, Rudolf Huber