Toyota Yaris Cross: Testfahrt in der Abenteuer-Variante

Der neue Yaris Cross von Toyota
Sieht aus wie ein Großer: Der Kleinwagen-SUV Yaris Cross ∙ © Toyota

Mit dem neuen Toyota Yaris Cross will Toyota im boomenden Segment der kleinen SUV mitmischen. Sein Vorteil: Es gibt ihn mit Hybridantrieb. Testfahrt, Bilder, Daten, Motor.

  • Markteinführung am 18. September 2021

  • Hybridantrieb mit 116 PS, optional mit Allradantrieb

  • Preis ab 22.690 Euro

Geländewagen von Toyota? Klar, Land Cruiser, RAV4 oder C-HRToyota hat SUV-Tradition. Ähnlich populär soll die neue SUV-Variante Cross des beliebten Kleinwagens Yaris werden: Ab Mitte September 2021 steht der Mini-SUV bei den Händlern. Toyota ist mit einem eigenen Modell ziemlich spät dran und hat bislang der versammelten Konkurrenz das Feld überlassen: VW T-Cross, Seat Arona, Skoda Kamiq, Renault Captur oder Nissan Juke tummeln sich schon lange am Markt.

Und die Klasse ist so beliebt, dass manche Marken sogar zwei Modelle anbieten: Ford etwa den Ecosport und den Puma, Hyundai den Kona und den Bayon. Nun hat also auch Toyota ein Angebot in dieser Klasse. Was kann der Yaris Cross besser als die Konkurrenz?

Mit 4,18 Metern Länge kürzer als ein VW Golf

Der neue Yaris Cross von Toyota
Mit 116 PS Systemleistung ist der Yaris Cross ausreichend motorisiert ∙ © Toyota

Optisch muss er sich schon einmal nicht verstecken: Er wirkt modern und sieht mit seinen mächtig ausgestellten Kotflügeln und den bis zu 18 Zoll großen Rädern aus wie ein Halbstarker, der stolz seine Muskeln präsentiert. Die Bodenfreiheit wurde im Vergleich zum Yaris um 30 Millimeter erhöht, womit auch eine höhere Sitzposition verbunden ist. Der Einstieg gelingt dadurch recht leicht – und genau das schätzen die meisten Käufer an dieser Fahrzeugklasse.

So sehr der Yaris Cross aber den großen SUV mimt und immerhin 24 Zentimeter länger als der normale Yaris ausfällt: 4,18 Meter Länge sind nicht wirklich groß und noch ein sehr überschaubares und vor allem parkfreundliches Maß. Ein VW Golf ist zehn Zentimeter länger.

Enger Fond, aber großer Kofferraum

Feudale Platzverhältnisse sollte man daher nicht erwarten. Schon Fahrer und Beifahrer merken schnell, dass sie ziemlich eng beieinander sitzen, was umso mehr für den Fond mit seiner eingeschränkten Beinfreiheit gilt. Eine verschiebbare Rückbank, wie sie der VW T-Cross bietet und langbeinigen Mitfahrern mehr Bewegungsfreiheit bescheren würde, hat sich Toyota gespart und offensichtlich mehr Wert auf einen üppigen Kofferraum gelegt.

Gute 367 Liter fasst das Gepäckabteil bereits, wenn der doppelte Ladeboden eingelegt ist. Ohne sind es knapp 400 – zumindest bei der frontgetriebenen Version. Der Allradler muss auf den doppelten Boden verzichten, weil der zweite Elektromotor an der Hinterachse hier sein Recht fordert. Gut: Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 40:20:40 geteilt umlegen, und die Kofferraumabdeckung ist faltbar, lässt sich also bei Nichtgebrauch platzsparend verstauen.

Einziger Motor: Ein Hybrid mit 116 PS

Der neue Yaris Cross von Toyota
Mit 4,18 Metern Länge ist der Yaris Cross kürzer als ein VW Golf ∙ © Toyota

Den Käufern leicht macht es Toyota beim Antrieb: Es gibt nur einen Motor. Toyota-typisch ist es ein Benziner mit Hybridantrieb, der auch im normalen Yaris seinen Dienst verrichtet. Der 1,5-Liter-Benziner mit drei Zylindern und 68 kW (92 PS) wird mit einem 59 kW (80 PS) starken Elektromotor an der Vorderachse kombiniert. Daraus resultiert eine Systemleistung von 85 kW/116 PS. Dabei soll der kleine SUV äußerst effizient arbeiten: Sein thermischer Wirkungsgrad übertrifft laut Toyota mit 40 Prozent den eines typischen Dieselmotors, was hohe Kraftstoffeffizienz und geringe CO₂-Emissionen bedeutet. In Zahlen: Toyota spricht von einem Normverbrauch zwischen 4,4 und 5,1 Liter Super auf 100 Kilometer und einem CO₂-Ausstoß von 100 bis 116 g/km. Ist das realistisch?

Der Normverbrauch ist problemlos zu schaffen

Auf jeden Fall, wie die erste Testfahrt ergeben hat. Zumindest dann, wenn man eine Strecke fährt, auf der der Hybridantrieb seine Vorteile ausspielen und oft den Elektromotor nutzen kann. Heißt: Werden Fahrten in der Stadt oder über Land mit leichtem Gasfuß absolviert, lässt sich der Normwert sogar noch unterbieten. Auf der ersten Testrunde war tatsächlich eine Drei vor dem Komma zu schaffen. Besonders in der Stadt merkt man, wie oft der Benziner Pause hat und der Elektromotor übernimmt.

Zwar kann der Vollhybrid nicht mit einem extern aufladbaren Plug-in-Hybrid in Sachen elektrischer Reichweite mithalten. Nur rund drei bis vier Kilometer reicht der Saft der 4,3-kWh-Batterie – um eine Zone 30 emissionsfrei zu befahren, reicht das aber aus.

Bei schnellerer Fahrt und auf der Autobahn muss sich der Benziner natürlich mehr ins Zeug legen, was dann für Verbrauchswerte von über sechs Litern sorgt. Gespannt darf man sein, wie der Yaris Cross im kommenden ADAC Ecotest abschneiden wird. Sein kleiner Bruder Yaris wurde hier durch seinen Mini-Verbrauch mit vollen fünf Sternen belohnt.

Den Yaris Cross gibt es auch mit Allradantrieb

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten hält der Yaris Cross, was sein geländegängiges Aussehen verspricht: Ihn gibt es optional mit Allradantrieb. Das elektrische AWD-i System kostet bei identischer Ausstattung 2670 Euro zusätzlich. Im Normalfall bedient es ausschließlich die Vorderräder. Damit auch die Hinterräder bei Bedarf angetrieben werden können, sitzt an der Hinterachse ein zusätzlicher Elektromotor. Er leistet lediglich 3,9 kW (5,3 PS), was bei schwierigen Straßenverhältnissen aber reichen soll, um nicht steckenzubleiben. Per Knopfdruck kann der Fahrer den Antrieb zusätzlich beeinflussen und zwischen "Normal", "Trial" und "Snow" wählen. Für echtes Gelände ist das System sicher nicht gedacht, aber bei eingeschneiten Straßen kann es eine Hilfe sein.

Solide Fahrleistungen, aber nicht sportlich

Sehr angenehm ist, dass Toyota dem Hybridsystem schlechte Manieren weitgehend ausgetrieben hat. Heulten frühere Toyota-Jahrgänge beim starken Beschleunigen gequält auf, ist das im Yaris Cross kein Thema mehr. Klar, auch er ist mit einem Getriebe mit variabler Übersetzung ausgestattet, und beim beherzten Tritt aufs Gas schnellt die Drehzahl erst einmal nach oben. Aber eben nicht so hoch, sodass es nicht mehr ganz so nervt.

Die Automatik arbeitet angenehm und sorgt für fließende Übergänge zwischen E-Motor und Verbrenner – das klappt alles recht harmonisch. Zwar sind die Fahrleistungen nicht berühmt, doch wer hauptsächlich auf Sparsamkeit Wert legt, den dürften 11,2 und 11,8 (Allrad) Sekunden auf Tempo 100 wohl genauso wenig stören wie "nur" 170 km/h Spitze.

Mit seiner gut abgestimmten Lenkung lässt sich der Yaris gut dirigieren, einzig der Federungskomfort wirkt auf manchen Fahrbahnunebenheiten etwas hölzern.

Der Yaris Cross lässt sich leicht bedienen

Der neue Yaris Cross von Toyota
Übersichtlich und gut zu bedienen: Das Cockpit des Yaris Cross ∙ © Toyota

Das Cockpit des Yaris Cross ist frei von Überraschungen. Hinter dem Lenkrad befinden sich gut ablesbare Instrumente, die nicht mit ausufernden Informationen verwirren. Der Touchscreen lässt sich nach kurzer Gewöhnung gut bedienen, liegt gut im Blickfeld und ist groß genug. Gut auch, dass Toyota die Klimasteuerung noch ganz konventionell über Tasten gelöst hat. Und: Es gibt sogar ein vollwertiges Head-up-Display für die teureren Versionen, das Infos wie Tempo und Tempolimit direkt in die Windschutzscheibe spiegelt – und nicht auf eine billige Plexiglasscheibe wie bei der Konkurrenz.

Wie der Yaris ist der Cross mit dem Toyota Safety Sense ausgestattet, das verschiedene Assistenzsysteme miteinander kombiniert, wie Abstandsradar, Spurhalte- und Notbremsassistent. Auch eine Verkehrszeichenerkennung ist an Bord, doch die funktioniert leider nicht besonders zuverlässig. Vertrauen sollte man auf das angezeigte Tempolimit jedenfalls nicht.

Preis für den Yaris Cross: ab 22.690 Euro

Zu den billigsten Vertretern seiner Art gehört der Yaris Cross mit einem Basispreis von 22.690 Euro sicher nicht – ein Hyundai Bayon startet (schlechter motorisiert) bei knapp 17.000 Euro. Doch der Yaris hat zumindest immer seinen sparsamen Hybridantrieb an Bord und bietet ein Automatikgetriebe frei Haus. Mit einer besseren Ausstattung (es gibt sechs Ausstattungslinien) dringt der Mini-SUV dann auch schnell in Regionen zwischen 25.000 und 30.000 Euro vor, die Allradvariante ist ohnehin erst ab knapp 30.000 Euro zu haben.

Mit zwei Schmankerln will Toyota die hohen Preise aber etwas erträglicher machen. Mit einem speziellen Versicherungstarif für Hybride kann bis zu 20 Prozent Prämie sparen, wer mit sanftem Gasfuß viel elektrisch fährt. Und: Toyota gewährt bis zehn Jahre Garantie auf das Fahrzeug. Der Haken: Man muss jeden Kundendienst beim Toyota-Händler machen lassen. Und das sind viele – der Yaris Cross will alle 15.000 Kilometer oder einmal jährlich zur Inspektion. Die Toyota-Händler dürfte das freuen.

Toyota Yaris Cross: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Toyota Yaris Cross 1.5 Hybrid 2WD

Toyota Yaris Cross 1.5 Hybrid 4WD

Motor/Antrieb

Dreizylinder-Benzin-Hybrid, 1490 cm³, 85 kW/116 PS Systemleistung, 120 Nm bei 3600 U/min (Verbrenner)

Dreizylinder-Benzin-Hybrid, 1490 cm³, 85 kW/116 PS Systemleistung, 120 Nm bei 3600 U/min (Verbrenner)

Fahrleistungen

11,2 s auf 100 km/h, 170 km/h Spitze

11,8 s auf 100 km/h, 170 km/h Spitze

Batteriekapazität

4,3 kWh

4,3 kWh

Verbrauch nach WLTP

4,4 - 5,0 l Super/100 km, 100 - 114 g CO₂/km

4,7 - 5,1 l Super/100 km, 106 - 116 g CO₂/km

Maße

L 4,18 / B 1,77 / H 1,56 m

L 4,18 / B 1,77 / H 1,56 m

Kofferraum

367 – 1097 l

295 – 1038 l

Leergewicht / Zuladung

1170 - 1290 / 400 - 520 kg

1260 - 1360 / 415 - 515

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

550 / 750 kg

550 / 750 kg

Garantie

10 Jahre*

10 Jahre*

Preis

ab 22.690 €

ab 29.060 €

* Voraussetzung: jährlicher Kundendienst in Toyota-Werkstatt

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