Toyota Yaris: Fünf Sterne im ADAC Ecotest!

Der Toyota Yaris in Fahrt
Neuer Toyota Yaris: Als Hybrid oder mit zwei konventionellen Benzinern zu haben ∙ © Toyota

Die vierte Generation des Toyota Yaris soll mit Hybridtechnik zum sparsamen 3-Liter-Auto werden. Der ADAC hat den Kleinwagen getestet und vergibt die volle Punktzahl im Ecotest. Und: So schneidet der Yaris im Crashtest ab.

  • Neu entwickelter Hybridantrieb mit 3,8 Litern Normverbrauch

  • Fünf Türen serienmäßig, kleinwagentypisches Platzangebot

  • Preise ab 15.790 Euro, der Hybrid kostet knapp 20.000 Euro

Ist das ein neues 3-Liter-Auto? Toyota verspricht es zumindest und gibt den Verbrauch des neuen Yaris Hybrid mit 3,8 Litern auf 100 Kilometer an. Ein sehr beachtlicher Wert, vor allem weil er nach dem realitätsnahen WLTP-Zyklus angegeben wird. Doch ist der Japaner auch in der Praxis so sparsam?

Von außen ist dem kleinen Yaris der große Technik-Sprung nicht unbedingt anzusehen. Von vorne ähnelt er stark seinem Vorgänger, und das Heck erinnert ein bisschen an das des großen Bruders C-HR. Dazwischen: solide Kleinwagenkost mit praktischen fünf Türen, 3,94 Metern Länge (etwas kürzer als VW Polo, Ford Fiesta, Opel Corsa, Kia Rio) und klassenüblichem Platzangebot.

Fahrer können bis 1,90 m groß sein

Redakteur Jochen Wieler fährt den Toyota Yaris
Gut: Bequeme Sitze und angenehme Sitzposition im neuen Yaris ∙ © Toyota/Harald Dawo

Trotz fünf Zentimetern mehr Radstand hat der Yaris aber nicht mehr Platz als der Vorgänger. Grund: Fahrer und Beifahrer sitzen nun etwas weiter hinten, was einer gleichmäßigeren Gewichtsverteilung zugutekommt und damit auch einem besseren Fahrverhalten. Der Fahrersitz lässt sich für Personen bis zu einer Größe von rund 1,90 Metern nach hinten schieben. Hinter einem 1,85 Meter großen Fahrer finden immerhin noch Passagiere bis zu einer Größe von rund 1,80 Metern genügend Beinfreiheit. Das Kofferraum-Volumen laut ADAC Messmethode: zwischen 245 und 915 Liter.

Neuer Hybridmotor mit drei Zylindern

Die eigentliche Neuerung hat unter der Haube stattgefunden. Der Hybridantrieb, für den sich laut Toyota rund 80 Prozent der Käufer entscheiden werden, wurde komplett neu konstruiert. Zum Einsatz kommt statt eines Vierzylinders nun ein neu entwickelter 1,5-Liter-Dreizylindermotor mit 67 kW/91 PS. Er wird mit einem 58 kW/79 PS starken Elektromotor kombiniert, was eine Systemleistung von 85 kW/116 PS bringt. Im Vorgängermodell leistete das Hybrid-Gespann 100 PS.

Testverbrauch: 4,7 Liter/100 km

Der Toyota Yaris in Fahrt
Gegen den Trend: Der Toyota Yaris ist fünf Millimeter kürzer geworden ∙ © Toyota

Die Hybridbatterie setzt nun auf moderne Lithium-Ionen-Technik – das ist neu beim Yaris und hat mehrere Vorteile: Der Akku unter der Rückbank ist deutlich kompakter als bisher, zwölf Kilo leichter und für das andauernde Wechselspiel zwischen Laden und Entladen besser geeignet als der bisherige. Das gesamte Fahrzeug wurde 20 Kilogramm leichter. Verbrauch laut Toyota: niedrige 3,8 Liter auf 100 Kilometer nach dem realitätsnahen WLTP-Zyklus. Daraus resultiert ein niedriger CO₂-Ausstoß von 87 Gramm pro Kilometer. Mit Top-Ausstattung und dadurch mit mehr Gewicht steigt der Normverbrauch allerdings bis auf 4,3 Liter (97 Gramm CO₂).

Diesen Wert schafft der Yaris im ADAC Ecotest nicht ganz. Aber er liefert doch eine sehr überzeugende Vorstellung ab. Ein Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern Super auf 100 Kilometer kann sich durchaus sehen lassen. Besonders innerorts kann der Hybrid seine Vorteile ausspielen. Hier konsumiert der kleine Toyota lediglich 3,4, außerorts 4,3 und auf der
Autobahn 6,4 Liter je 100 Kilometer. In der Stadt wird der Yaris Hybrid also tatsächlich zum 3-Liter-Auto! Und zwar genau dort, wo "normale" Benziner viel verbrauchen. Auch die Schadstoffanteile im Abgas sind durchweg gering. Der Lohn: In der Summe volle fünf Sterne im ADAC Ecotest. Respekt.

Der Benziner hat oft Pause

Sparsamer geht es kaum mit einem Benziner. Noch dazu, wo sich auch die Fahrleistungen und die Manieren des hybridisierten Dreizylinders durchaus sehen lassen können. Das Anfahren mit dem Hybrid geht flott vonstatten, hier kommt der Vorteil des unmittelbar anstehenden Drehmoments des Elektromotors zum Tragen. Den simulierten Überholvorgang (Beschleunigung unter Volllast von 60 auf 100 km/h) schließt der Kleinwagen nach 7,8 Sekunden ab. Laut Hersteller vergehen aus dem Stand auf Tempo 100 9,7 Sekunden, bei 175 km/h ist mit dem Vortrieb Schluss.

Der Benziner schaltet im normalen Fahrbetrieb oft ab, in vielen Fahrsituationen übernimmt der Elektromotor. Mehr als zwei bis drei Kilometer rein elektrisch kommt der Yaris zwar nicht, doch dafür ist der Hybrid auch nicht konstruiert. Toyota-typisch findet der automatische Wechsel bzw. das Zusammenspiel der Antriebe unmerklich statt, der Fahrer muss nur Gas geben und bremsen.

Endlich: Der Motor heult nicht mehr so gequält

Dass dem Hybriden das gequälte Aufheulen beim Beschleunigen fast ganz abgewöhnt wurde, nimmt man beim Fahren gerne zur Kenntnis, zudem geht es leiser zu als im alten Modell, wirklich leise ist der Yaris aber bei höherer Last aber immer noch nicht. Der Motor klingt allerdings ganz gut – vom sonst üblichen Dreizylinder-Brummen ist hier nur wenig zu hören. Nur bergauf klingt die Maschine bei hohen Drehzahlen etwas angestrengter. Das Vibrationsverhalten des Dreizylinders geht trotz des technisch bedingt eher rauen Motorlaufs in Ordnung, er überträgt insgesamt merkliche, aber nicht zu störende Vibrationen in den Innenraum.

Die Karosserie ist ordentlich verarbeitet, an den Materialien hat Toyota aber erkennbar gespart. So ist etwa der Kofferraum nicht mit Stoff oder Filz ausgeschlagen, sondern von kratzempfindlichen Kunststoffwänden umgeben. Innen das gleiche Bild: Zwar scheppert nichts und das Lenkrad wirkt richtig hochwertig mit dem unten geteilten Kranz, der deutlichen Schüsselung und der kleinen Airbag-Abdeckung, aber: Die Materialien sind quasi durchgehend hart, dabei dominieren großflächige Kunststoffflächen.

Der Toyota Yaris im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Toyota

Bei den Assistenzsystemen gibt sich der kleine Yaris wie ein Großer. Zum Großteil Serie sind zum Beispiel Abstandsradar, Spurhalte- und ein Notbremsassistent, der bis 180 km/h funktioniert. Bei querenden Fußgängern bremst der Yaris automatisch, und beim Rückwärtsausparken warnt er vor Querverkehr. Ein Head-up-Display zeigt wichtige Infos wie Tempo oder Navigationsdaten und die Verkehrszeichenerkennung funktioniert besser als bisher. Neu: Seitenairbags, die sich zwischen den Vordersitzen aufblasen, damit Fahrer und Beifahrer bei einem Crash nicht kollidieren.

ADAC Ausweichtest: Trotz ESP muss man gegenlenken

Das Fahrwerk des Yaris ist im Grenzbereich agil ausgelegt, was sich beim ADAC Ausweichtest in einem deutlich übersteuernden Fahrverhalten äußert - ungewöhnlich für einen Kleinwagen mit Frontantrieb. Das elektronische Stabilitätsprogramm unterstützt recht spät, man muss schon auch selbst gegenlenken. Ansonsten ist der Yaris im Alltag ein entspannter Begleiter, auch Spurrinnen stören den Geradeauslauf kaum. Für einen Kleinwagen ohne besonders sportliche Ambitionen lenkt er trotz der auf dem Testwagen montierten Spritsparreifen willig ein und ermöglicht eine hohe Geschwindigkeit im Parcours des ADAC Ausweichtests.

Toyota Yaris Cross: Der SUV-Ableger kommt Mitte 2021

Der Toyota Yaris bekommt ein Brüderchen: den Yaris Cross. Der folgt dem aktuellen SUV-Trend, ist deutlich länger als der normale Yaris und kommt ebenfalls mit Hybridantrieb.

Erste Infos zum Toyota Yaris Cross

Preis: 19.990 Euro für den Yaris Hybrid

Zum Preis. Der Hybrid startet bei 19.990 Euro und ist somit kein Schnäppchen. Das getestete Modell in "Style"-Ausstattung steht gar mit 25.090 Euro in der Liste. Wer sparen will, muss also erst einmal investieren. Oder den Einstiegsbenziner mit 1,0 Liter Hubraum und 72 PS ohne Hybridtechnik nehmen: Er wird ab 15.790 Euro angeboten. Eine weitere Alternative gibt es mit einem 1,5-Liter-Dreizylinder und 125 PS, der auch in Kombination mit dem stufenlosen Automatikgetriebe Multidrive S ausgeliefert wird. Preis: ab 18.490 Euro in der Version "Comfort".

Und auch den Gegenpol zum sparsamen Hybrid hat Toyota im Programm: Den kleinen Renner GR Yaris mit 261 PS starkem Turbo-Dreizylinder zum Preis von 33.200 Euro.

Fazit

Bisher hatte Toyota im Kleinwagensegment kaum Hybrid-Konkurrenz zu fürchten. Doch inzwischen sind auch der Honda Jazz und der Renault Clio als Vollhybride zu haben. Den Vergleich muss der Toyota aber nicht fürchten. Denn beim Verbrauch legt er die Messlatte schon mal sehr hoch.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Toyota Yaris 1.5 Hybrid Style CVT als PDF
PDF, 0,96 MB
PDF ansehen

Toyota Yaris Hybrid: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Toyota Yaris 1.5 Hybrid Style CVT

Motor/Antrieb

Dreizylinder-Benzin-Hybrid, 1490 cm³, 85 kW/116 PS Systemleistung, 120 Nm Drehmoment (Benziner), 141 Nm (E-Motor)

Fahrleistungen

9,7 s auf 100 km/h, 175 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

3,8 - 4,3 l Super/100 km, 87 - 97 g CO₂/km

Maße

L 3,94 / B 1,75 / H 1,47 m

Kofferraum normal / geklappt

286 / 768 l

Leergewicht / Zuladung

1090 / 525 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

450 / 450 kg

Preis

ab 25.090 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Toyota Yaris 1.5 Hybrid Style CVT

Überholvorgang 60 – 100 km/h

7,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,6 m

Wendekreis

11,1 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

4,7 l Super/100 km, 131 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

765 km

Innengeräusch bei 130 km/h

71,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1156 / 459 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

245 / 560 / 915 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Toyota Yaris 1.5 Hybrid Style CVT

Karosserie/Kofferraum

3,2

Innenraum

2,9

Komfort

3,1

Motor/Antrieb

2,1

Fahreigenschaften

2,7

Sicherheit

2,0

Umwelt/Ecotest

1,5

Gesamtnote

2,3

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Toyota Yaris: 5 Sterne im Euro NCAP Crashtest

Der Toyota Yaris im verschärften Crashtest von Euro NCAP ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP
der Toyota Yaris beim Chrashtest nach Frontalzusammenstoss
Der Toyota Yaris 2020 nach dem Frontalcrash ∙ © Euro NCAP

Ist der aktuelle Yaris auch sicher? Diese Frage beantwortet die Crashtest-Organisation Euro NCAP, die die meisten neuen Modelle in verschiedenen Crashszenarien auf ihre Sicherheit überprüft und dabei auch deren Assistenzsysteme zur Unfallvermeidung bewertet. Das Ergebnis: Volle fünf Sterne für den neuen Toyota Yaris. Das ist umso erfreulicher, da die Versuche und Bewertungskriterien erst 2020 verschärft worden sind. Unter anderem gehört nun zusätzlich ein vom ADAC ins Leben gerufener "Kompatiblitätscrash" zum Repertoire. Dabei kommt dem Testfahrzeug eine bewegliche Barriere mit der selben Geschwindigkeit (50 km/h) entgegen – ein Szenario, wie es häufig bei Landstraßenunfällen zu finden ist. Hier finden Sie alle Neuerungen der Euro NCAP Crashtestbewertung.

Und so schneidet der Yaris im Detail ab:

Insassenschutz für Erwachsene

der Toyota Yaris beim Chrashtest mit seitlichem Crash
Sensible Stelle: Viel Spielraum gibt es beim Seitencrash nicht ∙ © Euro NCAP

Die Fahrgastzelle blieb im Offset-Frontal-Test stabil. Allerdings tragen die Brust des Fahrers wie auch Knie und Oberschenkel der Fahrer- und Beifahrerdummys ein mittleres Verletzungsrisiko davon. Für letzteres sind harte Strukturen am Armaturenbrett verantwortlich. Für den Unfallgegner stellen das geringe Gewicht und die "gutartige" Frontstruktur des Yaris kein hohes Risiko bei einem Frontalaufprall mit Versatz dar. Im Test an die starre Barriere in voller Breite ist der Schutz für alle kritischen Körperregionen sowohl für den Fahrer als auch für den Insassen auf dem Rücksitz gut oder ausreichend.

Was bringen die Mittelairbags?

der Toyota Yaris beim Chrashtest
Der "Pfahlaufprall" simuliert einen seitlichen Crash mit einem Baum ∙ © Euro NCAP

Im Seitencrashtest ist der Schutz aller kritischen Körperbereiche gut, was auch für den schwereren Pfahlanprall gilt. Interessant: Der Yaris ist mit Airbags zwischen den Vordersitzen ausgestattet, um zu verhindern, dass sich Fahrer und Beifahrer beim Seitencrash gegenseitig verletzen. Dieses System hat im Test von Euro NCAP gut funktioniert und die Köpfe beider Insassen gut geschützt. Der Schutz gegen ein Schleudertrauma ist auf allen Sitzen gut.

Der Yaris wird serienmäßig mit einem Mehrkollisionsbremssystem ausgestattet, das das Fahrzeug nach einem Aufprall zum Stehen bringt. Das Auto verfügt außerdem über ein E-Call-System, das bei einem Unfall automatisch eine Nachricht an den Rettungsdienst sendet und den Standort des Autos angibt.

Insassenschutz für Kinder

Im Frontal-Offset-Crashtest ist der Schutz für alle kritischen Körperteile gut oder ausreichend, beim Seitencrash sogar so gut, dass der Yaris für diesen Teil der Bewertung die maximale Punktzahl erzielt. Der Beifahrerairbag kann für einen entgegen der Fahrtrichtung installierten Kindersitz deaktiviert werden. Rückhaltesysteme, für die der Yaris ausgelegt ist, können ordnungsgemäß installiert werden .

Assistenzsysteme

Ein autonomes Notbremssystem (AEB) ist serienmäßig verbaut. Das System hat bei Tests zur Erkennung und Reaktion auf andere Fahrzeuge gute Ergebnisse erzielt, wobei Unfälle in den meisten Fällen vermieden oder die Schwere gemindert wurden. Der Yaris verfügt über eine Müdigkeitserkennung, die den Fahrer entsprechend warnt. Das Spurhaltesystem korrigiert via Lenkeingriff den Kurs, wenn das Fahrzeug von der Spur abkommt, greift in einigen kritischen Situationen sogar recht aggressiv ein. Zudem gibt es eine Tempolimit-Erkennung, die auf Wunsch des Fahrers den Geschwindigkeitsregler (Tempomat) entsprechend einstellt.

Das detaillierte Ergebnis und die Erfüllungsgrade der Testanforderungen können Sie auf der Internetseite von Euro NCAP nachlesen.