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Der ADAC

Toyota Yaris Testfahrt: Ist das das neue 3-Liter-Auto?

Der Toyota Yaris in Fahrt
Neuer Toyota Yaris: Als Hybrid oder mit zwei konventionellen Benzinern zu haben ∙ © Toyota

Die 4. Generation des Toyota Yaris ist jetzt zu haben. Mit modernisierter Hybridtechnik soll der Kleinwagen zum sparsamen 3-Liter-Auto werden. Der ADAC war mit ihm auf Testfahrt. Plus: So schneidet der Yaris im Crashtest ab

  • Neu entwickelter Hybridantrieb mit 3,8 Litern Normverbrauch

  • Fünf Türen serienmäßig, kleinwagentypisches Platzangebot

  • Preise ab 15.391 Euro, der Hybrid kostet rund 20.000 Euro

Ist das ein neues 3-Liter-Auto? Toyota verspricht es zumindest und gibt den Verbrauch des neuen Yaris Hybrid mit 3,8 Litern auf 100 Kilometer an. Ein sehr beachtlicher Wert, vor allem weil er nach dem realitätsnahen WLTP-Zyklus angegeben wird. Doch ist der Japaner auch in der Praxis so sparsam?

Von außen ist dem kleinen Yaris der große Sprung nicht unbedingt anzusehen. Von vorne ähnelt er stark seinem Vorgänger, und das Heck erinnert ein bisschen an das des großen Bruders C-HR. Dazwischen: solide Kleinwagenkost mit praktischen fünf Türen, 3,94 Metern Länge (etwas kürzer als VW Polo, Ford Fiesta, Opel Corsa) und klassenüblichem Platzangebot. Trotz fünf Zentimetern mehr Radstand hat der Yaris aber nicht mehr Platz als der Vorgänger. Grund: Fahrer und Beifahrer sitzen nun etwas weiter hinten, was einer gleichmäßigeren Gewichtsverteilung zugutekommt und damit auch einem besseren Fahrverhalten.

Doch die eigentliche Neuerung findet unter der Haube statt. Der Hybridantrieb, für den sich laut Toyota rund 80 Prozent der Käufer entscheiden werden, wurde komplett neu konstruiert. Zum Einsatz kommt statt eines Vierzylinders nun ein neu entwickelter 1,5-Liter-Dreizylindermotor mit 67 kW/91 PS. Er wird mit einem 58 kW/79 PS starken Elektromotor kombiniert, was eine Systemleistung von 85 kW/116 PS bringt. Im alten Modell leistete das Hybrid-Gespann 100 PS.

Hybrid-Verbrauch: 3,8 Liter/100 km

Die Hybridbatterie setzt nun auf moderne Lithium-Ionen-Technik – das ist neu beim Yaris und hat mehrere Vorteile: Die Batterie unter der Rückbank ist deutlich kompakter als bisher, 12 Kilo leichter und für das andauernde Wechselspiel zwischen Laden und Entladen besser geeignet als der bisherige Akku. Das gesamte Fahrzeug wurde 20 Kilogramm leichter. Verbrauch: niedrige 3,8 Liter auf 100 Kilometer nach dem realitätsnahen WLTP-Zyklus (anfangs war sogar von 3,7 l die Rede), 3,2 Liter nach veraltetem NEFZ.

Daraus resultiert ein niedriger CO₂-Ausstoß von 87 Gramm pro Kilometer. Sparsamer geht es kaum mit einem Benziner, auch wenn dieser Wert nur für den Basis-Hybrid ohne Extras gilt. Mit Top-Ausstattung und dadurch mit mehr Gewicht schwingt sich der Verbrauchswert auf bis zu 4,3 Liter (97 Gramm CO₂) auf.

Ist der Papierwert auch in der Praxis zu halten? Ja, ist er, wie wir auf unseren ersten Testfahrten feststellen konnten. Wer eine entspannte Fahrweise an den Tag legt, die dem Hybridantrieb entgegenkommt, also behutsam Gas gibt, viel segelt und eher Landstraßen- statt flottes Autobahntempo pflegt, kommt problemlos auf eine Drei vor dem Komma.

Der Benziner schaltet dabei oft ab, und in vielen Fahrsituationen übernimmt der Elektromotor. Mehr als zwei bis drei Kilometer rein elektrisch kommt der Yaris zwar nicht, doch dafür ist der Hybrid auch nicht konstruiert. Toyota-typisch findet der automatische Wechsel bzw. das Zusammenspiel der Antriebe unmerklich statt, der Fahrer muss nur Gas geben und bremsen.

Das Aufheulen des Motors ist passé

Dass dem Hybriden das gequälte Aufheulen beim Beschleunigen fast ganz abgewöhnt wurde, nimmt man beim Fahren gerne zur Kenntnis, zudem geht es deutlich leiser zu als im alten Modell. Der Motor klingt sogar ganz gut – vom sonst üblichen Dreizylinder-Brummen ist hier fast nichts zu hören. Nur bergauf klingt der Motor bei hohen Drehzahlen etwas angestrengter.

Ansonsten beschleunigt der Yaris Hybrid fast verzögerungsfrei und merklich flotter als bisher. Dem alten Modell nimmt der neue rund zwei Sekunden ab beim Sprint auf 100 km/h und erledigt ihn in 10,5 Sekunden. Zum kleinen GTI wird der Yaris dennoch nicht, dafür ist das Fahrwerk zu soft abgestimmt und die Lenkung ein wenig zu leichtgängig. Die Spitze wird bei 175 km/h begrenzt.

Innen dominiert leider immer noch ein mausgraues Kunststoffcockpit, das immerhin an manchen Stellen softere Oberflächen aufweist als das des Vorgängers. Besonders im Fond mit eingeschränktem Platzangebot und steiler Rückenlehne wirkt der Yaris noch wie ein klassischer Kleinwagen. Gut: Die Sitze sind bequem und bieten guten Seitenhalt, die Sitzposition ist dank besser verstellbarem Lenkrad angenehmer als beim alten Modell.

Die Verarbeitung war bei den Vorserienmodellen, die zu ersten Testfahrten bereitstanden, aber noch ausbaufähig. Ungleiche Spaltmaße und unsauber verlegte Teppiche sollten sich mit der Serienproduktion, die im Juli 2020 in Frankreich gestartet ist, aber erledigt haben.

Der Toyota Yaris im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Toyota

Bei den Assistenzsystemen gibt sich der kleine Yaris wie ein Großer. Zum Großteil Serie sind zum Beispiel Abstandsradar, Spurhalte- und ein Notbremsassistent, der bis 180 km/h funktioniert. Bei querenden Fußgängern bremst der Yaris automatisch, und beim Rückwärtsausparken warnt er vor Querverkehr. Ein Head-up-Display zeigt wichtige Infos wie Tempo oder Navigationsdaten, und die Verkehrszeichenerkennung funktioniert besser als bisher. Neu: Seitenairbags, die sich zwischen den Vordersitzen aufblasen, damit Fahrer und Beifahrer bei einem Crash nicht kollidieren.

Toyota Yaris Cross: Der SUV-Ableger kommt 2021

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Erste Infos zum Toyota Yaris Cross

Preis: 19.990 Euro für den Yaris Hybrid

Zum Preis. Der Hybrid startet bei 19.990 Euro und ist somit kein Schnäppchen. Wer sparen will, muss also erst einmal investieren. Oder den Einstiegsbenziner mit 1,0 Liter Hubraum und 71 PS ohne Hybridtechnik nehmen: Er wird ab 15.391 Euro angeboten. Eine weitere Alternative gibt es mit einem 1,5-Liter-Dreizylinder und 121 PS, der auch in Kombination mit dem stufenlosen Automatikgetriebe Multidrive S ausgeliefert wird. Preis: ab gut 22.000 Euro in der einzig momentan konfigurierbaren Version "Premiere Edition".

Und auch den Gegenpol zum sparsamen Hybrid hat Toyota im Programm: Den kleinen Renner GR Yaris mit 261 PS starkem Turbo-Dreizylinder zum Preis von 33.200 Euro.

Fazit

Bisher hatte Toyota im Kleinwagensegment kaum Hybrid-Konkurrenz zu fürchten. Doch bald kommen der Honda Jazz und auch der Renault Clio als Vollhybride in den Handel. Ob dann die Karten neu gemischt werden? Beim Verbrauch legt Toyota die Messlatte zumindest sehr hoch.

Daten, Verbrauch, Maße

Vorläufige Daten (Herstellerangaben)Toyota Yaris 1.5 Hybrid

Motor/Antrieb

Dreizylinder-Benzin-Hybrid, 1490 cm³, 85 kW/116 PS Systemleistung, 120 Nm Drehmoment (Benziner), 141 Nm (E-Motor)

Fahrleistungen

10,5 s auf 100 km/h, 175 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

3,8 - 4,3 l Super/100 km, 87 - 97 g CO₂/km

Maße

L 3,94 / B 1,75 / H 1,47 m

Kofferraum

k. A.

Leergewicht / Zuladung

ca. 1035 kg / k.A.

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

k. A.

Preis

ab 19.990 €

Toyota Yaris: 5 Sterne im Euro NCAP Crashtest

Der Toyota Yaris im verschärften Crashtest von Euro NCAP ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Ist der neue Yaris auch sicher? Diese Frage beantwortet die Crashtest-Organisation Euro NCAP, die die meisten neuen Fahrzeugmodelle in verschiedenen Crashszenarien auf ihre Sicherheit überprüft und dabei auch deren Assistenzsysteme zur Unfallvermeidung bewertet. Das Ergebnis: Volle fünf Sterne für den neuen Toyota Yaris. Das ist umso erfreulicher, da die Versuche und Bewertungskriterien erst 2020 verschärft worden sind. Unter anderem gehört nun ein vom ADAC ins Leben gerufener "Kompatiblitätscrash" zusätzlich zum Repertoire. Dabei kommt dem Testfahrzeug eine bewegliche Barriere mit der selben Geschwindigkeit (50 km/h) entgegen – ein Szenario, wie es häufig bei Landstraßenunfällen zu finden ist. Hier finden Sie alle Neuerungen der Euro NCAP Crashtestbewertung.

Und so schneidet der Yaris im Detail ab:

Insassenschutz für Erwachsene

Die Fahrgastzelle blieb im Offset-Frontal-Test stabil. Allerdings tragen die Brust des Fahrers wie auch Knie und Oberschenkel der Fahrer- und Beifahrerdummys ein mittleres Verletzungsrisiko davon. Für letzteres sind harte Strukturen am Armaturenbrett verantwortlich. Für den Unfallgegner stellen das geringe Gewicht und die "gutartige" Frontstruktur des Yaris kein hohes Risiko bei einem Frontalaufprall mit Versatz dar. Im Test an die starre Barriere in voller Breite ist der Schutz für alle kritischen Körperregionen sowohl für den Fahrer als auch für den Insassen auf dem Rücksitz gut oder ausreichend.

Was bringen die Mittelairbags?

Im Seitencrashtest ist der Schutz aller kritischen Körperbereiche gut, was auch für den schwereren Pfahlanprall gilt. Interessant: Der Yaris ist mit Airbags zwischen den Vordersitzen ausgestattet, um zu verhindern, dass sich Fahrer und Beifahrer beim Seitencrash gegenseitig verletzen. Dieses System hat im Test von Euro NCAP gut funktioniert und die Köpfe beider Insassen gut geschützt. Der Schutz gegen ein Schleudertrauma ist auf allen Sitzen gut.

Der Yaris wird serienmäßig mit einem Mehrkollisionsbremssystem ausgestattet, das das Fahrzeug nach einem Aufprall zum Stehen bringt. Das Auto verfügt außerdem über ein E-Call-System, das bei einem Unfall automatisch eine Nachricht an den Rettungsdienst sendet und den Standort des Autos angibt.

Insassenschutz für Kinder

Im Frontal-Offset-Crashtest ist der Schutz für alle kritischen Körperteile gut oder ausreichend, beim Seitencrash sogar so gut, dass der Yaris für diesen Teil der Bewertung die maximale Punktzahl erzielt. Der Beifahrerairbag kann für einen entgegen der Fahrtrichtung installierten Kindersitz deaktiviert werden. Rückhaltesysteme, für die der Yaris ausgelegt ist, können ordnungsgemäß installiert werden .

Assistenzsysteme

Ein autonomes Notbremssystem (AEB) ist serienmäßig verbaut. Das System hat bei Tests zur Erkennung und Reaktion auf andere Fahrzeuge gute Ergebnisse erzielt, wobei Unfälle in den meisten Fällen vermieden oder die Schwere gemindert wurden. Der Yaris verfügt über eine Müdigkeitserkennung, das den Fahrer entsprechend warnt. Das Spurhaltesystem korrigiert via Lenkeingriff den Kurs, wenn das Fahrzeug von der Spur abkommt, greift in einigen kritischen Situationen sogar recht aggressiv ein. Zudem gibt es eine Tempolimiterkennung, die auf Wunsch des Fahrers den Geschwindigkeitsregler (Tempomat) entsprechend einstellt.

Das detaillierte Ergebnis und die Erfüllungsgrade der Testanforderungen können Sie auf der Internetseite von Euro NCAP nachlesen.