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Toyota Yaris Testfahrt: Ist das das neue 3-Liter-Auto?

Front eines roten Toyota Yaris fahrend
Neuer Toyota Yaris noch leicht getarnt: Testfahrten mit einem Vorserienmodell ∙ © Toyota/Harald Dawo

Im Sommer 2020 bringt Toyota die 4. Generation des Kleinwagens Yaris auf den Markt. Mit deutlich modernisierter Hybridtechnik soll er zum sparsamen 3-Liter-Auto werden. Wir waren mit ihm bereits auf Testfahrt.

  • Neu entwickelter Hybridantrieb mit 3,7 Litern Normverbrauch

  • Fünf Türen serienmäßig, kleinwagentypisches Platzangebot

  • Marktstart ist im Juli 2020

Von außen ist dem kleinen Yaris der große Sprung nicht unbedingt anzusehen. Von vorne ähnelt er stark seinem Vorgänger, und das Heck erinnert ein bisschen an das des großen Bruders C-HR. Dazwischen: solide Kleinwagenkost mit praktischen fünf Türen, 3,94 Metern Länge (etwas kürzer als VW Polo, Ford Fiesta, Opel Corsa und Co.) und klassenüblichem Platzangebot. Trotz fünf Zentimetern mehr Radstand hat der Yaris aber nicht mehr Platz als der Vorgänger. Grund: Fahrer und Beifahrer sitzen nun etwas weiter hinten, was einer gleichmäßigeren Gewichtsverteilung zugutekommt und damit auch einem besseren Fahrverhalten.

Doch die eigentliche Neuerung findet unter der Haube statt. Der Hybridantrieb, für den sich laut Toyota rund 80 Prozent der Käufer entscheiden werden, wurde komplett neu konstruiert. Zum Einsatz kommt statt eines Vierzylinders nun ein neu entwickelter 1,5-Liter-Dreizylindermotor mit 67 kW/91 PS. Er wird mit einem 58 kW/79 PS starken Elektromotor kombiniert, was eine Systemleistung von 85 kW/116 PS bringt. Bisher leistete das Hybrid-Gespann 100 PS.

Hybrid-Verbrauch: 3,7 Liter/100 km

Die Hybridbatterie setzt nun auf moderne Lithium-Ionen-Technik – das ist neu beim Yaris und hat mehrere Vorteile: Die Batterie unter der Rückbank ist deutlich kompakter als bisher, 12 Kilo leichter und für das andauernde Wechselspiel zwischen Laden und Entladen besser geeignet als der bisherige Akku. Das gesamte Fahrzeug wurde 20 Kilogramm leichter. Verbrauch: niedrige 3,7 Liter auf 100 Kilometer – und zwar nach dem realitätsnahen WLTP-Zyklus. Daraus resultiert ein niedriger CO₂-Ausstoß von 86 Gramm pro Kilometer. Sparsamer geht es kaum mit einem Benziner, auch wenn Toyota noch von vorläufigen Werten spricht.

Ist der Papierwert auch in der Praxis zu halten? Ja, ist er, wie wir auf unseren ersten Testfahrten feststellen konnten. Wer eine entspannte Fahrweise an den Tag legt, die dem Hybridantrieb entgegenkommt, also behutsam Gas gibt, viel segelt und eher Landstraßen- statt flottes Autobahntempo pflegt, kommt problemlos auf eine Drei vor dem Komma.

Der Benziner schaltet dabei oft ab, und in vielen Fahrsituationen übernimmt der Elektromotor. Mehr als zwei bis drei Kilometer rein elektrisch kommt der Yaris zwar nicht, doch dafür ist der Hybrid auch nicht konstruiert. Toyota-typisch findet der automatische Wechsel bzw. das Zusammenspiel der Antriebe unmerklich statt, der Fahrer muss nur Gas geben und bremsen.

Das Aufheulen des Motors ist passé

Dass dem Hybriden das gequälte Aufheulen beim Beschleunigen fast ganz abgewöhnt wurde, nimmt man beim Fahren gerne zur Kenntnis, zudem geht es deutlich leiser zu als im alten Modell. Der Motor klingt sogar ganz gut – vom sonst üblichen Dreizylinder-Brummen ist hier fast nichts zu hören. Nur bergauf klingt der Motor bei hohen Drehzahlen etwas angestrengter.

Ansonsten beschleunigt der Yaris Hybrid fast verzögerungsfrei und merklich flotter als bisher. Dem alten Modell nimmt der neue rund zwei Sekunden ab beim Sprint auf 100 km/h und erledigt ihn in 10,5 Sekunden. Zum kleinen GTI wird der Yaris dennoch nicht, dafür ist das Fahrwerk zu soft abgestimmt und die Lenkung ein wenig zu leichtgängig. Die Spitze wird bei 175 km/h begrenzt.

Innen dominiert leider immer noch ein mausgraues Kunststoffcockpit, das immerhin an manchen Stellen softere Oberflächen aufweist als das des Vorgängers. Besonders im Fond mit eingeschränktem Platzangebot und steiler Rückenlehne wirkt der Yaris noch wie ein klassischer Kleinwagen. Gut: Die Sitze sind bequem und bieten guten Seitenhalt, die Sitzposition ist dank besser verstellbarem Lenkrad angenehmer als beim alten Modell.

Die Verarbeitung war bei den Vorserienmodellen, die zu ersten Testfahrten bereitstanden, aber noch ausbaufähig. Bis die Serienproduktion im Juni in Frankreich startet, sollten sich ungleiche Spaltmaße und unsauber verlegte Teppiche erledigt haben.

Bei den Assistenzsystemen gibt sich der kleine Yaris wie ein Großer. Zum Großteil Serie sind zum Beispiel Abstandsradar, Spurhalte- und ein Notbremsassistent, der bis 180 km/h funktioniert. Bei querenden Fußgängern bremst der Yaris automatisch, und beim Rückwärtsausparken warnt er vor Querverkehr. Ein Head-up-Display zeigt wichtige Infos wie Tempo oder Navigationsdaten, und die Verkehrszeichenerkennung funktioniert besser als bisher. Neu: Seitenairbags, die sich zwischen den Vordersitzen aufblasen, damit Fahrer und Beifahrer bei einem Crash nicht kollidieren.

Preis: Knapp 18.000 Euro für den Yaris Hybrid

Zum Preis hat sich Toyota noch nicht geäußert, doch der dürfte auf dem Niveau des Vorgängers liegen. Mit knapp 18.000 Euro für die Hybridversion ist also zu rechnen. Zusätzlich wird es zwei weitere Benziner mit 1,0 und 1,5 Litern Hubraum ohne Hybridtechnik zu günstigeren Preisen ab rund 13.000 Euro geben.

Fazit

Bisher hatte Toyota im Kleinwagensegment kaum Hybrid-Konkurrenz zu fürchten. Doch bald kommen der Honda Jazz und auch der Renault Clio als Vollhybride in den Handel. Ob dann die Karten neu gemischt werden? Beim Verbrauch legt Toyota die Messlatte zumindest sehr hoch.

Daten, Verbrauch, Maße

Vorläufige Daten (Herstellerangaben)Toyota Yaris 1.5 Hybrid
Motor/AntriebDreizylinder-Benzin-Hybrid, 1490 cm³, 85 kW/116 PS Systemleistung, 120 Nm Drehmoment (Benziner), 141 Nm (E-Motor)
Fahrleistungen10,5 s auf 100 km/h, 175 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP)3,7 l Super/100 km, 86 g CO₂/km
MaßeL 3,94 / B 1,75 / H 1,47 m
Kofferraumk. A.
Leergewicht / Zuladungca. 1035 kg / k.A.
Anhängelast (ungebremst / gebremst)k. A.
Preisab ca. 18.000 €