Škoda Fabia im Test: Kleinwagen war gestern

• Lesezeit: 7 Min.

Von Jochen Wieler

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Der Skoda Fabia fahrend
Schick unterwegs: Die vierte Generation des Fabia© Skoda

Länger, breiter, flacher: Der seit 2021 erhältliche aktuelle Škoda Fabia hat die Vier-Meter-Marke längst übersprungen und bietet noch großzügigere Platzverhältnisse als der Vorgänger. ADAC Test mit Daten, Fakten und Preisen.

  • Ausschließlich Benzinmotoren zu haben

  • Preis: Basismodell ab 20.190 Euro

  • Im ADAC Test: Fabia 1.0 mit 95 und 110 PS und Sondermodell "130"

Der aktuelle Škoda Fabia ist erwachsener und größer als alle Generationen zuvor. Der ADAC hat den Kleinwagen mit 110- (jetzt 115-) und 95-PS-Benziner ausführlich getestet. Sein Auftritt überzeugt: Die Konzern-Brüder Seat Ibiza und VW Polo, mit denen sich der Fabia die Plattform teilt, haben mit ihm einen starken Konkurrenten bekommen – und fühlen sich gleichzeitig ein bisschen älter an. Oder wie es die ADAC Ingenieure ausdrücken: Der Fabia ist schlichtweg einer der besten Kleinwagen, die man derzeit kaufen kann.

Der Fabia ist größer als die Konkurrenz

Ein orangener Skoda Fabia ML fährt auf einer Strasse
Typischer Skoda-Look auch von hinten: Der Fabia© Skoda

Denn der Fabia der vierten Generation hat zum Modellwechsel 2021 andere Proportionen bekommen: Aus dem Kleinwagen ist ein richtig erwachsenes Auto geworden. Der Tscheche ist viel mehr in Richtung Golfklasse als sein Vorgänger gerückt. Die Zahlen belegen das: Reihte sich der bis 2021 gebaute Vorgänger-Fabia noch mit rund vier Metern Länge ganz brav in die Kleinwagenklasse ein, ist der aktuelle über sich hinausgewachsen. Mit einer Länge von 4,11 Metern (+ 11 Zentimeter) und einer Breite von 1,78 Metern (+ 4,8 Zentimeter) sowie einem um 9,4 Zentimeter gewachsenen Radstand bietet er fast exakt die Maße eines Golf IV.

Beim Einsteigen ist das sofort zu merken. Innen bietet der Fabia deutlich mehr Platz als etwa der Opel Corsa oder der Peugeot 208, die besonders hinten arg knapp geschnitten sind. Im Fabia dagegen sitzt man auf gut gepolsterten Sitzen vorne wie hinten bequem und luftig, auch wenn zum größeren Bruder Scala (4,36 Meter Länge) noch ein Respektabstand bleibt. Selbst vier Erwachsene finden bequem Platz. Das ist für einen Kleinwagen nicht selbstverständlich.

Der Fabia hat auch den Citigo ersetzt

Kofferraum mit umgeklappten Sitzen vom Skoda Fabia ML
Wegen der größeren Karosserie wuchs der Kofferraum um 50 Liter© Skoda

Die bessere Raumausnutzung zeigt sich auch am Kofferraumvolumen, das laut Škoda samt doppeltem Boden um 50 auf 380 Liter wächst. Nach der ADAC Messmethode sind es immerhin 310 Liter, bei voller Ausnutzung des Raumes hinter den Vordersitzen bis zu 1130 Liter. Statt als Zweitwagen dürfte der neue Fabia daher vielen sogar als Erstwagen ausreichen – in die teurere Golf-Klasse muss man da kaum noch investieren. Einzig parkraumgeplagte Großstädter werden das Größenwachstum mit Argwohn betrachten, haben aber zumindest bei Škoda keine Wahl mehr: Der kleinere Stadtflitzer Citigo wurde längst eingestellt. Der Fabia ist nun der Einstiegs-Škoda.

Digitalinstrumente, drei Bildschirmgrößen

Digitale Anzeige vom Skoda Fabia ML
Die Klima-Bedienung im Navi-System Amundsen© Skoda

Doch Verzicht üben muss man beim kleinsten Škoda nicht: Der Fabia bietet ein Innenraum-Gefühl, das in der Kleinwagen-Klasse Maßstäbe setzt. Die Materialien sind zwar klassenüblich aus Plastik, sehen jedoch mit ihrer Narbung hochwertig aus und fühlen sich auch gut an. Die runden Lufteinlässe an den Seiten der waagerechten Instrumententafel waren im Testwagen ebenso verchromt wie die Türöffner, den vorderen Stoffbezug zieren Kontrastnähte.

Interessant sind auch einige Komfortoptionen, die bislang höheren Fahrzeugklassen vorbehalten waren: beispielsweise eine beheizbare Frontscheibe für freie Sicht im Winter und ein beheizbares Lederlenkrad, das im aktuellen Škoda-Stil mit nur zwei Speichen auskommt.

360-Grad-Blick in den Innenraum

Die Bedienung des Fabia ist bodenständig geblieben. Klar, auch er hat ein rein digitales Kombiinstrument mit einem 10,2 Zoll großen Bildschirm hinter dem Lenkrad wie seine größeren Brüder und einem Touchscreen über den Lüftungsdüsen. So viel Modernität muss sein.

Aber: Im Gegensatz zu einem VW Golf oder Octavia gibt es noch einen ganz konventionellen Drehschalter fürs Licht. Und die Heizungssteuerung ist – wenn man sich nicht für das große Amundsen-Navi entscheidet – nicht in die Bildschirmmenüs gewandert, wo man sich bei manch anderen Modellen umständlich durchtippen muss, um es etwas wärmer zu haben. Der Fabia setzt in der Regel auf ganz klassische Drehregler, etwa für die Lautstärke und zum Durchscrollen in den Menüs.

Fabia mit hohem Fahrkomfort

Das Panoramaglasdach vom Skoda Fabia ML
Luftig: Das Panoramadach kostet Aufpreis © Skoda

Doch ab auf die Straße. Der Fabia zeigt, dass ein komfortorientiertes Standardfahrwerk keine Nachteile bei der Fahrstabilität bedeuten muss. Er fährt sauber geradeaus und lässt sich von Spurrinnen und Fahrbahnverwerfungen kaum aus der Ruhe bringen. Auch reagiert er gut auf Lenkimpulse und kann einwandfrei beherrscht werden. In schnell durchfahrenen Wechselkurven halten sich die Lastwechselreaktionen in Grenzen, treibt man es zu bunt, greift das ESP hilfreich und sauber abgestimmt ein.

Die Lenkung des Fabia möchte den Fahrer möglichst wenig anstrengen, entsprechend leichtgängig lässt sich das Lenkrad drehen. Was im Stadtverkehr ganz angenehm ist, geht bei höheren Geschwindigkeiten zu Lasten der Präzision und der Stabilität, denn die vergleichsweise hohe Lenkunterstützung wird zu wenig zurückgenommen.

110-PS-Motor untenrum schlapp

Im ADAC Test vom Januar 2022 musste sich der zweitstärkste Antrieb beweisen, ein 1,0-TSI-Dreizylinder mit 81 kW/110 PS, der mittlerweile auf 115 PS erstarkt ist. Auch wenn sich 110 PS für einen Kleinwagen nach viel Leistung anhören, man muss bereit sein, bei Bedarf eifrig zu schalten. Denn unter 2000 U/min kommt der Turbobenziner nur gemächlich in Gang, vom maximalen Drehmoment von immerhin 200 Nm ist da noch nicht viel zu spüren.

Die Elastizität von 60 auf 100 km/h im 4. und 5. Gang ist gut, hierfür braucht man 8,2 bzw. 11,3 Sekunden, weil der Motor im günstigen Leistungsbereich läuft. Im 6. Gang ist die Drehzahl dann wieder etwas niedrig und man muss sich für diesen Geschwindigkeitszuwachs 17,8 Sekunden Zeit nehmen. Wer nicht so gern selbst schaltet, kann den Motor mit dem 7-Gang-DSG kombinieren; neben dem höheren Kaufpreis muss man dann aber mit einem etwas höheren Verbrauch rechnen.

Im ADAC Verbrauchstest liegt der Verbrauch des 110-PS-Fabia mit dem Einliter-Turbobenziner und Sechsgang-Handschaltung bei durchschnittlich 5,7 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer.

Die Topmotorisierung ist derzeit ein Vierzylinder-TSI im Sondermodell zum 130-jährigen Markenjubiläum mit 130 kW/177 PS. Wie lang diese Motorisierung im Programm bleiben wird, ist noch nicht klar. Der ADAC hat aber auch diese Variante getestet:

Die Mehrzahl der Fabia-Kunden wird sich aber mit einem der schwächeren Motoren zufriedengeben. Die weiteren Leistungsstufen des 1,0-Liter-Benziners: 59 kW/80 PS (etwas betagt noch mit Saugrohreinspritzung), der modernere Direkteinspritzer mit 70 kW/95 PS und der 1.5 TSI mit 150 PS.

95-PS-Benziner im ADAC Test

Ein orangener Skoda Fabia ML fährt auf einer Strasse
Mit 4,11 Metern Länge gehört der Fabia zu den großen Kleinen© Skoda

Auch die 95-PS-Version hat der ADAC getestet. Im Grunde ist seine Leistung absolut ausreichend im Alltag, doch auch bei diesem Motor muss man fleißig schalten. Besonders deutlich wird diese Lethargie im Drehzahlkeller, wenn man im zweiten Gang von 15 auf 30 km/h beschleunigen will, etwa beim Abbiegen innerorts, und dabei gefühlt endlos lange 3,7 Sekunden vergehen.

Laut Hersteller schafft die 95-PS-Version 190 km/h Spitze und ist in 10,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Nicht schlecht für einen Kleinwagen, für alle normalen Fahrten hat man genug Leistung dabei. Die Laufkultur hat im Vergleich zur früheren Variante des Antriebs aus dem VW-Regal spürbar zugelegt und ist für einen Dreizylinder erstaunlich gut. Die Abstufungen des Fünfgang-Getriebes wurden sinnvoll gewählt, es entstehen keine großen Drehzahlsprünge.

Im Test liegt der Verbrauch des 95-PS-Fabia mit dem Einliter-Turbobenziner und Fünfgang-Handschaltung bei durchschnittlich 5,4 l Superbenzin auf 100 Kilometer, also nochmal 0,3 Liter unter dem Wert des stärkeren Testkandidaten.

Verwunderlich ist aber, dass eine derzeit übliche Elektrifizierung der Antriebe am Fabia noch spurlos vorübergegangen ist. Aber man muss sich ja auch noch etwas für das kommende Facelift aufheben.

Viele gute Ideen für den Alltag

Regenschirm in der Tür vom Skoda Fabia ML
Simply clever: Der Regenschirm in der Fahrertür© Skoda

Im Alltag dürften vielen Fabia-Nutzern auch die zahlreichen "Simply-Clever"-Ideen auffallen. An den Rückenlehnen der Vordersitze gibt es etwa Smartphone-Taschen. Ein herausklappbarer Ladekantenschutz schützt vor Kratzern, Haltebänder sowie Haken und Netze im Kofferraum vor herumfliegenden Gegenständen. Selbstredend bietet der Fabia auch einen umklappbaren Beifahrersitz, der Regenschirm lässt sich wie bei den größeren Modellen in der Fahrertür verstauen.

Preis: 20.190 Euro für den günstigsten Fabia

Skoda Fabia
Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Fabia überzeugt© ADAC/Jochen Wieler

In der 80-PS-Basis ist der Fabia ab 20.190 Euro zu haben, mit kräftigeren Motoren oder einer besseren Ausstattung sollte man eher mit mehr als 25.000 Euro kalkulieren. Aber: Er bietet aktuell wohl neben dem Honda Jazz den höchsten Nutzwert in seiner Klasse – und ist damit als inzwischen erwachsener Kleinwagen sein Geld auch wert.

Škoda Fabia: Technische Daten, Preis*

Technische Daten (Herstellerangaben)

Skoda Fabia 1.0 TSI Selection (ab 05/25)

Skoda Fabia 1.0 TSI Selection (ab 05/25)

Motorart

Otto
Otto

Hubraum (Verbrennungsmotor)

999 ccm
999 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

70
85

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

95
115

Drehmoment (Systemleistung)

175 Nm
200 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.000 U/min
5.000 U/min

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

10,7 s
9,3 s

Höchstgeschwindigkeit

190 km/h
202 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

112 g/km
112 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

4,9 l/100 km
5,0 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

380 l
380 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.190 l
1.190 l

Leergewicht (EU)

1.181 kg
1.201 kg

Zuladung

429 kg
436 kg

Anhängelast ungebremst

570 kg
580 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg
1.100 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.108 mm x 1.780 mm x 1.459 mm
4.108 mm x 1.780 mm x 1.459 mm

Grundpreis

23.440 Euro
24.660 Euro

* Daten und Preise aktueller Modellversionen

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)Škoda Fabia 1.0 TSI Style (110 PS)Škoda Fabia 1.0 TSI Style (95 PS)

Überholvorgang 60 – 100 km/h

6,3 s

6,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,4 m

34,8 m

Wendekreis

10,8 m

10,8 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,7 l Super/100 km, 158 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

5,4 l Super/100 km, 148 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

****

Reichweite

700 km

740 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,1 dB(A)

70,6 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1205 / 475 kg

1162 / 468 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

310 / 735 / 1130 l

310 / 735 / 1165 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Skoda Fabia 1.0 TSI Style (07/21 - 04/23)

Skoda Fabia 1.0 TSI Style (07/21 - 04/23)

Karosserie

2,8
2,7

Innenraum

2,4
2,4

Komfort

2,9
2,9

Antrieb

2,5
2,7

Fahreigenschaften

2,2
2,4

Sicherheit

2,0
2,1

Umwelt

2,0
1,8

Gesamtnote

2,3
2,3
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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