Hyundai i20: Test des kleinen Designerstücks

Der Hyundai i20 mit üppigem Kühlergrill
Der Hyundai i20 mit üppigem Kühlergrill© Hyundai

2020 kam die aktuelle Auflage des Hyundai i20 auf den Markt. Der Kleinwagen ist jetzt bei Sicherheit und Technik auf dem neuesten Stand – und auch ein kleines Designerstück geworden. ADAC Test von zwei Mildhybrid-Benzinern, Daten, Preise.

  • Basispreis ab 14.410 Euro für die 84-PS-Version

  • Hyundai i20 auch mit 48-Volt-Hybridtechnik zu haben

  • Viele Assistenzsysteme, gute Konnektivität

Wer der Meinung ist, alle modernen Autos würden gleich aussehen, dürfte sich vom aktuellen Hyundai i20 eines Besseren belehren lassen. Zumindest das Heck des Kleinwagens kommt mit einem durchgehenden Leuchtenband sehr eigenständig daher. Hinzu kommen nette Details wie der Tankdeckel, der eine Einheit mit dem um die Ecke gezogenen Abdeckglas der Heckleuchte bildet. Auch von seinem Konzernbruder Kia Rio hebt sich der i20 deutlich ab.

Vorn fällt der Koreaner dagegen etwas unauffälliger aus, ist insgesamt aber drei Zentimeter breiter und gut zwei Zentimeter flacher als das Vorgängermodell, was ihn durchaus ein bisschen sportlicher wirken lässt. Mit einer Länge von 4,04 Metern kommt der i20 nach wie vor auf das Maß von Opel Corsa, VW Polo und Renault Clio.

Hyundai i20 Motoren: Ausschließlich als Benziner

Auffällig: Die Leuchtengrafik am i20-Heck © Hyundai

Sieht man von der 204 PS starken "N"-Version als Alternative zum Polo GTI einmal ab, gibt sich der neue i20 in Sachen Motorisierung aber eher bodenständig denn allzu sportiv. Die "normale" Modellpalette beginnt beim 84 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder für 14.410 Euro und endet beim 26.785 Euro teuren 1.0-Liter-Turbo mit 120 PS und Doppelkupplungsgetriebe in der Version Prime.
Kunden mit begrenztem Budget und potenziellem Interesse an der Basisversion namens "Pure" seien allerdings vorgewarnt: Diese bietet Hyundai zwar günstig an, doch das Fahrzeug wird beispielsweise ohne Klimaanlage ausgeliefert und kann auch gegen Aufpreis nicht damit ausgerüstet werden. Erst die gut 2600 Euro teurere Ausstattungslinie "Select" enthält dann nicht nur die Möglichkeit, den Innenraum herunterzukühlen, sondern darüber hinaus Features wie Digitalradio und Bluetooth-Freisprecheinrichtung.

Hyundai i20 als 48-Volt-Hybrid im ADAC Test

Mit 4,04 Metern Länge ist der i20 ein klassischer Kleinwagen © Hyundai

Für gut 1000 Euro mehr bekommt man dann modernere Motorentechnik in Form eines 1,0-Liter-Dreizylinder mit 100 PS, Turbolader und Sechsganggetriebe, den es auch mit 48-Volt-System inklusive Riemenstarter und Segelfunktion gibt (abermals gut 1000 Euro extra). Hier boostet eine kleine E-Maschine ein paar Zusatz-Newtonmeter auf die Kurbelwelle, um beim kräftigen Anfahren die kleine Verzögerung des Turbos auszumerzen – und Kraftstoff zu sparen.

Beim ADAC Test zeigte sich der 100-PS-Motor seiner Aufgabe durchaus gewachsen. Er drückt bereits ab 1500 U/min ordentliche 172 Nm auf die Kurbelwelle, die Fahrleistungen des
Kleinwagens sind dementsprechend angemessen flott. Bei den ADAC Messungen benötigte der i20 respektable 6,3 Sekunden für den Sprint von 60 auf 100 km/h. Mit dem Doppelkupplungsgetriebe sind laut Hersteller aus dem Stand 100 km/h in 11,4 Sekunden erreicht, die Spitze ist mit 185 km/h angegeben.

Der Motor reagiert auf Leistungsanforderung mit einem kernigen bis knurrigen Klang und wird beim Ausdrehen etwas lauter. Seine Leistung entfaltet er mit Nachdruck, wobei er immer einen kurzen Moment Luft holen muss, bis er durchzieht – hier wirken sich der geringe Hubraum in Kombination mit der hohen Aufladung aus.

Und wie sieht es mit der für innerorts versprochenen Kraftstoffersparnis von einem Liter je 100 Kilometer dank der 48-Volt-Technologie aus? Nun ja, die Praxis in Form des strengen ADAC Ecotests belegt diese Behauptung nicht unbedingt. Denn innerorts verbrauchte der Testwagen 6,4, außerorts 5,6 und auf der Autobahn vergleichsweise hohe 7,3 Liter je 100 Kilometer. Der Durchschnittsverbrauch im ADAC Test beträgt 6,3 Liter, das ist heutzutage für einen Kleinwagen kein besonders guter Wert.

Der serienmäßige Otto-Partikelfilter (OPF) reduziert zwar die Partikelemissionen, trotzdem bleiben sie in allen Messzyklen hoch, das gibt Punktabzüge. Zudem fettet der Motor beim wegen des hohen Volllastanteils anspruchsvollen Autobahnzyklus stark an, was sich in einem hohen CO-Wert bei den Emissionen widerspiegelt. Unterm Strich schafft der Kandidat aber noch knapp den vierten von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Hyundai i20 mit 120 PS: Einen Tick sparsamer

Noch etwas munterer geht die ebenfalls getestete 120-PS-Version des Dreizylinder-Turbobenziners ans Werk. Kein Wunder, liefert sie doch bei 1500 U/min kräftige 200 Nm. Die Fahrleistungen sind denn auch angemessen flott. Bei den Messungen im ADAC Autotest benötigt der i20 N Line respektable 6,7 Sekunden für den Sprint von 60 auf 100 km/h und 8,1 von 80 auf 120 km/h. Aus dem Stand sind 100 km/h laut Hersteller in 10,1 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 188 km/h angegeben.

Und der Verbrauch? Durchschnittlich 5,9 Liter Superbenzin werden je 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen gepresst. Innerorts verbraucht der Testwagen 5,6, außerorts 5,2 und auf der Autobahn 7,0 Liter je 100 Kilometer. Auch hier bleiben die Partikelemissionen trotz Otto-Partikelfilter in allen ADAC Zyklen über den strengen Ecotest-Grenzwerten, das gibt ebenfalls Punktabzüge. Zudem fettet der Motor im wegen des hohen Volllastanteils anspruchsvollen Autobahnzyklus an, was sich in einem erhöhten CO-Wert widerspiegelt. Wegen des niedrigeren Verbrauchs schafft der stärkere Testkandidat im leichten Sport-Dress der N-Line-Ausstattung aber locker vier von fünf Ecotest-Sternen.

Weitere Kleinwagen im Test

Hyundai i20: Die Fahrdynamik macht Spaß

Der i20 fährt in beiden Versionen sicher und agil. Spurrinnen und Fahrbahnverwerfungen haben nur leichten Einfluss auf die Spurtreue. Auf Lastwechsel in Kurven reagiert er mit einer merklichen Übersteuerneigung, das ESP schreitet aber zackig ein und hält den Hyundai auf Kurs. Auch im ADAC Ausweichtest zeigt sich diese Tendenz des Übersteuerns, insgesamt fährt der Kleinwagen, begleitet von den ESP-Eingriffen, aber absolut sicher durch den Parcours. Unsouverän wirkt nur die ruppige, aber wirkungsvolle ESP-Regelung.

Unter fahrdynamischen Gesichtspunkten macht der i20 richtig Spaß, diesseits der ESP-Regelung folgt die Vorderachse den Lenkbefehlen engagiert, die Hinterachse drängt leicht nach außen, das ist die Kleinwagen-Formel für Fahrspaß. Dazu passt, dass die Getriebesteuerung – der erste Testwagen war mit Automatik ausgestattet – meist zum passenden Zeitpunkt den richtigen Gang wählt, über die drei Fahrmodi von Eco bis Sport kann man gut nachvollziehbar das angestrebte Drehzahlniveau beeinflussen. Die Schaltvorgänge sind allerdings, untypisch für ein Doppelkupplungsgetriebe, eher gemächlich. Gut: Das Start-Stopp-System wirft den Benziner dank des 48-Volt-Systems mit integriertem Startergenerator in Windeseile an, der rumplige Start früherer Motoren ist hier Geschichte.

Die sechs Gänge beim N-Line-Benziner (nicht verwechseln mit der starken Sportversion "N") mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe lassen sich recht präzise und schnell wechseln, beim Losfahren ist allerdings etwas Feingefühl im Kupplungsfuß nötig. Die Gänge sind passend gestuft, beim Hochschalten ist genügend Durchzugskraft vorhanden. Die elektronisch geregelte Kupplung entkoppelt den Motor in bestimmten Fahrsituationen und abhängig von der Motordrehzahl vom Getriebe und ermöglicht den kraftstoffsparenden Segelmodus, sobald der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. Auch hier arbeitet das Start-Stopp-System äußerst ruckarm – der Fahrer bekommt das Abstellen und Starten des Verbrenners lediglich akustisch und beim Blick auf den Drehzahlmesser mit.

Bei den Hybridversionen ist der Kofferraum kleiner

Hyundai i20 mit großem Kofferraum. Bei den Mild-Hybridversionen ist er kleiner © Hyundai

Und wie steht es um das Platzangebot? Das fällt wie schon beim Vorgänger sehr ordentlich aus. Auf den vorderen Plätzen finden Personen bis 1,95 Meter genug Platz, die Kopffreiheit reicht sogar für deutlich mehr. Auf der Rückbank geht es zwar enger, aber für einen Kleinwagen immer noch überraschend geräumig zu. Sind die vorderen Sitze für 1,85 Meter große Menschen eingestellt, wird es dahinter im Kniebereich erst ab etwa 1,95 Meter Körpergröße knapp. Die Kopffreiheit limitiert aber auf rund 1,90 Meter.

Wer Wert auf einen maximal großen Kofferraum legt, sollte von den 48-Volt-Versionen Abstand nehmen. Die Antriebsbatterien schmälern das Fassungsvermögen erkennbar, so dass nach ADAC Messung nur noch 205 bis 1005 Liter übrig bleiben. Die Ladekante befindet sich mit 73 Zentimetern recht hoch über der Straße.

Richtig aufgerüstet haben die Koreaner in Sachen Infotainment. Jedenfalls bestechen die höher ausgestatteten Versionen durch das 10,25 Zoll große Display (Kombiinstrument) nebst Acht-Zoll-Zentraltouchscreen und eine optimale Smartphone-Anbindung via Android Auto und Apple CarPlay. Smartphones lassen sich nun auch kabellos laden, "Live Services" informieren über freie Parkplätze, das Wetter oder lokalisieren das Auto, falls es der Fahrer in einer fremden Stadt nicht mehr findet. Über die "Last Mile Navigation" kann die Routenführung am Smartphone fortgesetzt werden, wenn das Ziel etwa in einer Fußgängerzone liegt. Auch eine natürliche Sprachsteuerung hat der i20 nun an Bord.

Viele Assistenzsysteme, fünf Jahre Garantie

Hyundai i20 mit modernem Cockpit und großem Bildschirm © Hyundai

Die Bedienung des i20 gelingt recht einfach; weil die Standardfunktionen einerseits nicht in Untermenüs versteckt sind, andererseits, weil Hyundai auf vergleichsweise große und klare
Tasten setzt. Die üblichen Funktionen hat man gut im Griff, auch wenn ein paar Details wie der Lichtschalter im linken Lenkstockhebel nicht optimal sind. Die ab der Trend-Ausstattung digitalen Instrumente sind klar gezeichnet und gut ablesbar; alle nötigen Infos werden angezeigt oder sind über den Bordcomputer abrufbar.

Der i20 verfügt serienmäßig über das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) und eine indirekte Reifendruckkontrolle. In der getesteten Ausstattung Trend sind auch ein radarbasierter Notbremsassistent mit Kollisionswarnung samt Abbiege-Kreuzungsassistent, Spurhaltesystem mit Lenkeingriff, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Verkehrszeichenerkennung und Müdigkeitswarner an Bord.

In der Aufpreisliste finden sich dann noch ein Totwinkelwarner inklusive Querverkehrerkennung beim Rückwärtsfahren. Nur in der höheren Ausstattung Prime bremst der i20 für 750 Euro extra (Assistenzpaket Plus) bei erkanntem Querverkehr optional selbstständig, auch der Abstandhaltetempomat samt Übernahme der von der Frontkamera erkannten Geschwindigkeitsbegrenzung (Assistenz-Paket Plus inkl. NSCC, 1080 Euro) ist dem Prime vorbehalten. Nach wie vor lobenswert: Auch beim i20 bietet Hyundai fünf Jahre Garantie.

Hyundai i20: Technische Daten, Preis

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V-Hybrid Trend DCT

Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V-Hybrid N Line iMT

Überholvorgang 60 – 100 km/h

6,3 s

6,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,5 m

33,1 m

Wendekreis

11,1 m

11,1 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,3 l Super/100 km, 176 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

5,9 l Super/100 km, 160 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

****

Reichweite

635 km

675 km

Innengeräusch bei 130 km/h

70,6 dB(A)

70,2 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1210 / 440 kg

1176 / 464 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

205 / 595 / 1005 l

205 / 595 / 1005 l

ADAC Testergebnis

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Text mit Material von SP-X