Opel Corsa-e im Test: Elektro-Kleinwagen mit akzeptabler Reichweite

Opel Corsa e fahrend auf der Straße
Optisch unterscheidet sich der Corsa-e nicht vom Corsa mit Verbrenner© Opel

Der Opel Corsa mit Elektroantrieb ist ein gelungenes und konkurrenzfähiges Fahrzeug – so das Urteil nach dem ausführlichen ADAC Test. Infos, Bilder, Reichweite, Preis

  • Elektro-Corsa mit 50-kWh-Batterie mit 280 km Reichweite im Test

  • Mit Förderung ab knapp unter 20.000 Euro erhältlich 

  • Drei Fahrmodi wählbar je nach Situation und Laune

Geringe Reichweite, hoher Preis, lange Ladezeiten – die möglichen Schwachstellen von Elektroautos sind bekannt. Aber die Modelle werden auch in diesen Punkten immer besser. Und dass es keinen Spaß machen würde, ein Elektroauto zu fahren, kann man nun wirklich nicht behaupten. Meistens ist sogar das Gegenteil richtig: Das Fahren macht große Freude.

Das gilt auch für den Opel Corsa-e. Da sein maximales Drehmoment von 260 Newtonmetern schon beim Anfahren zur Verfügung steht, muss man den Corsa-e nicht mal in den Sportmodus mit maximaler Leistung von 100 kW/136 PS versetzen, um sich wie ein kleiner König im Verkehrsgetümmel zu fühlen. Auch im Normalbetrieb (220 Nm, 109 PS) ist der Elektro-Opel flott, und selbst im Eco-Modus (180 Nm, 82 PS) hat er genügend Beschleunigungskraft, um souverän mitzuhalten. Im Sportmodus kann es auf feuchter Straße schon mal vorkommen, dass die Vorderräder durchdrehen.

18,8 kWh Stromverbrauch im Test

Und wie effizient geht der Corsa mit Energie um? Im ADAC Ecotest wurde ein durchschnittlicher Stromverbrauch von 18,8 kWh pro 100 Kilometer ermittelt. Diese Verbrauchsangabe beinhaltet auch die Ladeverluste bei 3-phasiger Ladung mit 16 A; um die 46-kWh-Batterie (netto) einmal komplett von leer auf voll zu laden, werden 53,1 kWh benötigt. Unterm Strich schafft der kleine Opel-Stromer die vollen fünf Ecotest-Sterne.

Reichweite und Fahrspaß schließen sich nicht aus

Heckansicht des Opel Corsa e fahrend auf der STraße
Corsa-e: In der Stadt souverän unterwegs © Opel

Nun ist das Beschleunigen nicht alles beim Autofahren, gerade beim Elektroauto zählt auch das Bremsen. Sobald der Fuß vom Pedal genommen wird, rollt ein E-Auto nicht einfach aus, sondern es gewinnt Energie zurück (Rekuperation): Der Motor wirkt als Generator und lädt die Batterie auf. Beim Corsa-e kann man das Rekuperieren in zwei Stufen haben, wobei sich das Ausrollen in der stärkeren Stufe anfühlt, als halte jemand das Auto hinten fest.

Bis zum Stillstand kommt der Corsa-e so aber nicht, sondern er kriecht wie ein Automatik-Auto immer weiter, wenn nicht doch die Bremse betätigt wird. Andere Hersteller setzen bei ihren Elektromodellen (z. B. BMW i3 und Nissan Leaf) auf das sogenannte One-Pedal-Feeling, also das Fahren ohne Bremspedal, sofern nicht plötzlich angehalten werden muss. Opel hat sich dagegen für eine klassischere Auslegung entschieden. Und bietet zudem eine sehr wirksame Verzögerung: Im ADAC Test kam er aus 100 km/h in nur 32,3 Metern zum Stillstand – das ist ein sehr guter Wert.

Corsa-e mit 280 Kilometer Reichweite im Test

Ladestecker am Opel Corsa e
Der Corsa-e lädt mit bis zu 100 kW an der DC-Säule © Opel Automobile GmbH

Nicht nur mit seiner schicken Karosserie, sondern auch bei der wichtigsten Währung für Elektroautos, der Batteriegröße, kann sich der Kleinwagen von 4,06 Meter Länge sehen lassen: Der 50-Kilowattstunden-Akku (nutzbar sind davon allerdings nur 46 kWh) erlaubt eine Reichweite von bis zu 337 Kilometern im WLTP-Zyklus. In der Praxis ist dies zumindest bei reinen Stadtfahrten und Wohlfühltemteratur für die Batterie (rund 20 Grad Celsius) möglich - doch gerade in der Stadt ist die Reichweite eigentlich nicht so entscheidend.

Beim ADAC Ecotest mit gemischter Fahrweise war nach 280 Kilometern Schluss. Klingt gut, doch wer bei frostigen Temperaturen fährt oder auf der Autobahn, sollte eher mit 200 kalkulieren, unter beiden ungünstigen Bedingungen auch mit noch weniger.

Corsa-e: Die Ladezeit variiert stark

Kurz kann die Ladezeit ausfallen, denn Highspeed-Charging erlaubt eine 80-Prozent-Ladung in 38 Minuten: Der Corsa-e verträgt bis zu 100 kW Ladeleistung an Schnellladesäulen (CCS). Beim Testwagen lag die Ladeleistung bei bis zu 87 kW, und das nur in einem begrenzten Bereich. Ab einem Ladezustand von circa 50 Prozent wird sukzessive und in mehreren Stufen auf bis zu 10 kW reduziert (bei 85 Prozent). In 10 Minuten können im Idealfall um die 70 Kilometer, in einer halben Stunde um die 180 km Reichweite nachgeladen werden. Daran sieht man jedoch auch, dass Langstrecken mit dem kleinen Opel kein Vergnügen sind.

Für das Laden zu Hause empfiehlt sich eine Wallbox (je nach Ausführung bis zu 1200 Euro; bis elf kW), dreiphasiges Laden bis elf kW kostet satte 1190 Euro Aufpreis. Dann soll der Akku im Idealfall in 5:15 Stunden wieder gefüllt sein.

Insgesamt wiegt der Elektro-Opel 1530 Kilogramm, wovon allein 345 auf das Konto der Antriebsbatterie gehen. Die zusätzlichen Pfunde sind dem Auto anzumerken, es federt dank angepasster Fahrwerksabstimmung und modifizierter Achsen weniger knackig als das Verbrenner-Pendant. Auf der Habenseite steht ein niedriger Schwerpunkt, da die Akkus im Fahrzeugboden liegen. Der Corsa-e fährt sauber geradeaus und lässt sich von Spurrinnen und Fahrbahnverwerfungen kaum aus der Ruhe bringen. Er reagiert gut auf Lenkimpulse und kann einwandfrei beherrscht werden. Seitenneigung und Aufbaubewegungen bleiben im Rahmen.

Digitales Cockpit mit modernem Infotainment

Cockpit und Innenraum des Opel Corsa Elektro
Im Cockpit gibt es (optional) digitale Instrumente und einen Touchscreen © Opel

Unter dem Strich hinterlässt der Corsa-e einen überzeugenden Eindruck, weil die Elektrovariante ihrem Fahrer kaum Einschränkungen zumutet. Der Innenraum ist im selben Maße nutzbar wie der eines Benzin- oder Diesel-Corsa. Nur der Raum unter dem Boden des Gepäckabteils steht wegen der Akkus nicht mehr als Ablage zur Verfügung. Das Kofferraumvolumen reduziert sich damit um rund 40 Liter: Statt 309 bis 1081 stehen im Corsa-e 267 laut Herstelller bis 1042 Liter zur Verfügung. Nach der ADAC Messmethode sind es immer noch ordentliche 250 bis 890 Liter.

Beim Platzangebot gilt das gleiche wie für die Versionen mit Verbrenner: Der Corsa ist innen ziemlich eng geschnitten, was besonders für den Fond gilt. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Menschen eingestellt, können dahinter lediglich noch 1,75 Meter große Personen sitzen. Die Kopffreiheit würde auch nur bis etwa 1,80 Meter ausreichen. Zwei erwachsene Mitfahrer finden soweit Platz – bei Dreien wird es wegen der knappen Innenbreite zu eng. Und beim Ein- und Aussteigen heißt es hier wegen der flachen Karosserie zudem: Köpfe einziehen!

Peugeot 208: Der technische Bruder des Elektro-Corsa

Der Peugeot e-208 ist eng verwandt mit dem elektrischen Opel Corsa, optisch aber um einiges extravaganter. ADAC Test des Peugeot e-208, Daten, Fotos, Preise

Preis: ab 29.900 Euro

Angenehm ist, dass der Corsa-e nicht zugunsten eines niedrigen Einstandspreises total abgespeckt wurde. Serienmäßig gibt es beispielsweise Klimaautomatik, Radio mit 7-Zoll-Farbdisplay und Smartphone-Integration sowie ein üppiges Set aus Assistenzsystemen: adaptiver Tempomat, Spurhalte-Assistent, Frontkollisionswarner mit automatischer Notbremsung und Fußgängererkennung sowie Verkehrsschilderkennung. Und auch bei der spezifischen E-Auto-Ausstattung hat Opel nicht übermäßig gespart: Die Wärmepumpe ist immer drin, ebenso die Standklimatisierung, sie erlaubt das Vorkonditionieren über das Fahrzeugmenü oder die Smartphone-App. Gegen Aufpreis gibt es eine Sitzheizung vorn, die Lenkradheizung und getönte Scheiben hinten.

Der Corsa-e ist für konkurrenzfähige 29.900 Euro erhältlich. Und von diesem Basispreis wird noch der aktuelle Umweltbonus abgezogen.

Fazit

Schön, dass es inzwischen eine reiche Auswahl an Elektroautos im Kleinwagensegment gibt. Und das zu durchaus nicht unattraktiven Preisen. Der Opel Corsa-e ist jedenfalls ein rundum gelungenes Auto. Seine Konkurrenten Renault Zoe, Mini e, Honda e und Fiat 500 Elektro setzen mehr auf Lifestyle und sind preislich teilweise etwas höher positioniert.

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Opel Corsa-e: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Opel Corsa-e (10/20 - 05/22)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

100

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

136

Drehmoment (Systemleistung)

260 Nm

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

8,7 s

Höchstgeschwindigkeit

150 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

359 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,6 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

50,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

46,0

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-7,4 DC:100,0

Kofferraumvolumen normal

267 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.042 l

Leergewicht (EU)

1.530 kg

Zuladung

388 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.060 mm x 1.765 mm x 1.433 mm

Grundpreis

30.400 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Opel Corsa-e

Überholvorgang 60 – 100 km/h

4,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

32,3 m

Wendekreis

11,0 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

18,8 kWh Strom/100 km, 94 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

280 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,6 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1510 / 410 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

250 / 545 / 890 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Opel Corsa-e

Karosserie/Kofferraum

3,2

Innenraum

2,8

Komfort

3,0

Motor/Antrieb

1,4

Fahreigenschaften

2,1

Sicherheit

2,5

Umwelt/Ecotest

1,3

Gesamtnote

2,2

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

Der Corsa-e im ADAC Video

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Text: Wolfgang Rudschies mit Material von SP-X