BMW i7 im ADAC Test: Elektro-Limousine der Superlative

Die Frontansicht des neuen dunkelblauen BMW i7
Großzügige Nierenspende: Der Weltmarkt verlangt nach Autos, die optisch was hermachen, so wie der BMW i7© ADAC

Ein Luxusauto, das mit seinem überdimensionalen Kühlergrill und den schmalen Scheinwerferschlitzen optisch polarisiert, aber einen perfekten Antriebs- und Fahrkomfort bietet. Trotzdem gibt es Schwächen. ADAC Test, Preis, Reichweite.

  • i7: Der BMW 7er mit E-Antrieb, Allrad und 544 PS

  • Abermals geändertes iDrive-System

  • Preis: Mindestens 140.000 Euro

Was für ein Schiff! Mit 5,39 Metern Länge ist der BMW i7 eine der längsten und größten Luxuslimousinen, die es gibt auf der Welt. Nur der aktuelle Mercedes Maybach (5,47 Meter) und der Rolls Royce Phantom (5,76 Meter) sind noch länger – und sind sogar noch ein ganzes Stück teurer.

Man zeigt, was man hat. Dieses Credo scheint hinter allem zu schweben, was den mindestens 140.000 Euro teuren BMW i7 ausmacht. Design und Marketing von BMW richten ihren Blick vornehmlich auf Kunden in den USA und in Asien. Insbesondere die Bedürfnisse chinesischer Autokäufer haben inzwischen die Oberhand bei allen Produktentscheidungen bekommen.

Demzufolge bietet der BMW i7 noch mehr Platz, als der Vorgänger-7er es ohnehin schon getan hat. Es gibt ihn nur noch in der XL-Langversion. Auch an Power darf im neuen Modell selbstverständlich kein Mangel herrschen. In diesem Fall elektrische Power, wohlgemerkt: Der i7 ist das elektrische Pendant zum 7er mit Verbrennungsmotor. Beide laufen im Werk Dingolfing vom Band.

Bildergalerie BMW i7

BMW i7: Viel Luxus, Leistung und Komfort

"Länge läuft", heißt es in der Schifffahrt. Und der Luxusdampfer BMW i7 läuft richtig gut. Nicht zuletzt weil er von zwei Motoren, also per Allrad, angetrieben wird. Der vordere leistet 258 PS und 365 Nm Drehmoment, der hintere 313 PS und 380 Nm. Zusammen ergibt das eine Systemleistung 544 PS und 745 Nm Drehmoment. In der Spitze führt das zu einer Geschwindigkeit von bis zu 240 km/h, mit der der getestete BMW i7 dahingleitet.

Die Qualitäten des Fahrwerks zeigen sich auch beim extremen Ausweichmanöver im ADAC Autotest: Der i7 reagiert präzise auf Lenkbefehle, Unter- und Übersteuern tritt praktisch nicht auf. Trotz seiner üppigen Dimensionen und seines hohen Gewichts machen auch kurvenreiche Landstraßen BMW-typisch Spaß.

Die ADAC Ingenieure sind beeindruckt vom Antriebs- und Fahrkomfort des BMW i7 und vergeben dafür die Note 0,9. Besser geht's kaum. Auch die Geräuschdämmung ist exzellent: "Selbst bei 190 km/h kann man entspannt Telefonate führen, so gut ist der i7 gedämmt und aerodynamisch optimiert", erklärt Tester Martin Ruhdorfer.

100 kWh-Batterie für 544 km Reichweite

Der neue dunkelblau BMW i7 seitlich Rückansicht
Platz- oder Leistungsmangel gibt es am BMW i7 nicht zu beklagen© ADAC

Wer sich der gemütlichen Gangart verschreibt, kann sogar einigermaßen sparsam unterwegs sein und Reichweiten von über 500 Kilometer erzielen. Im standardisierten ADAC Ecotest kam der BMW i7 auf einen Verbrauch von 22,0 kWh pro 100 Kilometer. Was mit der etwas mehr als 100 kWh (netto) großen Batterie zu einer gemittelten Reichweite von 545 Kilometern führt.

Sehr gut: Ladestopps sind mit einer durchschnittlichen Ladeleistung von 146,7 kW keine Geduldsprobe, sondern relativ schnell erledigt. "Und endlich funktioniert die
geschickte Routenplanung bei BMW wie erwartet", so Ruhdorfer. Das heißt: Wer ein Ziel ins Navigationssystem eingibt, das weiter entfernt ist als es die Akku-Reichweite hergibt, bekommt eine Route mit konkreten Vorschlägen zum Stopp an einer passenden Schnellladesäule angezeigt – inklusive der jeweiligen Ladedauer. Perfekt.

Höchste Qualität im i7-Innenraum

Das Glasdach des neuen dunkelblauen BMW i7
Das Glasdach bringt viel Licht in den noblen Innenraum© ADAC

Die serienmäßige Luftfederung erledigt ihren Job mit Bravour. Bei Bedarf kann die Bodenfreiheit etwas erhöht werden, was praktisch ist beim Überfahren von höheren Schwellen oder auf Feldwegen. Im Stadtverkehr – im normalen Komfortmodus – sind selbst grobe Verwerfungen wie versenkte Kanaldeckel oder Asphaltflicken für die Insassen nur ganz entfernt spürbar. Bei höheren Geschwindigkeiten wiederum senkt sich die Karosserie etwas ab und reduziert damit den Luftwiderstand. Allein das macht den i7 zum tollen Elektro-Reisewagen.

Die gute Ergonomie sowie viele sehr durchdachte Details tragen zum hohen Komfort bei. Die Softclose-Automatik, welche die Türen leise ins Schloss zieht, ist Serie. Gegen Aufpreis gibt es vollständig elektrische Türen, die wie von Geisterhand öffnen und schließen. Das verhindert Situationen, wo der Fahrer sich weit über den Türschweller hinauslehnen muss, um den Griff der offen stehenden Tür zu erreichen.

Höchsten Wert hat BMW auf die Verarbeitungs- und Materialqualität gelegt. Fast alle Oberflächen sind mit Leder überzogen oder weich beschichtet. "Insgesamt setzt sich der Innenraum des i7 in punkto Qualität sicht- und spürbar vom Mercedes EQS ab", so Tester Ruhdorfer.

360-Grad-Blick in den Innenraum des BMW i7

In Sachen Bedienung ist es wie bei modernen Autos inzwischen leider allgemein üblich: Der Fahrer muss sich intensiv mit den vielen Menüpunkten und Strukturen auseinandersetzen, um sie zu kennen, zu finden und zu nutzen. Der Lernprozess dauert lange.

Die auffälligste Änderung gegenüber bisherigen BMW-Systemen: Die Tasten für die Klimaautomatik sind weitgehend verschwunden, die Steuerung erfolgt nun über das große Touchdisplay. Die Bedienung der Klimatisierung wird damit leider umständlicher und komplizierter. Auch die äußerst praktischen, weil frei belegbaren Favoritentasten sind passé, jetzt stehen programmierbare Shortcuts über einen Displaywisch vom oberen Rand nach unten zur Verfügung. Alles funktioniert eher wie bei einem komplizierten Mobiltelefon als wie gewohnt bei einem Auto. Muss das sein?

Auch der iDrive-Controller wurde umgestaltet und sieht jetzt modern und stylisch aus. Nur hat die Bedienbarkeit darunter gelitten: Immer wieder dreht man versehentlich zu weit (Rasterung zu leichtgängig) oder drückt nicht exakt in die gewünschte Richtung (Drückwiderstand zu hoch).

Der BMW i7 im Video-Fahrbericht

Motorjournalist Lars Hönkhaus für den ADAC unterwegs im BMW i7 ∙ Bild: © news to do GmbH, Video: © ADAC e.V.

Multimedia und Konnektivität sind top

Der Kinobildschirm und die weißen Ledersitze im BMW i7
TV-Entertainment im Fond: Der riesige Bildschirm fährt aus dem Dachhimmel heraus © ADAC/Rudschies

Wer in den chinesischen oder amerikanischen Metropolen viel im Stau steht (oder sich chauffieren lässt), möchte die Zeit im Auto möglichst sinnvoll nutzen. Über die online-basierten BMW-Services stehen Microsoft-Office-Anwendungen oder auch Twitter-Funktionen zu Diensten – je nachdem, ob man Büroarbeiten erledigen oder Multimedia nutzen will. Selbstverständlich ist auch Musikstreaming, die Smart-Home-Überwachung oder ernsthafter Nachrichten-Konsum möglich.

Wem das immer noch nicht reicht, dem bietet BMW mit dem Fond-Entertainment Experience Paket ganz großes Kino. Das aufpreispflichtige Extra enthält einen 31,3 Zoll großen Monitor im 32:9 Breitbildformat, der sich vom Dachhimmel zu den Fondpassagieren herunterklappen lässt. Der "Theatre Screen" genannte Bildschirm hat eine brillante 8K-Auflösung und kann sowohl über Touch als auch über kleine Displays in den hinteren Türen bedient werden. Letzteres soll unschöne Fingerabdrücke am Monitor vermeiden. Das Kino-Erlebnis speist sich zu einem guten Teil aus dem räumlichen Sound, der den Insassen kredenzt wird. Und etwaige Explosionen im Film werden durch entsprechende Erschütterungen in den Rücksitzen äußerst realistisch.

Platzangebot: Im Fond fürstlich

Ganz chinagemäß bietet der BMW 7er eine fürstliche Beinfreiheit auf der Rücksitzbank. Selbst über zwei Meter große Menschen stoßen im Fond des i7 nicht an irdisch-bedrückende Grenzen. Bei Bedarf sind die hinteren Sitze in eine leichte Liegeposition zu bringen und bieten überdies eine Massagefunktion. Der Kofferraum fasst nach ADAC Messmethode dagegen lediglich 410 Liter. Das reicht trotzdem für sechs handelsübliche Getränkekisten oder das Gepäck von vier Insassen, sofern die es nicht zu üppig auslegen. Ein klarer Nachteil ist die starre Rückbank, sodass sich das Volumen des Kofferraumes nicht erweitern lässt.

Unter dem Strich sind sich die ADAC Tester aber einig: Der BMW i7 versteht es, höchsten Komfort mit beachtlicher Agilität zu verbinden. Über das Bedienkonzept sollte BMW indes noch mal nachdenken.

M-Version: BMW i7 M70 xDrive

Der BMW I7 Liquid Cooper fährt auf einer Straße
Bajuwarischer Teilchenbeschleuniger: BMW i7 M© BMW

Für besonders leistungshungrige Autofahrer ist die M-Version des i7 neu im Modellprogramm. Eckdaten: 485 kW/660 PS, in 3,7 Sekunden auf Tempo 100, 250 km/h schnell auf der Autobahn. Bei Aktivierung der M-Sport Boost Funktion sind kurzzeitig 1100 Nm Drehmoment abrufbar. Damit wird der 7er zur Raum-Zeit-Maschine. Sofern die Verkehrssituation es hergibt, muss man natürlich einschränken.

Gewicht (leer 2770 Kilo) und Abmessungen (5,39 Länge) des bajuwarischen Teilchenbeschleunigers bleiben jedoch zumindest in schnellen Kurven nicht verborgen – trotz eines Hightech-Fahrwerks mit allen denkbaren Finessen wie einer adaptiven Zweiachs-Luftfederung, elektronisch geregelten Dämpfern, automatischer Niveauregulierung und Integral-Aktivlenkung.

Interessant auch: der sogenannte Bio-Lack, der beim i7 zum Einsatz kommt. Als Ausgangsstoff dienen nachwachsende Rohstoffe wie Bioabfälle oder auch Rückstände aus Kläranlagen. So sinnvoll das ist, das Herstellungsverfahren möchte man sich im Detail lieber nicht so genau vorstellen.

Hier finden Sie alle Infos und technischen Details zum BMW i7 M70 xDrive.

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BMW i7: Technische Daten und Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

BMW i7 xDrive60 Design Pure Excellence (ab 11/22)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

400

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

544

Drehmoment (Systemleistung)

745 Nm

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

4,7 s

Höchstgeschwindigkeit

240 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

623 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

18,5 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

105,7

Batteriekapazität (Netto) in kWh

101,7

Ladeleistung (kW)

AC:22,0 DC:195,0

Kofferraumvolumen normal

500 l

Leergewicht (EU)

2.715 kg

Zuladung

535 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

2.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

Keine

Länge x Breite x Höhe

5.391 mm x 1.950 mm x 1.544 mm

Grundpreis

139.900 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

BMW i7 xDrive60

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,3 m

Wendekreis

12,5 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

22,0 kWh/100 km, 110 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

545 km

Innengeräusch bei 130 km/h

62,7 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2630 / 600 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

410 / - / - l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

BMW i7 xDrive60 Design Pure Excellence (ab 11/22)

Karosserie/Kofferraum

2,8

Innenraum

1,7

Komfort

1,2

Motor/Antrieb

0,9

Fahreigenschaften

2,0

Sicherheit

1,3

Umwelt/EcoTest

1,9

Gesamtnote

1,7
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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