DS 4: Auf Testfahrt im Crossover-SUV

Limousine oder SUV? Der DS 4 versteht sich als Grenzgänger
Limousine oder SUV? Der DS 4 versteht sich als Grenzgänger© DS Automobiles/Victor Jon Goico

Der DS 4 soll ein gut aussehender Crossover-SUV zum Wohlfühlen sein. Das ist in weiten Teilen eine Frage des persönlichen Geschmacks, es steckt aber auch Handfestes dahinter. Testfahrt mit allen Daten, technischen Details und Finessen

  • DS 4 als optischer Mix aus Kompaktwagen und SUV

  • Technische Innovationen und modische Handwerkskunst

  • Motoren: Drei Benziner, ein Diesel und ein Plug-in-Hybrid mit 225 PS

Nach dem DS 7 Crossback, dem DS 3 Crossback und dem DS 9 kam mit dem DS 4 das vierte eigenständige Modell der französischen Nobelmarke DS Automobiles auf den Markt. Von seinen Schwestermodellen im Stellantis-Konzern, dem Citroën C4 und dem neuen Opel Astra, will sich der Franzose vor allem durch Komfort und extravagantes Design abheben.

DS 4: Sieben Versionen, fünf Motoren

DS 4 Heck mit schmalen Rückleuchten © DS Automobiles/L. Nivalle

Der DS 4 wird in insgesamt sieben unterschiedlichen Versionen angeboten. Neben dem besonders eleganten DS 4 mit den Varianten Rivoli, Trocadero und Bastille+ gibt es noch den DS 4 Cross Rivoli und Trocadero und den DS 4 Performance Line inklusive einer Plus-Version. Der DS 4 Cross lehnt sich dabei an ein SUV-Design an und hebt sich durch schwarze Seitenfenster-Rahmen, einen schwarzen Kühlergrill und markante Räder von der klassischen Variante ab. Die so genannte "Advanced Traction Control" gibt es für Trocadero und Rivoli: Per Knopfdruck kann das ESP so verändert werden, dass der Kompaktwagen auf Sand, Schnee und Schlamm besseren Halt finden soll.

Allradantrieb hat der DS 4 Cross nicht. Als Motorisierung stehen für den DS 4 drei klassische Benziner mit 130, 181 und 225 PS, ein Diesel mit 130 PS sowie ein 225 PS starker Plug-in-Hybrid zur Wahl.

DS 4: Vorteile des Plug-in-Hybrid

Auf Testfahrt: DS 4 Cross Plug-in-Hybrid © DS Automobiles

Zur ersten Testfahrt stand der DS 4 Cross als Plug-in-Hybrid zur Verfügung. Und mit diesem Motorpaar, also einem Benziner und einem Elektromotor, legt sich der DS 4 vom ersten Meter an mächtig ins Zeug. Typisch Plug-in-Hybrid eben, weil der Anschub zunächst rein per Elektromotor erfolgt. So spielt er seine Vorteile bei der Kraftentfaltung aus: kräftiges Drehmoment aus dem Stand heraus, müheloses Beschleunigen – und ein kaum hörbarer Antrieb. Einzig die Abrollgeräusche der Reifen bilden eine Klangkulisse.

Bei heftiger Beschleunigung, hohem Tempo, niedrigem Akkufüllstand oder bei starker Anforderung an die Klimatisierung greift der Verbrennungsmotor ein. Die maximale Gesamtleistung des Antriebs beträgt im DS 4 165 kW/225 PS. Das gemeinsame maximale Drehmoment von E-Maschine und Benzinmotor wird mit 360 Nm angegeben. Die Kraftübertragung findet per Achtgangautomatik statt. Dieses Leistungspotential reicht, um in weniger als acht Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen und auf der Autobahn mit 230 km/h dahinzuschnüren. Mit anderen Worten: Man fühlt sich auch als sportlich orientierter Fahrer jederzeit gut motorisiert.

Der DS 4 ist besonders leise

Sehr erstaunlich ist, wie leise der Antrieb bleibt, wenn sich der Benzinmotor hinzuschaltet. Dass man ihn kaum hört, scheint der besonders guten Geräuschdämmung verdanken zu sein, von der DS bei dieser Baureihe spricht. Oft wird man erst beim Kickdown daran erinnert, dass im Vorderwagen eine Verbrennungsmaschine werkelt. Normalerweise ist ein Vierzylinder-(Turbo-)Benziner deutlich vernehmbar zu hören, sobald er auch nur ein wenig gefordert wird.

Pariser Chic des DS 4

Der DS 4 besteht zu etwa 30 Prozent aus recycelten Kunststoffen. Der Hersteller spricht von 28 Kilogramm, die sich auf etwa 50 Bauteile verteilen. Insgesamt seien 95 Prozent der Materialien wiederverwertbar und 85 Prozent recycelbar. Trotzdem sieht nichts am DS 4 irgendwie nach Zweitverwertung aus, im Gegenteil. Wo immer möglich versucht der DS 4, den Sinnen durch exklusiv wirkende Formen und Materialien zu schmeicheln. Außen zum Beispiel mit einer durch Emaillierung verzierten Heckscheibe.

Was für manch einen zu viel Bling-Bling ist, dürfte modisch orientierten Kundinnen und Kunden umso besser gefallen. Nicht von ungefähr arbeiten die Designer der Firma DS zum Teil mit Modehäusern aus Paris zusammen oder lassen sich zumindest von deren Ideen inspirieren.

Platzverhältnisse gehen in Ordnung

Innenraum und Cockpit mit besonderen modischen Details © DS Automobiles/Victor Jon Goico

So fällt auch sofort die Tastenleiste in der Mitte des Armaturenbretts ins Auge. Die silberglänzenden Applikationen mit Prägung – auch um den Start-Stopp-Knopf herum und als Einfassung der Mittelkonsole – haben ihre Wurzeln im klassischen Uhrmacherhandwerk. Luxuriöse Extravaganz namens "Clous de Paris", in Deutschland Hufnagelmuster genannt. Handwerkskunst ist auch bei der Auswahl und der Verarbeitung des Innenraumleders im Spiel. Zu sehen an den Nähten der mit Leder überzogenen Türtafeln und dem Lederlenkrad.

Die Platzverhältnisse im DS 4 sind okay, wenn man mal davon absieht, dass der Kofferraum beim Plug-in-Hybrid 40 Liter Volumen für den Akku darunter einbüßt – und dass das Ladekabel im Kofferraum herumliegt, weil es kein Unterbodenfach zum Verstauen gibt.

Bedienung: Interessante Ideen

Nicht nur bei Optik und Haptik haben sich die DS-Designer größte Mühe gegeben, auch hinsichtlich der funktionalen Bedienbarkeit sind pfiffige Lösungen gefunden worden. In deren Zentrum: Ein großer Touchscreen, der alle wichtigen Funktionen steuert und der sich komplett personalisieren lässt. Was angezeigt wird, entscheidet also der Fahrer.

Zusätzlich kommt wie bei Modellen von Audi und Mercedes ein Touchpad zur unterstützenden Bedienung des 5-Zoll-Touchscreens auf der Mittelkonsole zum Einsatz. Hier lassen sich Favoriten speichern, etwa bestimmte Radiosender oder Telefonnummern oder auch ein Navi-Ziel eingeben, indem man die Buchstaben mit dem Finger auf die berührungsempfindliche Fläche "malt".

Hübsches Metall und schnöder Kunststoff

In einigen Details schlägt dennoch die harte Realität zu. Etwa wenn die Hand von einem schönen Metallknopf plötzlich auf schnöden Kunststoff gerät, wie zum Beispiel auf die Taste für den Warnblinker. Oder wenn sich die Sitzheizung nur einschalten lässt, wenn zunächst das Klimamenü aufgerufen wird und zusätzlich umständlich der Menüpunkt Sitzheizung angewählt werden muss, bevor sie aktiviert werden kann.

Beides ist eher suboptimal. Und spätestens jetzt freut man sich, wenn die Sprachbedienung das Kommando zur Aktivierung der Sitzheizung gut versteht. Trotzdem sollte man das Sprachsystem ausgiebig bei einer Probefahrt testen. Erfahrungsgemäß offenbaren mehr oder weniger alle Sprachsysteme der Hersteller immer noch gravierende Lücken.

Head-up-Display mit Augmented Reality

Eines der Highlights – und für die Kompaktklasse noch ungewöhnlich – ist das Head-up-Display des DS 4, das in Bastille+ und Performance Line jeweils 2650 Euro extra kostet (Plug-in: 2500 Euro) und ansonsten serienmäßig installiert ist. Wichtige Informationen für die Lenkenden werden darüber mittels Augmented-Reality auf die Straße projiziert, so dass sie ihren Blick nicht von der Fahrbahn abwenden müssen.

Ganz große Klasse: Das Premium-Soundsystem von Focal mit 14 Lautsprechern und 690 Watt Musikleistung (zwischen 800 und 4100 Euro). Welchen Anteil am Hörgenuss die akustischen Seitenscheiben haben, bleibt den Insassen zwar verborgen. Das ist aber auch egal, da das Ergebnis absolut stimmig wirkt.

Keine sänftengleiche Federung

Das Fahrwerk des DS 4 scannt die Straße © DS Automobiles

Ob auch das Fahrwerkskonzept stimmig ist, wagen wir aufgrund der ersten Testfahrt nicht zu beurteilen. Dafür war sie zu kurz. Der Federungskomfort fiel weder besonders positiv noch durch besondere Mängel auf. Einen sänftengleichen Komfort wie beim legendären Citroën DS mit Hydropneumatik sollte man jedoch nicht erwarten. Der aktuelle DS 4 arbeitet mit einem im Plug-in serienmäßigen aktiven Fahrwerk, das per Kamera den Zustand der Straße vor dem Auto scannt und entsprechend der Wellen und Schlaglöcher die Federraten vorwählt. Ein unmittelbar ausgleichender Komfort-Effekt war bei der Testfahrt aber nicht klar zu erkennen. Auch war es nicht möglich auszuprobieren, ob die (optionale) Infrarotkamera bei Nacht Fußgänger oder ein Tier auf der Straße sichtbar macht.

55 km elektrische Reichweite wenig realistisch

Insofern darf man besonders gespant sein, wenn der DS 4 zu einem ausführlichen Test zum ADAC rollt. Ob die Ingenieure dem DS 4 ein gutes Zeugnis ausstellen hinsichtlich der Verarbeitung, der Bedienbarkeit oder des Kraftstoffverbrauchs? DS gibt für den DS 4 Plug-in-Hybrid einen Super-Verbrauch von 1,4 Liter pro 100 Kilometer an und eine elektrische Reichweite von 55 Kilometern. In der Praxis dürften es aber weniger sein. Hier lesen Sie, welche Verbrauchswerte andere Hersteller für ihre Modelle angeben und welche tatsächlichen Werte der ADAC im Test ermittelt hat.

DS 4: Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

DS Automobiles DS 4 PureTech 130 Bastille+ Automatik (ab 10/21)

DS Automobiles DS 4 PureTech 180 Trocadero Automatik (ab 10/21)

DS Automobiles DS 4 PureTech 225 Rivoli Automatik (ab 10/21)

DS Automobiles DS 4 E-Tense 225 Bastille+ Automatik (ab 10/21)

Motorart

Otto
Otto
Otto
PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.199 ccm
1.598 ccm
1.598 ccm
1.598 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

96
133
165
165

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

130
181
224
224

Drehmoment (Systemleistung)

230 Nm
250 Nm
300 Nm
360 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min
5.500 U/min
5.500 U/min
6.000 U/min

Antriebsart

Front
Front
Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

9,7 s
8,0 s
7,9 s
7,7 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h
230 km/h
235 km/h
233 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-
-
-
55 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

135 g/km
146 g/km
149 g/km
29 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,9 l/100 km
6,5 l/100 km
6,6 l/100 km
1,3 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

5,1 l/100 km
5,4 l/100 km
5,4 l/100 km
1,4 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-
-
-
12,4

Ladeleistung (kW)

-
-
-
AC:1,8-22,0

Kofferraumvolumen normal

430 l
430 l
430 l
390 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

n.b.
n.b.
n.b.
n.b.

Leergewicht (EU)

1.252 kg
1.420 kg
1.419 kg
1.653 kg

Zuladung

668 kg
560 kg
571 kg
547 kg

Anhängelast ungebremst

710 kg
740 kg
745 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.400 kg
1.600 kg
1.600 kg
1.400 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.400 mm x 1.830 mm x 1.470 mm
4.400 mm x 1.830 mm x 1.470 mm
4.400 mm x 1.830 mm x 1.470 mm
4.400 mm x 1.830 mm x 1.470 mm

Grundpreis

31.500 Euro
39.800 Euro
46.300 Euro
37.900 Euro

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