Mercedes Citan/T-Klasse: Wie der Kangoo zum Mercedes wird

Noch getarnter Mercedes Citan T-Klasse
Mercedes Citan/T-Klasse: Noch stark getarnt unterwegs ∙ © Mercedes

Der Mercedes Citan kommt im Sommer 2021 in neuer Form und basiert wieder auf dem Renault Kangoo. Doch diesmal soll er ein echter Mercedes werden. Testfahrt im Prototypen.

  • Hochdachkombi erstmals unter dem Namen Citan und T-Klasse

  • Auch eine Elektroversion geplant

  • Zwei Radstände und mit dritter Sitzreihe

Für den ersten Citan hat Mercedes viel Prügel einstecken müssen (nur drei Sterne im Crashtest). Und die X-Klasse gilt als größter Flop der jüngeren Geschichte. Denn zu wenig haben die Ingenieure an Renault Kangoo und Nissan Navara geändert, um daraus echte Mercedes-Modelle zu machen. So richtig gut gelaufen ist die Kooperation mit Renault und Nissan für die Schwaben also bislang nicht.

Mercedes hat mitentwickelt

Noch getarnter Mercedes Citan T-Klasse
Wie der Renault Kangoo kommt auch der Mercedes Citan als Elektroauto ∙ © Mercedes

Doch mit dem dritten Anlauf gelobt Mercedes Besserung. Die Neuauflage des Citan kommt im Sommer 2021 und basiert zwar wieder auf dem Renault Kangoo, der nahezu zeitgleich startet. Doch diesmal steht das Projekt unter besserem Vorzeichen, verspricht Nicola Crimi aus der Entwicklung: "Statt ein fertiges Fahrzeug zum Mercedes umzubauen, waren wir diesmal vom ersten Tag an mit im Boot und haben bei Design, Interieur, Ausstattung und Abstimmung unsere Vorstellungen einbringen können", sagt der Ingenieur.

2022 kommt der Citan als Elektroauto

Deshalb sei der Citan nicht nur sicherer geworden, sehe besser aus und fahre komfortabler. Sondern vor allem fühle er sich mehr nach Mercedes an: "Was man innen sehen und anfassen kann, kommt dem Fahrer vertraut vor", sagt Crimi und beschwört jenes "Willkommen Zuhause"-Gefühl herauf, das einen auch in der A- oder E-Klasse beim Einsteigen überkommt. "Der Citan ist einer von uns", umschreibt er den neuen Familiensinn, der sich auch an der Modellplanung zeigt: Neben dem Transporter und dem Tourer für die Familie soll es 2022 nicht nur eine rein elektrische Version geben. Sondern zum ersten Mal adelt die Van-Division den kleinen Kasten zum Pkw und verkauft ihn dann analog zur V-Klasse auch als Hochdachkombi mit dem Namen T-Klasse.

Typisch Mercedes: Hoher Fahrkomfort

Noch getarnter Mercedes Citan T-Klasse
Citan/T-Klasse als praktischer, kleiner Familienvan mit Schiebetür ∙ © Mercedes

Den Mercedes-Komfort kann man schon beim Prototypen spüren, wenn er erstaunlich weich und unaufgeregt über die schlechten Straßen rund um das Testgelände in Immendingen kreuzt: Die variabel unterstützte Servolenkung nimmt auch den kurvigen Strecken den Schrecken und lässt den Citan recht handlich wirken. Das Fahrwerk lässt sich von den vielen Bodenwellen und Frostaufbrüchen kaum aus der Reserve locken. Und selbst wenn bisweilen noch die Tarnfolie an Spiegel und Hauben flattert, reist man im Citan in Ruhe – da fehlt zu einer B-Klasse nicht mehr viel.

Das gilt auch für das Ambiente, soweit das die schwarzen Tarnmatten über dem Cockpit schon erkennen lassen. Das Cockpit hat ein klassisches Layout und nicht den durchgehenden Cinemascope-Bildschirm wie bei den Kompakten aus Stuttgart, und auch Tacho und Drehzahlmesser sind weiterhin analog. Doch zumindest gibt’s einen Touchscreen, das Lenkrad ist das gleiche wie in der A-Klasse und die Sitze sind anders gepolstert als bei Renault. Wenn man die Tarnung kurz mal lupft, ist reichlich Chrom und Klavierlack zu sehen, und wer "Hey Mercedes" sagt, dem antwortet Siris schwäbische Schwester – das Infotainmentsystem MBUX samt Sprachsteuerung und Online-Navigation sei damit über die gesamte Palette verfügbar, erläutert Crimi.

Viel Platz, zwei Radstände, drei Sitzreihen

Noch getarntes Cockpit des Mercedes Citan T-Klasse
Unter der Tarnung verbirgt sich ein eher konventioneller Arbeitsplatz ∙ © Mercedes

Zum neuen Ambiente gibt’s auch neue Abmessungen: "Wir sind in jeder Dimension gewachsen", sagt der Ingenieur und verspricht mehr Platz im Innenraum sowie reichlich Raum für Koffer oder Kisten, selbst wenn er noch keine konkreten Zahlen nennen mag. Doch 4,50 Meter für die Länge sind eine vernünftige Schätzung und 2,70 Meter für den Radstand auch. Dabei wird es aber nicht bleiben: Es soll zwei Radstände, zwei Längen und auch wieder eine dritte Sitzreihe geben. Neu sind dagegen viele Ablagen wie das Hochregal über der ersten Reihe.

Eine Hybridversion ist nicht geplant

Beim Antrieb gibt sich Crimi noch schmallippig und verrät nicht viel mehr als die friedliche Koexistenz von Benzinern, Dieseln und einer rein elektrischen Variante, während er der Hybridisierung egal in welchem Grad eine Absage erteilt. Doch ein Blick in den Renault-Baukasten hilft bei der Einordnung, zumal Crimi den Faible der Franzosen für kleine Verbrenner lobt. Deshalb wird es bei den Benzinern wohl auf den 1,3 Liter großen Vierzylinder-Turbo hinauslaufen, den es bei Renault in Leistungsstufen von etwa 100 bis 160 PS gibt und der auch schon in der A-Klasse werkelt. Bei den Dieseln ist der 1,5-Liter mit 75 bis 115 PS die erste Wahl.

Natürlich mussten die Schwaben auch diesmal ein paar Kompromisse eingehen, wie das bei Kooperationen so üblich ist. Doch dass sie ihre Lektion im dritten Anlauf gelernt haben, bemerkt der Citan-Kunde künftig schon vor der Fahrt – am Schlüssel. Nachdem der zuletzt bei der X-Klasse allzu sehr an Nissan erinnert hat, gibt’s diesmal einen eigenen Transponder im Mercedes-Design.

Text: Thomas Geiger

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