VW Caddy im Test: Der Familien-Van präsentiert sich als Allrounder

Die fünfte VW Caddy-Generation: Komfortabler und fahraktiver als zuvor
Die fünfte VW Caddy-Generation: Komfortabler und fahraktiver als zuvor© Volkswagen Nutzfahrzeuge

Ob als Familienkutsche oder Handwerkermobil: Der VW Caddy will es jedem recht machen, sogar den Freunden des mobilen Campings. ADAC Test von TDI und TSI, Daten, Bilder

  • Mehr Komfort dank aufwendigem Fahrwerk

  • Top-Ausstattung mit Hightech-Cockpit

  • Caddy Cargo: Stauraum für bis zu zwei Europaletten

  • 114-PS-Benziner und 122-PS-TDI im ADAC Test

Der Caddy bleibt in seiner aktuellen, inzwischen fünften Generation nicht nur seiner Praktiker-Tradition treu, sondern sieht mit den schmalen Scheinwerfern, markanten Sicken im Blechkleid und Lufteinlässen an der Front im Stil des VW ID.3 auch richtig flott aus. Vor allem aber ist die 2020 gestartete Neuauflage sauberer, sicherer und komfortabler als bisher.

Der Schlüssel zum Erfolg heißt MQB. Die Caddy-Generation Nummer fünf bedient sich aus dem "Modularen Querbaukasten“ von Volkswagen, der unter anderem auch die technische Basis des Golf 8 stellt. Von dem stammt zum Beispiel die Vorderachse. Hinten setzt der Caddy nach wie vor auf eine Starrachse, die aber in Kombination mit einem Panhardstab und Schrauben- statt Blattfedern deutlich mehr Komfort verspricht als bisher.

VW Caddy 2.0 TDI: Bestnoten im Schadstoff-Kapitel

VW Caddy: Markant sind die bis ins Dach gehenden Heckleuchten © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Der Kleintransporter bzw. Hochdachkombi lenkt, freilich auch dank der deutlich direkteren Lenkung, präzise ein und rollt spürbar geschmeidiger über Querfugen als der Vorgänger. Selbst in der einfachen Kastenwagenversion für Handwerker werden so auch Langstrecken nicht zur Tortur. Im Rahmen des technisch Möglichen haben die Ingenieure von VW Nutzfahrzeuge einen guten Job gemacht. Die Vorderachse federt zwar immer noch merklich besser als die Hinterachse, aber insgesamt ist der Federungskomfort verbessert, gerade weil die Hinterachse weniger störrisch wirkt. Ausnahme: Fährt man langsam über einen Geschwindigkeitshügel, schlägt die Hinterachse regelrecht aus.

Bei den Motoren bedient sich der VW Caddy ebenfalls im Konzernregal. Es gibt Benziner mit 114 und Diesel mit 102 bis 122 PS, mal mit Handschalter, mal mit 7-Gang-DSG. Der stärkste Selbstzünder ist auch mit Allradantrieb zu haben, die Preisliste bewegt sich zwischen 25.168,50 für den handgeschalteten TSI und 41.423,90 Euro für den Allrad-TDI in Langversion.

Das Abgassystem des 2,0-Liter-Turbo-Diesel mit 90 kW/122 PS konnte beim ADAC Test im VW Golf bereits überzeugen. Und auch im Caddy ist der Schadstoffausstoß mustergültig: Volle 50 Punkte im Schadstoffkapitel zeugen davon, dass die Abgasreinigung gut funktioniert. Insgesamt erhält der Caddy im Ecotest 75 Punkte und vier von fünf Sternen. Damit gehört er zu den empfehlenswerten Autos.

Beim Verbrauch schneidet der Kasten aus Hannover mit durchschnittlich 5,7 Liter je 100 Kilometer gemessen an seinem hohen Aufbau ziemlich sparsam ab. Die Verbräuche im Einzelnen: Stadt 5,6, Landstraße 4,9 und Autobahn 6,9 Liter je 100 Kilometer. Positiv bewerten die ADAC Ingenieure auch die Fahrleistung: Der Turbodiesel schiebt selbst bei niedrigen Drehzahlen schon nachdrücklich an. Damit ist der Caddy für die meisten Aufgaben ausreichend motorisiert.

VW Caddy TSI mit 6,9 Litern Testverbrauch

Der ebenfalls getestete TSI mit 114 PS und einem maximalen Drehmoment von 220 Nm bietet ein breites Drehmoment-Plateau und fährt sich entspannt. Er entfaltet seine Leistung gleichmäßig und über einen weiten Drehzahlbereich nachdrücklich. Wenn sich ab etwa 1500 Touren das Drehmomentplateau aufbaut, beschleunigt er druckvoll und lässt auch bei hohen Drehzahlen nicht nach. Gerade bis in mittlere Drehzahlen, dem häufigsten Einsatzbereich, läuft der Vierzylinder kultiviert.

Im ADAC Ecotest kommt der Caddy 1.5 TSI mit 114 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe auf einen Durchschnittsverbrauch von 6,9 Litern Super pro 100 Kilometer. Auch sein Schadstoffausstoß ist mustergültig, auch der Benziner erringt deshalb vier Sterne und den Titel "empfehlenswertes Auto".

Ergänzt werden soll das Motoren-Angebot noch um eine Erdgas-Version (CNG) mit 96 kW/130 PS. Später wird auch noch ein Plug-in-Hybrid kommen. Die Entwickler sprechen hier von rund 100 Kilometern rein elektrischer Reichweite und immerhin noch 600 Kilogramm Nutzlast – 100 bis 180 Kilogramm weniger als bei den anderen Caddy-Modellen.

360-Grad-Ansicht: Das Cockpit des VW Caddy

Zum Cockpit. Zwar wartet die Basisversion mit analogen Instrumenten und einem relativ kleinen 6,5-Zoll-Display auf. Als Extra zieht aber das vom Golf 8 bekannte Digital-Cockpit ein. Das verbindet einen 10,25 Zoll großen Infotainment-Touchscreen mit volldigitalen Instrumenten zu einer Hightech-Multimedia-Einheit. Ins Auge fällt der zentrale Slider in der Mittelkonsole, mit dem man wie beim Golf oder bei ID.3 und ID.4 per Fingerwisch die Temperatur, die Lautstärke oder den Kartenmaßstab des Navigationssystems einstellen kann.

Klassische Tasten und Knöpfe findet man dagegen kaum mehr. Und das ist leider nicht in jedem Fall ein Fortschritt, zum Beispiel hinsichtlich der Klimabedienung. Immerhin kann man auf einen Sprachassistenten zurückgreifen, sofern er einige Zeit nach dem Start dann endlich verfügbar ist und den Sprachbefehl korrekt versteht. Immerhin soll das System kontinuierlich verbessert und automatisch mit Online-Updates versorgt werden.

Andererseits ist der Caddy voll vernetzt, empfängt Echtzeit-Verkehrsdaten und per App lassen sich die Türen abschließen oder das Licht ausschalten. Auf Wunsch gibt es auch eine Online-Diebstahlwarnanlage, die via Smartphone Alarm schlägt, wenn der Caddy entwendet wird oder die Möglichkeit, mit dem Smartphone die Standheizung zu aktivieren. Diese erweiterten Funktionen sind ein Jahr kostenlos und belasten das Konto anschließend je nach Abo-Modell mit etwa 60 bis 145 Euro jährlich.

Speziell für Flottenmanager gibt's mit dem Konnektivitätsdienst "We Connect Fleet" außerdem praktische Tools wie die GPS-Ortung der Fahrzeuge oder ein digitales Fahrtenbuch.

Kurzer Caddy: Im Fond eingeschränkter Platz

Der verlängerte Caddy Maxi mit längerem Radstand bietet noch mehr Platz © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Apropos praktisch: Auch die Lademeister-Fähigkeiten des Caddy wurden noch mal überarbeitet. Wie gehabt gibt es den Volkswagen in zwei Radständen. Der Kurze ist um zehn Zentimeter auf 4,50 Meter gewachsen und stellt zumindest vorn Platz im Überfluss für mindestens zwei Meter große Passagiere zur Verfügung. Erstaunlich: Die hintere Sitzbank bietet nur ein befriedigendes Platzangebot. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Personen eingestellt, reicht die Beinfreiheit im Fond nur noch für Passagiere bis zu einer Größe von rund 1,75 Metern aus.

Das Gepäckteil fasst bis unter das Kofferraumrollo schon 635 Liter, dachhoch beladen sind es 1165 Liter oder bis zu 28 Getränkekisten. Reicht das nicht aus, passen bei umgelegten Rücksitzen bis zur Fensterlinie 985 Liter hinein, bis zum Dach werden es 2140 Liter. Das sind durchweg beeindruckende Werte – der Caddy bekommt dafür fast die Bestnote.

Wem das immer noch nicht reicht, der greift am besten zur Langversion namens Caddy Maxi: Die kommt auf 4,85 Meter und hat im Heck entweder eine dritte Sitzreihe mit zwei klapp- und entnehmbaren Einzelsitzen oder noch mehr Stauraum.

In den klassischen Kastenwagen Caddy Cargo mit nur zwei Plätzen gehen nun 3,3 oder 4,0 Kubikmeter rein, erstmals passen in den Maxi sogar zwei Europaletten – eine im Heck, eine durch die 84 Zentimeter breite Schiebetür auf der Seite. Wer Personen transportiert, kann zwischen der schlichteren Nutzfahrzeug-Version Caddy Kombi mit verglastem Fahrgastraum und Sitzen im Fond oder der wohnlicher und hochwertiger eingerichteten Van-Variante Caddy Pkw wählen.

Ausstattung: Von schlicht bis wohnlich

Die Basisversion des Cargo ist eher einfach ausgestattet © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Wo sich die Basis-Serienausstattung des Handwerkermobils ohne Fenster hinten mager präsentiert, sind im Kombi und in der Pkw-Version unter anderem ein Multifunktionslenkrad, zwei Schiebetüren, das erwähnte Radiosystem mit 6,5-Zoll-Display und die Müdigkeitserkennung serienmäßig an Bord. Die Kombi-Version startet als EcoProfi in Kombination mit dem 114-PS-TSI ab 21.150 Euro netto. Ab der Ausstattung Life wird es komfortabler, dann kommen 16-Zoll-Leichtmetallräder, eine manuelle Klimaanlage, das mittlere Infotainmentsystem mit 8,25-Zoll-Screen, klappbare Tische für die zweite Sitzreihe, eine Dachreling (schwarz), in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger, elektrisch anklappbare Außenspiegel, eine eigenständige Mittelkonsole mit Mittelarmlehnen sowie Lendenwirbelstützen vorn hinzu. Preislicher Einstieg: 24.910 Euro netto, mit Mehrwertsteuer 29.642,90 Euro.

Die Top-Ausstattung Style umfasst unter anderem ein Multifunktionslenkrad in Leder, eine Klimaautomatik, die digitalen Instrumente und Sitzbezüge in Velours. Zwei USB-C-Steckdosen, eine induktive Ladeschale und Apple CarPlay per Bluetooth statt Kabel machen den Pragmatiker ab 27.460 Euro (netto) und 32.677,40 Euro (brutto) schon zum richtigen Wohlfühl-Van.

Trailer Assist hilft beim Rangieren mit Hänger

Seit Ende 2020 ist der aktuelle Caddy auf der Straße sehen © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Und dann gibt es natürlich auch noch eine ganze Reihe an Assistenzsystemen: Von insgesamt 19 Helfern ist die Rede, fünf davon sind erstmals im Caddy zu haben. Dazu zählt unter anderem der Travel Assist, der das Auto automatisch auf Geschwindigkeit und in der Spur hält, solange der Fahrer die Hände am Lenkrad behält. Ebenfalls neu: Der Trailer Assist, der beim rückwärtigen Rangieren hilft und der Auspark-Assistent, der den Verkehr hinter dem Wagen im Auge behält. Das radarbasierte Umfeld-Beobachtungssystem Front Assist ist serienmäßig installiert. Auch ein Tempomat samt Limiter-Funktion und ein aktiver Spurhalteassistent sind Serie.

Seit Ende 2020 muss sich der aktuelle Caddy der Konkurrenz stellen, vor allem dem erstarkten PSA-Quartett Opel Combo, Citroën Berlingo, Peugeot Rifter und Toyota ProAce City und dem neuen Renault Kangoo. Und 2022 bekommt der Caddy noch einen technischen Zwilling: Der neue Ford Tourneo Connect ist baugleich.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des VW Caddy 2.0 TDI Life DSG als PDF
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VW Caddy: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW Nutzfahrzeuge Caddy 2.0 TDI SCR Life DSG (ab 11/20)

VW Nutzfahrzeuge Caddy 1.5 TSI OPF Life (ab 11/20)

Motorart

Diesel
Otto

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.968 ccm
1.498 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

90
84

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

122
114

Drehmoment (Systemleistung)

320 Nm
220 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

2.750 U/min
4.500 U/min

Antriebsart

Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

11,4 s
11,9 s

Höchstgeschwindigkeit

186 km/h
182 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

134 g/km
144 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,1 l/100 km
6,4 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

4,6 l/100 km
5,8 l/100 km

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

2.556 l
2.556 l

Leergewicht (EU)

1.711 kg
1.614 kg

Zuladung

539 kg
536 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg
1.400 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.500 mm x 1.855 mm x 1.819 mm
4.500 mm x 1.855 mm x 1.819 mm

Grundpreis

36.128 Euro
30.547 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

VW Caddy 2.0 TDI Life DSG

VW Caddy 1.5 TSI Life

Überholvorgang 60 – 100 km/h

6,8 s

7,2 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,2 m

34,7 m

Wendekreis

11,4 m

11,4 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,7 l Diesel/100 km, 176 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

6,9 l Super/100 km, 182 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

****

Reichweite

875 km

725

Innengeräusch bei 130 km/h

69,3 dB(A)

69,9 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1690 / 560 kg

1550 / 600 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

635 / 985 / 2140 l

635 / 985 / 2140 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

VW Nutzfahrzeuge Caddy 2.0 TDI SCR Life DSG (ab 11/20)

VW Nutzfahrzeuge Caddy 1.5 TSI OPF Life (ab 11/20)

Karosserie/Kofferraum

2,2
2,2

Innenraum

2,5
2,5

Komfort

3,0
3,0

Motor/Antrieb

2,2
2,4

Fahreigenschaften

2,5
2,3

Sicherheit

2,0
2,0

Umwelt/EcoTest

2,3
2,4

Gesamtnote

2,3
2,4
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

VW Caddy California: Günstiger Camper-Van

Freunde des Campings und der Wohnmobile können auch bei der aktuellen Auflage einen aufgerüsteten Caddy erhalten: den California. Es gibt ihn wie den normalen Caddy mit zwei unterschiedlichen Radständen, als kurzen Caddy California von 4,50 Meter und als California Maxi mit 4,85 Meter Länge.

Zentrales Bauteil des California ist ein ausklappbares Bett für ein bis zwei Personen. Während beim Vorgängermodell die zweite Sitzreihe als Teil der Bettkonstruktion diente, ist dies nun nicht mehr der Fall. Die Sitze der zweiten Reihe können deshalb mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden und man hat auf der Reise deutlich mehr Raum zur Verfügung.

Im hinteren Stauraum des California befindet sich eine kleine Küche, die man bei geöffneter Heckklappe nach außen herausziehen kann. Die Miniküche besteht zwar nur aus einem einflammigen Gaskocher und einem Besteckkasten, aber immerhin. Die geöffnete Heckklappe schützt beim Kochen vor Regen. Wem das nicht als Komfortzone ausreicht, der baut das optional erhältliche Zelt auf. Da es separat stehen kann, muss man es nicht abbauen, wenn man mal vom Campingplatz zum Sightseeing oder zum Einkaufen fährt.

Weitere Camping-Details sind die praktischen Stautaschen an den hinteren Seitenfenstern, ein Gardinensystem zur Verdunkelung des Innenraums, Nacht-Belüftungsöffnungen mit Fliegengitter sowie zwei Campingstühle und ein Klapptisch, die unter dem Bett verstaut werden.

Der Einstiegspreis für den California mit 114-PS-Benziner liegt in klusive Mehrwertsteuer bei 31.761,10 Euro – ein ziemlich unschlagbarer Preis für ein Wohnmobil. Und zwar für ein echtes. Denn VW Nutzfahrzeuge bezeichnet den Caddy California als einziges Fahrzeug seiner Klasse mit optionaler Wohnmobil-Zulassung ab Werk.

Text: Michael Gebhardt, Wolfgang Rudschies

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