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VW Caddy 2020: Was die 5. Generation besser macht

VW Caddy fährt auf der Teststrecke
Neuer VW Caddy: Komfortabler und fahraktiver als bisher ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Ob als Handwerker-Auto oder Familien-Kutsche: Der VW Caddy will es jedem recht machen, der einen pragmatischen Anspruch an ein Auto hat. Das gilt auch für die 5. Generation, die Ende 2020 auf den Markt kommt. Testfahrt, Daten, Bilder

  • Mehr Komfort dank neuem Fahrwerk

  • Top-Ausstattung mit Hightech-Cockpit

  • Stauraum für bis zu zwei Euro-Paletten

  • Diesel mit doppelter AdBlue-Einspritzung

Der neue Caddy bleibt nicht nur seiner Praktiker-Tradition treu, sondern sieht mit den schmalen Scheinwerfern, markanten Sicken im Blechkleid und Lufteinlässen an der Front im Stil des VW ID.3 auch richtig flott aus. Vor allem aber wird die Neuauflage sauberer, sicherer und komfortabler als bisher.

Der Schlüssel zum Erfolg heißt MQB. Die neue Caddy-Generation bedient sich aus dem "Modularen Querbaukasten“ von Volkswagen, der unter anderem auch die technische Basis des Golf 8 stellt. Von dem stammt zum Beispiel die neue Vorderachse. Hinten setzt der Caddy nach wie vor auf eine Starrachse, die aber in Kombination mit einem Panhardstab und Schrauben- statt Blattfedern deutlich mehr Komfort verspricht als bisher.

Neuer VW Caddy fährt komfortabler

Das offenbarte der Caddy schon auf unseren ersten wenigen Test-Kilometern auf dem VW-Prüfgelände in Ehra-Lessin, wo die Ingenieure gerade mit Hochtouren am Feinschliff arbeiten. Der Kleintransporter bzw. Hochdachkombi lenkt, freilich auch dank der deutlich direkteren Lenkung, präzise ein und rollt spürbar geschmeidiger über Querfugen als der Vorgänger. Selbst in der einfachen Kastenwagenversion für Handwerker werden so auch Langstrecken nicht zur Tortur.

Bei den Motoren bedient sich der VW Caddy ebenfalls im Konzern-Regal. Für den Start sind drei 2,0-Liter-Turbo-Diesel mit 55 kW/75 PS bis 90 kW/122 PS vorgesehen, die dank zweistufiger AdBlue-Reinigung (Twindosing) vorbildliche Abgaswerte aufweisen sollen; beim VW Golf konnte das System im ADAC Test bereits überzeugen.

Der 122-PS-Diesel ist vorerst die beste Wahl

Konkrete Verbrauchsdaten nennt VW derzeit noch nicht. Serie ist bei allen Triebwerken ein Sechsgang-Schaltgetriebe, die Top-Version gibt's auch mit Siebengang-Doppelkupplung. Außerdem steht für das 122-PS-Modell Allradantrieb zur Verfügung. Insgesamt scheint der stärkste Diesel mit 320 Newtonmeter Drehmoment die beste Wahl zu sein; vor allem wenn man öfter vollbepackt unterwegs ist, könnten die schwächeren an ihre Grenzen stoßen. Denn: Selbst mit dem stärksten Motor braucht der Caddy vergleichsweise betuliche 12 Sekunden auf Tempo 100. Was auffällt: Während es in der Pkw-Version ziemlich ruhig zu geht, lässt die geringere Dämmung den Diesel-Sound im Kastenwagen recht laut in den Innenraum dringen.

Erdgas (CNG) und Plug-in-Hybrid in Planung

Ergänzt wird das Motoren-Angebot um einen 1,5-Liter-Turbo-Benziner (84 kW/114 PS), bereits beschlossen ist außerdem eine Erdgas-Version (CNG). Später soll noch ein Plug-in-Hybrid mit 110 kW/150 PS kommen. Zwar fehlt dafür noch das finale O.k. der Konzernlenker, das aber gilt als sicher. Schließlich sind die Entwickler schon so weit, dass sie von rund 100 Kilometern rein elektrischer Reichweite und immerhin noch 600 Kilogramm Nutzlast sprechen – rund 250 Kilogramm weniger als bei den anderen Caddy-Modellen.

Das Cockpit des VW Caddy ist moderner geworden

Dass es sich bei den Testkandidaten noch um Vorserien-Modelle handelt, sieht man vor allem im Cockpit, wo sich noch zahlreiche ungenarbte Oberflächen breit machen; die billig wirkende, Spanplatten-artige Abdeckung in der Hecktür beziehungsweise Heckklappe soll dagegen schon Serienstand sein. Was für einen Sprung der Caddy gemacht hat, merkt man im Führerstand dagegen schon jetzt: Zwar wartet die Basis-Version mit analogen Instrumenten und einem relativ kleinen 6,5-Zoll-Display auf.

Als Extra zieht aber das vom Golf 8 bekannte Digital-Cockpit ein. Das verbindet einen 10,25 Zoll großen Infotainment-Touchscreen mit volldigitalen Instrumenten zu einer High-Tech-Multimedia-Einheit. Ins Auge fällt der zentrale Slider in der Mittelkonsole, mit dem man wie beim neuen Golf per Fingerwisch die Temperatur, die Lautstärke oder den Kartenmaßstab des Navigationssystems einstellen kann; klassische Tasten findet man dagegen kaum mehr. Dass auch der Sprachassistent, der auf den Befehl "Hallo Volkswagen" anspringt, nicht fehlt, versteht sich von selbst.

Überhaupt ist der Caddy voll vernetzt, empfängt Echtzeit-Verkehrsdaten und per App lassen sich die Türen abschließen oder das Licht ausschalten. Auf Wunsch gibt es auch eine Online-Diebstahlwarnanlage, die via Smartphone Alarm schlägt, wenn der Caddy entwendet wird oder die Möglichkeit, mit dem Smartphone die Standheizung zu aktivieren.

Speziell für Flotten-Manager gibt's mit dem Konnektivität-Dienst "We Connect Fleet" außerdem praktische Tools wie die GPS-Ortung der Fahrzeuge oder ein digitales Fahrtenbuch.

Die Langversion Caddy Maxi bietet Platz ohne Ende

Apropos praktisch: Auch die Lade-Meister-Fähigkeiten des Caddy wurden nochmal überarbeitet. Wie gehabt gibt es den Volkswagen in zwei Radständen. Der Kurze ist um zehn Zentimeter auf 4,50 Meter gewachsen und bietet ohnehin schon mehr Platz und Laderaum als der Vorgänger. Wem das nicht reicht, der greift am besten zur Lang-Version namens "Caddy Maxi": Die kommt auf 4,85 Meter und hat im Heck entweder eine dritte Sitzreihe mit zwei klapp- und entnehmbaren Einzelsitzen oder noch mehr Stauraum.

In den klassischen Kastenwagen "Caddy Cargo" mit nur zwei Plätzen gehen nun 3,3 oder 4,0 Kubikmeter rein, erstmals passen in den Maxi sogar zwei Europaletten – eine im Heck, eine durch die 84 Zentimeter breite Schiebetür auf der Seite. Wer Personen transportiert, kann zwischen der schlichteren Nutzfahrzeug-Version "Caddy Kombi" mit verglastem Fahrgast-Raum und Sitzen im Fond oder der wohnlicher und hochwertiger eingerichteten Van-Variante "Caddy Pkw“ wählen.

Ausstattung: Von schlicht bis wohnlich

Wo sich die Cargo-Serienausstattung (voraussichtlich ab rund 19.000 Euro netto) vergleichsweise mager präsentiert, sind im Kombi und in der Pkw-Version unter anderem ein Multifunktionslenkrad, zwei Schiebetüren, das erwähnte Radiosystem mit 6,5-Zoll- Display und die Müdigkeitserkennung serienmäßig an Bord. Die Kombi-Version dürfte bei circa 23.000 Euro starten.

Ab Ausstattung "Life" wird es komfortabler, dann kommen 16-Zoll-Leichtmetallräder, eine manuelle Klimaanlage, das mittlere Infotainmentsystem mit 8,25-Zoll-Screen, klappbare Tische für die zweite Sitzreihe, eine Dachreling (schwarz), in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger, elektrisch anklappbare Außenspiegel, eine eigenständige Mittelkonsole mit Mittelarmlehnen sowie Lendenwirbelstützen vorn hinzu.

Die Top-Ausstattung "Style" umfasst unter anderem ein Multifunktionslenkrad in Leder, eine Klimaautomatik, die digitalen Instrumente und Sitzbezüge in Velours. Zwei USB-C-Steckdosen, eine induktive Ladeschale und Apple CarPlay per Bluetooth statt Kabel machen den Pragmatiker schon zum richtigen Wohlfühl-Van.

"Trailer-Assist" hilft beim Rangieren mit Hänger

Und dann gibt es natürlich auch noch eine ganze Reihe an Assistenzsystemen: Von insgesamt 19 Helfern ist die Rede, fünf davon sind erstmals im Caddy zu haben neu. Dazu zählt unter anderem der Travel Assist, der das Auto automatisch auf Geschwindigkeit und in der Spur hält, solange der Fahrer die Hände am Lenkrad behält. Ebenfalls neu: Der Trailer Assist, der beim rückwärtigen Rangieren hilft und der Auspark-Assistent, der den Verkehr hinter dem Wagen im Auge behält.

Ab Ende 2020 muss sich der neue Caddy der Konkurrenz stellen, vor allem dem erstarkten PSA-Quartett Opel Combo, Citroen Berlingo, Peugeot Rifter und Toyota ProAce City.

Text: Michael Gebhardt