Dachlast: Was es beim Transport auf dem Dach zu beachten gibt

Beliebtes Transportgut: Fahrräder auf dem Autodach
Beliebtes Transportgut: Fahrräder auf dem Autodach© Shutterstock/Nikita Burdenkov

Wenn der Kofferraum zu klein ist oder das Transportgut zu groß und sperrig, bleibt noch das Dach. Was es bei der Dachlast zu beachten gilt, verrät der ADAC.

  • Dachlast muss gut gesichert werden

  • Das Fahrverhalten verändert sich

  • Nie die zulässige Dachlast überschreiten

Der Kofferraum ist mal wieder zu klein? Kein Problem: Rauf aufs Dach mit dem Ladegut. In einer Dachbox lässt sich noch so einiges unterbringen, was sonst nicht mehr mit könnte. Auch Fahrräder oder Freizeitgeräte aller Art lassen sich gut auf dem Dach transportieren. Doch dabei gibt es einiges zu beachten.

Dachlasten gelten als Ladung, solange sie mit dem Fahrzeug nicht fest verbunden sind, also kein Bestandteil des Fahrzeugs sind und abgenommen werden können. Dabei gilt: Bei allen Fahr- sowie Notmanövern wie Vollbremsungen oder starkem Ausweichen darf die Ladung nicht verrutschen, sich lösen oder gar vom Fahrzeug stürzen. Der ADAC empfiehlt, die Ladung nach Möglichkeit mit Hilfe von Spanngurten so zu sichern, dass die Ladung zumindest bei leichten Crashs nicht zur Gefahr werden kann.

Abmessungen: Nicht alles darf transportiert werden

Alles in Ordnung: Das Kajak ist gut gesichert und nicht zu lang. Ein rotes Fähnchen braucht es daher nicht © Shutterstock/Virrage Images

Das Fahrzeug darf mit Dachlast die maximale Höhe von vier Metern nicht überschreiten. Seitlich darf das Ladegut nicht weiter als 40 Zentimeter über die Begrenzungsleuchten an Fahrzeugfront und -heck hinausstehen und eine Gesamtbreite von 2,55 Metern nicht überschreiten. Vorne darf es gar nicht über das Fahrzeug hinausragen.
Am Heck sind bis zu einem Meter Überstand ohne Kennzeichnung erlaubt. Darüber muss die Ladung gekennzeichnet sein: Mit einer aufgespreizten, hellroten Fahne in der Größe 30 x 30 cm oder einem hellroten Zylinder mit 30 Zentimeter Höhe und 35 Zentimeter Durchmesser. Bei schlechter Sicht und bei Dunkelheit sind eine rote Leuchte und ein roter Rückstrahler vorgeschrieben. Höher als 1,50 Meter über der Fahrbahn darf beides nicht angebracht werden. Bis 100 Kilometer Wegstrecke sind drei Meter Überstand erlaubt, darüber nur 1,50 Meter. Achtung: Im Ausland können abweichende Regeln gelten!

Wo steht die maximale Dachlast?

In der Zulassungsbescheinigung finden sich unter der Ziffer 8 nur die maximalen Achslasten © ADAC/Jochen Wieler

Werden Dachträgersysteme verwendet, so müssen die in der Beschreibung angegebenen Maximalwerte für Lasten unbedingt beachtet werden. Das gilt besonders für Dachboxen, die viel Laderaum bieten, aber nur für leichtes Transportgut ausgelegt sind.
Zudem darf man die maximale Dachlast des Fahrzeugs nicht überschreiten. Die zulässige Dachlast wird in der Zulassungsbescheinigung des Fahrzeugs aber nicht angegeben, sie ist nur in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs zu finden. Unabhängig davon darf das Auto insgesamt nicht überladen werden, denn eine Überladung ist gefährlich und schlichtweg verboten. Das gilt nicht nur für das zulässige Gesamtgewicht, sondern auch für die maximal zulässige Achslast, denn die Dachlast belastet zum überwiegenden Teil die Hinterachse.

Diese Angaben sind in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein) zu finden:

  • F.2: zulässiges Gesamtgewicht des Fahrzeugs

  • 8.1: zulässige Achslast erste (vordere) Achse

  • 8.2: zulässige Achslast zweite (hintere) Achse

Wer noch einen Anhänger mitnimmt, darf ein gegebenenfalls festgelegtes Zuggesamtgewicht nicht überschreiten. Dies kann niedriger sein als die Summe aus zulässiger Gesamtmasse des Zugfahrzeugs und der maximalen Anhängelast. Details dazu stehen im Feld 22 der Zulassungsbescheinigung Teil 1.

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Was ist bei Dachzelten zu beachten?

Im statischen Fall, also wenn das Fahrzeug geparkt ist, können höhere Belastungen möglich sein. So ist es im Allgemeinen möglich, mit zwei Personen in einem Dachzelt zu übernachten, besonders wenn sich die Last gleichmäßig auf die Auflagepunkte des Autodachs verteilt. Angaben über Maximalwerte sind jedoch vom Fahrzeughersteller kaum zu erlangen, der Nutzer trägt das Risiko bei Beschädigungen.

Wie schnell darf man mit Dachlast fahren?

Die Hersteller von Trägersystemen geben oft eine empfohlene Höchstgeschwindigkeit an. Um eine sichere Fahrt zu gewährleisten, sollte diese Vorgabe nicht überschritten werden, denn mit höheren Geschwindigkeiten nehmen auch die Kräfte auf das Trägersystem zu. Eine gesetzliche Regelung zur Höchstgeschwindigkeit mit Dachladung gibt es in Deutschland aber nicht. Jedoch schreibt § 3 der Straßenverkehrsordnung vor: "Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen."

Mit Dachlast ändern sich die Fahreigenschaften

Windwiderstand und Verbrauch

Vorsicht: Mit hoher Dachlast ändern sich die Fahreigenschaften © ADAC/Martin Hangen

Eine Ladung auf dem Dach beeinflusst das Verhalten des Fahrzeugs. Je nach Größe der Ladung verändert sich der Windwiderstand erheblich, der Kraftstoff- oder Stromverbrauch steigt. Das hat Auswirkungen auf die Reichweite, aber auch auf die Belastung des Motors und Antriebsstrangs.
Doch auch die seitliche Windangriffsfläche wird größer, die Seitenwindempfindlichkeit steigt. Windböen und der Sog von großen Bussen und Lkw drücken oder ziehen das Fahrzeug leichter zur Seite.

Fahrstabilität

Der höhere Schwerpunkt des Fahrzeugs verändert die Stabilität des Fahrzeugs bei Lenk- und Ausweichmanövern deutlich. Das Auto spricht später auf Lenkbefehle an, der Aufbau neigt sich stärker zur Seite. Bei Ausweichmanövern ist die Schleudergefahr größer, da sich Fahrzeuge mit Dachladung leichter aufschaukeln können.

Bremsverhalten

Der hohe Schwerpunkt hat einen negativen Einfluss auf das Bremsverhalten. Anders als Ladung im Heck des Fahrzeugs, die die Hinterachse stärker belastet und so die übertragbare Bremsleistung nicht verschlechtert, drückt die weit oben liegende Dachlast bei scharfem Bremsen auf die Vorderachse und kann die Hinterachse sogar entlasten. Generell muss man bei einem stark beladenen Fahrzeug mit einem längeren Bremsweg rechnen.

Dachlast: Die Tipps des ADAC

  • Überschreiten Sie niemals vom Hersteller vorgegebene maximale Dachlasten.

  • Sichern Sie Dachlasten gut gegen Verrutschen und Herabfallen.

  • Benutzen Sie Spanngurte zur Fixierung. Ein Gepäcknetz ist nur zum Sichern von leichtem Gut geeignet.

  • Berücksichtigen Sie die Kräfte des Fahrtwinds. Großflächige Gegenstände sind den Belastungen eines Orkans ausgesetzt. Besonders überstehende Lasten tendieren vorne dazu, hochgedrückt zu werden. Eine zusätzliche Fixierung zur vorderen Abschleppöse kann das verhindern.

  • Beachten Sie das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs, wie auch die zulässigen Achslasten.

  • Die Fahrstabilität wird durch Dachlasten stark eingeschränkt. Fahren Sie entsprechend vorsichtig, das Fahrzeug reagiert deutlich träger und ist empfindlicher gegen Seitenwind.

  • Vergessen Sie die Höhe Ihrer Dachlast nicht bei Unterführungen, Einfahrten oder spätestens vor Ihrer eigenen Garage oder Tiefgarage.

  • Kennzeichnen Sie überhängende Ladung auch bei geringem Überhang und beachten Sie die maximal zulässigen Abmessungen.

Forderungen an die Hersteller

  • Träger und Transportsysteme sollten mit einer ausführlichen, bebilderten Betriebsanleitung mit Hinweisen auf maximale Lasten und eine Tempoempfehlung geliefert werden. Hinweise zur Ladungssicherung, der maximalen Abmessungen der Ladung und deren Kennzeichnung bei Überragen des Fahrzeugs sollten ebenfalls nicht fehlen.

  • Transport- und Trägersysteme sollten für die auftretenden Verzögerungen entsprechend dem Citycrash ausgelegt sein, um Crashgegner und ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer optimal zu schützen.

  • Fahrzeughersteller sollten die zulässigen Dach- und Achslasten sowie das zulässige Gesamtgewicht gut sichtbar am Fahrzeug anbringen – wie es bei den Reifendruckwerten für verschiedene Beladungen ebenfalls der Fall ist, beispielsweise im Türrahmen.

Fachliche Beratung: Burkhard Böttcher, ADAC Technik Zentrum

Jochen Wieler
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