Mercedes Citan/T-Klasse: Wie der Kangoo zum Mercedes wird

Der Mercedes Citan als Weltpremiere auf der Fahrt durch gelbe Rapsfelder
Mercedes Citan Kastenwagen und die Pkw-Version Citan Tourer ∙ © Mercedes

Der Mercedes Citan kommt im September 2021 in neuer Form und basiert wieder auf dem Renault Kangoo. Doch diesmal soll er ein echter Mercedes werden. Testfahrt im Prototyp, erste offizielle Bilder und Daten.

  • Hochdachkombi erstmals unter dem Namen Citan und T-Klasse

  • Auch eine Elektroversion e-Citan ist geplant

  • Zwei Radstände und mit dritter Sitzreihe

Für den ersten Citan hat Mercedes viel Prügel einstecken müssen (nur drei Sterne im Crashtest). Und die X-Klasse gilt als größter Flop der jüngeren Geschichte. Denn zu wenig haben die Ingenieure an Renault Kangoo und Nissan Navara geändert, um daraus echte Mercedes-Modelle zu machen. So richtig gut gelaufen ist die Kooperation mit Renault und Nissan für die Schwaben also bislang nicht.

Mercedes hat mitentwickelt

Der neue Mercedes Citan
Wie der Renault Kangoo kommt auch der Mercedes Citan als Elektroauto ∙ © Mercedes

Doch mit dem dritten Anlauf gelobt Mercedes Besserung. Die Neuauflage des Citan kommt im Herbst 2021 und basiert zwar wieder auf dem Renault Kangoo, der nahezu zeitgleich startet. Doch diesmal steht das Projekt unter besseren Vorzeichen, verspricht Nicola Crimi aus der Entwicklung: "Statt ein fertiges Fahrzeug zum Mercedes umzubauen, waren wir diesmal vom ersten Tag an mit im Boot und haben bei Design, Interieur, Ausstattung und Abstimmung unsere Vorstellungen einbringen können", sagt der Ingenieur.

2022 kommt der Mercedes Citan als Elektroauto

Deshalb sei der Citan nicht nur sicherer geworden, sehe besser aus und fahre komfortabler. Vor allem fühle er sich mehr nach Mercedes an: "Was man innen sehen und anfassen kann, kommt dem Fahrer vertraut vor", sagt Crimi und beschwört jenes "Willkommen zu Hause"-Gefühl herauf, das einen auch in der A- oder E-Klasse beim Einsteigen überkommt. "Der Citan ist einer von uns", umschreibt er den neuen Familiensinn, der sich auch an der Modellplanung zeigt: Neben dem Transporter und dem Tourer für die Familie soll es 2022 nicht nur eine rein elektrische Version des Citan geben. Angepeilte Reichweite: 285 Kilometer nach WLTP.

Wie beim ersten Mal baut die Van-Division den kleinen Kasten zum Pkw um und verkauft ihn dann analog zur V-Klasse auch als Hochdachkombi mit dem Namen T-Klasse. Auch von ihm ist eine E-Version geplant, die sich optisch stärker vom Citan unterscheidet und sich an den größeren EQV anlehnt. Einen ersten Ausblick darauf hat Mercedes bereits mit der Studie EQT gegeben. Mutmaßlich bekommt diese Version eine größere Batterie als der elektrische Citan und damit auch eine höhere Reichweite.

Typisch Mercedes: Hoher Fahrkomfort

Der Mercedes Citan als Weltpremiere auf der Strasse
Der Mercedes Citan Tourer als praktischer, kleiner Familienvan mit Schiebetür ∙ © Mercedes

Den Mercedes-Komfort kann man schon beim Prototyp spüren, den der Autor schon lange vor Verkaufsstart fahren konnte. Erstaunlich weich und unaufgeregt kreuzte der Citan über die schlechten Straßen rund um das Testgelände in Immendingen: Die variabel unterstützte Servolenkung nimmt auch kurvigen Strecken den Schrecken und lässt den Citan recht handlich wirken. Das Fahrwerk lässt sich von den vielen Bodenwellen und Frostaufbrüchen kaum aus der Reserve locken. Im Citan reist man in Ruhe – da fehlt zu einer B-Klasse nicht mehr viel. Vorbei die Zeiten als ein Hochdachkombi vornehmlich praktisch sein musste, bei dem aber sicht- und hörbar (hohe Innengeräusche) gespart wurde.

Cockpit: Klassisches Layout im Pkw-Stil

Das Cockpit des Mercedes Citan
Noch weitgehend konventionell: Einen Bedienungs-Alptraum erspart einem der Citan ∙ © Mercedes

Das gilt auch für das Ambiente. Das Cockpit hat zwar ein klassisches Layout und nicht den durchgehenden Cinemascope-Bildschirm wie bei den Kompakten aus Stuttgart, und auch Tacho und Drehzahlmesser sind weiterhin analog. Doch zumindest gibt’s einen Touchscreen, das Lenkrad ist das gleiche wie in der A-Klasse, und die Sitze sind anders gepolstert als bei Renault. So nüchtern wie in einem Nutzfahrzeug sieht es hier bei Weitem nicht mehr aus, und wer "Hey Mercedes" sagt, dem antwortet Alexas schwäbische Schwester – das Infotainmentsystem MBUX samt Sprachsteuerung und Online-Navigation ist über die gesamte Palette verfügbar.

Viel Platz, zwei Radstände, drei Sitzreihen

Zum neuen Ambiente gibt’s auch neue Abmessungen: "Wir sind in jeder Dimension gewachsen", sagt der Ingenieur und verspricht mehr Platz im Innenraum sowie reichlich Raum für Koffer oder Kisten. Mit 4,50 Metern Länge und 1,83 Metern Breite dürfte der Citan für Familien wie Handwerker genau das richtige Maß haben. Der Kastenwagen nimmt bis zu 2,9 Kubikmeter Ladevolumen auf und kommt auf eine Ladelänge von 3 Metern. Dabei wird es aber nicht bleiben: Es soll zwei Radstände, zwei Längen und auch wieder eine dritte Sitzreihe geben. Neu sind dagegen viele Ablagen wie das Hochregal über der ersten Reihe. Und wer will, kann den Citan auch in einen Mini-Camper verwandeln.

Motoren: Eine Hybridversion ist nicht geplant

Der Mercedes Citan als Weltpremiere auf der Fahrt durch gelbe Rapsfelder
Mehr Pkw-Komfort versprechen Citan Tourer und die Handwerkerversion ∙ © Mercedes

Beim Antrieb betont Mercedes, dass der Citan das letzte Neufahrzeugprojekt für Gewerbetreibende mit Verbrennungsmotor sein wird – nach ihm kommen ausschließlich Elektrotransporter. So gibt es ein letztes Mal die friedliche Koexistenz von Benzinern, Dieseln und einer rein elektrischen Variante, während Hybridisierung, egal in welchem Grad, kein Thema ist. So kommt der Kastenwagen zunächst mit drei Dieseln mit 75, 95 und 116 PS und zwei Benzinern mit 102 und 131 PS. Der Einstiegs-Diesel dürfte nur für Hartgesottene oder für den rein innerstädtischen Betrieb zu empfehlen sein, denn 18 Sekunden für den "Sprint" von 0 auf 100 km/h sowie 152 km/h Spitze machen auf längeren Strecken wenig Freude.

Beim Citan Tourer geht es daher erst beim 95-PS-Diesel los, darüber gibt es nur noch die beiden Benziner mit 102 und 131 PS – Familien haben also nur drei Verbrenner zur Wahl. Preise hat Mercedes vorerst noch nicht genannt.

Natürlich mussten die Schwaben auch diesmal ein paar Kompromisse eingehen, wie das bei Kooperationen so üblich ist. Doch dass sie ihre Lektion im dritten Anlauf gelernt haben, bemerkt der Citan-Kunde künftig schon vor der Fahrt: am Schlüssel. Nachdem der zuletzt bei der X-Klasse allzu sehr an Nissan erinnert hat, gibt’s diesmal einen eigenen Transponder im Mercedes-Design.

Text: Thomas Geiger, Jochen Wieler

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.