Mercedes EQB: Kompakt-SUV mit bis zu sieben Sitzen

Unser Redakter testet den neuen Mercedes EQB
Neuer Elektro-Mercedes EQB: Eng verwandt mit dem EQA ∙ © ADAC/Rudschies

Der Mercedes EQB ist höchst komfortabel, sicher und geräumig. Nur bei der Effizienz gibt es noch ein Fragezeichen. Die erste Testfahrt mit allen Infos, Fotos, Daten zu Reichweite und Preis.

  • Elektro-SUV der Mittelklasse mit bis zu sieben Sitzen

  • Reichweite laut Prospekt mehr als 400 Kilometer

  • Basispreis des EQB 300 4matic: ab 55.311 Euro

Jetzt geben auch die Stuttgarter Autobauer mit dem Stern im Emblem richtig Gas. Der Mercedes EQB ist bereits das fünfte Auto der Marke, das einen Elektroantrieb besitzt. Neben der Luxuslimousine EQS und dem großen Van EQV gehören jetzt drei Elektro-SUVs zum Modellprogramm.

Dabei reiht sich der Mercedes EQB nicht nur alphabetisch, sondern auch von der Größe her mit einer Länge von 4,68 Metern zwischen dem 4,46 Meter langen Mercedes EQA und dem Mercedes EQC ein, der es auf eine Länge von 4,76 Metern bringt. Dabei ist die Konstruktion des EQB eng verwandt mit dem EQA, Antrieb und Akku sind identisch.

Elektro-SUV mit bis zu sieben Sitzen

Tatsächlich ist beim Mercedes EQB die Raumnutzung gut gelungen. Insbesondere die Beinfreiheit auf der Rückbank fällt sehr großzügig aus. Im Unterschied zu seinem großen Bruder EQC kann auch eine dritte Sitzreihe als Extra geordert werden. Damit wird der EQB dann zum Siebensitzer. Und obwohl der EQB immerhin acht Zentimeter kürzer geraten ist, passen in den Kofferraum laut Mercedes nur 35 Liter weniger als in den EQC – dachhoch beladen sogar 140 Liter mehr.

Die Plätze sechs und sieben in der dritten Reihe seien für Menschen bis 1,65 Meter Körpergröße geeignet, erklärt Mercedes. Als sehr praktisch erweist sich die um 14 Zentimeter verschiebbare Sitzbank in der zweiten Reihe, die man gegen Aufpreis bekommen kann. So schiebt man die Bank nach vorn oder hinten, je nachdem, ob möglichst viel Beinfreiheit gewünscht ist oder möglichst viel Platz für Gepäck.

Testfahrt mit dem Mercedes EQB 350 4matic

Unser Redakteur testet den Mercedes ECB
ADAC Redakteur Wolfgang Rudschies am Steuer ∙ © Mercedes/André Tillmann

Für die erste Testfahrt stand die vorläufige Topversion EQB 350 4matic zur Verfügung. Die hat im Vergleich zum 300er (siehe Tabelle unten) deutlich mehr Leistung, ansonsten unterscheiden sich die beiden nur noch im Kaufpreis. Selbst die Verbrauchswerte und Reichweiten sind laut Mercedes identisch.
Die im Prospekt verzeichneten 18,1 kWh pro 100 Kilometer haben wir bei der ersten Ausfahrt nicht erreicht. Der Bordcomputer zeigte am Ziel einen Wert von 22,2 kWh. Am Ende der Fahrt wären rechnerisch kaum mehr als 300 Kilometer Reichweite drin gewesen und nicht die versprochenen 419 Kilometer. Das mag wohl auch dem cw-Wert von 0,28 geschuldet sein – was zwar für die kastige und hochaufragende Karosserie des Mercedes EQB nicht schlecht ist, aber weit entfernt vom cw-Wert 0,20 eines Mercedes EQS, der aktuell den absoluten Bestwert aller Elektroautos beim Luftwiderstand innehält.

Exakt ermittelte Verbräuche und Reichweiten für den Mercedes EQB liefert wie immer ein späterer ADAC Autotest nach.

Kraftvoller Antritt, hoher Komfort

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Das Fahren mit dem EQB ist höchst komfortabel und entspannt ∙ © ADAC/Rudschies

Unterm Strich muss man sagen: Der Mercedes EQB fährt sich prima. Er ist einerseits kraftvoll und dynamisch, andererseits so komfortabel, so geräumig und so mit modernster Technik vollgepackt, wie man es von einem Premiumprodukt von Mercedes erwartet. Mit den Schaltpaddeln links und rechts am Lenkrad kann der Fahrer die jeweils der Situation entsprechende Rekuperationsstufe einstellen: Vom forsch bremsenden One-Pedal-Feeling bis zum gemütlichen Cruise-Segel-Modus ist alles möglich.

Man kann sich aber auch voll auf die automatisch erfolgende Rekuperationsleistung verlassen. So bremst der EQB ganz von allein, wenn er etwa zu dicht auf das Vorausfahrzeug aufläuft. Der sogenannte Eco Assistent bezieht Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen der Fahrzeugsensorik wie den Abstandsradar mit ein. Die daraus resultierende vorausschauende Fahrweise spart Energie und führt am Ende zu einer etwas verbesserten Reichweite.

Aufgeladen werden kann der EQB an der Wallbox mit bis zu 11 kW, an der Schnellladesäule sind bis 100 kW möglich. Wer auf der Langstrecke unterwegs ist, kann sich die Fahrt vom Navigationssystem inklusive notwendiger Ladestopps berechnen und sich jeweils dorthin führen lassen. Und das macht absolut Sinn. Denn der Fahrer bekommt sowohl die jeweilige Ankunftszeit an einer Ladestation angezeigt als auch den voraussichtlichen Akkuladestand (State of Charge = SOC) und die voraussichtliche Ladedauer. Ob die Säule bei Ankunft frei oder defekt ist, weiß das System aber leider nicht. In diesem Punkt ist man weiterhin auf eine Smartphone-App wie die ADAC e-charge App angewiesen, die die Information quasi in Echtzeit bereithält.

Vielzahl an Sicherheitssystemen erhältlich

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Stattlich: Der Kofferraum schluckt fast 500 Liter Gepäck ∙ © ADAC/Rudschies

Auch bei den Fahrer-Assistenzsystemen zeigt sich der Mercedes gut gerüstet. Serienmäßig an Bord sind ein aktiver Spurhalte- sowie ein Bremsassistent. Letzterer hat in kritischen Situationen die Fähigkeit, mit einer Notbremsung eine Kollision zu verhindern oder zumindest ihre Schwere zu vermindern. Auch auf stehende Fahrzeuge und querende Fußgänger kann das System bei stadttypischen Geschwindigkeiten bremsend eingreifen. Erweiterte Funktionen des Fahrassistenzpakets sind beispielsweise die Abbiegefunktion, die Rettungsgassenfunktion, die Ausstiegswarnfunktion bei herannahenden Radfahrern oder Fahrzeugen sowie die Warnung vor Personen im Bereich von Zebrastreifen.

Gewöhnungsbedürftige Bedienung

Unser Redakter testet den neuen Mercedes EQB
Das Fahrerdisplay und vieles mehr lässt sich individuell konfigurieren ∙ © ADAC/Rudschies

Über die digitalen Anzeigen und die Bedienung des EQB kann man sehr unterschiedliche Ansichten haben. Wer sich intensiv beschäftigt mit der Vielzahl der Funktionen und Einstellmöglichkeiten, findet sich nach dieser Lernphase sicherlich zurecht. Doch intuitiv und auf Anhieb erfassbar ist die Bedienung an vielen Stellen nicht. Insbesondere der Umgang mit den Knöpfen am Lenkrad sowie das Durchscrollen der vielen Menüs und Menü-Ebenen will geübt sein. Anfangs landet der Benutzer oft im Nirwana. Und auch die Sprachbedienung ist längst noch nicht so perfekt, wie sie sein könnte.

Damit stellt sich auch beim Mercedes die grundsätzliche Frage, ob man als Autofahrer gezwungen sein will, erst mühsam lernen zu müssen, wie man mit der Bedienung seines Fahrzeugs zurechtkommt.

Top funktioniert dagegen das Navigationssystem mit Augmented-Reality-Elementen: Rechtzeitig vor den jeweiligen Abbiegepunkten wird ein Umgebungsbild von der Frontkamera ins Zentraldisplay eingeblendet. In dieses Echtbild wird ein virtueller Pfeil projiziert, der fahrspurgenau zeigt, wohin der Fahrer lenken, und an welcher Stelle er abbiegen soll. Das ist insbesondere an Kreuzungen mit vielen Fahrspuren oder Kreisverkehren mit unübersichtlichen Ausfahrten von großem Gewinn.

Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz EQB 300

Mercedes-Benz EQB 350

Motorart

Elektro

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

168

215

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

228

292

Drehmoment (Systemleistung)

390 Nm

520 Nm

Antriebsart

Allrad

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,0 s

6,2 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

501 km

501 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

18,1 kWh/100 km

18,1 kWh/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

16,2 kWh/100 km

16,2 kWh/100 km

Batteriekapazität (Netto) in kWh

66,5

66,5

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-11,0 DC:100,0

AC:2,3-11,0 DC:100,0

Kofferraumvolumen normal

495 l

495 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.710 l

1.710 l

Leergewicht (EU)

2.175 kg

2.175 kg

Zuladung

405 kg

405 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

2 Jahre

Grundpreis

55.311 Euro

57.989 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.684 mm x 1.834 mm x 1.691 mm

4.684 mm x 1.834 mm x 1.691 mm

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