Mercedes EQS SUV: So luxuriös kann ein Elektro-SUV sein

Ein weißer Mercedes EQS SUV fahrend von vorne
Mercedes EQS SUV: Mit geschlossener Front wie EQA, EQB und EQC© Mercedes

Mit dem Mercedes EQS SUV wird der Luxuslimousine EQS ein stattlicher SUV zur Seite gestellt. Der ist bis zu 544 PS stark, kommt noch 2022 und soll 660 km Reichweite haben. Erste Infos, Daten, Bilder.

  • Mercedes EQS SUV: 107-kWh-Batterie, 660 km Reichweite

  • Marktstart in der zweiten Jahreshälfte 2022

  • Auf 5,13 Meter Länge bis zu sieben Sitzplätze

Ist die Plattform erst einmal fertig entwickelt, geht es Schlag auf Schlag. Bestes Beispiel sind der Mercedes EQS und EQE: Beide Elektrolimousinen hatten ihre Debüts innerhalb eines Jahres. Und nicht einmal ein Jahr später bringen die Schwaben das dritte Modell auf gleicher Architektur auf die Straße, den EQS SUV. Er markiert das Flaggschiff der elektrischen SUV-Modelle von EQA, EQB und EQC – ganz ähnlich, wie es derzeit bei den konventionellen Modellen der GLS macht.

Mercedes EQS SUV: Ein Elektro-SUV für USA und China

Ein weißer Mercedes EQS SUV fahrend von oben
Das Design des EQS SUV ist frei von Überraschungen © Mercedes

Ein über fünf Meter langer Elektro-SUV mit bis zu sieben Sitzen? Bei uns und in Europa dürften diese Abmessungen nicht gerade auf Begeisterung stoßen, denn hier liebt man es kompakter. Doch Deutschland ist in der Autowelt längst nicht mehr das Maß der Dinge: China und die USA geben den Ton an. Hier leben die Käufer, die sich große Autos gönnen, ob sie nun sinnvoll sind oder nicht. Prestige und Statussymbole besitzen in den dortigen Gesellschaften einen hohen Stellenwert.

Der EQS SUV verkörpert mit seinen 5,13 Metern Länge eine Menge davon, ohne jedoch allzu protzig zu wirken, so dass auch hierzulande wohl der ein oder andere Kunde zu finden sein wird. Die Designer haben sich Mühe gegeben, die Karosserie nicht so aufrecht und wuchtig zu gestalten wie beim GLS. Das EQS SUV wirkt gefällig in den Proportionen und ist zehn Zentimeter niedrigerer als sein Gegenstück aus der Verbrennerwelt. Das schnörkellose Design hat einen triftigen Grund: der begrenzte Vorrat an Energie im Auto. Über 60 Prozent des Akku-Stroms gehen zur Überwindung des Luftwiderstands drauf.

Mercedes setzt auf Aerodynamik

Sämtliche Karosseriedetails am EQS SUV erhielten daher ein aerodynamisches Feintuning. Es reicht von der unteren Profilierung der Trittbretter über spezielle Aero-Felgen bis hin zur Abrisskante des Dachspoilers. Man hatte sich bei der Abstimmung im Windkanal sogar Gedanken über Kamera-Spiegel gemacht, die ja dem Wind wesentlich weniger Widerstand bieten würden als gewöhnliche Spiegel. Doch die Displays für die Spiegel würden permanent Strom ziehen – und der kommt stets aus der Antriebsbatterie.

Aufgrund der zur EQS Limousine gleichen Architektur – beide haben einen Radstand von 3,21 Meter – steckt auch unter dem EQS SUV der gleich große Hochvoltspeicher mit einer nutzbaren Kapazität von 107,8 kWh. Der Energieinhalt soll für eine Strecke von 660 Kilometern reichen, gemessen nach dem WLTP-Zyklus. Im Alltag dürften es um die 500 Kilometer sein.

Der EQS SUV kommt auch als Maybach

Ein weißer Mercedes EQS SUV fahrend von hinten
Typisch für Mercedes-Elektroautos: Das durchgehende Leuchtenband © Mercedes

Auch antriebsseitig liegen EQS und EQS SUV nah beieinander. Wenn der Wagen im Herbst 2022 auf den Markt kommt, bildet der 450+ das Einstiegsmodell. Bei ihm sitzt eine 265 kW/360 PS starke E-Maschine auf der Hinterachse. Die 4Matic-Variante hat ebenfalls 265 kW, aber noch einen Motor auf der Vorderachse. Vorläufiges Topmodell ist der EQS SUV 580 4Matic mit 400 kW/544 PS. Nachreichen wird Mercedes noch eine eigenständig gestaltete Maybach-Variante, der gewiss ein paar zusätzliche Kilowatt verabreicht werden.

Bis zu 200 kW Ladeleistung

Hohe Motorleistungen und ein Gewicht von über 2,5 Tonnen verlangen nicht nur nach einer großen Batterie, sondern auch nach einem leistungsfähigen Lademanagement. Für Zuhause ist ein 11-kW-On-Board-Charger vorgesehen, 22 kW gibt es als Extra. An CCS-High-Performance-Ladesäulen (Gleichstrom), wie sie entlang der Autobahnen stehen, sind bis 200 kW Ladeleistung möglich. Die Batteriezellen hat Mercedes so konzipiert, dass der hohe Ladestrom möglichst lange konstant gehalten werden kann. So sollen laut Hersteller innerhalb von 15 Minuten etwa 250 Kilometer "nachgetankt" werden können.

Dass SUVs heute mehr und mehr die Funktion eines Kombis übernehmen, zeigt das Package-Konzept. 645 Liter fasst der Kofferraum, liegen die Rücksitzlehnen flach, passen bis zu 2100 Liter hinein. Das schafft kein Kombi. Die hintere Sitzreihe kann elektrisch um 13 Zentimeter vorgeschoben werden, der Kofferraum wächst dann auf 800 Liter. Als Sonderausstattung bietet Mercedes zudem eine dritte Sitzreihe mit zwei Einzelsitzen an. Erwachsene werden hier allerdings nicht sitzen wollen. Auch eine Anhängerkupplung ist für den EQS SUV erhältlich – und damit können bis zu 1,8 Tonnen an den Haken genommen werden.

Elektro-SUV mit futuristischem Hyperscreen

Das Cockpit des Mercedes EQS SUV
Der futuristische "Hyperscreen" kostet auch im EQS SUV Aufpreis © Mercedes-Benz AG

Im Interieur des EQS SUV zeigt sich ein gewohntes Bild. Das Cockpit wurde 1:1 von der Limousine übernommen. Der Hyperscreen – er kostet auch für den SUV einen Aufpreis – erfreut sich bei der EQS Limousine bereits großer Nachfrage, vor allem bei den asiatischen und amerikanischen Kunden. Darstellung, Brillanz und Reaktionsschnelligkeit sind exzellent, Bedienung und Menüführung intuitiv. Das Grundlayout, intern Zero Layer genannt, bildet stets die Navigationskarte. Darüber sortieren sich die anderen Optionen. Alles ist schnell zu erfassen und leicht zu verstehen. Und wer nicht klicken, drücken oder wischen will, nutzt die MBUX-Sprachsteuerung.

Der Preis des EQS SUV wird sechsstellig

Gleiches gilt für die elektronischen Assistenten, von denen es im EQS SUV nur so wimmelt. Mercedes erhielt kürzlich die Zertifizierungen fürs teilautonome Fahren. Der EQS SUV dürfte damit der erste Elektro-SUV sein, der autonom mit Level 3 gefahren werden kann. Im heute nahezu alltäglichen Kolonnenverkehr auf der Autobahn darf der Fahrer dann bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h die Hände vom Lenkrad nehmen und sich entspannt anderen Dingen widmen als nur stupide auf das Heck des Vordermanns zu starren.

Zum Preis hat sich Mercedes noch nicht geäußert, von einer sechsstelligen Summe darf man aber ausgehen.

Text: Michael Specht/SP-X

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