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Mercedes EQV: Spaceshuttle unter Strom

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Mercedes

Der Luxus-Van von Mercedes fliegt zwar nicht ins All, aber er rollt jetzt lautlos an uns vorbei. Entspannt unterwegs im Raumgleiter Mercedes EQV, der elektrischen V-Klasse. Testfahrt, Daten, Reichweite, Preis

  • Den Mercedes EQV gibt es in den Größen large und extra large

  • In der Stadt rund 400 Kilometer Fahrstrecke möglich

  • Variabel Platz für 6 bis 8 Personen und Gepäck

Das elektrische Alphabet bei Mercedes füllt sich so langsam: Nachdem der EQC bereits an der Ladesäule steht und Autos wie der EQS, der EQA und der EQB schon angekündigt wurden, werfen die Schwaben nun auch ein V in die Buchstabensuppe und bringen den ersten luxuriösen Van mit Stromkabel in den Handel.

Der Mercedes EQV wird mindestens 69.020 Euro teuer und ist wahlweise als lange und extralange V-Klasse lieferbar. Optisch aber nur ganz marginal modifiziert, soll er noch 2020 großen Familien einen kleinen CO₂-Fußabdruck ermöglichen und Taxi- oder Limousinen-Flotten um ein sauberes Shuttle bereichern.

Mit 100-kWh-Akku bis 400 Kilometer Reichweite

Für einen Netto-Aufpreis von rund 6000 Euro auf den vergleichbaren Diesel montiert Mercedes im Bug einen E-Motor mit einer 150-kW-Spitzen- und 95-kW-Dauerleistung und im Wagenboden einen Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von brutto 100 kWh, von denen immerhin 90 genutzt werden können.
Im Zyklus reicht das für mehr als 400 Kilometer und in der Praxis für mindestens eine Taxi-Schicht, verspricht Projektleiter Benjamin Kaehler. Und damit der Van danach keine allzu lange Pause braucht, stattet Mercedes den EQV serienmäßig mit einem wassergekühlten Onboard-Lader und einem CCS-Anschluss aus. An der Schnellladesäule eingestöpselt, zapft das Spaceshuttle dann im besten Fall mit 110 kW und kommt so in 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent Ladestand.

Auf die reale Reichweite hat der Fahrer großen Einfluss. Zum einen, weil er zwischen vier Fahrmodi wählen und bis in den spaßfreien, aber dafür sparsamen ECO+-Betrieb schalten kann, der mit der Leistung auch die Klimatisierung drosselt, was bei so einem großen Kasten
schnell mal ein paar Kilometer bringt. Und zum anderen, weil der EQV in der stärksten von fünf wählbaren Rekuperationsstufen so stark verzögert, dass man tatsächlich mit einem Pedal fahren, die mechanische Bremse vergessen und bei jedem Ampelstopp ein wenig an Reichweite zurückgewinnen kann.

Passagiere fühlen sich wie im siebten Himmel

In der Stadt fühlt sich der elektrische Kleinbus in Lack und Leder damit ein bisschen an wie eine S-Bahn für die 1. Klasse. Denn zur hohen und vergleichsweise aufrechten Sitzposition
und dem vornehmen Interieur kommt jetzt noch das elektrische Fahrgefühl. Und wie alle Akku-Autos beschleunigt auch der EQV zumindest auf den ersten Metern deutlich besser und spontaner als die Verbrenner, selbst wenn Mercedes gerade einen neuen Diesel eingebaut und mit der sanftmütigen Neungang-Automatik kombiniert hat. Eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in rund zehn Sekunden kann sich jedenfalls für ein Auto dieses Formats sehen lassen.

Zwar werden die Fahrwiderstände mit zunehmendem Tempo spürbar größer, und man braucht jenseits des Ortschilds etwas mehr Geduld. Trotzdem fährt der EQV in der Serie 140 km/h Spitze, und für nicht mal 200 Euro Aufpreis macht Mercedes sogar 160 km/h möglich. Selbst wenn die Reichweite dann rasend schnell in den Keller geht, wähnt man sich auf der Autobahn deshalb eher im ICE als in der S-Bahn.

Darüber hinaus kompensiert der Wagen mit Stille, was ihm vielleicht an Speed fehlt. Denn so kräftig der neue Diesel auch sein mag, gehört er zu den knurrigeren Vertretern seiner Art, während es im EQV endlich Ruhe beim Reisen gibt. Wer die neue Luftfederung bestellt, der fährt wie in Watte gepackt und auf Wolken gebettet.

V-Klasse: Auch elektrisch ein Raumriese

Mit dem neuen Antrieb ändert sich das Fahrgefühl, doch das Raumgefühl bleibt gleich. Denn außer im Cockpit, wo auf dem großen Touchscreen das Bediensystem MBUX samt elektrischer Untermenüs für die intelligente Routenplanung und das Energiemanagement läuft, ist der
neue Raumriese ganz der alte: Weil die Batterie komplett im Wagenboden verschwindet, gibt es genauso viel Platz und Variabilität, wie man es von den Verbrennern kennt. Auf dem ebenen Boden kann man Einzelsitze oder Bänke mit oder gegen die Fahrtrichtung montieren, kann jedes Möbelstück verschieben, versetzen oder ganz ausbauen – und dann jede Menge Gepäck und Zeug einladen.

Fazit Mercedes EQV

Praktisch und vornehm wie immer, aber jetzt auch noch sauberer und selbst in Smog- geplagten Städten zukunftsfest: Mit dem EQV kontert Mercedes die Luxusoffensive von Tesla mit einem Elektroauto, in dem man anders als bei Model S und Model X auch in der dritten Reihe ordentlich sitzen kann.

Zugleich gehen die Schwaben im ewigen Kampf mit dem VW Bulli in Führung, weil die Niedersachsen ihre Elektro-Offensive erst ein, zwei Jahre später mit dem ID Buzz so richtig beginnen. Doch wie beim Rennen zwischen Hase und Igel lässt VW der V-Klasse den Sieg nicht ungeteilt. Den VW T6 mit Elektroantrieb gibt’s als Umrüstung von Entwicklungspartner Abt zu kaufen.

Technische Daten (Herstellerangaben)Mercedes EQV 300

Motor/Antrieb

Elektromotor an der Vorderachse, 150 kW/204 PS, 362 Nm

Batteriekapazität brutto / netto

100 kWh / 90 kWh

Fahrleistungen

0-100 km/h in ca. 10 Sekunden, 140 km/h

optional 160 km/h Höchstgeschwindigkeit

Reichweite / Verbrauch

418 km / 26,3 kWh pro 100 km

Ladeleistung

AC: 11 kW DC: bis zu 110 kW

Fahrzeuglänge / Radstand

5,14 m / 3,20 m

5,37 m / 3,43 m (Langversion)

Kofferraum

1030 Liter

1410 Liter Langversion

Sitzplätze

6 - 8

zul. Gesamtgewicht

3500 kg

Text: Thomas Geiger