Porsche Taycan: Wie gut ist der Elektro-Sportwagen?

4.9.2019

Premiere für den Porsche Taycan, den ersten Elektro-Sportwagen aus Zuffenhausen: Wie er aussieht. Was er leistet. Warum er ein Erfolg wird. Plus: Bilder, Video, technische Daten, Infos zu Batterie, Reichweite und Preis.

Heckansicht des Porsche Taycan fahrend
Endlich Gewissheit: So sieht der Porsche Taycan in Serie aus
  • Der Porsche Taycan tritt vollgasfest gegen Tesla Model S und Audi e-tron GT an
  • Der Sportwagen ist in nur 2,8 Sekunden auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 260 km/h
  • Die Reichweite beträgt im WLTP 388 bis 412 km 

 

Endlich ist der Tesla-Jäger von Porsche vorgestellt: Es gibt offizielle Fotos, die technischen Daten sind verlässlich bis aufs Komma. Erste Überraschung: Der Serien-Taycan ist erstaunlich nah an der einstigen Studie Mission E geblieben, die optischen Unterschiede sind marginal. Zweite Überraschung: Die Kraft des Elektromotors an der Hinterachse wird per Zweiganggetriebe übertragen.  

Schon bald startet die Produktion des Porsche Taycan im Stammwerk Zuffenhausen, die mittels Blockheizkraftwerk sogar CO2-neutral funktionieren soll. Erste Auslieferungen an Kunden verspricht Porsche für Ende des Jahres. Das Bestellbuch ist gut gefüllt.

Der Taycan ist im Gegensatz zum Model S vollgasfest

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Frontansicht des Porsche Taycan fahrend
An den markanten LED-Scheinwerfern sofort als Taycan zu erkennen

Kein Auto wird derzeit mit so viel Spannung erwartet, wie dieses. Der Porsche Taycan wird das erste Elektroauto sein, das den Modellen von Tesla in Sachen Performance Paroli bieten kann. Wobei Porsche immer wieder betont, dass die 800-Volt-Technologie dafür sorgen wird, dass der Porsche sozusagen vollgasfest ist. Normal arbeiten Elektroautos mit einer Spannungslage von 400 Volt. Bei Beschleunigungstests war es möglich, den Taycan mehr als 20 Mal hintereinander von null auf 200 km/h zu beschleunigen. Und das so gut wie ohne Leistungseinbußen. 

In der Overboostfunktion leisten die Elektromotoren 560 kW (761 PS). Als Dauerleistung gibt Porsche 460 kW (625 PS) an. Der Sprint von null 100 km/h gelingt in 2,8 Sekunden, die Marke von 200 km/h wird in 9,8 Sekunden erreicht. Dass solche Fahrleistungen erreicht werden, macht unter anderem der Einsatz eines Zweiganggetriebes möglich. Dass sie nicht einbrechen – wie bei einem Tesla Model S – ist einem ausgeklügelten Thermomanagement zu verdanken.

Eine ausreichende Kühlung des Akkus sowie  sämtlicher elektronischer Komponenten ist bei einem elektrischen Sportwagen ganz entscheidend. Den Beweis trat der Taycan zum Beispiel auf dem Nürburgring an. Die schnelle Runde inklusive Rundenrekord hat der Taycan mit Bravour gemeistert in seiner Fahrzeugklasse. 

Ladedauer: 4 Minuten für 100 km Reichweite

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Porsche Taycan lädt an Ladesäule
Die Firma Ionity stellt Säulen zum ultraschnellen Laden auf

Auch die Ladeleistung und damit das Tempo beim Aufladen an der Ladesäule sind dank 800 Volt höher als bei anderen Elektroautos. Mit bis zu 270 kW soll der Taycan an speziellen Säulen aufgeladen werden. Die Infrastruktur wird von der Firma Ionity bundes- und europaweit aufgestellt und ist inzwischen recht weit fortgeschritten. Das heißt: Anstecken, einen Espresso trinken gehen, weiterfahren.

Unter den Bedingungen des realitätsnahen WLTP-Prüfzyklus soll eine Reichweite von 388 bis 412 Kilometer möglich sein. In der Langstrecken-Disziplin scheint also weiterhin das Tesla Model S die Nase vorn zu haben. Tesla gibt für das vergleichbare Performance-Modell mit nahezu identischen Fahrleistungen bis zu 590 Kilometer Reichweite an. 

Die Vorteile der 800-Volt-Technologie fasst Otmar Bitsche, Leiter Elek­tromobilität bei Porsche, so zusammen: "Wir haben mit 800 Volt mehr Leistung, sparen Gewicht bei der Verkabelung und können den Akku viel schneller aufladen." Für 100 km Reichweite soll das nur etwa vier Minuten dauern.

"Alles, was wir bei der Präsentation der Studie versprochen haben, werden wir mit dem Serienauto einhalten oder noch übertreffen. Und so lange der Akku genügend Strom liefern kann, bietet der Taycan die volle Leistung", sagt Baureihenleiter Stefan Weckbach. Er definiert zudem Sportlichkeit nicht allein über die Sprintwerte, sondern erlaubt im Taycan eine Querdynamik, wie man sie bei Stromern so noch nicht erlebt hat. Mit einem Schwerpunkt niedriger als beim GT3, mit der mitlenkenden Hinterachse des Elfers und einem adaptiven Fahrwerk wie im Panamera verhält sich der knapp fünf Meter lange Riese wie ein handlicher Sportwagen.

Der große Batterieblock mit einer Kapazität von 93,4 kWh ist zwischen den Achsen des Taycan verstaut. Eine Bauweise, die sich inzwischen bei allen Herstellern durchgesetzt hat. Aber auch hier setzt Porsche auf Unterscheidung: Damit die Karosserie extrem flach gehalten werden kann, gibt es sogenannte "Fußgaragen". Das heißt, der Batterieblock hat im Unterboden jeweils direkt vor den vier Sitzen eine Kuhle, in der die Füße der Insassen Platz finden. So sitzen auch größere Leute uneingeschränkt bequem.

Das Taycan-Cockpit wirkt futuristisch

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Innenraum und Cockpit des Porsche Taycan
Touchscreen statt Tasten lautet auch im Porsche Taycan das Motto

Im Cockpit schaut man in eine Bildschirmlandschaft, in der es kaum noch physische Bedienelemente gibt – selbst die Lüfterdüsen werden per Touchscreen verstellt. Das sieht ungeheuer futuristisch aus, hat aber schon bei der Cross-Turismo-Studie so gut funktioniert, dass man sich über Bediensicherheit keine Gedanken machen muss. Gegen Aufpreis bietet Porsche im Taycan erstmalig auch einen Touchscreen für den Beifahrer, der dann ebenfalls Einstellungen vornehmen kann.

Die unterschiedlichen Fahrmodi wählt man nach wie vor mit einem Drehschalter am Lenkrad und links davon leuchtet stolz ein Sensorfeld, das an den Startknopf erinnert. Einen Gangwahlhebel gibt es nicht. Dafür ein 8,4-Zoll-Touchscreen mit haptischer Feedback-Technik, über den sich viele Fahrzeugfunktionen wie etwa die Klimaanlage steuern lassen. Oberhalb von diesem Bildschirm befindet sich zentral im Armaturenbrett ein weiterer 10,9-Zoll-Touchscreen, über den sich unter anderem Infotainment-Inhalte wie Musik oder Navigation regeln und anzeigen lassen.

Hinter dem Lenkrad blickt der Fahrer auf ein weiteres Display mit 16,8 Zoll Bildschirmdiagonale, das als Kombiinstrument in erster Linie fahrrelevante Informationen anzeigt. Allerdings kann der Fahrer zwischen vier Anzeigemodi wählen. Der klassische Modus bietet eine herkömmliche Rundinstrumente-Optik, alternativ gibt es eine reduzierte Ansicht. Außerdem gibt es zwei Karten-Modi. Im Vollkarten-Modus wird auf Rundinstrumente komplett verzichtet und die Navigationskarte vollflächig gezeigt. Im zweiten Karten-Modus wird hingegen noch mittig ein "Powermeter" eingeblendet.

Zur Markteinführung listet Porsche zunächst die Topversionen Porsche Taycan Turbo (ab 152.136 €) und Turbo S (ab 185.456 €). Eine abgespeckte Basisversion für rund 100.000 €  soll nachgeschoben werden.   

Technische Daten (Herstellerangaben)
Porsche Taycan Turbo S
Leistung/Antrieb zwei permanent erregte Synchronmaschinen mit 460 kW/625 PS Dauerleistung, 1050 Nm Drehmoment, 800-Volt-Architektur, Zweiganggetriebe
Fahrleistungen 0–100 km/h: 2,8 s; 0–200 km/h: 9,8 s
Höchstgeschwindigkeit   
260 km/h
Batteriekapazität 93,4 kWh
Verbrauch 26,9 kWh pro 100 km 
Reichweite (nach WLTP) 388 - 412 km
Ladeleistung bis zu 270 kW
Karosserie-Maße  L 4,96 / B 1,97 m
Radstand  2,90 m
Leergewicht 2295 kg
Kofferraum  81 Liter vorn, 366 Liter hinten
Preis ab 185.456 €, Baureihe ab ca. 100.000 €

 

Tipp Icon

Was bedeutet Taycan eigentlich?

  • Tay bedeutet in orientalischen Sprachen Pferd, und das ist Teil des Porsche-Logos
  • Can ist das türkischen Wort für Seele
  • Die Buchstaben "ay" kennt man außerdem von Cayenne und Cayman
  • Und "can" ist auch schon im Modellnamen Macan enthalten

Text: Wolfgang Rudschies, Thomas Geiger. Fotos: Porsche AG.

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