Porsche Taycan: Erste Daten und Details zum Elektro-Sportwagen

10.9.2018

2020 geht der Porsche Taycan in Serie. Der erste rein elektrische Sportwagen des Stuttgarter Autobauers soll deutlich forscher werden als Tesla & Co. Erste Bilder, technische Daten und der Preis

Der Erlkönig Taycan auf Testfahrt
Taycan-Prototyp mit Tarnung. Der Auspuff ist noch Fake
  • Der Porsche Taycan hat 4 Einzelsitze, 4 Türen und 2 Kofferräume
  • Er beschleunigt in 12 s auf 200 km/h, Höchstgeschwindigkeit über 250 km/h
  • Die Reichweite soll bis zu 450 Kilometer (WLTC) betragen

Jetzt ist es raus: Nächstes Jahr startet die Produktion des Porsche Taycan. Mit den ersten Auslieferungen an Kunden rechnet man Anfang 2020. Geplant sind 30.000 Exemplare. Für Interessenten ist der erste rein elektrisch angetriebene Sportwagen von Porsche aber jetzt schon greifbar nah. Denn man kann ihn bereits auf der Website von Porsche* reservieren. Der Hersteller "empfiehlt", 2500 Euro zu hinterlegen. Allerdings: Eine Garantie, dass die Vorbestellung auch klappt, gibt Porsche nicht.

Fahren mit 800 Volt

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Der Erlkönig Taycan auf Testfahrt
Taycan in Frontansicht: Die Scheinwerfer sind zum Teil noch abgeklebt

Bis vor kurzem firmierte der Elektro-Renner von Porsche noch als Mission E – der Name klang nach unbedingtem Programm. Der Konzernauftrag lautete: ein zukunftsfähiges Elektroauto entwickeln – mit für Porsche typischen Eigenschaften eines Sportwagens.

Testfahrten mit dem Taycan waren bisher für uns nicht möglich. Ein paar Runden mit dem Vorläufer, der Studie Mission E, konnten wir aber schon drehen. Aber nur sehr vorsichtig. Der Misson E war schließlich ein von Hand zusammengeschraubtes Einzelstück. Da wollte man nicht, dass etwas kaputtgeht. Im Lastenheft der Entwickler stand: Beschleunigung von 0 auf 200 km/h in weniger als 12 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit über 250 km/h, Reichweite rund 450 km.

Angeblich soll Porsche es geschafft haben, all das in die Serie zu überführen. Sogar die virtuellen Außenspiegel seien realisiert worden. Schaut man auf die ersten Bilder des Taycan, gilt das für die gegenläufig öffnenden Türen offenbar jedoch nicht.

600 PS Leistung, rund 450 km Reichweite

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Der Erlkönig Taycan auf Testfahrt
 Baureihenleiter Dr. Stefan Weckbach und Testfahrer Mark Webber am Taycan

Der wesentliche Unterschied zu anderen Elektroautos ist die 800-Volt-Systemtechnik des Taycan. Normalerweise wird mit einer 400-Volt-Spannungslage gearbeitet. Die Vorteile erklärt Otmar Bitsche, Leiter Elek­tromobilität bei Porsche: "Wir haben mit 800 Volt mehr Leistung, sparen Gewicht bei der Verkabelung und können den Akku viel schneller aufladen."

Der Antrieb mit zwei Elektromotoren soll etwa 600 PS auf die Straße bringen. Die Rede ist von einem elektronisch gesteuerten Torque Vectoring. Das heißt, die Kraft wird entsprechend den Anfordernissen mal mehr auf die Hinterachse, mal auf die Vorderachse gelenkt. "Wir wollen immer das sportlichste Modell im Segment haben", erklärt Baureihenleiter Dr. Stefan Weckbach.

Als viertüriger E-Sportwagen muss sich der Taycan unter anderem mit dem Tesla Model S vergleichen. "Wir werden sicherstellen, dass der Taycan seine maximale Leistung dauerhaft abrufen kann." Es komme darauf an, dass kein Akku, kein E-Motor, keine Systemkomponente überhitze. Und das kann schnell passieren, insbesondere bei Dauerhatz auf der Autobahn.

Tipp Icon

Autofabrik der Zukunft: So baut Porsche seine Elektroautos

Porsche Mission-E

Hier wird er vom Band laufen: Der Porsche Taycan. Motorwelt-Redakteur Wolfgang Rudschies konnte einen exklusiven Einblick in die futuristische "Produktion 4.0" im Zuffenhausener Stammwerk bekommen.

Autofabrik der Zukunft: Porsche-Werk Zuffenhausen

Rennfahrer Mark Webber auf Testfahrt 

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Der Erlkönig Taycan auf Testfahrt
Ex-Formel 1-Star Webber schwärmt von der Performance des Taycan 

Der große Batterieblock mit einer Kapazität von 95 kWh ist zwischen den Achsen des Taycan verstaut. Eine Bauweise, die sich inzwischen bei allen Herstellern durchgesetzt hat. Aber auch hier setzt Porsche auf Unterscheidung: Damit die Karosserie extrem flach gehalten werden kann, gibt es sogenannte "Fußgaragen".

Das heißt, der Batterieblock hat im Unterboden jeweils direkt vor den vier Sitzen eine Kuhle, in der die Füße der Insassen Platz finden. So haben auch größere Leute weder die Knie neben den Ohren, noch ist die Sitzhöhe unbequem eingeschränkt.

Ex-Formel 1-Star Mark Webber zeigte sich nach einer Testfahrt total begeistert: "Dieses Auto ändert alles. Wie der Allradantrieb die 600 PS auf die Straße bringt, das muss man einfach erlebt haben." 

Technische Daten
Porsche Taycan
Leistung 440 kW/600 PS
Fahrleistungen 0–100 km/h: 3,5 s; 0–200 km/h: 12 s
Höchstgeschwindigkeit   
über 250 km/h
Batteriekapazität 95 kWh
Reichweite bis zu 450 km
Ladedauer 20 min. für 80 %
Preis Basis zwischen 90.000 und 95.000 €

Nachgefragt: Zwei Porsche-Manager im Interview

Besuch in Zuffenhausen. Im Stammwerk von Porsche herrscht drangvolle Enge, jetzt muss auch noch eine völlig neue Produktion für den ersten Elektroboliden der Marke hochgezogen werden. Draußen steht der Vorläufer des Taycan, der Mission E. Motorwelt-Redakteur Wolfgang Rudschies hatte Gelegenheit, den Prototyp zu bewegen und exklusiv mit den Verantwortlichen des Taycan zu sprechen.

Der Baureihenleiter: "Der Taycan muss sofort rentabel sein" 

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Dr. Stefan Weckbach (r.) und Motorwelt-Redakteur Wolfgang Rudschies

Interview mit Dr. Stefan Weckbach, Baureihenleiter des Porsche Taycan.

Motorwelt: Wird der Taycan besser als das Tesla Model S?
Dr. Stefan Weckbach: Der Taycan wird ein Porsche. Punkt.

Wenn er denn besser sein sollte – inwiefern?
Wir werden sicherstellen, dass der Taycan seine maximale Leistung dauerhaft abrufen kann.

Vollgas fahren, bis die Batterie leer ist? Das soll funktionieren?
Ja. Reproduzierbare Performance ist einer der typischen Porsche-Punkte für unsere Entwicklung gewesen.

Dann ist die Batterie aber im Nu leer…
Kommt darauf an, wie Sie fahren beziehungsweise wie der Verkehr es zulässt, dass Sie fahren.

Wie groß ist die alltagsrealistische Reichweite?
Es wird das Fahrzeug mit unterschiedlichen Leistungen zu unterschiedlichen Preisen geben. In unserem sogenannten PAG-Zyklus, also bei Porsche-typischer Fahrweise, werden Sie um die 400 Kilometer weit kommen.

Was wird der Taycan im Basispreis kosten?
Er wird preislich zwischen Cayenne und Panamera liegen.

Wann wird er profitabel?
Von Anfang an, das ist der Anspruch.

Das heißt, Sie müssten das Auto zu Stückkosten eines Panameras herstellen.
Oder eine geringere Gewinnmarge haben. Aber der Taycan, so war von Anfang an die Vorgabe, muss sich selbst tragen.

Der Elektro-Experte: "Ladedauer unter 20 Minuten"

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Im Interview: Elektro-Experte Otmar Bitsche

Otmar Bitsche ist Leiter der Entwicklung von Elektrik, Elektronik und Elektromobilität bei Porsche.

Motorwelt: Warum setzen Sie auf 800 Volt, während alle anderen Hersteller mit 400 Volt fahren?
Otmar Bitsche: Wir hatten uns das Ziel gesteckt, 400 Kilometer Nenn-Reichweite unter 20 Minuten nachladen zu können. Die Schnittstelle war durch den CCS-Stecker definiert, der bis zu 1000 Volt durchleiten kann. Dazu kam, dass die Kollegen aus dem Motorsport schon mit 800 Volt unterwegs waren. Die hatten sehr gute Erfahrungen damit.

Akku im Unterboden, E-Motor an den Achsen – diese Skateboard-Architektur ist bei allen Herstellern gleich. Wie differenziert man sich da vom Wettbewerb?
Na ja, ein V8-Motor schaut auch bei allen Herstellern ähnlich aus. Entscheidend ist das Innenleben. Wie effizient schaffen Sie es, die Zellen zu packen, wie effizient schaffen Sie die Kühlung? Wie effizient schaffen Sie die Mechanik rundherum, dass Sie die Crashanforderungen erfüllen und so weiter.

Besteht die große Herausforderung für Porsche nicht darin, neben der ganzen Elektrifizierung auch noch den Verbrenner weiterentwickeln zu müssen?
Sicher, ja. Die Herausforderungen Richtung Emissionsminderung sind heftig.

Ist es ein Risiko für Porsche, sich in das Zeitalter der Elektrifizierung zu werfen?
Wir haben das eigentlich immer als Chance gesehen und nicht als Bedrohung. Als wir den 918 entwickelten, gab es sehr viele kritische Stimmen, aber die sind alle verstummt. Auch Walter Röhrl war am Anfang sehr skeptisch, und als er das erste Mal mit dem Auto gefahren ist, hat er gesagt, das ist für ihn eine neue Dimension, da vergisst man die Physik.


Text/Interviews: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR (4), Porsche/Ulli Joos, ADAC/Jörg Eberl.

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