Toyota Yaris Cross: Dieses SUV braucht weniger als 5 Liter

• Lesezeit: 7 Min.

Von Jochen Wieler

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Draufsicht auf den Toyota Yaris Cross
Sieht aus wie ein Großer: Das Kleinwagen-SUV Yaris Cross© Toyota

Der Toyota Yaris Cross mischt im boomenden Segment der kleinen SUV mit. Interessant: Es gibt ihn mit zwei Vollhybrid-Motoren. Welcher der bessere ist, klärt ein aktueller ADAC Test. Mit Bildern, Messungen zum Verbrauch und technischen Details zum Motor.

  • Yaris: Cross-Version mit SUV-typischen Zutaten

  • Hybridantriebe mit 116 oder 130 PS

  • Preise ab 27.640 Euro

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Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Toyota Yaris Cross 1.5 Hybrid 2WD (Test von 2021)
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Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Toyota Yaris Cross 1.5 Hybrid 130 Teamplayer

Geländewagen und SUVs von Toyota? Klar, Land Cruiser, RAV4, Urban Cruiser oder C-HRToyota hat SUV-Tradition. Aktuell sehr populär ist aber die Mini-SUV-Variante des Kleinwagens Yaris, der Yaris Cross. Interessant: Unlängst hat Toyota eine neue Version mit Hybridantrieb ins Angebot aufgenommen. Grund genug für einen aktuellen ADAC Autotest.

Yaris Cross: Zwei Hybridmotoren zur Wahl

Frontansicht eines fahrenden Toyota Yaris Cross
Optisch hat sich der Yaris Cross mit der 2024er Überarbeitung nicht geändert© Toyota

Was kann der neue Hybrid besser? Statt 116 PS wie der bisherige Hybrid stellt der neue nun 130 PS an Leistung zur Verfügung. Dabei handelt es sich vom Grundkonzept her um den gleichen 1,5-Liter-Benziner wie bei der schwächeren Version. Verantwortlich für die Mehrleistung sind ein neues Getriebe, ein leistungsfähigerer Elektromotor-Generator und eine überarbeitete Motorsteuerung.

Das bringt Vorteile. Denn in vielen Fahrsituationen fühlt sich der weiterentwickelte Antrieb tatsächlich souveräner an. Grund: Das Drehmoment ist von 141 auf beachtliche 185 Newtonmeter gestiegen. Das hat zwar wenig Auswirkung auf die Beschleunigungszeit für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h – der Neue ist gerade mal eine halbe Sekunde schneller –, aber es zahlt sich auf jeden Fall beim Überholen auf der Landstraße aus. Das Sicherheitspolster ist größer.

Beide Hybrid-Versionen im ADAC Test

Und wie schlagen sich die Hybride im Test? Hat die neueste Version auch einen Verbrauchsvorteil? Laut Werksangaben von Toyota erst mal nicht. Denn die Normverbräuche sollen bei beiden zwischen 4,4 und 5,1 Liter Super auf 100 Kilometer betragen.

Wie aber sieht es in der Praxis aus? Sind Verbrauchswerte unter 5 Litern realistisch?

Ja, das sind sie, wie der ADAC Test ergeben hat. Zumindest dann, wenn man eine Strecke fährt, auf der der Hybridantrieb seine Vorteile ausspielen und oft den Elektromotor nutzen kann. Werden Fahrten in der Stadt oder über Land mit leichtem Gasfuß absolviert, lässt sich der Normwert sogar noch unterbieten. Im aktuellen Test war tatsächlich eine 3 vor dem Komma zu schaffen. Besonders in der Stadt merkt man, wie oft der Benziner Pause hat und der Elektromotor übernimmt.

Überraschend: Insgesamt schluckt der 130-PS-Cross mit gemessenen 4,9 Litern auf 100 Kilometer sogar weniger als der 116-PS-Yaris mit 5,6 Litern im Schnitt. Das mag erstaunlich sein, aber gerade bei schnellerer Fahrt muss sich der schwächere Motor mehr ins Zeug legen – und verbraucht mehr. Auf der Autobahn macht das immerhin gut einen halben Liter Mehrverbrauch aus.

Nicht erwarten darf man von einem Vollhybrid, dass er es mit einem Plug-in-Hybrid aufnehmen kann. Dafür ist seine Batterie viel zu klein. Und ein Vollhybrid lässt sich auch nicht extern aufladen. Heißt konkret: Elektrisch fahren ist nur in der Stadt bis etwa Tempo 50 möglich. Der Saft der knapp 1-kWh-Batterie genügt lediglich, um mal eine Zone 30 komplett emissionsfrei zu befahren.

SUV von 4,18 Meter Länge

Heckansicht eines fahrenden Toyota Yaris Cross
Den Yaris Cross gibt es nur als Hybrid wahlweise mit 116 oder 130 PS Systemleistung© Toyota

Zum SUV wird der Yaris, weil die Bodenfreiheit um 30 Millimeter angehoben wurde, womit auch eine höhere Sitzposition verbunden ist. Der Einstieg gelingt dadurch recht leicht. Genau das schätzen ja die meisten Käufer an dieser Fahrzeugklasse. Außerdem fällt der Yaris Cross 24 Zentimeter länger aus als der normale Yaris. Mit 4,18 Meter Länge bleibt er dennoch sehr überschaubar und parkfreundlich. Zum Vergleich: Ein VW Golf ist 10 Zentimeter länger.

Optisch will sich der Cross sowieso nicht verstecken: Er wirkt modern und sieht mit seinen mächtig ausgestellten Kotflügeln und den bis zu 18 Zoll großen Rädern aus wie ein Halbstarker, der stolz seine Muskeln präsentiert.

Enger Fond, aber großer Kofferraum

Rückbank des Toyota Yaris Cross
Die Platzverhältnisse im Fond reichen aus, sind aber nicht üppig© Toyota

Feudale Platzverhältnisse sollte man von einem Mini-SUV selbstverständlich ebenfalls nicht erwarten. Aber immerhin: Der Fahrersitz lässt sich für Personen bis zu einer Größe von rund 1,90 Metern nach hinten schieben. Und es bleibt noch ordentlich Platz über dem Kopf. Die Innenraumbreite ist knapp bemessen. Trotzdem fühlt man sich subjektiv im Yaris Cross vorne nicht eingeengt.

Hinten dagegen schränken die geringe Innenbreite und die C-Säule direkt neben dem Kopf das Raumgefühl ein. Und auch die Beinfreiheit fällt eher knapp aus. Ab 1,80 Metern Körpergröße wird es eng. Eine verschiebbare Rückbank wie beim VW T-Cross, die langbeinigen Insassen mehr Bewegungsfreiheit bescheren würde, hat sich Toyota gespart und offensichtlich mehr Wert auf einen relativ üppigen Kofferraum gelegt.

Kofferraum des Toyota Yaris Cross
Der Kofferraum des Toyota Yaris Cross hat eine alltagstaugliche Größe© Toyota

Gute 367 Liter fasst das Gepäckabteil laut Toyota, wenn der doppelte Ladeboden eingelegt ist. Ohne sind es rund 400 Liter – zumindest bei der frontgetriebenen Version. Der Allradler muss auf den doppelten Boden verzichten, weil der zweite Elektromotor an der Hinterachse hier sein Recht fordert. Die ADAC Messung bestätigt diese Angaben annähernd. Sie ergibt Werte zwischen 330 und 1090 Litern. Gut: Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 40:20:40 geteilt umlegen, und die Kofferraumabdeckung ist faltbar, lässt sich also bei Nichtgebrauch platzsparend verstauen.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Toyota Yaris Cross auch mit Allradantrieb

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten hält der Yaris Cross, was sein geländegängiges Aussehen verspricht. Ihn gibt es optional mit Allradantrieb. Das elektrische AWD-i System kostet bei identischer Ausstattung 3100 Euro zusätzlich und ist nur mit der 130-PS-Variante kombinierbar. Im Normalfall bedient es ausschließlich die Vorderräder.

Damit auch die Hinterräder bei Bedarf angetrieben werden können, sitzt an der Hinterachse ein zusätzlicher Elektromotor. Er leistet lediglich 3,9 kW/5,3 PS, was bei schwierigen Straßenverhältnissen aber reichen soll, um nicht stecken zu bleiben. Per Knopfdruck kann der Fahrer den Antrieb zusätzlich beeinflussen und zwischen "Normal", "Trial" und "Snow" wählen. Für echtes Gelände ist das System sicher nicht gedacht, aber bei eingeschneiten Straßen kann es eine Hilfe sein.

Solide Fahrleistungen, aber nicht sportlich

Sehr angenehm ist, dass Toyota dem Hybridsystem schlechte Manieren weitgehend ausgetrieben hat. Heulten frühere Toyota-Jahrgänge beim starken Beschleunigen gequält auf, ist das im Yaris Cross kein großes Thema mehr. Klar, auch er ist mit einem Getriebe mit variabler Übersetzung ausgestattet, und beim beherzten Tritt aufs Gas schnellt die Drehzahl erst einmal nach oben. Aber eben nicht mehr so hoch wie bei früheren Modellen, sodass es nicht mehr so gequält wirkt und weniger nervt.

Das Anfahren mit dem Hybrid geht flott vonstatten, hier kommt der Vorteil des unmittelbar anstehenden Drehmoments des Elektromotors zum Tragen. Das Zusammenspiel von Verbrennungs- und Elektromotor funktioniert einwandfrei. Die Automatik arbeitet angenehm und sorgt für fließende Übergänge – das klappt alles recht harmonisch. Obwohl die Fahrleistungen passabel sind – sportlich wirkt der Antrieb selbst in seiner stärkeren Version nicht wirklich. Dem Yaris Cross steht gemütliches Gleiten einfach am besten.

Die Lenkung fühlt sich vor allem in der Mitte etwas teigig an, bietet deswegen hier recht wenig Rückmeldung, und auch die Mittellage lässt sich nicht blind erfühlen. Der Federungskomfort wirkt auf Fahrbahnunebenheiten etwas hölzern, ist insgesamt aber okay. Den ADAC Ausweichtest absolvierte der Yaris Cross problemlos und sicher.

Der Yaris Cross lässt sich leicht bedienen

Das Cockpit des kleinen SUV ist frei von Überraschungen. Hinter dem Lenkrad befinden sich gut ablesbare Instrumente, die nicht mit ausufernden Informationen verwirren. Der Touchscreen lässt sich nach kurzer Gewöhnung gut bedienen, liegt gut im Blickfeld und ist groß genug. Gut auch, dass Toyota die Klimasteuerung noch ganz konventionell über Tasten gelöst hat.

Und: Es gibt sogar ein vollwertiges Head-up-Display für die teureren Versionen, das Infos wie Tempo und Tempolimit direkt in die Windschutzscheibe spiegelt – und nicht auf eine billige Plexiglasscheibe wie bei der Konkurrenz. Kritik verdient die Schaltergruppe etwa für Fernlichtassistent, Lenkradheizung und Heckklappe links unterhalb des Lenkrads, weil sie ungünstig tief und nicht im Sichtfeld des Fahrers untergebracht ist.

Wie der Yaris ist der Cross mit dem Toyota Safety Sense ausgestattet, das verschiedene Assistenzsysteme miteinander kombiniert, wie Abstandsradar, Spurhalte- und Notbremsassistent. Auch eine Verkehrszeichenerkennung ist an Bord, doch die funktioniert leider nicht immer zuverlässig.

Fazit: Der beste Yaris Cross

Zu den billigsten Vertretern seiner Art gehört der Yaris Cross mit einem Basispreis von 27.640 Euro sicher nicht. Ein Hyundai Bayon startet (schlechter motorisiert) bei 23.900 Euro. Doch der Yaris hat zumindest immer einen sparsamen Hybridantrieb an Bord und bietet ein Automatikgetriebe frei Haus. Mit einer besseren Ausstattung (es gibt sieben Ausstattungslinien) dringt das Mini-SUV dann allerdings in Regionen zwischen 31.000 und knapp 40.000 Euro vor.

Die Wahl des Motors hängt davon ab, ob einem die bessere Durchzugskraft des neuen Hybridmotors den Aufpreis von rund 3000 Euro wert ist. Bereuen sollten die, die sich dafür entscheiden, es nicht. Überholmanöver gelingen deutlich flüssiger. Und der Verbrauch des neuen Vollhybrids ist um 0,7 Liter geringer.

Toyota Yaris Cross: Technische Daten, Preis

ADAC Messwerte

ADAC Testergebnis

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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