Welche Plug-in-Hybride haben die größten Reichweiten? Wann ist ein PHEV am sinnvollsten, und wie sieht es mit dem realen Verbrauch aus? Plus: Aktueller Marktüberblick aller Plug-in-Hybride. Top 10: Plug-in-Hybride mit der größten E-Reichweite ADAC Messungen: Praxisnahe Verbrauchswerte Modellangebot: 191 Plug-in-Hybride erhältlich Ist die Technologie von Plug-in-Hybriden das Beste aus zwei Welten? Ja und nein. Man muss die Vorteile eines Plug-in-Hybrids, kurz PHEV, schon gezielt nutzen, sonst ist dieser Antrieb nur ein schlechter Kompromiss. Es kommt nämlich ganz auf die tägliche Nutzung an. Grundsätzlich gilt: Je mehr ein Plug-in-Hybrid an der Steckdose aufgeladen wird, desto mehr macht die Antriebstechnologie Sinn. Wird nur selten aufgeladen, würde auch ein leichterer, nicht extern aufladbarer Vollhybrid reichen. Wer wenig elektrisch fahren will oder kann, weil etwa die Lademöglichkeit fehlt, spart sich die hohen Anschaffungskosten für einen Plug-in-Hybrid also besser. Immerhin hat man mit den neuesten, auf Effizienz getrimmten PHEVs (z.B. der Antrieb mit 1,5-l-TSI im VW-Konzern) keine Verbrauchsnachteile mehr gegenüber einem einfachen Hybridantrieb. Für manche stellt ein Plug-in-Hybrid eine Brücke zwischen dem reinen Verbrenner und einem E-Auto dar. So lässt sich der elektrische Antriebskomfort genießen, ohne sich viele Gedanken bezüglich der Reichweite oder der Ladeinfrastruktur machen zu müssen. Die Zeiten, als man mit Ach und Krach 30 Kilometer elektrisch absolvieren konnte, sind bei aktuellen PHEVs erfreulicherweise vorbei. Längst gibt es Modelle, die 100 Kilometer und mehr rein elektrisch fahren – jedenfalls wenn man den jeweiligen WLTP-Wert aus dem Prospekt zugrunde legt. Fast die Hälfte der aktuellen Plug-ins schafft im gesetzlich vorgeschriebenen Messzyklus 100 Kilometer und mehr, ohne den Verbrennungsmotor zu bemühen. Und tatsächlich sind solche Modelle in der Lage, fast alle Alltagssituationen, auch die von Berufspendlern mit langen Arbeitswegen, rein elektrisch zu bewältigen. Und wer einen PHEV als Dienstwagen fährt, um auf eine Reise quer durch Deutschland zu gehen, ist mit ihm ebenfalls gut bedient. Neuester Trend sind PHEV-Modelle, die an der Schnellladesäule (DC) aufgeladen werden können. Die Ladeleistung beträgt meist 40 bis 60 kW, den Spitzenwert hält der Lynk & Co 08 mit bis zu 85 kW. Da lohnt sich das Nachladen selbst bei einer nur kurzen Pause an der Raststätte. Für den Lynk 08 werden nach gesetzlicher WLTP-Messung sage und schreibe 200 Kilometer angegeben. Und auch die Messungen des ADAC bestätigen einen Rekordwert des Lynk 08: 176 Kilometer im realitätsnahen Test sind top. Top 10: Plug-in-Hybride mit den größten Reichweiten Modelle mit ebenfalls außerordentlich großen Elektro-Reichweiten finden Sie in der folgenden Tabelle. Dargestellt sind die Werksangaben auf dem WLTP-Normzyklus. Hinter dem Lynk 08 rangieren zwei weitere Autos aus China ganz oben: der GWM Wey 05 sowie der Leapmotor C10 REEV, wobei Letzterer ein Elektroauto mit Verbrenner als Range Extender ist, also einen Sonderfall darstellt. Bemerkenswert ist, dass die Plätze vier bis zehn ausschließlich von Fahrzeugen aus dem VW-Konzern belegt werden. Der beste Mercedes, ein C 300 e, muss sich mit 116 Kilometern hinter einem Škoda Superb oder einem VW Passat einreihen. Der BMW 5er schafft als 530e 105 Kilometer nach dem WLTP-Normzyklus. Tabelle: Diese Plug-in-Hybrid-Modelle gibt es Im Marktüberblick sind 191 Modelle mit Plug-in-Hybrid-Antrieb gelistet. Auffällig: In der Kleinst- und Kleinwagenklasse macht kein Hersteller ein Angebot. Platz- und Kostengründe sprechen in diesen Fahrzeugklassen gegen den Aufwand, der dafür getrieben werden muss. (Super-)Sportwagen und Autos der absoluten Luxusklasse (Aston Martin, Bentley, Ferrrari etc.) wurden nicht berücksichtigt. Klicken oder tippen Sie in der Tabelle auf die Spalten oben (Reichweite, Preis, Leistung), dann werden die Modelle nach Ihrem gewünschten Kriterium sortiert. Die großen deutschen Hersteller bieten das breiteste Angebot an Plug-in-Hybriden, über sieben (VW) oder sogar acht Baureihen (Audi, BMW, Mercedes) hinweg. Von den etablierten Importeuren ist Peugeot mit vier Baureihen am stärksten aufgestellt, Volvo ist mit drei Modellreihen gut dabei. Ebenso viele hat der japanische Plug-in-Vorreiter Toyota inzwischen elektrifiziert – neben dem Vorreiter Prius sind auch der RAV4 und der CH-R als PHEV zu bekommen. Irreführende Prospektwerte Bei der Beurteilung des Verbrauchs eines Plug-in-Hybriden gibt es zwei Probleme. Zum einen werden die Herstellerwerte zur Elektro-Reichweite in der Praxis oft verfehlt. Bei kaltem Akku im Winter oder bei Autobahngeschwindigkeit sind die Prospektreichweiten reichlich illusorisch. Manche Hersteller sparen sich auch ein elektrisches Heizungs- und Klimasystem. Dann muss sich der Verbrenner bei Kälte hinzuschalten, nur um Wärme im Passagierraum zu erzeugen. Zum anderen führen die offiziellen Kraftstoffverbrauchswerte für PHEV zu Verwirrung. Das ist so, weil für den elektrischen Fahranteil ein theoretischer Wert angenommen wird. Der Gesetzgeber spricht von einem Utility Factor (UF). Und die Faktoren werden mit der Zeit vom Gesetzgeber angepasst. Werte, die mit unterschiedlichen Nutzungsfaktoren für den kombinierten Hybrid-Verbrauch ermittelt wurden, sind aber nicht eins zu eins vergleichbar. Die Verschärfung des UF-Faktors gilt für alle Plug-in-Hybride ab Erstzulassung 1. Januar 2026. Das führt dazu, dass selbst bei einem unverändert gebauten Fahrzeug nun andere Werte im Prospekt stehen. Beispielsweise hatte der Audi A3 Sportback als Plug-in-Hybrid für die Erstzulassung bis Ende 2025 einen kombinierten Verbrauchswert von 0,3 Liter Super plus 14,7 kWh Strom. 2026 änderten sich die Werksangaben auf 1,1 Liter Super plus 12,2 kWh Strom. Verbrauch laut ADAC Messung Um die damit verbundene Verwirrung bei Autokäufern zu vermeiden, führt der ADAC Tests ohne theoretischen Nutzfaktor (UF) durch. In der Tabelle unten sind alle vom ADAC gemessenen Modelle enthalten, auch solche, die es inzwischen nicht mehr oder mit neuerer Technik gibt. Zum Hintergrund und Verständnis der Messwerte im ADAC Ecotest (unter dem rechten Reiter der Tabelle zu finden): Es werden drei Szenarien getestet. Verbrauch mit geladenem Akku ("kombinierter Verbrauch") Verbrauch, ohne den Akku geladen zu haben ("Verbrauch im Hybridmodus") Verbrauch im reinen Elektro-Modus ("Verbrauch im E-Modus") Plug-in-Verbrauch mit vollem Akku Das erste und wichtigste Szenario ist der Verbrauch auf 100 Kilometer im kombinierten Betrieb: Das heißt, das Auto startet mit einer vollen Batterieladung und fährt vornehmlich rein elektrisch. Der Verbrenner schaltet sich zu, wenn der Elektroantrieb allein überfordert ist – zum Beispiel bei starker Beschleunigung oder wenn der Innenraum aufgeheizt werden muss. Ist der Akkustand auf dem Minimum, fährt das Fahrzeug noch im Hybridbetrieb, bis es die 100 Kilometer erreicht hat. Plug-in-Verbrauch ohne externe Aufladung Das zweite Szenario ist der Hybrid-Verbrenner-Modus. Hier wird mit einer ungeladenen Batterie im Hybrid-Modus gefahren. Der elektrische Antrieb beschränkt sich auf die während der Fahrt gewonnene Rekuperationsenergie. Dieser Wert gibt an, mit welchem tatsächlichen Verbrauch ein PHEV-Kunde unterwegs ist, der sein Fahrzeug nicht oder nur selten extern auflädt. Das ist alles andere als ideal im Umgang mit einem PHEV: Der Kunde hat zusätzliches Geld für einen Elektroantrieb bezahlt, den er gar nicht nutzt. Plug-in-Verbrauch im reinen Elektro-Modus In einer dritten Messung interessiert den ADAC, wie viel Strom das Plug-in-Fahrzeug verbraucht, wenn es 100 Kilometer ausschließlich mit Strom fährt – dem Elektro-Modus (EV-Modus). Der Stromverbrauch wird für eine erzielbare Teilstrecke ermittelt und auf 100 Kilometer hochgerechnet. Er gibt damit sehr gut Aufschluss über die grundsätzliche Energie-Effizienz eines Fahrzeugs, die von seiner Aerodynamik, dem Fahrzeuggewicht und den Fahrwiderständen bestimmt wird. Wie viel Kraftstoff? Wie viel Strom? Während Gesetzgeber und Hersteller den Stromverbrauch mehr oder weniger ignorieren, weil vor allem die CO₂-Emissionen für sie von Belang sind (Stichwort Flottenbilanz), muss der Autofahrer sowohl den Sprit von der Tankstelle als auch die Energie aus der Steckdose bezahlen. Der jüngst getestete Lynk & Co 08 verbraucht mit voller Batterie 22,1 kWh und zusätzlich 0,3 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer. Wird mit niedrigem Ladestand und ohne extern aufzuladen gefahren, erhöht sich der zusätzliche Benzinverbrauch auf 6,5 Liter pro 100 Kilometer. Gepaart mit der enormen elektrischen Reichweite von 178 Kilometern nach ADAC Messung klingt das nach einem sehr verlockenden Paket. Vergleicht man den noch neuen Lynk 08 mit dem etablierten Toyota Prius Plug-in zeigt sich: Der Japaner bleibt in Sachen Effizienz unter den PHEV-Fahrzeugen immer noch ungeschlagen. Mit voll geladenem Akku verbraucht er auf den ersten 100 Kilometern nur 11,5 kWh Strom und nur 1,7 Liter Benzin. Wird weiter gefahren, ohne extern aufzuladen, pendelt sich der Benzinverbrauch bei 4,8 Liter ein. In der Fünf-Sterne-Umweltbewertung des ADAC reicht das für den Lynk 08 nur für 3 Sterne und 68 Punkte. Der Prius bekommt dagegen 5 Sterne und 95 Punkte. Fazit: Toyota Prius wie gehabt vorn Hinter dem Toyota Prius reihen sich 20 Plug-in-Hybride mit vier Sternen in der Umweltbilanz ein, vom Audi A3 bis zum Volvo V60. Der Lynk 08 landet mit drei Sternen und 68 Punkten im oberen Mittelfeld. Einen mageren Stern bekommen drei Plug-in-Hybride: der BMW X5, der Mercedes GLE und der Porsche Cayenne. Sie sind einfach viel zu groß und zu schwer, um effizient sein zu können. ADAC Tipps zum Plug-in-Hybrid Ein PHEV sollte so oft wie möglich am Stromnetz aufgeladen werden, um einen möglichst hohen elektrischen Fahranteil zu erreichen. Lademöglichkeiten zu Hause und/oder an der Arbeitsstätte sind dazu unabdingbar. Was grundsätzlich gilt, trifft auch für Plug-in-Hybride zu: Das Auto sollte so klein wie möglich und nur so groß wie nötig sein. Bei häufigen Langstrecken kann ein sparsamer Verbrennungsmotor der effizientere und emissionsärmere Antrieb sein. Achten Sie daher genau auf Ihr Fahrprofil. Auf der Autobahn ist es auf längeren Strecken sinnvoller, im Hybridmodus zu fahren und die aufgesparte elektrische Energie dann auf Landstraßen und innerorts zu nutzen. Dies ist auch vor dem Hintergrund einer Reduzierung der Emissionsbelastung in Städten empfehlenswert. Nutzen Sie die intelligente automatische Wahl des Fahrmodus durch gezielten Einsatz des bordeigenen Navigationsgeräts. Das Laden der Batterie über den Verbrennungsmotor im "Charge-Modus" ist ineffizient und sollte vermieden werden. Privatkäufer und Flottenbetreiber sollten unbedingt darauf achten, mit der Anschaffung eines PHEV die private Lademöglichkeit sicherzustellen. Ergänzend ist eine Ladekarte für öffentliches Laden hilfreich. Mit der Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom reduzieren sich die CO₂-Emissionen. FAQ zur Plug-in-Technik Fachliche Beratung: Martin Ruhdorfer, Matthias Vogt (ADAC Technik Zentrum)