Testfahrt Fiat Tipo: Das kann die günstige Alternative zum Golf

der Fiat Tipi Cross bei der Fahrt von vorne
Neuer Fiat Tipo Cross: Vier Zentimeter höher und optisch mit SUV-Accessoires ∙ © Fiat

Fiat spendiert seinem Kompaktwagen Tipo mehr Assistenzsysteme, sparsamere Motoren und eine neue Ausstattungsvariante. Als Cross wird der Tipo zum SUV light. Testfahrt, Daten, Motoren.

  • Abenteuerlustig: Tipo Cross mit SUV-Anleihen

  • Überschaubar: Ein Benziner, zwei Diesel

  • Preiswert: Basisversion ab 17.490 Euro

Erinnern Sie sich noch an den Golf Country aus den 1990ern? Der höher gelegte Golf wurde damals eher verspottet als geschätzt, was sehr schnell zu seinem Aus geführt hat. Heute wäre das bestimmt anders, denn nicht nur SUVs sind schwer in Mode, sondern auch höher gelegte Kompaktwagen in SUV-Optik. Auch Fiat folgt daher dem Trend und bietet nun den Fiat Tipo Cross als zusätzliche Variante zum Tipo Fünftürer und Kombi an.

Dafür erhält der kompakte Italiener unter anderem ein paar robuste SUV-Anbauteile und wird höher gelegt – schon liegt der Golf-Konkurrent wieder voll im Trend. Zudem erfährt die gesamte Baureihe eine optische und technische Auffrischung. Am auffälligsten: die überarbeitete Front, die nun merklich moderner wirkt und das neue Markenlogo mit großen FIAT-Lettern trägt. Optional bietet Fiat jetzt LED-Scheinwerfer an.

Tipo Cross ist vier Zentimeter höher

der Fiat Tipo Cross von der Seite
Als Cross wirkt der Fiat Tipo deutlich stattlicher ∙ © Fiat

Seit 2016 wurde der Tipo als Fünftürer und Kombi bisher rund 700.000-mal verkauft, davon rund 36.000-mal in Deutschland. Verglichen mit Bestsellern wie dem VW Golf oder dem Opel Astra ist das eher bescheiden, obwohl der Tipo immer schon als preisgünstige und nicht unbedingt schlechte Alternative in der Klasse galt. Mit der neuen Variante Cross sollen nun mehr Kunden angelockt werden. Und zwar solche, denen ein SUV zu hoch und zu teuer, aber ein Kompakter zu flach und zu langweilig ist – weshalb sie sich bisher für einen Mini-SUV à la Seat Arona, Ford Puma oder VW T-Cross entschieden haben.

Um vier Zentimeter haben die Italiener die Karosserie höher gelegt. Planken an den Radkästen, Seitenschweller, eine Dachreling und ein angedeuteter Unterfahrschutz machen den Tipo zwar nicht zum Geländewagen, aber zu einem modernen Kompakten mit frischer Optik. Vorteil der Höherlegung: Passagiere steigen leichter ein und aus und erhalten einen besseren Überblick über das Verkehrsgeschehen.

Analoge Instrumente sind passé

das Cockpit des Fiat Tipo Fünftürer
Einfache Bedienung im übersichtlichen Tipo-Cockpit ∙ © Fiat

Innen ersetzt ein 7-Zoll-Monitor hinter dem Lenkrad die bisherigen analogen Anzeigen. Auch wenn das TFT-Display seine Infos nun digital präsentiert, wirkt die Darstellung ein wenig altbacken. Gut: Das Lenkrad liegt nun besser in der Hand, und die Bedienung geht sehr leicht vonstatten. Lange eingewöhnen, wie etwa bei einem neuen Golf 8, muss man sich im Tipo nicht. Schalter und Tasten liegen in Reichweite und sind logisch angeordnet. Lediglich die harte und billig wirkende Türverkleidung trübt den ansonsten guten Eindruck.

Ab der zweiten Ausstattung City Life bietet ein 7 Zoll großer Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts nicht nur zusätzliche Informationen. Das neue Infotainmentsystem UConnect lässt sich nun besser mit dem Smartphone verbinden: Via Apple Car Play und Android Auto können Smartphone-Apps wie Spotify oder Google Maps jetzt direkt über den Bordbildschirm bedient werden. Optional bietet Fiat je nach Ausstattung einen 10,25 Zoll großen Monitor ab 500 Euro an – das sollte man sich gönnen, auch weil hier eine kabellose Ladefunktion für das Smartphone mit von der Partie ist.

Bildergalerie: Tipo Fünftürer und Tipo Kombi

Im Innenraum fallen die straff und sportlich geschnittenen Sitze positiv auf, die sich perfekt dem Körper anpassen. Vorn wie hinten gibt es genügend Platz, die Beinfreiheit fällt für die Golfklasse sogar richtig gut aus. Kein Wunder, schließlich ist der Tipo acht Zentimeter länger als ein Golf. Und wer noch mehr Platz braucht, greift zum Tipo Kombi, der mit einem 550 Liter großen Gepäckraum aufwartet (Fünftürer und Cross: 440 l).

Bessere Sicherheitsausstattung

Durch eine erweiterte Sicherheitsausstattung hebt Fiat sein Kompaktmodell auf das aktuelle Mindestniveau bei Assistenzsystemen: Dazu zählen nun Aufmerksamkeits- und Spurhalteassistent sowie Verkehrszeichenerkennung. Optional oder je nach Variante kommen Geschwindigkeitsassistent, adaptives Fernlicht, Totwinkelwarner und ein Notbremsassistent hinzu.

Preis: Fiat Tipo ab 17.490 Euro zu haben

Zur Serienausstattung der mit 17.490 Euro (Kombi ab 18.990 Euro) recht günstigen Basisversion gehören unter anderem Klimaanlage, digitales Radio, sechs Airbags und elektrische Fensterheber. Ab der Ausstattung Tipo City Life kommt das neue Entertainmentsystem UConnect hinzu, das sich übers Lenkrad bedienen lässt. Beim Tipo Life zählen unter anderem das 7-Zoll-Farbdisplay, Parksensoren und ein Tempomat zur Ausstattung. Den Tipo Cross im SUV-Look gibt es ab 20.490 Euro – auch diese Version hält sich preislich also im Rahmen.

Motoren: Ein Benziner, zwei Diesel

der Fiat Tipi Cross bei der Fahr von hinten
Markant: Die geschwärzten Heckleuchten ∙ © Fiat

Die Motorenpalette ist sehr übersichtlich gehalten – es gibt lediglich drei Antriebe: Einen 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 74 kW/100 PS sowie einen 1,3-Liter-Diesel, der auf 70 kW/95 PS oder 96 kW/130 PS kommt. Gleichzeitig hat Fiat den Verbrauch bei allen Antrieben um etwa zehn Prozent gesenkt. Nach WLTP verbraucht der Ottomotor 5,8 Liter auf 100 Kilometer, die Diesel 4,7 oder 4,8 Liter auf 100 Kilometer.

90 Prozent der Kunden wählen den Benziner, der für unsere Testfahrt im Tipo Cross zur Verfügung stand. Der Dreizylinder dreht ab Leerlaufdrehzahl leicht brummig hoch, wird aber ab 2500 Umdrehungen geschmeidig und treibt den Tipo subjektiv flotter an, als es die Messwerte halten können: Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Benziner in beschaulichen 12,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt aber bei passablen 183 km/h. Über das manuelle Fünfganggetriebe lassen sich die Gangstufen flott wechseln, der dicke Schalthebel liegt dabei gut in der Hand.

Das Turboloch stört etwas

Lediglich nach kurzem Gaswegnehmen und anschließender Beschleunigung benötigt der Turbo ein, zwei Sekunden, bis er dem Motor Leben einhaucht. Das fühlt sich etwas unharmonisch an und passt nicht zu dem sonst dynamischen Outfit. Dafür aber die direkte Lenkung und das straffe Fahrwerk. Trotz der Höherlegung fährt sich der Tipo Cross zügig und ohne unangenehme Seitenneigung durch enge Kurven.

Fazit

Unterm Strich ist der Tipo nach seinem Facelift gereift und bleibt nach wie vor ein gutes Angebot für alle, die ein geräumiges und unkompliziertes Auto ohne Technik-Overkill suchen. Und wem der Fiat Tipo Cross immer noch zu bieder ist, der muss sich noch etwas gedulden. Mitte 2021 plant Fiat einen sportiveren Tipo City Sport. Die viertürige Stufenheck-Limousine wird in Deutschland übrigens nicht mehr angeboten.

Technische Daten Fiat Tipo Cross

Technische Daten (Herstellerangaben)

Fiat Tipo Cross 1.0 T3

Fiat Tipo Cross 1.3 MultiJet

Fiat Tipo Cross 1.6 MultiJet

Motor / Antrieb

Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 74 kW/100 PS, 190 Nm bei 1500 U/min

Vierzylinder-Turbodiesel, 1248 cm³, 70 kW/95 PS, 200 Nm bei 1500 U/min

Vierzylinder-Turbodiesel, 1598 cm³, 96 kW/130 PS, 320 Nm bei 1500 U/min

Fahrleistungen

12,2 s auf 100 km/h, 183 km/h Spitze

13,8 s auf 100 km/h, 173 km/h Spitze

10,5 s auf 100 km/h, 200 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

5,8 l Super/100 km, 135 g CO₂/km

4,7 l Diesel/100 km, 125 g CO₂/km

4,8 l Diesel/100 km, 127 g CO₂/km

Maße

L 4,39 / B 1,80 / H 1,66 m

L 4,39 / B 1,80 / H 1,66 m

L 4,39 / B 1,80 / H 1,66 m

Kofferraum

440 l

440 l

440 l

Leergewicht / Zuladung

1335 / 425 kg

1390 / 425 kg

1435 / 425 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

500 / 1500 kg

500 / 1500 kg

500 / 1500 kg

Preis

ab 20.490 Euro

ab 22.490 Euro

ab 24.190 Euro

Tipo Fünftürer ab 17.490 Euro, Kombi ab 18.990 Euro

Text: Fabian Hoberg

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