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ACM City: Elektroauto mit Wechselakku

Zeichnung des ACM City Elektromobil
ACM-Forschungsprojekt: Elektroauto mit Wechselakku ∙ © ACM City

Das ACM City Elektromobil könnte das ideale Gefährt für die Stadt werden: klein, praktisch – und dank Wechselakku rund um die Uhr einsetzbar.

  • Forschungsprojekt: Stadtauto mit Elektroantrieb in Leichtbauweise

  • Akkus im Unterboden zum Herausnehmen/Tausch an der Wechselstation 

  • Konzipiert für den Einsatz im Carsharing, im Gewerbe und im Dienstleistungssektor

  • Akku-Wechselstationen: Konzept und Beispiele

Was ist das ideale Auto für die Stadt? Was muss es können? Wie muss es konstruiert sein? Diesen Fragen ist ein Konsortium aus Wirtschaft, Forschung und Beratungsinstitutionen intensiv nachgegangen. Das Ergebnis ist der "ACM City" – ein Leichtmobil mit elektrischem Antrieb. Nach sieben Jahren des Nachdenkens und Entwickelns wurde es im Herbst 2019 vorgestellt.

Wechselakku im Fahrzeugboden

Das Auto ist aus einem Forschungsprojekt hervorgegangen, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Lenkrad und Fahrerplatz sind in der Mitte des Fahrzeugs angeordnet. Dahinter, in Reihe zwei, befindet sich – je nach Auslegung und Bedarf – entweder ein großer Laderaum oder eine Zweiersitzbank für Passagiere.

Der Clou des Fahrzeugs wird erst sichtbar, wenn man die Schubladen unter dem Fahrzeug aufzieht: Hier sind links und rechts je vier Akkublöcke untergebracht. Um einen Akkublock herauszunehmen, ergreift man eine Schlaufe und hebt sie raus aus der Schublade. Das funktioniert, ohne irgendwelche Schrauben oder Befestigungen zu lösen. Plug and play: rausnehmen, reinstecken, fertig. Kontaktverbindung inklusive.

Jeder der acht Akkublöcke hat eine Energiekapazität von etwa 2 kWh, macht für den Antrieb in Summe 16 kWh. Sind alle Blöcke zu 100 Prozent geladen, soll die Energie für etwa 160 Kilometer Fahrstrecke in der Stadt reichen. Neigt sich der Energiegehalt zu seinem Ende, sucht der Fahrer eine Akkutausch- und Ladestation auf und wechselt die Akkupakete einfach aus. Die Stationen selbst stehen völlig unscheinbar am Straßenrand und sehen aus wie ein x-beliebiger kleiner Aufbewahrungs-Container.

City-Stromer für den 24-Stunden-Einsatz

Damit versorgt kann das Auto theoretisch rund um die Uhr im Einsatz sein. Im Carsharing-Personentransport, als gewerbliches Lieferfahrzeug, als Taxi, im Pflegedienst oder für den Einkauf. Für alle diese Einsatzgebiete ist der ACM City prädestiniert. Am wenigsten vermutlich für den Einzelnen im Privatbesitz – denn dem dürfte vor allem der Gedanke des Prestige-Objektes entgegenstehen.

Akku-Wechselstationen: Vorbild Better Place

Die Idee von Akku-Wechselstationen für Elektroautos ist nicht neu. Bekanntestes Unternehmen ist die Firma Better Place, die im Jahr 2011 begann – ausgehend von Israel, aber letztlich mit dem Ziel für ganz Europa – ein Netz von Wechselstationen zu errichten. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2007 von dem ehemaligen SAP-Manager Shai Agassi. Der umtriebige Manager hatte es verstanden, Staaten und Investoren von seiner Zukunftsvision zu überzeugen.

Als Partner auf Seiten der Automobilhersteller wurde Renault-Nissan gewonnen, dessen Modell Renault Fluence in einer Version mit wechselbarem Akku angeboten wurde. Das Projekt scheiterte nicht zuletzt am Unwillen der übrigen Autohersteller, sich der Idee anzuschließen. 2013 war die Firma Better Place pleite. Die Investition von etwa einer Milliarde Dollar hatte sich in Luft aufgelöst.

In China dagegen könnte sich die Idee einer Infrastruktur von Akku-Wechselstationen möglicherweise doch noch durchsetzen. Zumindest arbeitet die Firma Nio aktuell an solchen Plänen. Inzwischen sind schon mehr als 500.000 Batteriewechsel mit ihren beiden Modellen Nio ES6 und Nio ES8 durchgeführt worden. Es gibt zurzeit 135 Stationen zum Akkuwechseln in 59 chinesischen Städten, Und es werden mehr. Die Stationen verbinden vor allem die großen Metropolen: Peking, Shanghai, Shenzhen und Guangzhou.

Während im deutschen Forschungsprojekt der Akkuwechsel von den Fahrern selbst vorgenommen wird, funktioniert die Nio-Variante vollautomatisch per Roboter – ganz wie beim Vorbild von Better Place. Gute Ideen setzen sich durch? Vielleicht, aber wohl auch nur, wenn das Beispiel Nio Schule macht.

Damit solche Systeme keine Insellösungen bleiben, müssten sich die Automobilhersteller auf gemeinsame Standards für die Akkus einigen. Im Idealfall wäre der Akku aus einem Audi in einem Mercedes einsetzbar sein und so weiter. Mit einheitlichen Standards aber tut sich die Industrie erfahrungsgemäß schwer.