Alles, was man zum Fahren mit Anhänger wissen muss

12.7.2018

Um größere Lasten zu transportieren, sind Pkw-Anhänger ideal. Doch beim Fahren mit Anhängern – seien es kleine Baumarkt-Anhänger oder aber größere „Anhängsel“ wie Wohnwagen, Anhänger für Räder, Motorräder, Boote, Pferde oder Oldtimer – gibt es einiges zu beachten. Welchen Führerschein braucht man eigentlich? Was ist bei der Ladungssicherung zu beachten? Und: Ist das Fahrzeug für dieses Anhängegewicht geeignet?

Pferdeanhängt an einem Auto
Beladung, Tempolimit, Führerschein: Was beim Fahren mit Anhänger wichtig ist.

Der richtige Führerschein

Die richtige Fahrerlaubnis ist beim Fahren mit Anhängern die Grundvoraussetzung. Ob Sie für die Fahrt mit einem Pkw-Anhänger die Führerscheinklasse B (also den normalen Autoführerschein), B 96 oder BE benötigen, hängt im Wesentlichen von der zulässigen Gesamtmasse des Gespanns ab. Für den kleinen Baumarkt-Anhänger (bis 750 Kilo zulässiges Gesamtgewicht) beispielsweise genügt der Führerschein der Klasse B. Für Wohnwagengespanne ist sehr häufig der Führerschein B 96 ausreichend.

Welche Autos und Gespanne mit welcher Fahrerlaubnisklasse geführt werden dürfen, erfahren Sie hier

Maximale Anhängelasten beachten

Bei Pkw-Anhängern unterscheidet man zwei Typen: Gebremste Hänger mit eigener Bremsvorrichtung und ungebremste. Der Anhängertyp entscheidet auch über die maximale Anhängelast, die im Fahrzeugschein beziehungsweise in der Zulassungsbescheinigung für beide Typen vermerkt ist. Die maximalen Anhängelasten von Pkw variieren stark und liegen zwischen wenigen Hundert Kilogramm bis zu 3,5 Tonnen. Diese maximalen Lasten dürfen nicht überschritten werden.

Die wichtigsten Fahrzeuge und deren maximale Anhängelasten für gebremste und ungebremste Anhänger finden Sie hier (PDF-Download257,96 KB)

Anhänger richtig beladen

Verantwortungsvolle Beladung ist für die Sicherheit unerlässlich! Und das gilt nicht nur für große und schwere Anhänger wie zum Beispiel Wohnwagen, Boote oder Pferdeanhänger. Auch schon bei kleinen Baumarkt-Anhängern kann die Überladung beziehungsweise falsche Beladung schlimme Folgen haben, wie unsere Brems- und Ausweichtests gezeigt haben. Im schlimmsten Fall stürzt das Gespann um.

 

Tipps zum richtigen Beladen:

  • Schwere Lasten sollten unbedingt über der Achse des Anhängers transportiert werden, auf keinen Fall zu weit vorne oder hinten. Nur so erzielt man eine optimale Straßenlage und gewährleistet eine optimale Bremswirkung.
  • Die im Fahrzeugschein eingetragene zulässige Stützlast und die des Anhängers sollte beim Beladen möglichst ausgeschöpft, keinesfalls aber überschritten werden.
  • Lasten auf Anhängern sind so zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlichen Ausweichbewegungen nicht verrutschen, umfallen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können.
  • Grundsätzlich ist über das Gespann nach hinten herausragende Ladung deutlich zu kennzeichnen.

Übrigens: Überladung wird beim Pkw-Anhänger ebenfalls mit Bußgeldern und mit Punkten in der Flensburger Verkehrssünderkartei geahndet (bei Anhängern über 2 Tonnen zGG bereits ab mehr als 5 Prozent).

 

Anhänger richtig sichern

Zoom-In
Anhängerkuppling mit Sicherungsseil
Ein Sicherungsseil ist häufig Pflicht.

In Deutschland müssen Anhänger mit Auflaufbremse und einem zulässigen Gesamtgewicht von über 750 Kilogramm zusätzlich mit einem Abreißseil gesichert werden. Das zusätzliche Seil aus Draht soll die Bremse auslösen und so den abgekoppelten Anhänger schnellstmöglich zum Stillstand bringen. Wo es genau am Fahrzeug angebracht sein muss, ist in Deutschland nicht vorgeschrieben. Sofern technisch möglich, ist eine Befestigung des Abreißseiles durch eine Öse oder eine vorhandene Bohrung an der Kupplung ratsam. Ist das nicht möglich, genügt es, das Sicherungsseil als Schlaufe über den Kugelhals der Anhängerkupplung zu legen. Ein fehlendes oder nicht vorschriftmäßig angebrachtes Abreißseil zwischen Anhänger und Fahrzeug kann besonders im Ausland hohe Bußgelder nach sich ziehen. Viele Länder in Europa haben andere Bestimmungen. 


Besonderheit Schweiz, Österreich, Niederlande: Diese Länder schreiben auch bei ungebremsten Anhängern eine zusätzliche Sicherungsverbindung vor, die ein Losreißen des Anhängers vom Zugfahrzeug verhindert (z.B. Seil, Kette). Bei gebremsten und ungebremsten Anhängern ist sicherzustellen, dass das Seil nicht abrutschen kann (Öse, Haken, Schelle). Bei abnehmbaren Kupplungen muss das Abreißseil mit dem Fahrzeug verbunden sein (Öse am Halter, Kupplungsträger).

 

Alle Regelungen zum Sicherungsseil von Anhängern im Ausland lesen Sie in unserem Blog

 

 

Fahren mit (Boots)Anhänger

Sportboote auf Trailern sind so zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlichen Ausweichbewegungen nicht verrutschen, umfallen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können.

 

Hier lesen Sie alle Infos zum Fahren mit Bootsanhänger durch Europa

 

Im Video gibt JP Kraemer noch weitere Tipps, was Sie biem Fahren mit Anhänger beachten sollten: 

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Anhänger ankuppeln

  • Fahren Sie das Zugfahrzeug möglichst nahe und gerade an den Anhänger heran. Ziehen Sie die Handbremse an und schalten Sie den Motor aus und .
  • Achten Sie darauf, dass der Anhänger und das Auto beim Ankuppeln auf einer geraden Ebene stehen.
  • Lösen Sie als Nächstes die Feststellbremse am Anhänger und kuppeln Sie diesen an. Die Kupplung muss einrasten, achten Sie dabei auf die Markierung.
  • Wenn der Anhänger gebremst ist, muss das dafür zuständige Abreißseil über die Anhängerkupplung eingehakt werden. Falls sich der Anhänger während der Fahrt abkuppelt, löst das Seilsystem den Bremsmechanismus des Anhängers aus.
  • Als Nächstes muss die Elektrik des Anhängers mit dem Auto verbunden werden. Auch hier gibt es verschiedene Systeme. Falls ein Stecker nicht mit dem Anschluss am Auto kompatibel ist, kann ein passender Adapter dazwischen gesteckt werden.
  • Jetzt müssen Sie das Stützrad einfahren und sichern. 
  • Überprüfen Sie vor dem Losfahren, ob alle Lichter am Anhänger funktionieren und stellen Sie sicher, dass Abreißseil und Kabel nicht auf den Boden hängen.
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Rückwärts rangieren

  • Stellen Sie Ihren Innen- und Außenspiegel so ein, dass Sie Ihren Anhänger gut sehen können.
  • Lenken Sie langsam, da vor allem kleine Anhänger sehr stark auf große Lenkradeinschläge reagieren.
  • Wenn Sie sich mit den Abständen nicht sicher sind, sollten Sie stehenbleiben und aussteigen. Nur so wissen Sie genau, wie viel Rangierraum Sie noch haben. Wenn Sie zu zweit sind, kann Ihnen Ihr Mitfahrer Anweisungen geben.
  • Je steiler der Winkel ist, in dem Sie zur Parklücke stehen, umso schwerer wird das Einparken. Wenn möglich, dann fahren Sie Ihr Auto etwas weiter von der Parklücke weg, damit Sie in einem sanften Bogen einparken können.
  • Fahren Sie langsam, damit Sie rechtzeitig bremsen und reagieren können. Außerdem können Sie den Anhänger so viel besser kontrollieren.

 

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Hänger fahren üben

Wer lange nicht mehr oder noch nie mit Anhänger gefahren ist, sollte unbedingt vorher auf einer großen Fläche oder einem Verkehrsübungsplatz bzw. Fahrsicherheitszentrum üben. Insbesondere das Rangieren und Rückwärtsfahren haben es in sich. Im Hinterkopf sollte man immer haben, dass sich der Hänger beim Rückwärtsfahren anders verhält, als man es erwartet: Er bewegt sich in entgegengesetzter Richtung des Lenkradeinschlags. Vorsicht auch bei starkem Wind oder beim Befahren von Brücken! Große Fahrzeuge haben eine größere Windangriffsfläche als kleine. Auch leere Anhänger sind windanfälliger als Anhänger mit voller Ladung. 

Wichtiger Tipp für Gefahrensituationen: Falls der Hänger doch mal ins Schlingern gerät, empfehlen wir, die Geschwindigkeit durch leichtes Bremsen vorsichtig zu verringern, anstatt der Pendelbewegung hektisch entgegen zu lenken.


Weitere wichtige Bestimmungen

Bevor Sie mit Ihrem Gespann losfahren, sollten Sie sich über einige andere wichtige Bestimmungen im Klaren sein. Dazu zählen:

  • Abmessungen: Ein Fahrzeug darf auf Deutschlands Straßen nur in Ausnahmefällen eine zulässige Gesamtbreite von 2,55 m überschreiten. Für Pkw gilt eine maximal zulässige Breite von 2,5 m. Möchten Sie an Ihrem Wagen z. B. einen Bootsanhänger oder einen Wohnwagen befestigen, müssen Sie die maximal zugelassene Länge des Anhängers von zwölf Meter beachten.
  • Ladungskennzeichnung: Grundsätzlich ist über das Gespann nach hinten herausragende Ladung deutlich zu kennzeichnen. In Deutschland ist bei Dunkelheit sogar eine beleuchtete Kennzeichnung erforderlich.
  • Spiegel: Ist der Anhänger breiter als das Zugfahrzeug, werden Zusatzaußenspiegel benötigt. Der Fahrzeuglenker muss auch beim Mitführen von Anhängern nach rückwärts und seitwärts alle für ihn wesentlichen Verkehrsvorgänge beobachten können.
  • Tempolimit: In Deutschland ist die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit für Hänger-Fahrer auf 80 Kilometer pro Stunde beschränkt. Wenn Sie schneller fahren wollen, muss Ihr Anhänger bestimmte Auflagen erfüllen (z.B. die Anhängerreifen müssen für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt sein) und dies in den Fahrzeugpapieren vermerkt sein. Dies gilt nur auf Autobahnen und Schnellstraßen, mehr als 100 Stundenkilometer sind aber auch da nicht erlaubt.
  • Parken: Das Parken von angekoppelten Wohnwagen, Pferde-Anhängern etc. im öffentlichen Verkehrsraum ist grundsätzlich erlaubt. Wenn Sie den Anhänger ohne Pkw dort parken, ist dies für maximal zwei Wochen am Stück gestattet.

Mehr Details finden Sie hier


Vorschriften und Bestimmungen im Ausland

Die rechtlichen Vorschriften und Bestimmungen zum Anhängerbetrieb der verschiedenen Länder unterscheiden sich zum Teil erheblich von den deutschen. Besonders die Tempolimits und die Pflichten zur Ladungskennzeichnung weichen stark voneinander ab. Bei Missachtung drohen hohe Geldbußen! Besondere Vorschriften gelten in Italien. Dort müssen alle hinten über ein Fahrzeug hinausragende Ladungen mit einer 50 x 50 Zentimeter großen, rot-weiß gestreiften, reflektierenden Warntafel gekennzeichnet sein. In Spanien ist eine genauso große rot-weiß schraffierte Warntafel vorgeschrieben.