Testfahrt Honda e:Ny1: Holt Honda jetzt auf?

Front und Seitenansicht eines fahrenden Honda e:NY1
Der Honda e:Ny1 sieht dem Honda HR-V zum Verwechseln ähnlich© Honda

Honda bringt sein zweites Elektroauto auf den Markt: den Honda e:Ny1. Mit brauchbarer Reichweite könnte das elektrische Kleinwagen-SUV durchaus eine Alternative zu Opel Mokka-e und Volvo EX30 sein. Wenn der Preis nicht wäre. Testfahrt, Daten, Bilder.

  • Elektrisches Kleinwagen-SUV Honda e:Ny1 ab sofort zu haben

  • 68,8-kWh-Batterie für 412 Kilometer WLTP-Reichweite

  • Preis ab 47.590 Euro

Bei der Elektromobilität müssen die Japaner langsam Gas geben. Bislang war nicht nur das E-Auto-Angebot von Mazda, Toyota, Honda und Co. dürftig, auch die Autos selbst setzten keine Maßstäbe – zurückhaltend ausgedrückt. Von den Koreanern und Chinesen wurden sie mit besseren Angeboten links und rechts überholt.

Bestes Beispiel: der Honda e. Der Kleinwagen ist ein Hingucker, innen wie außen, mit Kamera-Spiegeln, Mini-Wendekreis und flottem Fahrverhalten. Aber viel zu teuer und reichweitenschwach. Und daher ein Ladenhüter.

Elektro-SUV mit sperrigem Namen

Heck und Seitenansicht eines fahrenden Honda e:NY1
Honda e:Ny1 mit schnörkellosem Design© Honda

Mit Hondas zweitem E-Auto soll das anders werden. Potenziellen Käuferinnen und Käufern muss aber zunächst einmal dessen Name unfallfrei über die Lippen gehen. E:Ny1 wird englisch und in Einzelbuchstaben ausgesprochen, also "ihenweiwon", den Doppelpunkt man kann sich sparen. Simpler wäre gewesen, Honda hätte sein neues Elektro-SUV einfach "HR-V Electric" genannt, denn optisch ist der Neuling vom HR-V kaum zu unterscheiden, und auch die Größe ist in etwa die gleiche. Doch laut Honda hätte der e:Ny1 technisch mit dem HR-V nichts zu tun, die Elektro-Plattform sei eine komplett eigene.

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Honda verspricht 412 Kilometer Reichweite

Sei’s drum. Wichtiger ist, was der Japaner kann. Und hier sieht es ganz gut aus. Im Unterboden steckt eine Batterie mit einer Kapazität von 68,8 kWh, netto nutzbar sind 61,9 kWh. Im Vergleich zum Opel Mokka Electric mit 50 (netto 48) kWh ist das schon mal besser. Honda verspricht eine Reichweite von 412 Kilometern, im Alltag könnten im Mischverkehr also rund 350 Kilometer realistisch sein. Den Verbrauch gibt Honda mit 18,2 kWh auf 100 Kilometer an. Batterie-Alternativen gibt es nicht.

Auf Langstrecken ist aber nicht nur die tatsächliche Reichweite wichtig, sondern auch die Ladeleistung entscheidet, wie schnell man ans Ziel kommt. Hier ist der e:Ny1 aber nur unterdurchschnittlich aufgestellt: Mit einer maximalen Ladeleistung an CCS-Schnellladesäulen von 78 kW macht man heute keinen Staat mehr, was auch die angegebene Ladezeit von 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent statt der sonst durchaus üblichen 30 Minuten verdeutlicht. Wie schnell der Honda tatsächlich nachladen kann, muss ein kommender ADAC Test zeigen.

Beim AC-Laden an der Wallbox sind maximal 11 kW möglich, sodass eine komplett leere Batterie rund sechs Stunden für eine volle Ladung braucht.

Elektroauto zwischen klein und kompakt

Seitenansicht eines fahrenden Honda e:NY1
Die hinteren Türgriffe hat Honda elegant versteckt© Honda

Wer aber nicht täglich auf Langstrecke geht, für den könnte der e:Ny1 ein attraktives Fortbewegungsmittel sein. Da ist zum einen die Größe, die mit 4,39 Metern Länge genau zwischen einem Kleinwagen- und einem Kompakt-SUV liegt und für viele daher genau das richtige Maß darstellt. Das Platzangebot ist gut, auch im Fond zwickt es nicht, zumindest wenn vorn keiner im XXL-Format Platz genommen hat.

Das Kofferraumvolumen – 361 Liter in der Basisversion, 344 mit Advance-Paket – sollte für kleines Familiengepäck reichen. Das Advance-Paket hat neben weiteren Zusatz-Extras wie 360-Grad-Kamera, automatischem Park-Assistenten und beheizbarem Lenkrad noch den Vorteil eines Panoramaglasdachs und damit den lichteren Innenraum mit entsprechend besserem Raumgefühl zu bieten.

Die Bedienung ist gut gelöst

Touchpad des Honda e:NY1
Sieht verwirrend aus, ist es aber nicht: Der Bildschirm ist in drei Bereiche unterteilt© Honda

Zum anderen kann man sich mit dem schnörkellos gezeichneten e:Ny1 schnell anfreunden. Im Cockpit finden sich wertige, aber nicht übertrieben edle Materialien. Die Verarbeitung ist gut und die Bedienung sinnfälliger als bei den meisten Konkurrenten, selbst wenn der große Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts zunächst überfrachtet wirkt.

Aber die Übersicht ergibt sich schnell, verstehen muss man nur, dass der Touchscreen dreigeteilt aufgebaut ist: Im unteren Drittel befindet sich die Klimaanlagen-Bedienung, die permanent angezeigt wird und mit großen und eindeutig beschrifteten Touchflächen keine Schwierigkeiten macht. Durch Menüs quälen muss man sich im Elektro-Honda schon mal nicht, nur um die Temperatur einzustellen. In der Mitte des Bildschirms sind die "Apps" für die üblichen Einstellungen über große Kacheln angesiedelt. Und ganz oben lässt sich zwischen Navi, Kamera und Apple Car Play bzw. Android Auto switchen. Eigentlich ganz simpel und schnell zu erfassen.

Der Motor leistet 150 kW/204 PS

Heckansicht eines fahrenden Honda e:NY1
Federt gut, fährt leichtfüßig: Honda e:Ny1© Honda

Das Fahren stellt ebenfalls niemanden vor größere Herausforderungen. Via Drucktasten wird die Gangart gewählt, und schon geht’s Elektroauto-üblich verzögerungsfrei los. Das Fahrpedal lässt sich für ein sanftes Anfahren gut dosieren, und wer es etwas stärker durchdrückt, merkt, dass im Honda auch sportliches Potenzial steckt. Mit Leichtigkeit gewinnt das Elektroauto an Tempo, 100 km/h sind nach flotten 7,6 Sekunden erreicht. Mehr Leistung als die 150 kW/204 PS des Elektromotors wären schlicht unnötig, der Honda ist gut motorisiert.

Auch Federungs- und Geräuschkomfort lassen für diese Fahrzeugklasse keine Wünsche offen. Dass die Spitze bei 160 km/h begrenzt wird, ist nicht unüblich (ein elektrischer Jeep Avenger fährt nur 150 km/h) und in der Praxis kein wirklicher Nachteil. Schließlich fahren E-Auto-Nutzerinnen und -Nutzer der Reichweite wegen meist ohnehin langsam.

Hoher Preis, keine Anhängelast

Es gibt aber noch zwei Haken am Honda e:Ny1 mit mehr Relevanz. Zum einen der Preis. Die Basis liegt bereits bei stolzen 47.590 Euro und die besser ausgestattete Version mit Advance Paket bei 51.490 Euro vor Förderung. Zum Vergleich: Der elektrische Jeep Avenger steht ab 37.000 Euro in der Liste, der Volvo EX30 ab 36.590 Euro (41.800 Euro mit vergleichbar großer Batterie).

Und dass weder eine Anhängelast noch eine Stützlast oder eine Dachlast zugelassen sind, lässt all die Kundinnen und Kunden außen vor, die einen Anhänger ziehen wollen oder schlicht Fahrräder transportieren möchten. Zumindest für Letzteres will sich Honda noch eine Lösung überlegen. Das sollte schnell passieren, denn einen zweiten elektrischen Ladenhüter will sich Honda sicher nicht leisten.

Honda e:Ny1: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Honda e:Ny1 (ab 10/23)

Honda e:Ny1 Advance Paket (ab 10/23)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150
150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204
204

Drehmoment (Systemleistung)

310 Nm
310 Nm

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

7,6 s
7,6 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h
160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

412 km
412 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

18,2 kWh/100 km
18,2 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

68,8
68,8

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:78,0
AC:11,0 DC:78,0

Kofferraumvolumen normal

361 l
344 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.176 l
1.136 l

Leergewicht (EU)

1.730 kg
1.730 kg

Zuladung

350 kg
350 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km
3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.387 mm x n.b. x 1.584 mm
4.387 mm x n.b. x 1.584 mm

Grundpreis

38.990 Euro
41.990 Euro

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