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- Elektroauto im Dauertest, ADAC Test 07/2017 -

80.000 km mit dem Nissan Leaf – er fährt und fährt und fährt …


… und brachte seine Fahrgäste auch unter extremen Bedingungen (-22 °C bis +35 °C), ans Ziel. Einmal war aufgrund einer defekten 12 V Starterbatterie die Fahrt erst nach Starthilfe möglich. Mit zunehmendem Alter und steigender Laufleistung schlichen sich kleine Verschleißerscheinungen ein. So brach z. B. der Zughebel für den Ladedeckel. Im Herbst 2016 häuften sich ESP Eingriffe ohne erkennbaren Grund. Der Austausch des Lenkwinkelsensors behob das Problem. Spürbar ist inzwischen die Abnahme der Batteriekapazität. Waren anfangs noch Fahrten von bis zu 113 km ohne Nachladen möglich, schrumpft die reale Reichweite langsam aber kontinuierlich auf unter 90 km. Im Kurzstreckenbetrieb kein Problem, doch für längere Stecken werden zunehmend andere Fahrzeuge aus unserem Fuhrpark genutzt und der Leaf bleibt immer öfter stehen. Neben der geringer werden Batteriekapazität tragen im Winter – neben der elektrischen Heizung – auch eine eingeschränkte Rekuperation dazu bei, dass die Reichweite weiter sinkt.


Ergebnisse im Detail

Die im ADAC Dauertest-LEAF eingesetzte Batterie (laut Nissan eine der „ersten Generation“) wurde in den 80.000 gefahrenen km (Stand Mai 2017) über 1.450 Mal geladen (inkl. CHAdeMO-Schnell- und Teilladungen).
  • Reichweite

    Die Speicherkapazität und somit die mögliche Reichweite ist zurückgegangen. Die Anzeige auf dem Armaturenträger zeigt diese Einschränkung durch ein fehlendes Segment an.


    Leaf2017_04_350x300.jpg


    Im Nissan Autohaus wurde beim ADAC Dauertester der Status der Batterienutzung im Zuge des Wartungsintervalls ausgelesen. Dieser signalisierte über ein Sterne-Bewertungssystem, es sei alles im grünen 

    Bereich: Ladung und Nachladung, Nutzung und Lagerung sind mit vier bzw. fünf von fünf Sternen bewertet. Elf der max. zwölf Batteriesegmente für die Restkapazität sind aktiv.


    Leaf2017_02_350x495.jpg

    Auch beim Reichweitentest des ADAC auf dem Prüfstand ist eine Abnahme der erreichbaren Fahrstrecke bei konstanter Geschwindigkeit und unter konstanten Rahmenbedingungen feststellbar. So reduzierte sich die Prüfstandsreichweite von 105 km (km-Stand: 29.688) auf nunmehr 93 km (km-Stand: 79.900), das sind knapp 89 Prozent der ursprünglichen Reichweite.

    Leaf2017_03_350x252.jpg
    (Anmerkung: Die auf dem Prüfstand ermittelten Werte dienen der reproduzierbaren Vergleichbarkeit und sind nicht direkt auf die Straßen übertragbar.)

  • Warum nimmt die Reichweite ab?

    Li-Ionen Batterien altern bei jedem Ladevorgang (zyklische Alterung) aber auch bei der Nichtnutzung verlieren die Zellen an Speicherfähigkeit (kalendarische Alterung). Beide Alterungsphänomene verringern die Kapazität und wirken gleichzeitig. 


    Folgende Punkte haben Einfluss auf die Alterung der Li-Ionen Batterien: 

    • Hohe Temperaturen: Je höher die Temperatur der Batterie, desto höher ist die kalendarische Alterung. 
    • Schnellladung (CHAdeMO) erhöht die Alterung. Daher sollte nur schnellgeladen werden, wenn die Fahrt zeitnah fortgesetzt werden soll.  
    • Schnelle Autobahnfahrten erhöhen die Alterung, da hoher Stromfluss die Zelle stärker aufheizt. 
    • Nachladen von kaum entladenen Batterie: Entnimmt man einer vollen Batterie weniger als 10 % der Batteriekapazität, sollte sie nicht sofort nachgeladen werden, sondern damit weitergefahren werden, denn sowohl die Ladeverluste, als auch die Alterung der Batterie steigen in diesem Bereich deutlich an. Zudem ist bei voller Batterie die Rekuperation systembedingt eingeschränkt.

  • Was bedeutet das für die Auswahl eines Elektroautos
    Falls Sie Sich ein Elektroauto zulegen wollen, planen Sie eine Reichweitenreserve von etwa 1/3 ein, damit Sie beispielsweise Ihren Arbeitsweg nach einigen Jahren auch mit gealterter Batterie und im Winter noch schaffen.

  • Garantie des Herstellers auf die Antriebsbatterie
    Die Batterie ist mit das teuerste Bauteil eines Elektroautos. Gegen die vielzitierte Meinung vieler Autofahrer ist ein kompletter Tausch der Batterie nicht nötig. Da alle Zellen in Reihe geschaltet sind, ist die schwächste Zelle diejenige, die die Kapazität der restlichen Zellen begrenzt. Daher reicht es meist, die schwächste(n) Zelle(n) auszutauschen. Innerhalb der Batterie-Garantie ist eine Reparatur für den Kunden kostenlos. 
    Die Garantie würde bei unserem Nissan LEAF mit der 24 kWh-Batterie innerhalb fünf Jahren oder 100.000 km greifen. Kriterium dafür ist das Unterschreiten von 9 der 12 Segmente der Batteriestatusanzeige auf dem Armaturendisplay. Für den Leaf mit der 30 kWh-Batterie gewährt NISSAN eine Garantie von 8 Jahre oder 160.000 km.

  • Wartung und Reparaturen
    Der Nissan LEAF benötigt wenig Aufmerksamkeit. Verglichen mit einem Verbrennungsfahrzeug braucht er nie zum Tanken, auch Ölstands-Kontrollen erübrigen sich. Dafür will er ziemlich häuft geladen werden. Über 1.450 wurde er bislang teil-, voll- oder mittels CHAdeMO-Stecker schnell geladen. Alle anderen Pflegeaktionen sind vergleichbar mit denen eines Verbrennungsfahrzeuges. 

    Der Nissan muss spätestens nach 30.000 km oder nach 12 Monaten zur Wartung. Alle 24 Monate ist diese etwas umfangreicher. Alle 60 Monate oder 60.000 km (bei 90.000 erstmals) sind die Kühlflüssigkeiten zu wechseln. Die Standardkosten belaufen sich bei unserem LEAF im jährlichen Wechsel zwischen 140 und 200 Euro. Die 60-Monate-Wartung inkl. Kühlflüssigkeitswechsel und R134A Klimaanlagen-Check kostet ca. 400 Euro.

    Außerplanmäßig in die Werkstatt musste unser Leaf wegen
    • Eingeschränkte Rekuperation bei Kälte, wozu die Ermittlung der Ursache noch nicht abgeschlossen ist. 
    • Austausch des Lenkwinkelsensors im März 2017, womit das ESP-Problem behoben wurde. 
    • Austausch des gebrochenen Hebels zum Entriegeln der Ladeklappe bei km-Stand 78.000, was mit üppigen 118 Euro zu Buche schlug.
    • Eine Roststelle in der Motorhaube (innen) wurde im September 2015 ausgebessert.
    • Eine Achsmanschette wurde nach Marderbiss bei 40.017 km erneuert.
    • Bei km 38.087 leuchtete die Motorkontrollleuchte wegen zweier sporadischer Fehler auf, welche nach Löschung nicht wieder aufgetreten sind. 
    • Eine defekte 12 V Starterbatterie gegen eine neue Batterie getauscht.

  • Verkehrssicherheit
    Technisch ist der LEAF in einem guten Zustand: Die letzte TÜV-Prüfung (05/2017) bestand er ohne Mängel. 
    Hinweise gab es von Seiten des Nissan Händlers beim Kundendienst (05/2017) zu den vier verbauten Bremsscheiben. Das Tragbild der Scheiben sei aufgrund der geringen Bremsaktivität problematisch und könne zu einem frühzeitigen Austausch führen.

  • Ausblick
    Unser LEAF-Dauertest geht weiter, nächstes Ziel: 100.000 km.

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