Elektroauto: Die ideale Batteriegröße

Mazda MX 30 fährt an einer Windanlage vorbei
Konsequent ökologisch sind E-Autos mit Grünstrom – und wenn sie einen eher kleinen Akku haben ∙ © Mazda

Es gibt viele gute Argumente für eine möglichst große Batterie. Ökologische Gründe sprechen aber eher für einen kleinen Akku. Wir erklären alle Vor- und Nachteile – damit Sie die beste Entscheidung für sich treffen können.

  • Reichweite ist nicht mehr das wichtigste Kriterium

  • Auch der ökologische Fußabdruck sollte passen

  • Beim Zweitfahrzeug genügt oft der kleinere Akku

Elektroauto? Nein, danke! Bei der Kundenakzeptanz von Elektroautos war lange Zeit deren bescheidener Aktionsradius das beherrschende Thema – und damit meist ein Ausschlusskriterium. Wenig verwunderlich: Maximale Alltagsreichweiten von 100 bis 150 Kilometern erschienen den meisten Autofahrern nicht praxistauglich.

Es zählen nicht allein Reichweite und Preis

Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Batterien für Elektroautos sind immer besser und billiger geworden – bei gleichzeitig gestiegener Batteriekapazität. So haben sich die erzielbaren Reichweiten in etwa verdoppelt, die Alltagstauglichkeit von E-Autos steht kaum noch infrage. Aktuell werden selbst in der mittleren Preisklasse Fahrzeuge mit zwei oder sogar drei verschiedenen Akkugrößen angeboten. Inzwischen ist die Situation endlich so, wie sie sein soll: Der Kunde hat eine Wahl.

Damit rückt für Elektroautokäufer nun eine ganz andere Frage in den Vordergrund: Welche Batteriegröße ist nicht nur alltagspraktisch, sondern zugleich auch ökologisch sinnvoll? Genügt die kleine Batterie, oder muss es doch eher die große sein?

Diese Modelle gibt es mit unterschiedlichen Akkugrößen

Modell

Batterie in kWh

Reichweiten (WLTP) in km

Audi e-tron

71 / 95

338 / 437

Citroën e-SpaceTourer

50 / 75

213 / 330

Fiat 500

23,8 / 42

180 / 321

Ford Mach-E

75,7 / 98,7

440 / 610

Hyundai Kona

39,2 / 64

305 / 484

Kia e-Niro

39,2 / 64

289 / 455

Kia e-Soul

39,2 / 64

276 / 452

Nissan Leaf

40 / 62

270 / 385

Opel Zafira e-Life

50 / 75

231 / 329

Porsche Taycan

79 / 93

408 / 464

Renault Zoe

41 / 52

316 / 395

Skoda Enyaq

55 / 62 / 82

340 / 390 / 510

Tesla Model 3

55 / 75

430 / 567

VW ID.3

48 / 62 / 82

n. b. / 426 / 549

VW ID.4

62 / 82

n. b. / 522

Der ökologische Fußabdruck ist wichtig

Hintergrund der Diskussion ist die CO₂-Gesamtbilanz von Elektroautos, in der die energieaufwendige Produktion von Lithium-Ionen-Batterien mitgerechnet wird. Dabei gilt: je größer der Akku, desto größer der CO₂-Fußabdruck. In unseren Berechnungen gehen wir davon aus, dass pro Kilowattstunde Kapazität rund 100 Kilogramm CO₂ bei der Batterieproduktion anfallen.

Ein Beispiel, was das bedeutet: Für die Herstellung der kleinen Batterie des Hyundai Kona fallen 3920 Kilogramm CO₂ an, bei der großen Batterie sind es 6400 Kilo. Die Differenz entspricht ungefähr der CO₂-Belastung, die ein deutscher 2-Personen-Haushalt in zwei Jahren durch seinen individuellen Stromverbrauch zu Hause verursacht. Oder aufs Autofahren bezogen ausgedrückt: Der Kona mit der großen Batterie hat bei seiner Anmeldung schon genauso viel CO₂ verursacht wie ein Kona mit kleiner Batterie, der bereits 30.000 Kilometer gefahren ist.

Der größere CO₂-Fußabdruck ist aber nicht der einzige Nachteil der größeren Batterie: Ihr Mehrgewicht bedeutet höhere Energieverbräuche beim Fahren. Im Beispiel des Hyundai Kona verbraucht die kleine Variante 0,4 kWh pro 100 Kilometer weniger. Über die Jahre der Nutzung kommen damit entsprechend größere CO₂-Belastungen und höhere Kosten fürs Aufladen zusammen.

Der dritte Makel ist der höhere Bedarf an Rohstoffen. In einem größeren Akku befinden sich mehr Batteriezellen, also mehr seltene und teure Materialien. Kurz gesagt: Eine kleine Batterie verursacht insgesamt deutlich weniger Umwelt- und Klimaschäden als eine große. Dessen sollte man sich bei seiner Wahl bewusst sein.

Die Wahl der passenden Batteriegröße ist mit Blick auf die individuellen Bedürfnisse, dem jeweiligen Nutzungsverhalten sowie den Umgebungsbedingungen ohnehin schon schwierig. Und die Auswahl wird durch die ökologische Betrachtung nicht gerade leichter – im Gegenteil.

Entscheidend für die richtige Kaufentscheidung kann zum Beispiel sein, ob das Elektroauto das einzige Auto im Haushalt ist oder ob es mehrere Fahrzeuge gibt. Wer oft Strecken von 250 Kilometern und mehr am Stück fahren möchte und für diese Fälle nicht auf ein Verbrennerfahrzeug umsteigen kann (oder will), greift besser zu dem Modell mit der größeren Batterie – oder nimmt in Kauf, auf der Strecke zwischenladen zu müssen.

Ein größerer Akku für mehr Flexibilität

Batteriesystem
Serienfertigung von Akkus: Mal mehr, mal weniger Module ∙ © Volkswagen

Elektroautos mit einer größeren Batterie haben übrigens oft höhere Motorleistungen – und sie ermöglichen an der Schnellladesäule höhere Ladeleistungen. Besonders beim Langstreckeneinsatz ist das von entscheidender Bedeutung: Der Käufer spart sich Zeit zum Nachladen und vermeidet Stress durch Reichweitenangst oder Sparfahrten.

Auch die Flexibilität in der Planung ist mit der größeren Batterie besser. Sie besitzt schlichtweg mehr Optionen für spontane Fahrten oder unvorhergesehene Umwege. Einfach drauflosfahren, ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob auf dem Weg eine passende freie Säule ist – das ist unbestreitbar ein Stück automobiler Freiheit.

Ein weiterer Vorteil der größeren Batterievariante ist noch weniger bekannt: die längere Lebensdauer. Sie resultiert daraus, dass eine größere Batterie für die gleiche Laufleistung weniger Ladezyklen braucht. Das heißt: Sie altert weniger schnell als eine kleine Batterie. Beispiel: Nach 200.000 Kilometern Laufleistung hat ein Elektroauto mit 200 Kilometern Reichweite bereits mindestens 1000 Ladezyklen durchlaufen, ein Elektroauto mit größerer Batterie und 300 Kilometern Reichweite nur 670 Ladezyklen. Und das ist ein enormer Unterschied.

Da eine Batterie mit dem Alter an Kapazität verliert, bietet eine größere Batterie mehr Reichweitenpuffer an: Die über die Jahre der Nutzung nachlassende Reichweite fällt bei einer großen Batterie nicht so stark ins Gewicht wie bei der kleinen.

Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht

Fazit: Bei der Wahl der richtigen Akkugröße sind sowohl ökonomische als auch ökologische und alltagspraktische Argumente zu berücksichtigen. Eine pauschale Empfehlung kann es nicht geben. Käufer eines Elektroautos sollten aber genau abwägen, welche Reichweite sie wirklich brauchen, und die Batterie nur so groß wählen wie notwendig. Auf der Kurzstrecke, also als das klassische Fahrzeug eines Berufspendlers eingesetzt, reicht fast immer die kleinere Batterie.

Klein oder groß? Der Überblick

Kleine Batterie

Plus: günstiger in der Anschaffung, bessere Ökobilanz/kleinerer CO₂-Rucksack, Gewicht und Verbrauch geringer, weniger Rohstoffe enthalten
Minus: kleinere Reichweite, geringere Schnellladeleistung, geringere Flexibilität im Alltag, häufigeres Aufladen nötig, Degradation fällt schwerer ins Gewicht, schlechterer Wiederverkauf, schlechtere Wintertauglichkeit

Große Batterie

Plus: größere Reichweite, höhere Schnellladeleistung, größere Flexibiliät im Alltag, selteneres Aufladen nötig, höhere Lebensdauer, besserer Wiederverkaufswert, bessere Wintertauglichkeit
Minus: teurer in der Anschaffung, schlechtere Ökobilanz/größerer CO₂-Rucksack, höheres Gewicht und Verbrauch, mehr Rohstoffe enthalten

Tipps zur Erhaltung der Batterieleistung

Auch wenn das Energiemanagement des Autos dafür sorgt, dass die Batterie nicht in kritische Zustände kommt, kann der Nutzer durch sein Verhalten die Lebensdauer ähnlich positiv beeinflussen wie die eines Verbrennungsmotors, für den zum Beispiel hohe Drehzahlen bei kaltem Motor "Gift" sind. Genauso gibt es bei Elektroautos Verhaltensweisen, welche die Batterie schonen und somit eine lange Lebensdauer bewirken:

  • Das Elektroauto nur dann komplett vollladen, wenn es notwendig ist. Für den täglichen Bedarf ist eine Begrenzung auf 80 – 90 Prozent meist ausreichend und schont die Batterie.

  • Häufiges, starkes Entladen der Batterie reduziert die Lebensdauer.

  • Lange Standzeiten mit komplett geladener oder stark entladener Batterie vermeiden.

  • Möglichst mit niedrigen Leistungen laden. Häufiges Schnellladen mit hohen Strömen wirkt sich negativ auf die Lebensdauer aus.

  • Auch wenn es beim E-Auto besonders Spaß macht: Starkes Beschleunigen strapaziert die Batterie, vorausschauendes und gleichmäßiges Fahren schont sie.

  • Die Batterie mag – wie Menschen auch – weder große Hitze noch extreme Kälte. Im Sommer sollte möglichst im Schatten geparkt werden, im Winter ist ein Platz in der Garage ideal.

  • Wird das Elektroauto längere Zeit nicht genutzt, sollte es mit einem Akkuladezustand zwischen 30 bis 70 Prozent abgestellt werden.

Fachliche Beratung: Matthias Vogt, ADAC Technik Zentrum